Ruined King: A League of Legends Story im Test: Jetzt auch mit Story! - Seite 2

Test Benjamin Lachmann Lukas Schmid
Ruined King: A League of Legends Story im Test: Jetzt auch mit Story! - Seite 2
Quelle: Riot Forge

Ruined King: A League of Legends Story probiert sich im LoL-Universum erstmals an Singleplayer. Ob dieses Experiment gelingt, erfahrt ihr im Test.

Es wird einem einfach warm ums Herz, wenn Illaoi, eine Krakenpriesterin des Buhru-Volkes, mit dem aus Freljord stammenden Beschützer Braum flirtet, da sie seinem nordischen Charme einfach nicht widerstehen kann.

Selbst die schwächeren Story-Momente werde also gut durch die Charaktere getragen. Dies ist aber auch bitter nötig, da mit der Geschichte eindeutig mehr möglich gewesen wäre und Ruined King leider nur die Oberfläche des League-Universums ankratzt.

Ursprünglich war offenbar geplant, Ruined King zeitgleich mit dem Update zu veröffentlichen, welches Viego als spielbaren Charakter zu League of Legends hinzufügt. Das hätte die Möglichkeit geboten, den Charakter und seine Geschichte noch davor in Ruined King zu erleben und hätte für ordentlich frischen Wind gesorgt.

Die Pandemie machte hier leider einen Strich durch die Rechnung und so wurde Ruined King nun erst lange nach dem LoL-Debüt Viegos veröffentlich, weshalb schon im Voraus vieles über ihn und seine Geschichte bekannt war. Das ist natürlich schade, da es die Story für Fans nur noch weniger spektakulär wirken lässt.

Skills mit Wiedererkennungswert

Auch beim Kampfverhalten der verschiedenen Charaktere wird hier nicht wirklich das Rad neu erfunden, muss es aber auch nicht. Wir haben Tanks und Damage Dealer, Heals und Buffs, verschiedene Stats wie Verteidigung und Crit und so weiter. Alles, was man von einem klassischen rundenbasierten Kampfsystem erwartet.

Auch größeren Gegnern muss sich unsere Truppe manchmal im Kampf stellen. Quelle: PC Games Auch größeren Gegnern muss sich unsere Truppe manchmal im Kampf stellen. Durch das interessante Kampfsystem mit den verschiedenen Lanes und Geschwindigkeiten und die schönen Customize-Optionen der Charaktere wird hier aber genug Abwechslung geboten. Man kann bei jedem Charakter zusätzlich zu den Items, welche nur die Stats beeinflussen, nämlich noch die einzelnen Fähigkeiten und die so genannten Runen verbessern. Die Punkte für diese beiden Systeme werden durch klassische Level-ups freigeschaltet, also durch XP von besiegten Gegnern.

Diese verschiedenen skillbaren Fähigkeiten und Runen reichen von einfachen Damage-Boni bis hin zu speziellen Effekten, die euch zum Beispiel nach einem gewonnenen Kampf heilen oder besiegte Gegner explodieren lassen, was dann an umstehenden Feinden Flächenschaden anrichtet.

Hier lässt sich wirklich viel ausprobieren, um unter den verschiedenen Skillmöglichkeiten und Charakteren interessante Kombinationen zu finden. Ihr könnt die Punkte auch beliebig wieder aus den Fähigkeiten und Runen entfernen, um andere Wege zu skillen auszuprobieren.

Charaktere können auch außerhalb des Kampfes Fähigkeiten einsetzen. Hier wird zum Beispiel der Tornado-Skill von Yasuo benötigt, um die Plattform anzutreiben. Quelle: PC Games Charaktere können auch außerhalb des Kampfes Fähigkeiten einsetzen. Hier wird zum Beispiel der Tornado-Skill von Yasuo benötigt, um die Plattform anzutreiben. Was sehr schön zu sehen ist: Die einzelnen Skills der Charaktere sind an die bereits bekannten Fähigkeiten aus League of Legends angelehnt. So werden sich Fans direkt vertraut fühlen, obwohl die Kampfsysteme der beiden Spiele recht weit auseinanderliegen.

Ein Beispiel ist die ultimative Fähigkeit von Miss Fortune, sowohl in LoL als auch in Ruined King einen Kugelhagel mit mehreren Salven mit ihren Pistolen abzufeuern. Sogar im Kartenspiel Legends of Runeterra besitzt ihre Karte diese Fähigkeit. Dies gibt einem wirklich das Gefühl, in einer übergreifenden Welt unterwegs zu sein und überall mit den gleichen Charakteren zu spielen und diese so immer näher kennenzulernen.

Der Fakt, dass die bekannten Synchronsprecher Riot-typisch einen tollen Job machen, lässt die Charaktere direkt noch besser funktionieren. Apropos Voice Acting, da wir gerade schon dabei sind, lasst uns doch direkt über die restliche Sound-Umsetzung reden.

