Scarlet Nexus in der Vorschau: Stylisches "Brain-Punk"-JRPG
Special 42,49 €
Scarlet Nexus will der neue Stern am JRPG-Himmel sein. Das von Bandai Namco entwickelte Rollenspiel setzt auf ein Action-Kampfsystem und eine ansprechende Anime-Grafik, die stark an den Nintendo-Titel Astral Chain aus dem Jahre 2019 erinnert. Dahinter verstecken sich aber einige frische Ideen und viel Eigenständigkeit. Wir durften uns Scarlet Nexus genauer ansehen und verraten euch in dieser Vorschau, was ihr euch vom "Brain-Punk"-Spiel erwarten dürft.
Zuallererst: Eigentlich bin ich kein großer Fan von solch "eher speziellem Japano-Gedöns" (sorry!). Damit meine ich nicht die gesamte japanische Popkultur, da gibt es nämlich unzählige Werke, die einen festen Platz in meinem Herzen haben. Das fantastische Final Fantasy 7 zählt für mich zu den besten Spielen aller Zeiten, Pokémon gehört als Kind der 90er-Jahre natürlich zum guten Ton und Meisterwerke der Anime-Kultur wie One Piece, Neon Genesis Evangelion, Your Name oder die unzähligen Miyazaki-Filme haben mir schon den einen oder anderen verregneten Sonntag gerettet.
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Doch mit "eher speziellem Japano-Gedöns" (sorry!) meine ich jene Geschichten und Werke - ob interaktiv oder nicht -, welche sich meist auf Hauptfiguren konzentrieren, die eher durch Teenie-Gehabe in Erinnerung bleiben denn als übermenschliche Verteidiger der Welt. Zusätzlich glänzen jene Werke meist mit abstrusen und verwirrenden Handlungen, einer heftigen Überinszenierung und viel Kitsch. Das soll keine Wertung sein, aus rein persönlicher Sicht holt mich so etwas aber einfach nicht ab.
Letztes Jahr durfte ich jedoch den gelungenen Action-Titel Astral Chain aus dem Hause Platinum testen und musste mir eingestehen: Ich hatte richtig, richtig viel Spaß mit dem Ding! Das lag zum einen an dem fantastischen Monster-Design, zum anderen am sehr spaßigem Gameplay mitsamt clever umgesetzter Lern- und Motivationskurve.
Quelle: Bandai Namco
Das Design der Spielwelt und der Monster ist der große Pluspunkt von Scarlet Nexus, der es von ähnlichen Titeln abhebt.
Auf dem "Inside Xbox"-Event im Mai 2020 wurde Scarlet Nexus (jetzt kaufen 14,26 € / 42,49 € ) mit einem schicken Trailer angekündigt. Bis zum allerletzten Frame war ich davon überzeugt, dass es sich bei dem gezeigten Material um einen Xbox-Ableger oder ein Sequel zu Astral Chain handeln müsse. Falsch gedacht, mit Scarlet Nexus kündigen statt Platinum Games die Frauen und Männer von Bandai Namco eine vollkommen neue Marke im Rollenspiel-Gewand an. Trotz alledem gibt es jede Menge Überschneidungen zwischen den beiden Titeln, Scarlet Nexus hat aber auch einige frische Ansätze im Gepäck.
Der Wunsch nach neuen Herausforderungen
Am stärksten zeigen sich die Ähnlichkeiten zu Astral Chain durch den sehr verwandten Anime-Cyberpunk-Look. Außerdem gibt es bei der Handlung einige Überschneidungen. Eine ähnliche "Dimensions-Bedrohung", eine daraus resultierende spezielle Taskforce und einige andere Elemente aus der gleichen Japano-Ecke.
Quelle: Bandai Namco
Zwar spart Scarlet Nexus nicht mit visuellen Kampfeffekten, ein regelrechtes Gewitter muss man aber nicht erwarten.
