Say No! More im Test: Mit der Kraft des "Neins!" zum Helden am Arbeitsplatz

Test Paul Albert Lukas Schmid
Say No! More im Test: Mit der Kraft des "Neins!" zum Helden am Arbeitsplatz
Quelle: saynomo.re

Hattet ihr in der Vergangenheit öfter das Gefühl, immer nur "Ja" zu sagen, dann ist dieses Indie-Spiel vielleicht genau das Richtige für euch. Say No! More der deutschen Entwickler Studio Fizbin bringt euch bei, einfach mal "Nein" zu sagen. Ob das Spiel auch sonst etwas für euch ist, erfahrt ihr in unserem Test.

Träumt ihr insgeheim davon, euer Jasagertum an den Nagel zu hängen, um euch als Neinsager neu zu erfinden? Würdet ihr euch am liebsten von eurem Tisch erheben und euch nur mithilfe des Wortes "Nein" einen Weg bis in die oberste Chefetage bahnen, um euch aus der freiwilligen Knechtschaft und der Ausbeutung der Bourgeoisie zu befreien? Wollt ihr Forderungen wie pünktliche Feierabendende, faire Bezahlung und vor allem gutes Kantinenessen stellen? Dann eröffnet euch Say No! More vielleicht ganze neue Wege. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, habt ihr hoffentlich trotzdem Spaß.

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Say No! More, der Titel ist Programm

In Say No! More spielt ihr einen Praktikanten, der lernt, sich mithilfe des Wortes "Nein" durchzusetzen. So ziemlich jeder stand mal am hintersten Ende der Nahrungskette und kennt die Situation nur zu gut, dass man als Praktikant noch und noch eine zusätzliche Aufgabe annimmt, obwohl man eigentlich schon viel zu viel zu tun hat. Damit ist jetzt Schluss! Die Handlung von Say No! More ist simpel gestrickt. Ihr habt einen Praktikumsplatz bei einem der Unternehmen gefunden. Bevor es für euch an der Zeit ist, in das Arbeitsleben einzutreten, trefft ihr auf dem Weg ins Büro euren Kumpel im Park. Er überreicht euch zur Feier des Tages eine eigenhändig von ihm zusammengestellte Lunchbox, mit all euren Lieblingssnacks.

Im Büro angekommen, hält der Supervisor eine Motivationsrede, um die neuen Praktikanten auf ihren Arbeitsalltag vorzubereiten. Die wichtigste Regel besteht darin, zu allem "Ja" zu sagen. Klingt wenig spaßig, ist es auch. Kurzerhand stellt sich heraus, dass der Supervisor, die hinterlistige Schlange, es nur auf eure Lunchbox abgesehen hat. Da ihr nicht fähig seid, ihm zu widersprechen, da ihr das Wort "Nein" anscheinend nicht aussprechen könnt, hat der Supervisor leichtes Spiel und stiehlt eure Lunchbox.
Der Mundräuber trägt lila.  Quelle: PC Games Der Mundräuber trägt lila.  Völlig frustriert über euren schlechten Start in das Arbeitsleben, knallt ihr euren Kopf auf die Tischkante. Dabei löst sich ein Walkman aus den oberen Fächern des Schreibtischs. Auf der Kassette, die ihr ohne zu zögern einlegt und abspielt, befindet sich eine Anleitung zum Neinsagen. Die Männerstimme erklärt euch, wie ihr euer Selbstbewusstsein steigern können. Aber die Botschaft ist klar, ab sofort sagt ihr nur noch "Nein". Nach ein paar Übungseinheiten seid ihr bereit und wisst das Nötigste, um die Lunchbox, zurückzuholen. Im Großen und Ganzen ist das der Hauptinhalt des Spiels. Und wenn es heißt "Praktikant macht dies und mach jenes", widersetzt ihr euch allem mit einem klaren "Nein!". Euer Ziel vor Augen und mit der Macht dieses Wortes, durchschreitet ihr die Level.

Dabei ist die Story von Say No! More gespickt mit allerhand Arbeitsalltagsanekdoten, kapitalismuskritischen Ansätzen und greift viele Probleme auf, die im Zusammenhang mit Arbeits- und Privatleben stehen.

"Ist es denn so falsch, mehr zu wollen, als sein ganzes Leben an ein und demselben Arbeitsplatz zu verbringen?"

"Nein!"

