Resident Evil 7 Biohazard Test: Der Nachfolger, den die Serie gebraucht hat

Test Katharina Pache
Guten Morgen: 
Mama Baker überrascht ihre Lieben gerne. Dabei sah die Dame des Hauses zugegebenermaßen aber schon mal frischer aus! (PS4)
Quelle: Games Aktuell

Schrecklich gut oder zum Fürchten schlecht? Resident Evil möchte sich mit Teil sieben ­(wieder einmal) neu ­erfinden.

Angst gehört zum Leben. Sie hinderte eure Vorfahren daran, die Abkürzung durch die nächste Säbelzahntigerhöhle zu nehmen, und ermöglichte dadurch, dass ihr heute existiert und Angst vor abstrakteren Gefahren wie Jobverlust und Alters­armut habt. Eine moderne Sorge können wir euch mit diesem Vortest zu Resident Evil 7 immerhin nehmen, nämlich die, dass es sich bei der Fortsetzung der Survival-Reihe um ein schlechtes Spiel handelt. Wer seine vom Alltag geräderte Seele einer Urangstkur unterziehen will, der ist mit dem Gruselschocker Resident Evil 7 gut bedient. Es werde Licht: 
In Schattenrätseln müsst ihr Objekte so drehen, dass sie ein Bild auf die Leinwand werfen. (PS4) Quelle: Games Aktuell Es werde Licht: In Schattenrätseln müsst ihr Objekte so drehen, dass sie ein Bild auf die Leinwand werfen. (PS4) Papa ist sauer: 
Familienoberhaupt Jack duldet keine Widerworte. Auch wenn er so nett lächelt. (PS4) Quelle: Games Aktuell Papa ist sauer: Familienoberhaupt Jack duldet keine Widerworte. Auch wenn er so nett lächelt. (PS4)

Ein normaler Psychopath

Ethan ist kein Mitglied der berühmten S.T.A.R.S.-Einheit, dem Sonder­einsatzkommando, aus dessen Rängen üblicherweise die Helden der Resident Evil-Reihe entspringen. Nein, er ist ein normaler Typ, der seine verschollene Freundin Mia sucht. Trotz seiner anfänglichen Unbedarftheit schließt er überraschend schnell Frieden mit dem Umstand, dass er die Liebste im tiefsten Süden der USA den Klauen einer Familie Irrer und ekelhafter Monster entreißen muss. Da gab es in den letzten Jahren überzeugendere Charakterentwicklungen im Genre zu beobachten, etwa bei der Konkurrenz Silent Hill: Downpour aus dem Jahre 2012.

Viel schillernder als Ethan präsentieren sich die Angehörigen der Familie Baker, die (auch wortwörtlich) nicht mehr ganz sauber sind. Was genau der Sippe zugestoßen ist, wo die verschwundene Mia steckt und wieso sie überhaupt das Baker-Anwesen besuchte, findet Ethan auf dem normalen Schwierigkeitsgrad in etwa zehn Stunden Spielzeit heraus. Wer wenig Wert auf Eastereggs und Sammel­objekte legt, löst das Rätsel mitunter in acht Stunden oder weniger.

Die Handlung verliert ab der zweiten Spielhälfte ein wenig an Spannung und bemüht ein paar etablierte Horror-Klischees zu viel, um Genreveteranen zu überzeugen. Unaufmerksame Spieler hingegen laufen Gefahr, durch die teilweise in mehreren Zeitebenen präsentierte Handlung den Überblick zu verlieren. Alles in allem sind keine Vorkenntnisse der umfangreichen Serie erforderlich, Resident Evil 7 steht für sich. Gewisse Traditionen der frühen Spiele der Reihe hält Teil 7 still in Ehre, etwa durch makabre Mechaniken verschlossene Türen, Tränke, gemixt aus Kräutern, oder das Speichern an anachronistisch anmutenden Kassettenrecordern.

