Roller Champions: Ubisofts Sport-Spektakel angespielt - mit Video!

Special David Benke
Roller Champions: Ubisofts Sport-Spektakel angespielt - mit Video!
Quelle: Ubisoft

Seit es auf der E3 2019 erstmals vorgestellt wurde, hat Roller Champions mittlerweile einen langen Weg hinter sich gebracht: mehrmals verschoben, mehrere Alpha-Phasen durchgemacht, mehrere grundlegende Veränderungen über sich ergehen lassen. Im Rahmen einer kommenden Closed Beta ist der Titel nun endlich einem breiteren Publikum zugänglich. Wir durften dank Early Access schon reinspielen und uns ein umfangreicheres Bild davon machen konnten, woran Ubisoft hier eigentlich werkelt.

Sport-Simulationen gibt es wie Sand am Meer: Ob nun Fußball, Tennis oder Golf - über alle Disziplinen hinweg geben sich Entwickler und Publisher enorme Mühe, das Erlebnis vom echten Spielfeld möglichst authentisch auf das virtuelle Pendant zu übertragen. Was es hingegen deutlich seltener gibt, sind ausgefallene Versuche, das Sport-Genre mal mit neuen Vertretern zu bereichern. Gut, wir haben Rocket League, Laser League oder Blood Bowl. Gemessen an der Masse an Möglichkeiten, die das Medium Videospiele hergibt, ist das allerdings noch immer etwas mager. Warum haben so wenige Leute denn Mumm, mal fernab der Regeln der Physik ihr Fantasie schweifen zu lassen?

Zumindest Ubisoft versucht sich nun einmal an diesem Vorhaben und lässt mit Roller Champions ein wilden Funsport-Mix auf uns los, der Elemente von Basketball und Roller Derby in ein knallbuntes Comic-Universum à la Fortnite und Co. versetzt. Erscheinen soll der Spaß noch 2021, für PC und Old-Gen-Konsolen - Crossplay inklusive. Eine Closed Beta läuft vom 17. Februar bis 1. März. Im Rahmen eines Early-Access-Programms durften wir aber schon vorab unsere Inline-Skates umschnallen und uns ins Getümmel stürzen!

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Das Runde muss ins Runde?

Je langer ihr die Werfen-Taste gedrückt haltet, desto kräftiger pfeffert euer Charakter den Ball durch die Arena. Quelle: PC Games Je langer ihr die Werfen-Taste gedrückt haltet, desto kräftiger pfeffert euer Charakter den Ball durch die Arena. Die Grundidee von Roller Champions (jetzt kaufen 99,99 € ) klingt erstmal simpel: Zwei Dreierteams auf Rollschuhen skaten durch eine Arena und müssen einen Ball durch einen an der Wand befestigten Ring werfen. So weit, so unspektakulär. Spannend wird es erst durch das außergewöhnliche Drumherum: Der ovale Track, auf dem ihr unterwegs seid, wird nämlich rechts und links von hohen Wänden umschlossen. Ihr rast also quasi durch eine riesige, durchgängige Halfpipe. Und besagter Ring, den es zu treffen gilt, öffnet sich auch erst dann, wenn ihr vorher eine komplette Runde durch die Manege gedreht habt, ohne dass euer Team dabei den Ball verliert. Hängt ihr eine zweite Runde dran, bekommt ihr drei Zähler statt nur einem. Für drei Runden gibt es sogar fünf Punkte, mit denen sich das Spiel direkt gewinnen lässt. Alternativ läuft die ganze Zeit ein Timer von sieben Minuten mit. Ist dieser bei null angelangt, siegt das Team, das mehr Punkte auf dem Scoreboard hat.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich ein nettes Risk-Reward-Spielchen: Fahrt ihr direkt drei Runden, um dem Gegner schnell ein Ende zu bereiten, riskiert dabei aber den Ball und damit jeglichen Fortschritt zu verlieren? Oder macht ihr lieber kleine Schritte und gebt euch mit dem einen sicheren Punkt zufrieden? In Roller Champions gilt es, das stets genau abzuwägen.

