Rogue One - A Star Wars Story: Unser Spoiler-freies Fazit zum neuen Film - Rezension und Review
Test
Rogue One: A Star Wars Story startet am 15. Dezember 2016 offiziell in deutschen Kinos. Wir hatten bereits die Chance, den Star-Wars-Ableger im Rahmen einer Pressevorführung zu sehen. PC-Games-Redakteur Matthias Dammes beschreibt in dieser Spoiler-freien Kolumne, warum ihm der Film deutlich besser gefallen hat als Episode 7.
Als Rogue One: A Star Wars Story angekündigt wurde, stellte ich mir die Frage, ob ein Film überzeugen und mitreißen kann, dessen Ende wir bereits kennen. Nachdem Episode 7 für mich eher enttäuschend war, setzte ich dennoch große Hoffnungen auf den Ableger. Der Wunsch, mal wieder einen anderen Ansatz bei Star Wars zu sehen, etwas ganz Frisches. Der nahezu vollständige Verzicht auf Macht und Jedi klang spannend. Rogue One sollte ein düsteres Star-Wars-Erlebnis werden. Ein Kriegsfilm, in dem das "Wars" in Star Wars endlich mal richtig zur Geltung kommt.
Skepsis erzeugten dann natürlich die Meldungen, dass Disney nach einem Probescreening nicht zufrieden gewesen sein soll und umfangreiche Nachdreharbeiten ansetzte. In den folgenden Trailern war allerdings nicht zu spüren, dass sich der Ton des Films großartig geändert hätte. Entsprechend ging ich mit einem guten Gefühl ins Kino und freute mich auf das Abenteuer um Jyn Erso und ihre verwegene Crew. So viel vorweg: Ich wurde nicht enttäuscht. Es wird schwierig nachfolgend zu beschreiben, warum mich der Film begeistert hat, ohne Spoiler zu verwenden. Aber keine Angst: In diesem Text werden keine Überraschungen verraten.
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Star Wars und doch anders
Als der Abspann lief und viele Pressekollegen den Saal bereits verließen, blieb ich einfach sitzen. Nicht weil es nötig gewesen wäre oder ich den am Film beteiligten Menschen meinen Respekt entgegenbringen wollte, indem ich mir ihre Namen durchlese. Verdient hätten sie es aber allemal, denn ich blieb sitzen, um das Gesehene zu verarbeiten. Meine Hoffnungen hatten sich erfüllt. Rogue One ist Star Wars durch und durch - und trotzdem etwas erfrischend Neues.
Seine Andersartigkeit macht der Film bereits früh deutlich. Zwar ließen es sich die Macher nicht nehmen, ihr Abenteuer mit den typischen Worten "Es war einmal vor langer, langer Zeit in einer weit entfernten Galaxis" zu beginnen. Doch das üblicherweise darauf folgende laute Einsetzen des Orchesters, die "Star Wars"-Schrift und der berühmte Lauftext fehlen. Stattdessen blendet der Film direkt ins All, und die aufregende Reise beginnt.
Quelle: Disney
Der Todesstern.
Nostalgie Pur
Nach J.J. Abrams, der Episode 7 inszenierte, versuchte sich beim Spin-Off Gareth Edwards als zweiter Regisseur an der neuen Generation von "Star Wars"-Filmen. Bislang hatte dieser nur mit der Neuverfilmung von Godzilla aus dem Jahre 2014 größere Hollywood-Erfahrung gesammelt. Doch vielleicht hat es genau dieses junge Blut gebraucht, um Star Wars wieder frischen Wind einzuhauchen. Denn was der bekennende "Star Wars"-Nerd auf die Leinwand gezaubert hat, konnte zumindest mich deutlich mehr überzeugen als Episode 7.
Allein schon wegen des Szenarios ist Rogue One vor allem ein Geschenk an all jene, die mit der Originaltrilogie aufgewachsen sind. Die Autoren waren sich nicht zu schade, die zeitliche Einordnung des Films zu nutzen, um unzählige Anspielungen sowie kleinere und größere Cameo-Auftritte einzubauen. Diese wirken aber nicht aufgesetzt oder erzwungen, sondern wirken im Kontext der Filmhandlung durchaus stimmig.
Auch optisch fühlt man sich als eingefleischter Fan gleich wieder wie zu Hause. Es gibt keinen übertriebenen CGI-Einsatz wie in der Prequel-Trilogie. Stattdessen bekommen wir einen dreckigen Look zu sehen - mit vielen echten Sets und echten Effekten. Die Macher wussten aber auch genau, welche Knöpfe sie drücken müssen. Der Todesstern, imperiale Offiziere in ihren grauen Uniformen, Mon-Calamari-Kreuzer und die Rebellenbasis auf Yavin 4 - solche Anblicke lösen bei jedem "Star Wars"-Fan nostalgische Gefühle aus.
