16 Tage 16 Bit: Tag 15 - Snatcher
Special
An Tag 15 unserer Retro-Reihe 16 Tage 16 Bit spielt Chris den Cyberpunk-Klassiker Snatcher von Hideo Kojima auf dem Sega Mega CD. Kann das düsetere Adventure auch heute noch überzeugen oder ist es einfach nur ganz großer Quatsch? Unser redakteur hat dazu eine eindeutige Meinung.
Mein Name ist Chris, ich bin Redakteur bei PC Games und momentan hole ich Spiele aus der 16-Bit-Ära nach. Euch lasse ich an meinen Erlebnissen dabei teilhaben. Hier bei 16 Tage 16 Bit.
Tag 15: Snatcher
Ich bin wahrlich kein Fan von Hideo Kojima. Ich respektiere die Leistungen des Japaners, aber seine Spiele treffen eigentlich nie so wirklich meinen Geschmack. Die Metal-Gear-Solid-Reihe fand ich nicht mehr als okay und Death Stranding war meiner Meinung nach sogar richtig kacke. Ich ging also ohne große Erwartungen an Snatcher, obwohl ich wusste, dass das Cyberpunk-Adventure von vielen Gamern immer noch als Meisterwerk bezeichnet wird. Umso größer war dann meine Überraschung: Verdammt, Snatcher ist wirklich ein richtig geiles Spiel!
Quelle: PC Games
16 Tage 16 Bit: Tag 15 - Snatcher (8)
Wollte ich nur ansatzweise die Story von Snatcher und die Hintergründe zusammenfassen, würde ich Stunden an diesem Text sitzen/würde dieses Video Stunden dauern. Deshalb ganz vereinfacht: Snatcher spielt Mitte des 21. Jahrhunderts in der fiktiven japanischen Stadt Neo Kobe City und man übernimmt die Rolle des Junkers Gillian Seed. Dessen Aufgabe ist es, die titelgebenden Snatcher aufzuspüren und zu beseitigen.
Snatcher sind humanoide Roboter, die Menschen umbringen und mit künstlicher Haut überzogen deren Platz in der Gesellschaft einnehmen. Im Verlaufe der Story kommt der unter Amnesie leidende Gillian Seed den Hintergründen der Snatcher auf die Spur und erfährt auch mehr über seine eigene Vergangenheit. Dabei zur Seite steht ihm der kleine Roboter Metal Gear MK 2, der nicht nur vorlaut und frech, sondern auch ziemlich nützlich ist. Schließlich kann er Spuren analysieren, gibt Hinweise und ist obendrein auch noch als Videotelefon verwendbar.
Selbst bei dieser super kurzen Zusammenfassung habt ihr vermutlich schon extrem viele Anspielungen auf Filme und Spiele entdeckt. Kojima vermischt in Snatcher viel Bladerunnner mit Die Körperfresser kommen mit Terminator mit Akira mit Buddy-Cop-Filmen der 80er mit Nummer 5 lebt mit B-Movie-Trash mit ... Ach, ihr habt schon verstanden. Dazu gibt es allerhand Anspielungen auf Konami-Spiele und an manchen Stellen wird sogar die vierte Wand durchbrochen.
Was aus so vielen Einzelteilen besteht, die zusammengeworfen wurden, sollte eigentlich nicht funktionieren, doch das tut es! Und das sogar richtig, richtig gut. Die Elemente verschiedener Inspirationen wurden mit Bedacht ausgewählt und zusammengefügt. Snatcher gelingt auch heute noch beeindruckend der Spagat zwischen düsterem Sci-Fi-Noir-Thriller und teils herrlich alberner Buddy-Cop-Comedy.