Der grundlegende Gameplay-Loop aus Werfen, Passen, Tackeln und Ausweichen gestaltet sich dabei recht simpel und geht flott in Fleisch und Blut über. Das gilt besonders auf dem Controller, dem von den Entwicklern empfohlenen Eingabegerät, wo ihr auf Knopfdruck auch noch zwischen freier Kamera und Ballkamera wechseln könnt. Nur beim Thema Tempo aufnehmen braucht es ein wenig Eingewöhnungszeit. Das funktioniert nämlich, indem ihr ein Gefälle (also beispielsweise die Arenawand) hinunterrast und dabei in die Knie geht. So legt ihr einen ordentlichen Zahn zu und zieht euren Gegnern davon - zumindest für kurze Zeit. Einen dauerhaften Geschwindigkeitsboost, etwa in Form von Sprints oder Raketenantrieb an euren Rollerblades, gibt es nicht. Dadurch fühlt sich Roller Champions teils leider etwas langsam an.
Mit Kniebeugen zum Sieg: Wenn ihr ordentlich Fahrt aufnehmen wollt, müsst ihr auf abfälligem Gelände in die Hocke gehen. Quelle: PC Games Mit Kniebeugen zum Sieg: Wenn ihr ordentlich Fahrt aufnehmen wollt, müsst ihr auf abfälligem Gelände in die Hocke gehen.

Der Trendsport der Zukunft?

Daneben erwarten euch auch noch ein paar andere "fortgeschrittene" Taktiken: Ihr könnt euch etwa auf Knopfdruck bei einem eurer Mitspieler einhaken und dann von ihm abstoßen, um zusätzlich Schwung aufzunehmen. Oder ihr springt von seinem Rücken ab, um einen Ball aus der Luft zu pflücken. Insgesamt ist die Absprache mit euren Teammitgliedern essenziell. Bieten sich eure Partner als Anspielstationen an? Fungieren sie als Bulldozer, um aggressive Gegenspieler aus dem Weg zu räumen? Oder stellt ihr gar einen Skater ab, der sich allein darauf konzentriert, unter dem Ring zu warten und Würfe des Gegners abzuwehren?

Die Frage bei alledem ist, wie motivierend dieses Zusammenspiel auf Dauer bleibt. Das Aktionsrepertoire von Roller Champions ist doch eher begrenzt, ein ewiger Loop aus den Ball bekommen, den Ball verlieren, den Ball jagen und den Ball haben. Im Vergleich zu Rocket League gibt es etwa keine Techniken wie Booster und Sprünge, deren perfektionierter Einsatz Anfänger von echten Profis unterscheidet. Ob der Titel auch noch Spaß macht, wenn es nichts Neues mehr dazuzulernen gibt, muss sich erst noch zeigen.

Ein Hauch von Geisterspiel

Zu zweit geht alles leichter, das gilt auch in Roller Champions. Eure Mitspieler können euch etwa dabei helfen, kurzzeitig schneller zu fahren oder höher zu springen. Quelle: PC Games Zu zweit geht alles leichter, das gilt auch in Roller Champions. Eure Mitspieler können euch etwa dabei helfen, kurzzeitig schneller zu fahren oder höher zu springen. Immerhin in Sachen Spielmodi gibt es Abwechslung: Neben Spontanspielen und Ranked Matches erwartet euch auch ein Überraschungsmodus, der von Zeit zu Zeit wechselt. Während unserer Beta war das etwa die Spielvariante "Heiße Kartoffel", in der ihr den Ball nur eine gewisse Zeit lang in der Hand behalten durftet. Dazu gesellen sich noch Custom Matches, in denen ihr wahlweise gegen Bots oder eure Freunde antreten könnt. Die dortigen Einstellungsmöglichkeiten waren zumindest in unserer Testversion aber noch recht begrenzt. Es ließen sich weder die Fähigkeitsstufe der Computergegner noch individuelle Spielregeln festlegen. Schade.

Wer etwas mehr Freiheit sucht, ist daher wohl im Skatepark besser aufgehoben. Der ist eine Art Social Hub, vergleichbar mit dem Park aus NBA 2K. Bis zu sechs Spieler können sich hier zwanglos auf einer Map treffen, ihre Skills trainieren oder sich in gelegentlichen Mini-Wettkämpfen messen. Wer innerhalb eines Zeitlimits beispielsweise die meisten Treffer erzielt oder die längste Strecke zurücklegt, darf sich über Fans und andere Belohnungen freuen.

