Rime im Test: Die Rätsel auf der Insel bergen ein trauriges Geheimnis

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Rime im Test: Die Rätsel auf der Insel bergen ein trauriges Geheimnis
Quelle: PC Games

Auf den Spuren von The Witness, Ico und dem alten Seemann ist das neue Puzzle-Adventure von Tequila Works. Rime besticht mit einer einfachen, aber wunderschönen Optik, kniffligen Rätseln und einer spannenden Geschichte, die ihr während des Spiels aufdeckt. Im Test sehen wir uns das Spiel der The-Sexy-Brutale-Macher an und zeigen euch seine Besonderheiten.

Ein heftiger Sturm wütet. Blitze erhellen den Himmel. Euer Schiff kämpft gegen die Wellen auf hoher See an und verliert. Am Strand einer Insel wacht ihr als kleiner Junge auf. Übrig sind nur eure Kleidung, ein zerfetzter roter Umhang und keinerlei Erinnerungen daran, was passiert ist.

Von Ruinen und Geheimnissen

Tequila Works hat bereits im April 2017 mit The Sexy Brutale ein Adventure im Point&Click-Stil geliefert. Jetzt gibt es vom spanischen Entwickler-Studio gleich das nächste Schmankerl: Rime. Fleißig, fleißig! Das Puzzle-Adventure ist seit dem 26. Mai 2017 für PC, PS4, Xbox One und die Nintendo Switch erhältlich. In diesem Single-Player-Action-Adventure müsst ihr knifflige Rätsel lösen und dadurch einem großen Geheimnis auf die Spur kommen.
Im Spiel findet ihr auch immer wieder kleinere Jadestatuen. Wenn ihr sie mit eurer Stimme aktiviert, öffnen sie euch Türen oder offenbaren Geheimnisse. Quelle: PC Games Im Spiel findet ihr auch immer wieder kleinere Jadestatuen. Wenn ihr sie mit eurer Stimme aktiviert, öffnen sie euch Türen oder offenbaren Geheimnisse. Ihr macht euch in bester Third-Person-Manier auf den Weg vom Strand, an dem ihr gelandet seid, weiter ins Innere der Insel, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Dort erblickt ihr eine riesige, marmorweiße Ruine und einen ebensolchen hohen Turm, der einem Leuchtturm zum Verwechseln ähnlich sieht. Diesen gilt es zu erklimmen und mit dem Abschließen jedes der fünf Levels kommt ihr dem Ziel ein Stückchen näher. Am Ende jedes Levels steigt ihr höher im Leuchtturm empor und durchschreitet dann ein hell erleuchtetes Portal, das euch zur nächsten Etappe bringt. Doch bevor ihr das nächste Areal betretet, durchlebt ihr immer eine Zwischensequenz, die quasi eine Erinnerung an den Sturm darstellt. Nach der Zwischensequenz lädt das In Rime könnt ihr euch auch Unterwasser fortbewegen. Sauerstoff bekommt ihr durch die Luftblasen. Quelle: PC Games In Rime könnt ihr euch auch Unterwasser fortbewegen. Sauerstoff bekommt ihr durch die Luftblasen. nächste Level, was immer ein wenig dauern kann, und dann geht das Erkunden auch schon weiter. Dabei steht euch eine Füchsin zur Seite, die ihr nach dem ersten gelösten Rätsel findet. Sie leitet euch und zeigt euch an schweren Stellen den Weg.

Rime im Test: Rätsel, Sammeln und Erkunden!

Rime ist nämlich keineswegs schlauchig aufgebaut, ihr könnt die Levels relativ frei erkunden und dabei sogar versteckte Gegenstände finden. Bei diesen handelt es sich aber um reine Sammelobjekte, die ihr innerhalb des Spiels teilweise verwenden könnt. Sechs verschiedene Outfits, sieben Spielzeuge, 18 Embleme, acht Schlüssellöcher und die Teile eines Schlafliedes sind in den Levels verteilt. Klettert an unglaublich hohen Felsklippen entlang, wenn ihr die weißen Markierungen seht. Taucht durchs flache Meer in Unterwasser-Ruinen und versorgt euch auf dem Weg mit Luftblasen, die aus Korallen wachsen. Rennt durch trockene Sanddünen - das macht eurer Charakter übrigens automatisch, wenn ihr länger die Bewegungstasten gedrückt haltet - und versteckt euch vor einem riesigen Greifvogel. So findet ihr die versteckten Extras und auch euren Weg zu den Rätseln, die ihr im Laufe des Spiels lösen müsst, um weiter zu kommen und eure Vergangenheit Stück für Stück zusammenzusetzen.

