Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Test
Ein bisschen Fortnite, ein bisschen Super Smash Bros., eine Prise Rocket League und eine ganze Menge Explosionen - so in etwa kann man sich den neuen Arena-Shooter von Final Strike Games vorstellen. Doch kann Rocket Arena mit dieser kreativen Mischung eine würdige Konkurrenz für Genre-Kollegen wie Overwatch darstellen?
Am 14. Juli 2020 veröffentlichte das 2016 gegründete Entwicklerstudio Final Strike Games in Kooperation mit Publisher Electronic Arts seinen allerersten Titel: Rocket Arena, einen Arena-Shooter, der alle Zielgruppen ansprechen soll, egal ob jung oder alt.
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Dabei kann man eines schon mit Sicherheit sagen: Für ein Erstlingswerk ist Rocket Arena wirklich gut gelungen. Doch ob der Shooter tatsächlich jeden begeistern kann, ist fraglich.
Raus aus meiner Arena!
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Die Aufmachung des optisch ziemlich an Fortnite erinnernden Shooters ist vor allem auf ein jüngeres Publikum ausgelegt. In den drei-gegen-drei Kämpfen fliegen zwar eine ganze Menge Raketen durch die Luft, zu Tode kommt hier allerdings niemand. Das Spiel orientiert sich hier vielmehr an Nintendos Super-Smash-Bros. -Reihe. Soll heißen: es geht nur darum, unsere Gegner aus der Arena zu schießen und dabei selbst möglichst im Ring zu bleiben. Treffer mit einer Rakete oder einer entsprechenden Fähigkeit füllen die Schadensanzeige der Figuren auf. Ist diese bis zum Anschlag gefüllt, dann reicht ein einzelner Schuss bereits aus, um den Kontrahenten unter Garantie am Horizont verschwinden zu lassen.
Doch selbst dann erleben wir nicht etwa den Bildschirmtod des Charakters, sondern er wird direkt wieder in die Arena geflogen und kann erneut loslegen. Dieses Prinzip erweist sich auf vielerlei Art als sinnvoll: Zunächst einmal entschärft diese Maßnahme natürlich die Brutalität. Zum anderen fühlt sich das Spiel somit sehr nahtlos an. Dadurch, dass wir nicht untätig auf einen Respawn warten müssen, oder wie bei vielen anderen Online-Shootern erst einmal minutenlang unseren Teamkameraden zusehen müssen, kommt nur sehr wenig Frust auf. Und Frustvermeidung ist auch wirklich nötig, ansonsten kann der Einstieg ins Spiel ein wenig entmutigend werden. Doch dazu kommen wir später.
Lasst uns Helden sein
I
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
n Rocket Arena (jetzt kaufen 2,99 € ) haben wir vor jedem Match die Auswahl zwischen zehn unterschiedlichen Helden. Diese sehen nicht nur allesamt grundverschieden aus, auch in ihrer Funktionsweise heben sie sich stark voneinander ab. Während der Pirat Blastbeard etwa mit Kanonenkugeln schießt, die in einem hohen Bogen und recht langsam auf unsere Gegner zufliegen, wirft die Zauberin Mysteen schnurgerade Spielkarten, während man mit der Armbrust-Schützin Kayi einen Angriff für einen präzisen und schnellen Schuss aufladen muss. Doch nicht nur die Projektile der Primärangriffe sind individuell gestaltet, auch die Sekundär- und Spezialangriffe sind natürlich für jede Figur einzigartig.
So können wir mit dem genannten Piraten Blastbeard etwa eine Druckwelle erzeugen, mit Mysteen zur Ablenkung eine Kopie unserer Selbst erschaffen, mit dem Abenteurer Boone in einen Scharfschützen-Modus wechseln oder als Dschungel-Kriegerin Izell mit einem Speer schnell unseren Feinden entgegenpreschen. Die sehr unterschiedliche Handhabung der Helden sorgt somit gerade in den ersten Stunden für ziemlich viel Abwechslung. Wer zudem etwas über die Hintergrundgeschichte der Welt und der Figuren lernen möchte, der kann diese im Menü nachlesen.