Jetzt gibt's was auf die Ohren!

Abgesehen von ein paar kleinen Nebencharakteren, die euch einmalig eine Nebenquest andrehen oder einen Shop führen, sind quasi alle Dialoge vertont. Vor allem in Cutscenes, Story-Momenten und Dialogen zwischen den Charakteren überzeugt Ruined King hier auf ganzer Linie.

Die Eröffnungsszene überzeugt mit bildhübschen Momenten und führt die spielbaren Champions ein. Quelle: PC Games Die Eröffnungsszene überzeugt mit bildhübschen Momenten und führt die spielbaren Champions ein. Auch musikalisch hat man sich nicht lumpen lassen und Gareth Coker ins Boot geholt. Dieser ist in erster Linie bekannt für seine Arbeit an Ori and the Blind Forest und Ori and the Will oft the Wisps, welche beide mit einem atemberaubenden Soundtrack auftrumpfen.

Ruined King braucht sich hinter den beiden aber nicht verstecken, denn auch hier wird eine Videogame-Soundtrack-Höchstleistung geboten. Der düstere und mysteriöse Stil bleibt an vielen Stellen erhalten, wird aber mit einer ordentlichen Prise verspieltem Piraten-Klängen erweitert.

So hören sich die Songs der gefährlichen Schatteninseln an vielen Stellen so an, als ob sie direkt aus einem der Ori-Titel übernommen wurden (was wohl eines der größten Komplimente ist, die man einem Videospiel-Soundtrack geben kann). Die musikalische Untermalung Bilgewassers hingegen, also der Piratenhauptstadt, geht atmosphärisch in eine völlig andere, aber ebenso gelungene Richtung.

Diese Mischung sorgt dafür, dass der Soundtrack auf eigenen Füßen steht und nicht zu sehr durch seine Ähnlichkeit zu den anderen Werken Cokers untergeht.

Es kommt auch auf die äußeren Werte an

Die Umgebungen, in denen man unterwegs ist, sind mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Quelle: PC Games Die Umgebungen, in denen man unterwegs ist, sind mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Das eigentliche Gameplay und die Welt, in der es stattfindet, sind sehr ansehnlich gestaltet. Das Figurendesign und die diversen Zwischensequenzen bieten einen ungemein stimmigen Stil. Auch hier erinnert Ruined King wieder stark an Battle Chasers: Nightwar, was aber absolut nicht schlimm ist, sondern eher für die hohe Qualität und den guten Wiedererkennungswert des Stils der Designer spricht.

Manche der Champions sehen in Ruined King sogar besser aus als ihre Ursprungsversionen im Hauptspiel League of Legends. Auch die aus der Lore bekannten Umgebungen, die man aber noch nie "live" gesehen hat, wurden mit sehr viel Detailreichtum zum Leben erweckt.

Egal, ob man sich im von Piraten dominierten Bilgewasser aufhält, die gruseligen Schatteninseln durchstreift oder in einem der vielen kleinen Dungeons und Tempel unterwegs ist, Ruined King nutzt die Welt von Runeterra perfekt als Vorlage und baut die Gebiete schön abwechslungsreich und mit sehr vielen kleinen Referenzen an die anderen Riot-Titel auf.

Diverse kleinere Rätsel, wie das Ausrichten von Lichtstrahlen, sind in den Dungeons zu finden. Quelle: PC Games Diverse kleinere Rätsel, wie das Ausrichten von Lichtstrahlen, sind in den Dungeons zu finden. Man hat auch viel Gelegenheit, um sich die Umgebungen genauer anzuschauen, da man viel Zeit damit verbringt, Gegenstände zu sammeln und diversen Nebenmissionen nachzujagen. Diese Sidequests sind auch schön gestaltet, da sie einerseits oftmals die Hintergrundgeschichten der Charaktere miteinbeziehen und andererseits auch einfach organisch in die Welt eingearbeitet wurden.

Die Animationen im Kampf sind auch schön gestaltet, sie schlucken auf Dauer aber zu viel Zeit. Vor allem die Animationen der ultimativen Angriffe sind bei den ersten paar Malen hübsch anzusehen, werden durch ihre Dauer von einigen Sekunden aber schnell nervig. Hierfür gibt es die Option, das komplette Geschehen innerhalb eines Kampfes mit doppelter Geschwindigkeit abzuspielen. Dies verringert die Wartezeit zwar angenehm, ist aber eher eine Art Workaround als eine wirklich gute Lösung des Problems.

Quality of life and death

Der mit Abstand größte Kritikpunkt sind eigentlich viele kleine Mängel, die zusammen an der Qualität nagen. Von diversen fehlenden Quality-of-Life-Funktionen über haufenweise kleinere Bugs bis hin zu schlichtweg fragwürdigen Game-Design-Entscheidungen ist hier alles mit dabei.