Drei bedeutende Mitglieder des Bandai-Entwicklerteams sind Producer Keita Lizuka (Code Vein), Director Kenji Anabuki (Tales of-Reihe) und Art Director Kouta Ochiai (Soul Calibur, Idolmaster-Franchise). Die wollten mit Scarlet Nexus vor allem eines: neue Herausforderungen. Die Entwicklung begann vor etwa fünf Jahren, damals existierten nur die Idee und der Wille, einen frischen Ansatz im RPG-Sektor zu finden und ein neues Spiele-Universum zu erschaffen.
Außerplanetarische Probleme erfordern überirdische Lösungen.
Laut dem Trio setzt sich das Konzept von Scarlet Nexus auf zwei Kernelemente. Erstens die namensgebende Farbe Rot, die im gesamten Spiel maßgeblich die visuelle Ebene beeinflusst. Die Verbindungen zwischen Personen und Objekten werden nämlich durch rote Linien dargestellt. Somit kommen wir auch schon zum zweiten wichtigen Punkt des neuen Franchises: dem Öko-System der Welt, in dem alles durch rote Linien miteinander verwoben ist. Mittelpunkt dieses Systems ist das menschliche Gehirn. Während wir in unserem modernen Leben auf Smartphones oder das Internet zugreifen, um uns zu vernetzen und diverse Plattformen zu nutzen, nutzt die Bevölkerung in Scarlet Nexus das Gehirn.
Psi-Kräfte, Mutationen und "Brain Punk"
Quelle: Bandai Namco
Typisch für ein JRPG können wir uns auch immer auf unsere Begleiter verlassen, über die sind bisher noch recht wenig Details bekannt.
In Scarlet Nexus übernehmen wir die Rolle von Yuito Sumeragi, dessen größter Traum es ist, zum Elite-Kämpfer ausgebildet zu werden und der Taskforce "Other Suppression Force" (OSF) beizutreten. Was es mit der Spezialeinheit auf sich hat? Wissenschaftler entdeckten ein "psionisches Hormon" im menschlichen Gehirn, welches übersinnliche Kräfte verleiht. Gleichzeitig mit diesem wissenschaftlichen Durchbruch häuften sich aber eigenartige Vorkommnisse: Geistesgestörte Mutanten, die als "Andere" (Others) bezeichnet werden, stiegen mit einem unstillbaren Durst nach menschlichen Gehirnen vom Himmel herab und attackierten die Menschheit. Gegen konventionelle Angriffsmethoden zeigen sich die Mutanten nur wenig beeindruckt, daher gründete die Menschheit die Spezialeinheit OSF. Diese letzte Verteidigungslinie der Menschheit besteht aus Mitgliedern, die alle außergewöhnliche Psi-Kräfte besitzen. Yuito wurde als Kind von einem Mutanten angegriffen, jedoch im letzten Moment von einem OSF-Psioniker gerettet. Die eigentliche Handlung von Scarlet Nexus beginnt mit der erfolgreichen Rekrutierung von Yuito in der OSF-Klasse 567.
Spielerisch ist Scarlet Nexus ein typisches Action-Rollenspiel und wartet mit einem effektvollen Echtzeit-Kampfsystem auf. Yuito kämpft mit einem Schwert, greift jedoch auch viel auf seine psionischen Kräfte zurück. Die Umgebung kann ebenfalls in den Gefechten genutzt werden und so schleudert Yuito fast wie ein Jedi die unterschiedlichsten Objekte auf seine Gegner.
Quelle: Bandai Namco
Manche lieben es, andere mögen es eher weniger. Die sehr kindlichen Designs der Hauptfiguren sind Geschmackssache.