Einzeltraining
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Durch den Abschluss von Matches gewinnt man Erfahrungspunkte, durch welche der gespielte Charakter im Rang aufsteigt. Spielt man also die ganze Zeit über dieselbe Figur, dann kann man mit dieser recht schnell ein hohes Level erreichen. Benutzt man allerdings alle Charaktere gleichmäßig, dann kommt man in Sachen Fortschritt eher mühsam voran. Durch das Aufleveln der Charaktere schalten wir einerseits kosmetische Gegenstände wie zusätzliche Banner und Muster für unser Totem frei, das nur vor und nach einem Match hinter unserem Charakter zu sehen ist. Bei diesen Unlockables ist es also nicht ganz so schlimm, im Level unterlegen zu sein. Die kosmetischen Items müssen für jeden Helden separat freigeschalten werden.
Viel wichtiger sind aber die verschiedenen Artefakte, mit denen wir unsere Recken im Hauptmenü ausrüsten können und die es ebenfalls für Level-ups gibt. Diese sind nämlich nicht kosmetischer Natur, sondern verändern die Werte unserer Figuren und verleihen uns unterschiedliche Boni. So kann das Artefakt "Wackeliger Kanister" etwa dafür sorgen, dass sich unser verursachter Schaden erhöht, wenn sich unsere eigene Schadensanzeige füllt. Die angelegten Artefakte leveln zudem ebenfalls unabhängig vom Helden-Level mit. Wackeliger Kanister startet etwa mit einem Schadensbonus von maximal 8,0 Prozent, auf Level 3 verursachen wir dann 10,0 Prozent mehr Schaden. Das ist zwar kein sonderlich großer Bonus, doch immerhin gibt es dadurch keine großen Balancing-Probleme. Schön: Alle Artefakte können mit allen Figuren genutzt werden, sobald sie einmal freigeschaltet sind und auch der Level des Items bleibt bei einem Wechsel vorhanden.
Modi-Roulette
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Was die Matches selbst betrifft, bietet Rocket Arena einiges an Abwechslung. Im Menü haben wir die Auswahl zwischen insgesamt drei unterschiedlichen Modi. Darunter Social Arena, Knockout und Angriff der Raket-O-Boter. Knockout ist ein ganz herkömmliches Deathmatch mit direktem Wiedereinstieg, bei dem das Dreierteam, welches die meisten Knockouts erzielt, den Sieg nach Hause holt. Angriff der Raket-O-Boter ist wiederum eine Art Hordemodus, in dem wir mit zwei Mitspielern im Koop eine bestimmte Anzahl von KI-gesteuerten Robotern aus dem Ring befördern müssen. Hierfür hat jeder Spieler insgesamt drei Leben, die perdu gehen müssen, bevor der Kampf als verloren gilt. Dieser Modus ist zurzeit leider etwas unterfordernd und könnte gerne anspruchsvoller gestaltet werden. Wirklich spaßig wird es allerdings in der Social Arena. Hier werden wir auf eine zufällig ausgewählte Map geworfen, auf der wir in einem ebenfalls zufällig ausgewürfelten Spielmodus um den Sieg kämpfen. Hier hätten wir die Möglichkeit aber doch nett gefunden, uns selbst für einen Modus entscheiden zu dürfen.
In der Social Arena gibt es nämlich einige verschiedene Match-Arten, wie etwa Raketenball, Mega-Rakete oder Schatzsuche. In einem Raketenball-Match spawnt ein Ball in der Mitte der Karte, der von jedem Charakter aufgenommen und auch geworfen werden kann. Ziel ist es natürlich, das gegnerische Tor zu treffen und den eigenen Kasten sauber zu halten. Mega-Rakete ist im Gegensatz dazu ein eher klassisches Capture the Flag, bei dem der Bereich um eine zufällig spawnende Rakete von unserem Team erobert werden muss. In Schatzsuche hingegen geht es darum, auf dem Spielfeld möglichst viele Münzen einzusammeln. Das Team, welches als erstes 250 Münzen erreicht, entscheidet die Runde für sich. Regelmäßig gibt es in diesen Matches eine Schatzkisten-Runde, in der eine einzelne Truhe erscheint. Der Charakter, der diese aufhebt, bekommt fortwährend Münzen für sein Team, bis er abgeschossen wird und eine andere Figur die Truhe ergattert.