Gammelfleisch: 
Die Monster sind schaurig gestaltet, es gibt aber wenige Variationen. (PS4) Quelle: Games Aktuell Gammelfleisch: Die Monster sind schaurig gestaltet, es gibt aber wenige Variationen. (PS4) Es kribbelt: 
Die widerlichen kleinen Spinnen blockieren manchmal Türen, brennen aber immerhin gut. (PS4) Quelle: Games Aktuell Es kribbelt: Die widerlichen kleinen Spinnen blockieren manchmal Türen, brennen aber immerhin gut. (PS4)

Artenvielfalt

Aus der Ego-Ansicht, die sich im Horror-Genre in den letzten Jahren nicht nur durch den VR-Trend mehr und mehr etabliert hat, widersetzt sich Ethan den Feinden zunächst mit Messer und Axt, später mit Pistole, Magnum, Schrotflinte, Flammen- und Granatwerfer sowie Maschinengewehr.

Verschwenderischer Umgang mit der Munition ist dabei nicht zu empfehlen, manchmal ist es sinnvoller, die Beine statt das Schießeisen in die Hand zu nehmen. Neben den zunächst menschlich erscheinenden Bakers treiben humanoide Monstrositäten mit spitzen Zähnen und langen Klauen ihr Unwesen im Sumpf, dazu kommen übliche Verdächtige wie dickbäuchige Spinnen und überproportionierte Stechmücken. Gegnerdesign und -vielfalt im regulären Spielverlauf lassen zwar zu wünschen übrig, die Bosskämpfe aber sind packend inszeniert.

Allzu schwierig ist Resident Evil 7 auf dem normalen Schwierigkeitsgrad für Genre-Kenner nicht. Setzt man die Schüsse gezielt und verlangsamt man Feinde, indem man deren Beine ins Fadenkreuz nimmt, kommt man ohne allzu viele Bildschirmtode und Frustmomente am Ende der Geschichte an. Bei den Rätseln ist das ähnlich. Es handelt sich weniger um komplexe Kopfnüsse als um simple Herausforderungen, in deren Nähe ab und zu gar ein Zettel hängt, auf dem Ethan die erforderliche Vorgehensweise einfach nachlesen kann. Der Verzicht auf obskure Puzzles sorgt immerhin für einen angenehmen Spielfluss ohne Stolpersteine und einen schönen Rhythmus zwischen Action und ruhigen Passagen. Alles Gute? 
In einem recht umfangreichen Rätsel-­Flashback-Kapitel gilt es unter anderem, eine brennende Kerze auf dem Geburtstagskuchen zu platzieren. (PS4) Quelle: Games Aktuell Alles Gute? In einem recht umfangreichen Rätsel-­Flashback-Kapitel gilt es unter anderem, eine brennende Kerze auf dem Geburtstagskuchen zu platzieren. (PS4) Sicherheitszone: 
Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad speichert ihr, so oft ihr wollt, an Kassettenrecordern. (PS4) Quelle: Games Aktuell Sicherheitszone: Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad speichert ihr, so oft ihr wollt, an Kassettenrecordern. (PS4)

Mit gefüllten Taschen

In der ersten Hälfte des Spiels ist Ethan hauptsächlich auf dem Anwesen der Bakers unterwegs. Statt einem linearen Pfad zu folgen, kehrt er zu bereits besuchten Räumen zurück, schaltet Abkürzungen frei und sammelt diverse Objekte, die ihm dabei helfen, bis zum Tagesanbruch zu überleben. Dazu gehören etwa Steroide und Stabilisatoren. Beide Mittel werden injiziert und verbessern Ethans physische Verfassung dauerhaft. Steroide erhöhen die Gesundheit, Stabilisatoren unterdrücken das Zittern beim Zielen mit der Waffe.

Rucksäcke erweitern das arg begrenzte Inventar, das dennoch nie ausreicht. Einerseits passt das zum Geist der Serie, die stets intelligentes Item-Management erforderte, andererseits wurde die Mechanik nicht gut umgesetzt. Ethan kann Objekte nicht ablegen oder Munition direkt in ein leeres Magazin laden, wenn er keinen Slot in der Tasche frei hat. Verschlimmert wird der Umstand im Irrenhaus-Modus, der nach dem ersten Durchspielen freigeschaltet wird. Dort existieren spezielle Schriftrollen, die Ethan mit erhöhter Widerstandskraft versorgen - aber nur, wenn er sie bei sich hat. Angesichts der erheblichen Schlagkraft selbst schwächster Feinde in diesem Schwierigkeitsgrad ist der Besitz der Kraftspender doch sehr zu empfehlen.

