River City Girls Zero im Test: Charmante Retro-Prügelorgie

Test Katharina Pache Lukas Schmid 10,37 €
River City Girls Zero im Test: Charmante Retro-Prügelorgie
Quelle: PC Games

Prügeln wie in den 90er-Jahren: River City Girls Zero entführt euch in gute, alte SNES-Zeiten. Unser Test!

Nekketsu Kōha Kunio-kun. Auf Deutsch: Leidenschaftlicher Schlägertyp Kunio. Dieser Titel dürfte den Wenigsten etwas sagen. Wir müssen aber ein wenig ausholen, um die Herkunft von River City Girls Zero zu erklären, und dabei kommen wir um das japanische Spiel mit dem seltsamen Namen nicht herum. Es erschien schon 1986 in Japan für Arcade-Automaten und wurde von einem gewissen Yoshihisa Kishimoto ersonnen. Der sollte eine Fortsetzung zum Prügelspiel entwickeln, was er auch tat - daraus wurde nicht Nekketsu Kōha Kunio-kun 2, sondern Double Dragon, eine Sidescroll-Brawler-Kultreihe.

Wir bewegen uns also in den Anfangstagen eines beliebten Genres, und River City Girls Zero (jetzt kaufen 10,37 € ) bedient die gleiche Nische. Nekketsu Kōha Kunio-kun bekam einige Spin-offs und richtige Fortsetzungen, eine davon mit dem Namen Shin Nekketsu Kōha: Kunio-tachi no Banka. Sie wurde 1994 exklusiv in Japan für Super Famicom veröffentlicht. Und genau dieses Spiel steckt hinter River Girls Zero! Das Alter merkt man dem Prügelspiel natürlich an, es handelt sich um ein Remaster, nicht um ein Remake. Die vier Protagonisten erstrahlen dementsprechend in der klassischen SNES-Farbpalette und das Bildformat ist in 4:3 gehalten. Ihr könnt auf der Switch auch auf 16:9 umschalten, das verzerrt die Szenen aber hässlich.

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Schläger und Schönheiten

Es wird überraschend viel geredet in diesem Prügespiel. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass River City Girls Zero über deutsche Texte verfügt. Quelle: PC Games Es wird überraschend viel geredet in diesem Prügespiel. Deshalb ist es umso erfreulicher, dass River City Girls Zero über deutsche Texte verfügt. Eher uninspiriert auch die optionalen Grafiken, die ihr anstatt der schwarzen Balken seitlich einblenden könnt - am besten spielt es sich mit schwarzen Rändern und in 4:3, wahlweise mit Interlace-Filter für den Röhrenbildschirm-Look. Sehr schön ist das neue Anime-Intro im 90er-Jahre-Stil sowie die zusätzlichen Manga-Grafiken, in denen die Mädels Kyoko und Misako eine Cartridge des Originalspiels finden und versuchen, zum Laufen zu bringen.

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Logisch, dass die Optik im Spiel an sich heute keinen Blumentopf mehr gewinnt, aber mit aufgesetzter Retro-Sonnenbrille macht River City Girls Zero eine durchaus gute Figur. Die Animationen der Charaktere sind humorvoll, die Farben fröhlich und das Setting - eine japanische Großstadt - dürfte Nostalgikern und Anime-Fans das Herz wärmen.

Mit dem Tokio Tower im Hintergrund fahren wir Richtung Shinjuku – das hat wirklich Oldschool-Flair! Quelle: PC Games Mit dem Tokio Tower im Hintergrund fahren wir Richtung Shinjuku – das hat wirklich Oldschool-Flair! Aber nicht nur in Sachen Grafik sind wir heute weiter als vor 28 Jahren. Das zeigt sich am Gameplay, das sich nicht unbedingt simpel, aber vergleichsweise altbacken anfühlt - ist ja auch kein Wunder. Ihr schlüpft in die Schuluniformen der beiden Schüler Kunio und Riki sowie deren genauso schlagfertigen Freundinnen Kyoko und Misako.