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Schnell wird beim Herumprobieren mit den Figuren klar, dass viele von ihnen in bestimmten Modi schlichtweg dominieren. Die Heldinnen Amphora und Rev sind hier gute Beispiele. Rev surft auf einem Hoverboard, wodurch sie sich schneller bewegen kann als die meisten anderen Charaktere, Amphora kann in einer Art Rochen-Form unter den Boden tauchen und ist so für einige Zeit unverwundbar. Damit eignen sich die beiden perfekt, um etwa im Raketenball die Kugel blitzschnell vor den Gegnern zu ergattern. Währenddessen ist Blastbeard mit seiner Druckwelle gut dazu geeignet, um in Mega-Rakete den zu erobernden Bereich freizuhalten.
Die Problemzonen
Hinsichtlich des Matchmakings muss man leider Geduld beweisen. Bis wir eine Runde starten konnten, warteten wir in unserer Testphase oft mehrere Minuten, vor allem im Knockout mussten wir gelegentlich sehr lange ausharren. Oft ist eine Runde aber schon nach recht kurzer Zeit vorbei, weshalb sich der Gameplay-Loop teils unbefriedigend lahm anfühlt. Und das ist leider auch nicht das einzige Problem bezüglich des Matchmakings.
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Oft wurden wir kurz nach unserem Einstieg mit Charakteren in ein Match gesteckt, die bereits Level 90 überschritten hatten. Als blutige Anfänger guckten wir gegen diese Pro-Gamer natürlich ordentlich in die Röhre. Somit gestalteten sich die ersten Anläufe ziemlich steinig und frustrierend, zumal diese Spieler auch die Maps in- und auswendig kannten und uns im Modus Raketenball etwa durch Raketen- und Wandsprünge ziemlich easy ausmanövrieren konnten. Darüber hinaus muss man sich als neuer Spieler auch erst einmal an die Steuerung gewöhnen. Rocket Arena ist kein schneller Shooter wie Destiny oder Counter Strike, die Raketen fliegen verhältnismäßig langsam auf die Gegner zu und einen guten Treffer zu landen, erfordert dementsprechend Übung.
Natürlich dürfen in einem Titel dieser Machart auch Mikrotransaktionen nicht fehlen. Positiv daran ist zumindest, dass diese sich in Rocket Arena ausschließlich auf kosmetische Inhalte beschränken. Doch ist die Preisgestaltung im Ingame-Shop ziemlich frech. Ein Outfit für den Piraten Blastbeard bekommen wir etwa für 800 Einheiten Raketentreibstoff, was umgerechnet circa 8 Euro entspricht. Oder aber wir können das Banner unseres Totems für nur einen Euro mit einem coolen, roten Streifen aufpeppen. Zwar ist es auch möglich, sich die erforderlichen Punkte für den Kauf zu erspielen, das dauert aber eine ganze Weile.
Quelle: PC Games
Rocket Arena im Test: Ein knallbunter und hochexplosiver Arena-Shooter
Natürlich ist jedem selbst überlassen, ob eine grüne Hose und ein bisschen Kopfschmuck für den Piraten wirklich 8 Euro wert sind. Bei einem Spiel, das sowohl auf dem PC, der PS4 als auch auf der Xbox One immerhin 30 Euro kostet, ist diese Art von Geschäftsmodell allerdings schon bedenklich, unabhängig davon, ob es eine scheinheilige "optionale" Freischaltemethode gibt oder nicht.
