Resident Evil 2 Remake: Vier Stunden gespielt - das fast perfekte Remake?
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Auge in Auge mit dem Tyrant: So stilvoll bringt Capcom den Klassiker Resident Evil 2 zurück! Wir haben es erneut gespielt.
Capcoms Resident Evil gilt zusammen mit Silent Hill als einer der Mitbegründer des virtuellen Grusels. Wer den zweiten Teil im Jahr 1998 auf der Playstation spielen wollte, hatte es allerdings schwer: Das Action-Adventure erschien zwar bereits im Januar in den USA und Japan, doch Europäer mussten - wie damals durchaus üblich - einige Wochen auf die Portierung warten. Am 8. März 1998 kam die lang erwartete Fortsetzung des Capcom-Hits endlich in Deutschland auf den Markt. Die Freude währte aber nur kurz, bereits am 30. Mai 1998 landete das Spiel auf dem Index. Selbst die daraufhin veröffentlichten gekürzten und von Capcom veröffentlichten Fassungen blieben nicht im Handel, sondern wurden ebenfalls indiziert. Wollte man damals Resident Evil 2 spielen, benötigte man neben der Import-Version auch eine umgebaute Konsole. Vielleicht sind diese Mühen der Grund, weshalb gerade dieser Teil der Horrorspiel-Serie bis heute eine extrem treue Fangemeinde besitzt.
Nachdem die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Zombie-Klassiker (genau wie den Nachfolger Resident Evil 3: Nemesis) im März 2014 wieder vom Index strich, mehrten sich die Gerüchte um ein mögliches Remake. Und schon im August 2015 kündigte Yoshiaki Hirabayashi, Producer bei Capcoms R&D Division, die Neuauflage an. Doch es sollte beinahe drei Jahre dauern, ehe diese endlich ein konkretes Release-Datum erhielt: Resident Evil 2 erscheint am 25. Januar 2019 für Playstation 4, Xbox One und PC. Die Entwicklung nähert sich mit großen Schritten dem Ende und Capcom gewährt immer mehr Einblicke in das Remake seines Klassikers. Denn eins ist klar: Der Entwickler passt Resident Evil 2 nicht nur technisch an moderne Standards an, sondern nimmt auch feine Veränderungen am Gameplay, der Benutzerführung und dem Spieltempo vor. Nach vier intensiven Stunden mit der Neuauflage steht fest: Resident Evil 2 lebt - und hat uns bereits einige graue Haare beschert!
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Altes Spiel, neue Technik
In den zwei spielbaren Abschnitten begleiteten wir erst Leon Kennedy und Ada Wong durch die Straßen und die Kanalisation Raccoon Citys, später übernahmen wir Claire Redfield und untersuchten mit ihr das Polizeirevier. Capcom veröffentlichte Resident Evil 2 seinerzeit auf zwei CDs:
Quelle: Capcom
Untoten-Chaos: Zombies sind extrem zäh. Selbst Kopftreffer halten sie nur selten auf. Schüsse auf die Beine sind daher die clevere Alternative zum Verlangsamen der Modersäcke.
jeweils eine für Claire und eine für Leon. Beide Charaktere erleben die Geschehnisse in Raccoon City aus einem anderen Blickwinkel - trotz ähnlicher Schauplätze. Die Neuauflage kommt natürlich ohne Datenträger-Wirrwarr aus, bietet aber den gleichen Umfang. Zeichneten sich die Originale noch stets durch einen gewissen B-Movie-Charme aus, präsentiert Capcom Resident Evil 2 über 20 Jahre später als ernsthaftes, emotionales und vor allem technisch ausgereiftes Survival-Horror-Spiel. Die Macher setzen wie schon in Resident Evil 7 und demnächst Devil May Cry 5 auf die hauseigene RE Engine: Die einstmals starre Kameraführung gehört endgültig der Vergangenheit an, stattdessen nutzt man eine traditionelle Verfolgerperspektive mit einer frei beweglichen Ansicht. Das Ergebnis: Wir sehen deutlich mehr vom Geschehen und behalten bis auf wenige Ausnahmen selbst in engen Innenräumen den Überblick. Diese Veränderung erleichtert spürbar die Orientierung, verbessert aber auch die Inszenierung des Abenteuers.