Ebenfalls verwirrend: Manche Objekte lassen sich in einem Slot stapeln (Kräuter, Minen), andere wiederum nicht (flüssige Chemikalien). Immerhin ist der Weg zur nächsten Lagerkiste meistens nicht allzu weit - und die hat unbegrenzt Platz für allerlei unerwünschte Kleinigkeiten. Mit den überall verstreuten antiken Münzen kauft man sich Steroide, Stabilisatoren oder eine Magnum, jedoch ohne dafür einen mysteriösen Händler mit Mantel aufsuchen zu müssen. Ethan wirft das benötigte Kleingeld einfach in die mancherorts bereitstehenden Käfige und greift sich den Preis. Für Atmosphäre und Erklärungen zur Hintergrundgeschichte sorgen Unmengen von Fotografien und Schriftstücken in der Umgebung.

Rattatatata: 
Viele Waffen erlangt Ethan nur abseits der Pfade, die zum nächsten Plotpoint führen. Haftminen und Maschinengewehr sind tolle Helfer in der Not. (PS4) Quelle: Games Aktuell Rattatatata: Viele Waffen erlangt Ethan nur abseits der Pfade, die zum nächsten Plotpoint führen. Haftminen und Maschinengewehr sind tolle Helfer in der Not. (PS4) Schöne Grüße: 
Ab und zu findet man die Überreste anderer Besucher der Farm. Ziemlich makaber. (PS4) Quelle: Games Aktuell Schöne Grüße: Ab und zu findet man die Überreste anderer Besucher der Farm. Ziemlich makaber. (PS4)

Von Höhepunkt zu Höhepunkt

Resident Evil 7 lässt an vielen Stellen auch gestählte Nerven flattern, meistens versteht das Spiel es vorzüglich, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen und die Anspannung in einem gelungenen Jump-Scare gipfeln zu lassen. Gerade im letzten Kapitel jedoch begeht der Titel den bei vielen Horror-Spielen üblichen Fehler, die Action auf die Spitze treiben zu wollen. Wenn man zig Ungeheuer nacheinander erlegt, möchte einfach keine Gänsehautstimmung aufkommen. Die Settings abseits der Farm-Gebäude sind zudem wenig spektakulär und vor allem den Serienveteranen unter den Spielern thematisch bekannt - da hilft es wenig, dass eine der Locations ein recht gelungenes Level-Design aufweist.

Vorsicht: Wer Horror mag, der steht nicht unbedingt auch auf extrem blutrünstiges Bildschirmgeschehen. Zwar spielt psychologischer Grusel ebenfalls eine wichtige Rolle in Resident Evil 7, der extrem expliziten Darstellung von Gewalt, die einen erwartet, sollte man sich aber bewusst sein. Gewebe und Gedärm fliegt nicht nur umher, wenn Ethan gegen Monster kämpft und die Kettensäge kreisen lässt. Gelegentlich entspricht das japanische Horrorspiel in Sachen Gewaltporno-­Faktor dem Level eines Saw. Dramatisch: 
Die Beleuchtung setzt an vielen Stellen die nahenden Feinde in Szene. (PS4) Quelle: Games Aktuell Dramatisch: Die Beleuchtung setzt an vielen Stellen die nahenden Feinde in Szene. (PS4) Eine Frage des Formats: 
Auf dem PC kann man Resident Evil in verschiedenen Formaten genießen (hier in 16:9). Das sorgt für echtes Kino-Feeling! (PC) Quelle: Games Aktuell Eine Frage des Formats: Auf dem PC kann man Resident Evil in verschiedenen Formaten genießen (hier in 16:9). Das sorgt für echtes Kino-Feeling! (PC)

Schöne Schauer

Die Ladezeiten auf der PS4 sind zwar bei jedem Neustart mit über einer Minute gewaltig, dafür geht es aber nach dem Bildschirmtod rasch weiter und zwischendrin wird Ethan nicht aufgehalten. Positiv fällt auf, dass Resident Evil 7 nicht ruckelt, sondern schön flüssig läuft, Probleme zeigen sich jedoch bei den Texturen. Die sind zwar generell hochauflösend und attraktiv, aber meist erst auf den zweiten Blick: Nach kurzer Wartezeit ploppen die scharfen Versionen der virtuellen Tapeten ins Bild.

