Capcom, es wird Zeit für ein Remake von RE: Code Veronica!
Kolumne
Nach dem Remake von Resident Evil 4 steht Capcom vor einer Entscheidung: Welchem Survival-Horror-Klassiker spendiert man als Nächstes eine Neuauflage?
Und zu guter Letzt: Code Veronica hätte ein paar Überarbeitungen auch einfach bitter nötig. Es ist einer der wenigen Ableger, die in keiner modernen Art und Weise neu aufgelegt wurden. Die einzige Möglichkeit, den Survival-Horror-Klassiker aktuell zu spielen, ist über die Abwärtskompatibilität der Playstation - und Xbox-Konsolen. Es gibt weder eine PC- noch eine Switch-Version. Allein für die allgemeine Verfügbarkeit wäre das Remake ein Segen, ganz zu schweigen von der Zugänglichkeit. Das Original wird über 20 Jahre nach seinem ursprünglichen Release kaum noch neue Spieler anziehen. Dafür ist die Optik einfach zu angestaubt - selbst in der 2011 erschienen HD-Version mit leicht verbesserten Licht- und Schatteneffekte und minimal höher aufgelösten Texturen. Jetzt stellt euch doch mal vor, wie gut das in Capcoms neuer RE Engine aussehen könnte! Und wie sich das erst spielen würde!
Denn auch in Sachen Gameplay hat Code Veronica noch einiges aufzuholen. Es setzt auf die damals serientypische "Panzersteuerung". Heißt also: träge Fortbewegung aus fest vorgegebenen Kameraperspektiven. Ersetzt das durch die etablierte Third-Person-Ansicht und das Ganze fühlt sich schon deutlich geschmeidiger an!
Neu, jetzt noch besser!
Und wenn ihr dann schon dabei seid, Capcom, dann nehmt euch doch noch der anderen Probleme des Spiels an: Schmeißt zum Beispiel die furchtbaren Motten aus den Arktislevels raus! Und überlegt euch eine elegantere Lösung für das Inventarsystem. Zur Erinnerung: Chris und Claire teilen sich die Inventar-Kisten in Code Veronica. Gegenstände, die ihr mit einem Charakter hineinlegt, könnt ihr mit einem anderen herausnehmen, was für ein absolutes Durcheinander sorgt: Bossfights werden unnötig schwer, weil ihr nicht die passenden Waffen und Heilkräuter dabeihabt. Rätsel lassen sich nicht lösen, weil euch Schlüssel-Items fehlen. Stichwort: Feuerlöscher.
Im Worst Case könnt ihr euren Spielstand komplett vergessen, weil ihr gar nicht mehr weiterkommt. Da muss es doch ne bessere Lösung geben - etwa wie in Teil 5, wo die beiden Hauptfiguren ihre Ausrüstung fast jederzeit miteinander tauschen können.
Apropos Ausrüstung: Beim Gunplay darf es gerne etwas heftiger knallen. Code Veronica setzte zum Release nicht auf explizite Gewaltdarstellung, sondern mehr auf Psycho-Horror. So konnten anders als in den Vorgängern keine Gliedmaßen abgeschossen werden. Das dürfte man in einem Remake gerne ändern. Und auch an der Story sollte man nochmal feilen: ein noch ernsterer Ton, ein paar mehr Details, ein flotteres Pacing. Und natürlich ein Begleiter, der deutlich weniger nervt.
Fixing Steve Burnside
Steve Burnside ist wahrscheinlich die Krönung der schlecht geschriebenen Nebencharaktere. Der Teenager, der euch über weite Teile von Code Veronica hinweg begleitet, kommt euch ständig in die Quere. In Cutscenes heult er andauernd nur rum. Er ist ein unsympathisches Weichei, ein Klotz am Bein, den man eigentlich nur hassen kann. In einem Remake gäbe es endlich die Chance, aus ihm eine mindestens halbwegs erträgliche Figur zu machen. Gebt ihm ein paar neues Lines, sucht euch einen guten Voice Actor, denkt euch etwas mehr Hintergrundgeschichte aus - schon habt ihr einen deutlich angenehmeren Zeitgenossen. Wenn sich Ashley fixen lässt, dann ganz sicher auch Steve!
Quelle: Capcom
Mit all diesen Verbesserungen könnte ein ohnehin schon klasse Spiel noch besser ausfallen. Also gebt euch doch endlich mal nen Ruck, Capcom! Ja, ich weiß: "Es gibt derzeit keine konkreten Pläne". Das habt ihr letztes Jahr schon in einem Interview mit der US-Website Noisy Pixel verraten. "Wir sollen uns also keine allzu großen Hoffnungen machen."
Aber schuldig seid ihr uns eine Neuauflage schon irgendwie. Schließlich habt ihr uns die einzige andere Möglichkeit genommen, Code Veronica in zeitgemäßem Gewand zu erleben: Ein kostenloses Fan-Remake wurde 2022 durch einen Copyright-Strike aus dem Netz getilgt - nachdem das Entwicklerteam drei Jahre lang an Grafik, Kameraperspektive und Gameplay gewerkelt hatte! Da finde ich schon, dass ihr euch mal mindestens um einen adäquaten Ersatz kümmern solltet.