Apropos Fans: Die stellen quasi das XP-Pendant von Roller Champions dar, das ihr auch auf für abgeschlossene reguläre Spiele bekommt. So steigt ihr im saisonalen Roller Pass auf und schaltet stetig neue Inhalte frei - die "Wheels" genannten Ingame-Credits, kosmetische Items und dergleichen. Gleichzeitig sind Fans aber auch wortwörtlich Fans. Sie sitzen während eurer Spiele in den Rängen und machen ordentlich Stimmung für euch. Je besser ihr spielt, desto besser die Atmosphäre, so die Theorie. Leider führt diese Idee aber auch dazu, dass die drei verfügbaren Arenen Acapulco, Mexiko und Chichenitza gerade zu Beginn noch etwas leblos wirken. Kein Jubel, kein Beifall, da will nur wenig Spaß aufkommen. Auch sonst wurde bei den Stadien ein wenig Potenzial liegengelassen. Die unterscheiden sich nämlich lediglich in Stil und Größe, der Aufbau bleibt stets gleich. Dass Ubisoft hier nicht noch ein paar verrückte Ideen eingebaut hat - Rails, eine 8-Form statt eines Ovals, mehrere Ringe, Bälle oder Power-Ups - wirkt wie eine verpasste Chance.
Im Skatepark könnt ihr euch mit bis zu fünf anderen Spielern messen, eure Tricks und Würfe trainieren oder an kleinen Challenges teilnehmen. Quelle: PC Games Im Skatepark könnt ihr euch mit bis zu fünf anderen Spielern messen, eure Tricks und Würfe trainieren oder an kleinen Challenges teilnehmen. Auch sonst merkt man dem Spiel an, dass die Entwickler noch ein wenig Arbeit vor sich haben. Gerade bei Stürzen und Zusammenstößen waren uns die Soundeffekte noch nicht markig genug. Da fehlte der letzte Bums, ebenso wie beim Ingame-Soundtrack. Auch nervig: Replays lassen sich nicht überspringen, was in Zukunft für Frust und Ärger sorgen könnte. Außerdem versuchen sich Bot-Mitspieler immer an einem Abschluss, sobald sich die erstbeste Möglichkeit ergibt. Taktisches Abwarten oder das Spielen auf drei beziehungsweise fünf Punkte ist so fast unmöglich.

Auch F2P hat seinen Preis

Zu viel meckern wollen wir dann aber auch nicht. Denn zum einen haben die Macher - Live-Service sei dank - ja noch die Möglichkeit, bis zum Release (und darüber hinaus) weitere Inhalte hinzuzufügen. Und zum anderen ist Roller Champions nach wie vor vollkommen kostenlos! Als Free-to-Play-Titel finanziert sich das Spiel allein durch den Verkauf von Ingame-Währung, die ihr für allerlei kosmetische Gegenstände ausgeben könnt. Seien es nun Klamotten, Rufzeichen oder schickes Feuerwerk beim Erzielen eines Treffers - euer Charakter, der sich mittels eines rudimentären Editors aus sechs Körper- und sechs Gesichtsformen zusammenbasteln lässt, kann so ganz individuell aufgepeppt werden. Das ist angesichts der anfangs doch recht generischen Figuren auch dringend nötig. Alternativ lassen sich alle Inhalte aber auch über eigens verdiente Credits oder mit Sponsoren-Verträgen freischalten, in deren Rahmen ihr bestimmte Ziele erfüllen müsst.

Im Ingame-Shop lassen sich jede Menge Objekte für euren Spielercharakter freischalten - vom neuen Helm bis hin zum individuellen Feuerwerk beim Torerfolg. Quelle: PC Games Im Ingame-Shop lassen sich jede Menge Objekte für euren Spielercharakter freischalten - vom neuen Helm bis hin zum individuellen Feuerwerk beim Torerfolg. Die genauen Preise für etwaige Ingame-Käufe konnten wir während der Beta leider noch nicht nachvollziehen. In der Testphase stand der Store nämlich noch nicht zur Verfügung. Auch über andere Bezahl-Inhalte, etwa die im Hauptmenü erwähnten Lootbälle oder eine mögliche Premium-Version des Roller Pass, können wir bis dato nur spekulieren.

Das könnte auch daran liegen, dass jegliche im Rahmen des Beta-Tests freigespielten Inhalte nicht in die finale Version übernommen werden. Ihr verliert also gesammelte Wheels, Fans und Outfits. Zum Release beginnen alle gleichermaßen bei null. Nun, fast. Wer in der Beta am Feinschliff mitgeholfen hat, darf sich immerhin über ein paar digitale Goodies freuen. Spieler bekommen ein Live-Tester-Outfit und den individuellen Titel "The Assisstant" - eine nette Geste, die spielerisch aber keinen Unterschied machen wird.

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