Quelle: PC Games
16 Tage 16 Bit: Tag 15 - Snatcher (3)
Die Story ist manchmal ein wenig trashig, aber stets spannend und spart nicht mit Schockmomenten, Gewalt und überraschenden Wendungen. Selbst etwa 25 Jahre nach Veröffentlichung der internationalen Fassung auf dem Sega Mega CD ist die Präsentation des Spiels noch fantastisch und überzeugt mit düsterer Atmosphäre, immer noch ansehnlicher Grafik und filmreifer Inszenierung. Ich habe fast ohne Pause über zehn Stunden vor diesem Spiel gesessen, bis der Abspann lief und ich endlich dem Geheimnis der Snatcher auf die Schliche kam. Ich behaupte mal, das gelingt heutzutage den wenigsten Retro-Spielen.
Doch nicht nur die Story fesselte mich an den Bildschirm, sondern auch der Humor. Die Dialoge zwischen Gillian und Metal Gear sind teilweise super lustig und oftmals wird man mit optionalen Comedy-Cutscenes belohnt, wenn man im Rahmen der Möglichkeiten Blödsinn macht, sämtliche Aktionen ausprobiert oder versucht, Frauen aufzureißen. Ohnehin sind in den Verlauf der düsteren Story immer wieder Szenen eingebettet, die echt witzig sind. Wer Snatcher gespielt hat, hat hier jetzt ganz bestimmt direkt die Szene vor Augen, in der die Bremsen von Gillians Turbocycle nicht mehr funktionieren.
Quelle: PC Games
16 Tage 16 Bit: Tag 15 - Snatcher (4)
Spielerisch ist Snatcher ein recht klassisches Adventure, in dem man die meiste Zeit aus Aktionen wie Anschauen, Zeigen, Untersuchen oder Fragen wählt und so mit anderen Figuren oder der Umwelt interagiert. Das wirkt heutzutage natürlich ein wenig altbacken, passt aber gut zur Atmosphäre des Spiels. Snatcher will sehr filmisch sein und das typische Action-Gameplay der 16-Bit-Ära würde dem Titel wohl eher schaden als guttun.
Dennoch hat das Detektiv-Adventure-Gameplay auch seine Schwächen. Selbst wenn man nicht auf des Rätsels Lösung kommt, reicht es oftmals, wild sämtliche Aktionen durchzuprobieren. Zudem muss man erstmal darauf kommen, dass man an manchen Stellen bestimmte Aktionen mehrmals wiederholen muss, um Fortschritt in der Story zu triggern.
In manchen Situationen stand ich erst wie der Ochs vorm Berg, bis ich grummelnd in einer Komplettlösung nachschaute, um festzustellen, dass ich, obwohl es in diesem Abschnitt keine weiteren Objekte oder Hinweise gibt, jeweils acht Mal Anschauen und Untersuchen ausführen muss, damit etwas passiert. Zudem sollte man gute Englischkenntnisse besitzen, wenn man Snatcher nachholen möchte. Diese sind für manche Rätsel dringend notwendig und die vertonten Zwischensequenzen sind nicht untertitelt.
Quelle: PC Games
16 Tage 16 Bit: Tag 15 - Snatcher (9)
Neben den Adventure-Parts gibt es jedoch auch ein paar Action-Passagen, in denen böse Spinnenroboter oder gar Snatcher auftauchen und erledigt werden müssen. Diese Parts sind spielerisch ziemlich simpel, da man nur einzelne Teile eines Gitternetzes anvisieren muss, doch als Auflockerung funktionieren sie echt gut. Gerade auch, weil sie teilweise richtig toll inszeniert sind und die Snatcher wunderbar fies aussehen.
Ihr merkt schon, insgesamt bin ich sehr begeistert von Snatcher. Die wenigen Stellen, an denen mich das Spiel nervte, verzeihe ich ihm, weil seine Stärken dafür umso größer sind. Die Atmosphäre ist immer noch fantastisch, die Story ist spannend sowie top inszeniert und auch der alberne Humor funktioniert noch hervorragend. Ich bin echt froh, diesen Klassiker nun nachgeholt zu haben. Wer die Möglichkeit hat, an ein Sega Mega CD zu kommen, sollte Snatcher unbedingt spielen.