Abstürze, grobe Bugs oder ähnliche Störfaktoren traten auf der PS4 nicht zutage. Ein Glitch, bei dem ein Boss für ein paar Sekunden zwischen Tür und Angel festhing, war das schlimmste Vergehen, das sich Resident Evil 7 zuschulden kommen ließ. Die Gesichter der Charaktere sind größtenteils überzeugend und detailreich, mit der realistischen Darstellung von langen Haaren hat die RE-Engine jedoch sichtlich Probleme. Dafür wissen die Lichteffekte zu gefallen, seien es schummrige Taschenlampenbeleuchtung, Stichflammen des Brenners, Neonröhren oder Lichterketten. Auf dem PC sieht Resident Evil am besten aus und läuft am flüssigsten, aber das wird wohl niemanden überraschen.

Je nach Vorliebe und Sprachkenntnissen lauscht man der deutschen oder der englischen Vertonung. Die deutschen Stimmen sind bis auf ein paar Ausnahmen in Ordnung, die englische Synchro fällt aber wie so oft besser aus. Untertitel stehen ebenfalls bereit und die Texte sind selbstverständlich auf Deutsch.

Resident Evil 7 präsentiert die Wurzeln der Serie in einem angemessenen, modernen Gewand. Somit handelt es sich um ein sehr gutes Spiel der Reihe, das vielleicht nicht ganz die riesigen Fußstapfen des hochgelobten Resident Evil 4 ausfüllt, aber wenigstens endlich wieder festen Boden unter den Zehen spürt.

Im Genrekontext gesehen ist Resident Evil 7 ein gutes, aber nicht sonderlich innovatives Gruselspiel. Das sollte aber niemanden vom Kauf abhalten, der dieses kleine bisschen wohlverdienten, virtuellen Horror braucht, um ein paar Stunden den Schrecken des Alltags zu entfliehen - auch wenn Veteranen der eine oder andere erzählerische und spielerische Kniff bekannt vorkommen mag.


Abgehackt? 
Durch die beweglichere Kamera im VR-Modus bekommt man ab und zu abgetrennte Glieder zu sehen - und das völlig ohne Gore-Faktor! (PS4) Quelle: Games Aktuell Abgehackt? Durch die beweglichere Kamera im VR-Modus bekommt man ab und zu abgetrennte Glieder zu sehen - und das völlig ohne Gore-Faktor! (PS4)

Resident Evil 7 im VR-Modus

Lohnt sich die Anschaffung von Brille und Zubehör für das Horror-Game? Zwar ist Resident Evil 7 komplett in VR spielbar, ohne Pause ist das Unterfangen aber kaum denkbar. Nach einer Weile beansprucht die Brille die Nackenmuskeln merklich. Sensible Zocker empfinden bisweilen Übelkeit, etwa bei schnellen Drehungen. Grafisch kommt die VR-Variante nicht an die Optik ohne Brille heran, vor allem die Schatten sehen deutlich schlechter aus und beinahe überall kommt es zu Flimmern und Treppcheneffekten. Dafür funktioniert das Zielen ziemlich gut und auf jeden Fall besser als mit dem Controller: Blickt einfach auf den gewünschten Punkt und drückt ab. In die Art der Kontrolle weist euch ein kurzes Tutorial ein, außerdem könnt ihr unterschiedliche Optionen jederzeit an eure Vorlieben anpassen, etwa, ob die Kamera invertiert werden soll und wie schnell ihr euch mithilfe des Sticks dreht.


Entwickler: Capcom | Hersteller: Capcom | Sprache: Deutsch | Altersfreigabe: Ab 18

Meinung

Wertung zu Resident Evil 7 Biohazard (PC)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Resident Evil 7 Biohazard (XBO)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Resident Evil 7 Biohazard (PS4)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Guter SpielflussPackende AtmosphäreGelungenes Level-DesignGut versteckte ExtrasSchöne Mischung aus Tradi­tion und ModerneHübsche Lichteffekte
Nur wenig MonsterartenNachladende TexturenKlischees in der Handlung
Fazit

Keine Revolution für das Genre, wohl aber für die Reihe. Rundes Horrorgame mit sehr vielen guten Qualitäten.

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