'The Pope of Nope' stärkt das Selbstvertrauen seiner Kollegen. Quelle: PC Games "The Pope of Nope" stärkt das Selbstvertrauen seiner Kollegen. Fragen wie diese regen zum Denken an und die Gesprächspartner hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Charaktere haben manchmal schräge, aber größtenteils passend witzige Stimmen und verkörpern die klassischen Stereotype am Arbeitsplatz. Die Monologe der nicht spielbaren Charaktere sind nett geschrieben, unser Charakter bleibt bis auf sein Lieblingswörtchen aber stumm. Persönliche Motive bleiben verborgen. Wir wissen eigentlich nie genau, wieso wir alles daran setzen, die Lunchbox zurückzubekommen. Aber im Großen und Ganzen wurde die Thematik gut in Szene gesetzt, sodass die Undurchsichtigkeit des eigenen Charakters nicht nachteilig auffällt.
Das ist gar nicht mal so absurd, dass man als Praktikant Aufgaben von jemand anderem übernimmt. Quelle: PC Games Das ist gar nicht mal so absurd, dass man als Praktikant Aufgaben von jemand anderem übernimmt.

There is No Game

Say No! More hat spielerisch leider nicht viel zu bieten. Um die Lunchbox zurückzuholen, wird man automatisiert durch die Level geleitet. Dabei muss man jede Begegnung und jede Bitte mit einem "Nein" ausschlagen. Die einzige spielerische Komponente ist die Auswahl verschiedener Neins. Jedoch macht es hierbei keinen Unterschied, ob ein kaltes, hitziges oder gelangweiltes Nein losgelassen wird. Da hätten die Entwickler mehr herausholen können. Zum Beispiel hätte die Auswahl des Neins Auswirkungen auf die Story haben können. Hier wird sehr viel Potenzial verschenkt. Zusätzlich stiften zwar Gesten wie Lachen, Klatschen und das Vortäuschen von Zustimmung Verwirrung beim Gegenüber, diese haben aber spielerisch keine signifikanten Auswirkungen auf das Spielgeschehen.

Wichtig bleibt nur, dass man "Nein" sagt. Das "Nein!" kann außerdem aufgeladen werden, um dem Wort mehr Kraft zu verleihen. Dies ist teilweise notwendig, um an bestimmten Stellen voranzukommen. Ab und zu bietet sich die Möglichkeit, sein Gegenüber ausreden zu lassen, um den Ausgang der Unterhaltung zu verändern. Angestellte erzählen euch mehr über ihr Leben oder ihr werdet in ein Anstarr-Duell verwickelt. Auch das hat aber leider keinen Einfluss auf die Hauptstory des Spiels und ist nicht mehr als ein kurzer witziger Lückenbüßer, in einer Sequenz nahezu unaufhörlicher Neins.

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Immerhin, der Charaktereditor ist recht umfangreich. So können wir Körperform und Aussehen verändern. Von ulkigen bis krummen Gesichtern bis zu ausgefallen Kleidungsstücken kann man sich seinen eigenen witzigen Charakter erstellen. Bevor es losgeht, können wir außerdem die Sprache und Stimme passend zum Charakter wählen. Ob er Japanisch "Iie" oder Deutsch "Nein" sagt, hat keine Auswirkungen auf die restliche Vertonung des Spiels. Die bleibt, egal, welche Sprache man ausgewählt hat, die englische Sprachausgabe.

Alles in allem ist Say No! More kein besonders anspruchsvolles Spiel. Es fühlt sich eher wie eine zweistündige humorvolle Anleitung zum Neinsagen an, mit der man immerhin sein Selbstwertgefühl steigern kann. Der moralische Gehalt ähnelt dabei dem eines Kinderbuches, in dem erklärt wird, wie wichtig es ist, auch mal "Nein" zu sagen. Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Optik des Spiels ist kindgerecht gestaltet. Der Pixellook ist bestimmt kein Augenschmaus, passt aber zum Humor des Spiels und vermittelt einen gewissen 90er-Jahre-Charme. Wer Minecraft kennt, weiß, was er in etwa erwarten darf. Der Soundtrack passt zum Spielgeschehen, geht ins Ohr und bleibt im Kopf.
Für einen 4-Tage-Woche und bessere Bedingungen sagen wir ... 'Nein!' Quelle: PC Games Für einen 4-Tage-Woche und bessere Bedingungen sagen wir ... "Nein!"

Ein ziemlicher Neinfall

Say No! More ist leider nicht mehr als eine kurzweilige Ablenkung ohne viel Anspruch für zwei Stunden seichte humorvolle Unterhaltung. Durch die eingeschränkten Möglichkeiten bezüglich des Gameplays bietet das Spiel auch keinen Wiederspielwert. Der gute Soundtrack und der witzige Pixellook können diese Defizite nicht wirklich wettmachen.

Say No! More ist für PC und Nintendo Switch erhältlich.

Meinung

Wertung zu Say No! More (PC)

Wertung:

5.0 /10

Wertung zu Say No! More (NSW)

Wertung:

5.0 /10
Pro & Contra
Amüsante AnekdotenUnterhaltsame StoryUmfangreiche CharaktererstellungGelungener Soundtrack
Repetitives GameplayZu kurze SpieldauerKein WiederspielwertNicht gut durchdachte Spielmechaniken
Fazit

Ein lustiges, kurzweiliges Erlebnis mit starken spielerischen Schwächen

Bildergalerie

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