Die Entwickler betiteln Scarlet Nexus nicht nur als Action-RPG, sondern auch als "Brain Punk". Damit soll zum einen der überaus starke Fokus auf das Gehirn unterstrichen werden. Zum anderen ist es eine klare Anspielung auf das aktuell sehr beliebte Cyberpunk-Setting. Wie bereits erwähnt, sind alle Menschen und Objekte durch ihre Gehirne verbunden. So, wie wir Elektrizität für diverse Tätigkeiten nutzen, nutzt die Bevölkerung in Scarlet Nexus ihre "Gehirnenergie". Dieses riesige vernetzte System wird "Psynet" genannt. Das soll zwar ein starker Vorteil für die Gesellschaft sein, es zieht aber auch viele Negativaspekte mit sich, die das Team im Verlauf der Handlung erforschen möchte. Was bedeutet es, immer miteinander vernetzt zu sein? Welche Folgen hat das für eine Gesellschaft? Und gibt es überhaupt noch echte Einsamkeit? Wenn ja, wie zeigt sich diese? Diese Fragen stellen zwar nicht den narrativen Kern dar, die Spielerschaft wird sich aber im Laufe des Abenteuers zwangsläufig damit auseinandersetzen müssen.
Quelle: Bandai Namco
Die ansprechenden Szenen aus dem "Animation Trailer" sehen zwar großartig aus, es muss sich aber erst noch zeigen, ob es sich dabei um reines Marketing handelt, oder diese auch im fertigen Spiel vertreten sein werden.
Quelle: Bandai Namco
Ebenfalls ein großes Fragezeichen ist, wie umfangreich die Customization-Möglichkeiten in Scarlet Nexus ausfallen werden.
Des Weiteren soll Yuito in Situationen geraten, in denen er das Handeln und Auftreten der OSF hinterfragen muss. Wird hier wirklich für Gerechtigkeit gekämpft, oder versteckt sich eine fragwürdige Agenda hinter der Spezialeinheit? Außerdem ist die Blutlinie des Protagonisten ein wichtiger Faktor. Yuito ist nämlich Nachfahre des Gründers der Spielwelt New Himuka. Das Land wurde 2000 Jahre vor Beginn der Handlung von Yakumo Sumeragi erschaffen. Inwieweit Fans sich auf hochwertige Anime-Cutscenes freuen dürfen, wie sie im "Animation Trailer" Ende Juni 2020 gezeigt wurden, bleibt zum aktuellen Zeitpunkt noch offen. In der uns gezeigten Präsentation gab es davon nämlich nichts zu sehen. Auch Customization-Möglichkeiten sind noch ein Fragezeichen. Zwar werden diese im genannten Trailer angedeutet, bestätigen können wir ihre Existenz aber noch nicht. Im Bezug auf Handlung und Prämisse von Scarlet Nexus liegt aber viel Spannung in der Luft, bedenkt man die Hintergründe und Geheimnisse rund um Yuito, die Spezialeinheit OSF und das Mysterium der Mutanten-Invasion.
Die Welt New Himuka
Quelle: Bandai Namco
Durch die Psi-Kräfte unserer Hauptfigur können Objekte in unserer Umgebung auf Gegner geschleudert werden.
New Himuka erinnert stark an eine Cyberpunk-Version von Tokyo - wie so oft in japanischen Werken, die ein ähnliches Setting in Angriff nehmen. Überall finden sich Werbetafeln, hohe Gebäudekomplexe und ein leicht "dreckiges" Design. New Himuka wird im Rahmen der Handlung als verdammt groß beschrieben: So groß, dass es sich zwar einerseits um eine Stadt handelt, dieses jedoch gleichzeitig als Land fungiert. Die einzelnen Bezirke wie Suoh und Seiran haben Ausmaße, die ihrerseits eigentlich schon denen von "normalen" Städten entsprechen. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich diese imposante Größe auch in einer tatsächlich ebenso riesigen Spielwelt zeigt, als erzählerisches Mittel ist die Mega-Metropole aber auf jeden Fall interessant. Es bleibt abzuwarten, wie unterschiedlich die verschiedenen Bezirke im fertigen Spiel gestaltet sind. Das Team will die verschiedenen Areale samt unterschiedlicher Architektur und Gesellschaftsschichten auf jeden Fall nutzen, um tiefer in die Geschichte, ihre Charaktere und die Handlungsstränge eintauchen zu können. Spannend ist, dass die Mutanten-Invasion keinesfalls zum Ende der Gesellschaft geführt hat. Die Menschen haben gelernt, im Einklang mit den vielen Angriffen und der ständigen Bedrohung zu leben. Durch die Technologie der OSF ist es vorhersehbar, wann Mutanten wo genau zuschlagen.