Gerade die Dialoge und eingestreuten Zwischensequenzen erscheinen diesmal deutlich professioneller und seriöser. Als Leon und Ada beispielsweise über die zerstörte Hauptstraße schlendern, wischt sich Leon immer wieder den Regen aus dem Gesicht. Wasser hinterlässt sichtbare Spuren auf den Outfits der Protagonisten, trocknet aber mit der Zeit auch wieder. Im örtlichen Waffenladen treffen die beiden schließlich
Quelle: Capcom
Dicke Brocken: In der Kanalisation von Raccoon City treiben sich gefährliche Mutationen herum. Dieses Monstrum entdeckt Leon in einem Seitenarm der Anlage.
auf Robert Kendo. Der Besitzer des Geschäfts bedroht sie sofort mit seiner Schrotflinte. Doch im Gegensatz zum Original ist er weit weniger aggressiv, sondern wirkt eher verzweifelt. Die Emotionen der Charaktere zeichnen sich eindeutig in ihren Gesichtern ab und auch ein sonst so cooler Leon scheint in dieser Situation extrem unsicher zu sein. Capcom lässt sich bei der Darstellung seiner Schlüsselmomente eindeutig von Titeln wie dem Playstation-Hit The Last of Us inspirieren: Resident Evil 2 spielt mit Emotionen und stellt diese auch mithilfe der detaillierten Charaktermodelle dar.
Diese Liebe zum Detail spiegelt sich letztlich auch in der Darstellung der Spielwelt und der Schauplätze wider. Raccoon City ist ein bedrohlicher Ort und so kreiert Resident Evil 2 speziell in den späteren Abschnitten durch seine geschickte Ausleuchtung und das kluge Leveldesign ein dauerhaftes Gefühl der Anspannung. Wenn wir Capcom etwas vorwerfen müssten, dann, dass die Gebiete weiterhin zu sehr wie statische Kulissen wirken. Selbst beim Einsatz des Granatwerfers geht in den Räumlichkeiten eigentlich kaum etwas kaputt und Objekte wie Stühle oder Kisten stellen für Leon, Ada und Claire unüberwindbare Hindernisse dar. Capcom bewahrt dadurch natürlich das Erbe des Originals, wird aber bei Freunden moderner Actionspiele trotzdem auf wenig Gegenliebe stoßen.
Vorsichtige Innovation statt Revolution
Capcom geht behutsam mit Resident Evil 2 um, lässt aber zugleich Neueinsteiger nicht aus den Augen. So bietet das Spiel zum Start verschiedene Schwierigkeitsgrade an. Wer sich aber innerhalb eines Bereichs schwertut und gleich mehrfach draufgeht, für den gibt es den sogenannten
Quelle: Capcom
Flammenmeer: Ein brennender Helikopter versperrt Claire den Weg. Wie kann sie das Feuer löschen? Und welche Gefahren lauern wohl dahinter auf die Polizistin?
"Assisted Mode". Dieser schwächt die auftauchenden Gegner leicht und stärkt zugleich die eigene Spielfigur. Auch die Benutzerführung erfährt kleinere Veränderungen: Zwar speichern wir weiterhin an Schreibmaschinen, benötigen dafür aber keine Farbbänder mehr. Benutzbare Objekte zeigt das Programm schon aus größerer Distanz mithilfe eines kleinen Symbols an. Auf der Karte befinden sich weiterhin wichtige Markierungen für die aktuellen Missionsziele, aber auch für liegengelassene Munition oder andere Objekte.
Speziell der spielbare Abschnitt mit Leon gestaltet sich vergleichsweise geradlinig. Sein Inventar ist mit einer Schrotflinte, einer Pistole und Matilda, einer 24 Kugeln fassenden Faustfeuerwaffe, prall gefüllt. Einzig eine unliebsame Überraschung in der Kanalisation sorgt hier für Aufregung und wurde anders gelöst als im Original. Was dort genau passiert, bleibt aber vorerst noch ein Geheimnis. