Resident Evil 4 Remake im Test: Schöner die Sägen nie klingen

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Resident Evil 4 Remake im Test: Schöner die Sägen nie klingen
Quelle: Capcom

Es gibt wenige Spiele, die so häufig neu veröffentlicht wurden, wie Resident Evil 4, und das nicht ohne Grund. Die Einflüsse von Capcoms wegweisendem Survival-Horror-Meisterwerk sind auch knapp 20 Jahre später noch spürbar. Nun hat Resi 4 endlich seine umfassende Remake-Behandlung erhalten. Wir klären im Test, was der Klassiker neben seiner aufgehübschten Fassade noch auf dem Kasten hat!

Deutlich organischer fügt sich da das dezent überarbeitete Nahkampfsystem ins Spiel ein, das ihr wegen der kontaktfreudigen Gegner und der Munitionsknappheit auf höheren Schwierigkeitsgraden vermutlich öfter benutzen werdet, als früher. Leons verschiedene Messer haben nun eine Haltbarkeitsanzeige, die sich etwa leert, wenn ihr euch damit aus dem Griff eines Gegners befreit oder einen am Boden liegenden Ganado per gezieltem Stich an der Verwandlung hindert. Macht ihr das nicht, habt ihr einen deutlich zäheren Gegner an der Backe. Das Bauernhofinventar, das die Ganados nach euch schwingen, dürft ihr jetzt außerdem auch abwehren, statt nur langsam nach hinten auszuweichen. Zieht ihr das Messer im richtigen Zeitpunkt, pariert Leon Nahkampfangriffe. Unbewaffneten Feinden schneidet ihr kurzerhand den Arm ab.

Weil ihr häufig Wegwerfmesser findet und der Händler eure eigene Klinge reparieren kann, wird die Haltbarkeitsmechanik dabei nicht nervig - stattdessen schafft es das Remake, seiner ohnehin schon großen Bandbreite an taktischen Entscheidungen noch eine weitere hinzuzufügen. Parieren dürft ihr teils sogar Angriffe von (Mini-)Bossen wie dem Dorfvorsteher oder dem ikonischen Kettensägenkiller. Das sieht herrlich übertrieben aus und fühlt sich großartig an, genau wie die Rückwärtssaltos, mit denen Leon bestimmten Angriffen ausweichen darf.

Leon zielt mit der Pistole auf einen Gegner mit Kettensäge. Quelle: Capcom

Altersschwächen?

Die Krux an der Sache: Diese Manöver funktionieren nur kontextsensitiv. Anders als seine Kollegen aus dem Resident-Evil-3-Remake darf Leon nämlich nicht jederzeit aus dem Weg hechten. Allgemein ist er alles andere als flott unterwegs, was spätestens dann etwas lächerlich wird, wenn ihr den fett inszenierten Angriffen eines Bossgegners ausweicht, indem ihr im Schneckentempo zur Seite spaziert.

Nun ist es natürlich, wie bei jedem Remake, Ansichtssache, wie viel von der ursprünglichen DNA sich verändern lässt, ohne das gefeierte Gameplay des Originals zu verfälschen. Der Panik-Horror von Resident Evil 4 funktioniert immerhin auch deswegen so gut, weil Leon immer noch einen Hauch von Panzersteuerung in sich trägt und ein paar Zentimeter Abstand zum Gegner den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen können.

Leon und der Kettensägen-Mann im Duell Quelle: Capcom Wir würden aber auch lügen, wenn wir behaupteten, wir hätten uns nicht in vielen Kämpfen über das etwas steife Movement geärgert. Um euch die Upgrades für Nachladegeschwindigkeit beim Händler schmackhaft zu machen, denkt Leon außerdem gerne intensiv darüber nach, ob er das neue Magazin in der Pistole denn nun wirklich einsetzen will, während der bewaffnete Irre vor ihm schon die Mistgabel hebt. Den finalen Schritt zum flotten Third-Person-Shooter geht Capcom also nur halb.

Alte Qualitäten!

Daraus folgt aber umgekehrt auch, dass das Gameplay von Resident Evil 4 im Remake immer noch so taktisch funktioniert, wie vom Original gewohnt. Eine Gruppe Ganados hinter euch herzuziehen und im letzten Moment per Roundhousekick alle umzumähen, weil ihr den vordersten durch einen gezielten Schuss betäubt habt, ist damals wie heute wahnsinnig befriedigend.

Verschiedene, kontextabhängige Nahkampfmanöver wie bei Resi 5 hat Capcom aber leider nicht eingebaut und für am Boden liegende Feinde hat Leon keine Stampfer oder Wrestling-Moves auf Lager. Ihr könnt sie also nur mit dem Messer zu Tode fuchteln, was sich ganz schön beknackt anfühlt.

Leon wird von Krauser mit einem Messer angegriffen. Quelle: Capcom Dafür wurde eurer Waffenarsenal audiovisuell dramatisch verbessert. Schon eure Hauptarbeitsgeräte, die Pistolen, fühlen sich sehr mächtig an. Schrotflinten, Magnums und Snipergewehre legen dann nochmal eine ordentliche Schippe drauf. Ganz so brutal wie etwa das Remake von Teil 2 ist Resi 4 zwar nicht und die Ganados zerfallen seltener in ihre Einzelteile, aber an brachialem Detailreichtum spart Capcom trotzdem nicht. Lockt ihr einen Gegner etwa in eine Bärenfalle und pustet ihn dann mit der Schrotflinte weg, seht ihr danach ein abgetrenntes Bein im Fangeisen stecken.

Neben dem taktischen Anspruch sind auch die abwechslungsreichen Monster sehr überzeugend. Schon die Standard-Ganados kommen mit einer großen Waffenvielfalt daher und mutieren gerne mal, wenn es euch gerade so überhaupt nicht in den Kram passt. Später werdet ihr mit Katapulten, Armbrüsten und Raketenwerfern beschossen, müsst regenerierenden Monstern die Parasiten aus dem Körper schießen oder gegen lebendige Ritterrüstungen antreten.

Von den Bossen ganz zu schweigen: Del Lago, El Gigante und Krauser haben nichts von ihrer Imposanz verloren, sie spielen sich unterschiedlich und anspuchsvoll. Wegen des Movements sind ein paar der Kämpfe heutzutage keine Hits mehr, sie alle sind in bester Resident-Evil-Manier aber charmant übertrieben inszeniert. Vermisst haben wir nur den im Original mehrmals vorkommenden Boss "Es" aka U3.

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