Was es in New Himuka spielerisch alles zu tun geben wird, also welche Nebenmissionen bestritten, welche Sammelgegenstände aufgeklaubt und welche Minispiele absolviert werden können, bleibt abzuwarten.
Kunstvolles Monster-Design der Sonderklasse
Quelle: Bandai Namco
Für das Monster-Design hat sich das Team einen freien Künstler an Bord geholt. Zu Beginn war man noch skeptisch, doch Masakazu Yamasho brillierte.
Bei der Gestaltung der Welt orientierte sich Art Director Kouta Ochiai stark an den vorherrschenden Anime-Stilen der 80er und 90er. Parallelen zu Anime-Klassikern wie Akira, Ghost in the Shell oder Neon Genesis Evangelion sind nur schwer von der Hand zu weisen. Das in den wenigen gezeigten Szenen bereits eindrucksvolle Monster-Design hingegen entstammt der Feder des unabhängigen Künstlers Masakazu Yamashiro, der bisher nur wenig Erfahrung im Bereich der Spieleentwicklung sammeln konnte. Er ist aber derart talentiert, dass das Team rund um Scarlet Nexus unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollte. Schaut man sich die vielen abstrusen Monster an, dann wird auch schnell klar, warum.
Der grundlegende Gedanke hinter dem Design der Mutanten-Monster ist es, alltägliche Objekte mit dem Abstrusen zu verbinden. Ein Korsett auf zwei Beinen mit einem Blumenstrauß-Kopf? Oftmals ist es gar nicht so einfach, das Design der Monstrositäten korrekt zu interpretieren, visuell beeindruckend ist es aber allemal. Besonders die Bossgegner überzeugen durch ihr kreatives Aussehen. Das Team informierte sich viel, setze sich damit auseinander, wie man mit extremen Mitteln Schönheit visuell einfangen kann und folgte diesem Ansatz konsequent. Das Ergebnis ist eine Kombination aus Leben, Tod, Schönheit und Grauen - fantastisch! Die Mutanten umgibt eine starke, traurige Aura, die ein wichtiges Element der Geschichte von Scarlet Nexus sein soll. Japanische Sagen und Mythen, die alle einen starken Hang zu grotesken Wesen haben, dienten ebenfalls als Inspiration.
Quelle: Bandai Namco
Was hat es mit den "Anderen" auf sich? Wo kommen sie her? Und warum haben sie einen unstillbaren Durst nach menschlichen Gehirnen?
Wie gut Scarlet Nexus in der Praxis sein wird, ist zum aktuellen Zeitpunkt noch schwer zu sagen. Die spannenden Konzepte und die tollen Design-Ideen gefallen auf jeden Fall. Wann genau der Titel erscheinen wird, ist noch unbekannt. Die einzige handfeste Info zum Release ist, dass Scarlet Nexus vermutlich 2021 für PC, PS4, Xbox One, aber auch für die neuen Next-Gen-Konsolen PlayStation 5 und Xbox Series X erscheinen soll. Dabei plant das Team, auf den aktuellen Konsolen 30 FPS bei Standard-HD-Auflösung zu erreichen. Auf den Next-Gen-Konsolen sowie auf dem PC sollen sich Fans hingegen auf 60 FPS samt 4K-Grafik freuen. Wir bleiben am Thema natürlich dran und berichten euch weiter über das JRPG, sobald es neue Infos gibt.