Band of Rebels
Getragen wird der Film aber nicht nur von der Nostalgie. Wirklich gelungen sind den Autoren, den Darstellern und dem Regisseur die Charaktere. Obwohl nahezu alle wichtigen Figuren neu im "Star Wars"-Universum sind, bin ich sehr schnell an ihnen und ihrem Schicksal interessiert. Hauptfigur Jyn Erso ist im Grunde eine tragische Figur, die durch von ihr nicht kontrollierbare Umstände in ein Abenteuer gerät, das sie ebenfalls nicht kontrollieren kann. Felicity
Quelle: Disney
Chirrut Imwe mit Jyn Erso.
Jones spielt diese Rolle hervorragend und bringt eine noch stärkere weibliche Figur auf die Leinwand als es Rey in Episode 7 war.
Auch ihre Mitstreiter wissen zu überzeugen. Besonders der blinde Mönch Chirrut Imwe, gespielt von Donnie Yen, sowie der umprogrammierte imperiale Droide K-2SO, gespielt von Alan Tudyk, haben mich begeistert. Der Geheimdienst-Offizier Cassian Andor (Diego Luna) überraschte mich hingegen, da sein Charakter sich von dem unterscheidet, was die Trailer vermuten ließen, und er uns einen etwas anderen Blick auf die Rebellen-Allianz eröffnet. Auf Seiten des Imperiums sticht vor allem die charismatische Persönlichkeit des Orson Krennic (Ben Mendelson) hervor. Etwas enttäuscht war ich im Grunde nur von Saw Gerrera (Forest Whitaker), der nicht so richtig zur Entfaltung kam.
Es herrscht Krieg im Krieg der Sterne
Die Handlung von Rogue One hat mich an manchen Stellen durchaus überrascht. Wie die ganze Sache ausgehen würde, war ja bereits klar. Auch die Trailer hatten bereits einen vermeintlichen Weg zu diesem Ausgang skizziert. Dennoch bot der Film den einen oder anderen überraschenden Twist. Außerdem schafft der Plot auf sehr elegante Weise eine "dumme Fehlkonstruktion" aus der Welt, die Fans seit jeher am ersten Star Wars kritisiert haben. Konkreter will ich aufgrund von Spoilern an dieser Stelle aber nicht werden.
Seine volle Stärke spielt der Film vor allem im letzten Drittel aus. Hier wird er zu dem, was uns der Regisseur im Vorfeld versprochen hat: Ein Kriegsfilm, ein Soldat James Ryan im Weltraum. Obwohl Rogue One eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren erhalten hat, ist er vermutlich tatsächlich der düsterste "Star Wars"-Film aller Zeiten. K-2SO sorgt gelegentlich für Lacher und kurze Aufheiterung, ansonsten bleibt aber wenig Zeit für erfreuliche Momente.
Es herrscht Krieg in der Galaxis, und der Film lässt mich das zu jeder Zeit spüren. Bis zum bitteren Ende. Wenn ich etwas am Story-Verlauf kritisieren kann, dann die Tatsache, dass sich die Autoren eine gewisse Portion Disney-Schmalz am Ende dann doch nicht verkneifen konnten. Das wirkt ebenso unnötig wie deplatziert. Trotzdem überzeugt auch das Finale auf (fast) ganzer Linie und knüpft in nahezu schon perfekter Weise an den Anfang von Episode 4 an.
Quelle: Disney
Direktor Krennic.
Ein echtes Kino-Highlight
Wie es sich für einen Kriegsfilm gehört, kommt die Action natürlich nicht zu kurz. Auch hier halten sich die Macher voll an die Vorlage der Originaltrilogie. Am Boden kämpfen überschaubare Rebellenkräfte gegen die Übermacht des Imperiums, das mit Elite-Troopern, AT-STs und AT-ACTs alles auffährt, was sein Arsenal zu bieten hat. Dazu gibt es auch wieder eine ordentliche Schlacht im All, die mir in Episode 7 noch fehlte. Wenn imperiale Sternenzerstörer und Schwärme von Tie-Fightern auf eine Rebellen-Flotte aus "Mon Calamari"-Kreuzern, Corellianischen Covetten, A-, Y- und X-Wings treffen, dann ist das einfach Star Wars in Reinform.
Nachdem mich Episode 7 leicht enttäuschte, ist Rogue One der Kracher geworden, den ich mir von Anfang an für die neue Generation der "Star Wars"-Filme gewünscht habe. Er hat es geschafft, sich auf die Werte und Wiedererkennungsmerkmale der Originaltrilogie zu besinnen, ohne plump einfach deren Story zu kopieren. Ich würde sogar so weit gehen und ihn gleich hinter "Das Imperium schlägt zurück" als meinen zweitliebsten "Star Wars"-Streifen einordnen. Aber vielleicht gehe ich noch 2 oder 3 Mal ins Kino, bevor ich mich darauf festlege. Ich hätte auf jeden Fall nichts dagegen, diese unheimlich fesselnden zwei Stunden noch ein paar Mal zu erleben.