Rime im Test: Die Stimme macht die Musik

Licht- und Schattenspiele gehören unter anderem zu den Rätselmöglichkeiten in Rime. Aber auch Perspektivenrätsel und Zeitmanipulationen sind zu finden! Quelle: PC Games Licht- und Schattenspiele gehören unter anderem zu den Rätselmöglichkeiten in Rime. Aber auch Perspektivenrätsel und Zeitmanipulationen sind zu finden! Kleine leuchtende Kugeln könnt ihr herumtragen und mit eurer Stimme zum zerspringen bringen. Auch das müsst ihr an manchen Stellen tun, um ein Rätsel zu lösen. Quelle: PC Games Kleine leuchtende Kugeln könnt ihr herumtragen und mit eurer Stimme zum zerspringen bringen. Auch das müsst ihr an manchen Stellen tun, um ein Rätsel zu lösen. Dabei werdet ihr in Rime weder Texteinblendungen noch eine Sprachausgabe finden. Musik und Laute sind der Schlüssel in diesem Adventure. Benutzt ihr die linke Maustaste in der Nähe eines Gegenstandes aus Jade, ruft der kleine Junge ein lautes "Ha!", welches den Gegenstand aktiviert. Wenn kein solcher in der Nähe ist, reagiert euer Charakter per Mausklick auf seine Umwelt, indem er sich erschreckt oder erstaunte Laute von sich gibt. In normalen Situationen, in denen ihr lediglich die Welt erkundet, wird er ein leises Lied summen. Durch dieses Lied leuchten an bestimmten Orten Wandmalereien auf, die euch auch einen kleinen Einblick in die Hintergründe der Vergangenheit des kleinen Jungen liefern. Oft sind ein König und sein Sohn zu sehen. Bedeutet das, dass der kleine Junge ein Prinz in seinem untergegangenen Königreich ist? Das müsst ihr herausfinden! Eure Stimme ist auch ein wichtiger Faktor im Lösen von Rätseln. Wie schon erwähnt, könnt ihr damit Jadegegenstände aktivieren. Jedoch gibt es auch Rätsel, in denen ihr mit Licht und Schatten spielen, Perspektiven verändern und sogar die Zeit manipulieren müsst, um auf die Lösung zu kommen. Rime bietet im Rätseldesign eine große Bandbreite an Möglichkeiten, die auch immer wieder neu verknüpft werden. Außerdem seht ihr des Öfteren Statuen, die wie in The Witness den Eindruck erwecken, versteinerte Menschen zu sein. Durch die Rätsel und die Mysterien der Insel wird das Spiel in keiner Minute der etwa fünf bis sechs Stunden Spielzeit langweilig.

Rime im Test: Tolle Grafik, keine Kämpfe

Dadurch, dass ihr nur durch eure Stimme oder durch Greifen und Verschieben interagieren könnt, benötigt ihr kein Inventar. Dieses findet sich nämlich in Rime genauso wenig wie ein Benutzerinterface. Eure gesammelten Objekte seht ihr im Spielmenü ein, dort findet ihr auch die Galerie, die sich im Spielverlauf selbst füllt. Das sind aber keine Screenshots von eurem eigenen Spiel, es handelt sich dabei eher um Rime-Artwork, wobei jedes Bild in einem etwas anderen Stil dargestellt wird.

Die Ballade vom kleinen Seemann
Für alle Story-Nerds unter euch: Rime hat möglicherweise einen literarischen Klassiker zum Vorbild genommen.
 