Die geangelten Fische könnt ihr gegen 'schwarze Male' eintauschen, mit denen sich besonders seltene Items in versteckten Shops kaufen lassen. Quelle: PC Games Die geangelten Fische könnt ihr gegen "schwarze Male" eintauschen, mit denen sich besonders seltene Items in versteckten Shops kaufen lassen. Warum gibt es zum Beispiel überhaupt die Funktion, dass das Spiel automatisch speichert, wenn das so unregelmäßig passiert, dass man eigentlich immer darauf angewiesen ist, manuell nachzuhelfen? Warum ist Angeln ein eigener Menüpunkt, während die Questliste im Bildschirm der Kartenanzeige untergebracht wird?

Warum wird in diversen Dungeons ein ganz spezifischer Charakter verlangt, um eine Türe zu öffnen, und man wird dann zu ewigem Backtracking gezwungen, wenn man sich die ganzen Sammelgegenstände unter den Nagel reißen will?

Warum ist allgemein die ganze Erfahrung insgesamt so langatmig gestaltet? Es gibt eindeutig zu wenige Schnellreisepunkte in der Welt, weshalb man oft darauf angewiesen ist, einfach zu laufen, was auch langsam und dröge funktioniert.

Mit der Treppe nicht ins nächste Stockwerk, sondern nur in die Wand zu gelangen, kann schon mal vorkommen. Quelle: PC Games Mit der Treppe nicht ins nächste Stockwerk, sondern nur in die Wand zu gelangen, kann schon mal vorkommen. In einen Moment ficht man einen spannenden Kampf gegen interessante Gegner aus, und im nächsten glitcht man irgendwie durch den Boden und kommt nicht mehr heraus. Mal läuft man durch die schöne Welt und bewundert die tollen Umgebungsdetails, und direkt danach fällt einem auf, dass sich das komplette HUD verabschiedet hat und auch nicht mehr einblenden lässt.

Hin und wieder rätselt man in einem der Dungeons herum, wie man denn an die letzte noch fehlende Kiste kommt, bis einem auffällt, dass der Weg eigentlich sehr einfach ist und nur die Karte den Dungeon-Aufbau absolut irreführend darstellt.

Wir könnten noch wirklich lange so weitermotzen, ihr versteht aber wohl, worauf wir hinauswollen. Keine dieser Kleinigkeiten ist kriegsentscheidend, man fragt sich aber, warum diese Fehlerchen im Quality Testing nicht aufgefallen sind.

Eine Sache muss noch gesondert angesprochen werden, da diese an einigen Stellen das ganze Kampfsystem durcheinanderbringt. Und zwar ist bei manchen Angriffen so, dass sie auf Teufel komm raus nicht das richtige Ziel treffen wollen. Besonders aufgefallen ist uns das bei Pykes Fähigkeit "Zielmarkierung", die auf einen einzelnen Gegner diverse Debuffs wirkt.

Diese wollte in unserer kompletten Testzeit von etwa 40 Stunden nicht ein einziges Mal richtig funktionieren, und anstatt den ausgewählten Gegner anzuvisieren, wurde gefühlt zufällig entschieden, welcher denn nun genau getroffen werden soll.

Ob das wirklich ein Bug ist und der Angriff eigentlich gezielt ausführbar sein soll, oder ob er genau so funktioniert, wie er soll, aber der Beschreibungstext der Fähigkeit irreführend formuliert wurde, ist hier die große Frage. Das Endergebnis ist aber so oder so, dass Angriffe in teilweise entscheidenden Momenten danebengehen, was wirklich irritierend und störend ist.

Schlussendlich bleibt trotz alledem ein wirklich feines Rollenspiel übrig. Etwas mehr Zeit und Aufwand bei den Kleinigkeiten hätte aber zusätzliche Wunder gewirkt und dafür gesorgt, dass aus "Sehr gut" ein "Fantastisch" geworden wäre.

Ruined King: A League of Legends Story ist seit dem 16. November 2021 für PC, PS4, Nintendo Switch und Xbox One erhältlich. Versionen für PS5 und Xbox Series X sollen folgen.

Meinung

Wertung zu Ruined King: A League of Legends Story (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Ruined King: A League of Legends Story (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Ruined King: A League of Legends Story (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Coole CharaktereInteressantes KampfsystemSchöner, eigener ArtstyleTolle Musik und VertonungEndlich Singleplayer in RuneterraViele Skill-Möglichkeiten für alle CharaktereNebenquests, die angenehm zur Lore beitragenUnterhaltsame Dialoge
Häufige Bugs und FehlerViele eher kontraintuitive Design-EntscheidungenAusbaufähige Story
Fazit

Gutes erstes Abenteuer im LoL-Universum, das an Kinderkrankheiten leidet

Bildergalerie

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