Sobald ihr im Verlauf der Story alle vier beisammen habt, wechselt ihr per Schultertaste zwischen den Figuren. Geht einer eurer Recken zu Boden, müsst ihr ein Continue benutzen (von denen aber eine unbegrenzte Menge zur Verfügung steht) und den jeweiligen Abschnitt ein weiteres Mal in Angriff nehmen. Speicherpunkte gibt es zwar nicht, aber ein Passwortsystem, mit dem ihr an der Stelle weitermachen könnt, bei der ihr den Controller zuletzt weggelegt habt. Wahlweise steigt ein zweiter Spieler lokal mit ins Geschehen ein.

Die Umgebungen sind erfreulich abwechslungsreich und teils interaktiv. Hier kämpfen wir auf einem fahrenden Riesenrad im Vergnügungspark. Quelle: PC Games Die Umgebungen sind erfreulich abwechslungsreich und teils interaktiv. Hier kämpfen wir auf einem fahrenden Riesenrad im Vergnügungspark. Genretypisch erlebt ihr die Prügeleien aus der Seitenansicht, ihr schlagt, tretet, haltet und werft die Feinde, natürlich ist es auch legitim, einen am Boden liegenden Gegner weiter zu bearbeiten. Die Move-Anzahl ist lange nicht so hoch wie bei einem waschechten Beat 'em Up, es gibt aber ausreichend Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen, inklusive Super-Attacken und Angriffe, bei denen ihr die Umgebung nutzt.

Heute gewöhnungsbedürftig ist das fummelige Platzieren des Spielcharakters an der richtigen Stelle, um in Reichweite der Widersacher zu kommen, außerdem ist das Zocken mit den wackeligen Sticks der Joy-Cons manchmal arg unpräzise. Abgesehen von den Kämpfen, bei denen ihr erwartungsgemäß auch einige Bosse aufs Korn nehmt, düst ihr mit eurem Motorrad über japanische Highways. Auch dabei müsst ihr euch Angreifern erwehren, und diese Sequenzen können sich ganz schön ziehen.

Ach, darum wird geprügelt!

Außerdem steckt in River City Girls Zero überraschend viel Story: Riki und Kunio wurden irrtümlich für ein Verbrechen verhaftet, das sie nicht begangen haben. Die beiden brechen kurzerhand aus, holen ihre Mädchen ab und ziehen dann los, um herauszufinden, wer sie so aufs Kreuz gelegt hat - und natürlich, um Rache zu nehmen. Die Dialoge fallen dem Genre und der Zeit entsprechend aus, es geht viel um harte Jungs, Drohungen und coole Sprüche. Passt!

Die Sprachausgabe (für die zusätzlichen Szenen, das Original hatte keine Synchro) lässt sich zwischen Englisch und Japanisch umstellen, Texte sind auch auf Deutsch vorhanden. River City Girls Zero ist kein umfangreiches Spiel, ihr werdet zwischen zwei und vier Stunden für einen Durchgang benötigen. Damit liegt es in einem für diese Zeit typischen Rahmen. Außerdem sind die Umgebungen abwechslungsreich gestaltet.

Trotz seiner Qualitäten ist das Prügelspiel allerdings nur für eine gewisse Klientel reizvoll, ihr solltet auf Retro-Brawler, SNES-Spiele und am besten auch die River-Girls-Serie stehen. Ärgerlich: Wir trafen auf einen Bug, der das Vorankommen bei einem Speicherpunkt unmöglich machte. Dank des Passwortsystems war das nicht so schlimm, aber trotzdem ärgerlich

Meinung

Wertung zu River City Girls Zero (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Abwechslungsreiche SchauplätzeOrdentliche Menge an MovesVier Spielfiguren zum WechselnMit lokalem Koop-ModusFaires Passwort- und Continue-System
Fummelige SteuerungMotorradabschnitte ziehen sich teilweiseÜberschaubarer Umfang

River City Girls Zero ist seit dem 14. Februar 2022 erhältlich. Kaufen könnt ihr den Retro-Prügler für den PC, für Playstation 4, Playstation 5, Nintendo Switch, Xbox Series X/S und die Xbox One. Für noch mehr klassischen Prügelspaß schaut euch doch gerne unseren Test zu Streets of Rage 4 an!

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