Wenn ihr euch das Wort Rime aus dem Englischen auf Deutsch übersetzen lasst, ist das nicht sonderlich ergiebig. Das Ergebnis, das eher interessant ist, ist The Rime of the Ancient Mariner, zu Deutsch Die Ballade vom alten Seemann. Das 1798 verfasste Werk stammt vom englischen Dichter Samuel Taylor Coleridge und erzählt die Geschichte eines Seemannes, der von einer langen Reise zurückkehrt. Auf dieser Reise gerät das Schiff in einen Sturm und darauf folgt eine windstille Zeit, während der die gesamte Crew leidet, bis ein Albatros auftaucht und ihnen den Wind schenkt. Der alte Seemann tötet den Albatros aber bald und verdammt dadurch sich selbst und die gesamte Crew. Sie haben kein Wasser mehr und siechen vor sich hin, als der Tod persönlich und die Frauengestalt des Lebens im Tode erscheinen und um die Besatzung des Schiffes würfeln. Der Tod gewinnt die Crew und diese stirbt daraufhin, nur der Seemann bleibt übrig. Als er nach Tagen endlich einen Leuchtturm erblickt, weiß er, dass er in der Heimat angekommen ist. Die Geschichte und das Spiel Rime haben einige Parallelen, sowohl in Struktur und Aufbau, als auch in kleinen Details. Neben dieser Inspiration besitzt Rime noch eine ganz besondere Meta-Ebene, die ihr erst nach Beenden des Spiels völlig verstehen könnt. Lasst euch gesagt sein: Es wird ein richtiger „Aha!“-Moment.

Wo das Thema Stil gerade aufkommt: Grafisch erinnert Rime sehr an The Legend of Zelda: The Wind Waker oder The Witness, denn auch hier wurde ein Cel-Shading-Look gewählt. Das bedeutet, dass die Engine die 3D-Grafik in einem Comic-Stil darstellt, was zu minimalistischeren Texturen und stärkeren Farbkontrasten führt. Auch die Rätsel sind ähnlich leicht wie zu Anfang des Link-Abenteuers und bleiben es dann auch, ohne langweilig zu werden. Die nicht vorhandenen Kampfsituationen fehlen zwar nicht direkt bei Rime, da es viel zu erkunden gibt und das Klettern, Tauchen und Rätsellösen abwechslungsreich genug ist. Jedoch würden kleinere Kämpfe den Spielfluss ein wenig auflockern. Ihr trefft zwar auf so etwas wie Gegner im Spiel - beispielsweise ein riesiger Greifvogel oder Schattengestalten, die denen in Ico ziemlich ähneln -, allerdings könnt ihr vor diesen nur davonlaufen oder euch an ihnen vorbeimogeln. Eine winzige Kampfoption würde das Ganze vielleicht ein wenig spaßiger machen. En garde!

Rime im Test: Der Weg ist das Ziel

Tequila Works hat sich für Rime offensichtlich von vielen Seiten inspirieren lassen und dabei ist ein abgerundetes, spannendes und interessantes Puzzle-Adventure entstanden. Die tiefgründige Geschichte, die sich im Spielverlauf herauskristallisiert, richtet sich deutlich eher an ältere Spieler, die die Bedeutung der philosophischen Story gut fassen können. Die süße und hübsche Welt und die relativ einfach gehaltenen Rätsel sollen dann auch die jüngere Generation abholen, denn Rime ist schon ab sechs Jahren freigegeben.

Und auch wenn es keine umfangreichen Interaktionen gibt, passen sich die vorhandenen Möglichkeiten perfekt ins Geschehen der Spielwelt ein und treiben den Spieler immer weiter in der Welt voran. Dabei helfen natürlich auch die Rätsel, die zwar größtenteils zu einfach sind, euch aber trotzdem motivieren weiterzuspielen. Wenn ihr also nach einem Spiel mit durchdachter Handlung, spaßigen Puzzles und einer traumhaften Spielwelt sucht, das nicht zu lang dauert, habt ihr mit Rime einen Treffer gelandet.

Meinung

Wertung zu Rime (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Rime (PS4)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Rime (XBO)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Schöne, durchdachte SpielweltInteressante, fesselnde StoryTolle Musik und Einbindung ins SpielWiederspielwert durch Collectibles
Recht lange Wartezeiten zwischen den LevelsRätsel teils zu leicht für erfahrene SpielerKleine Kämpfe wären interessant

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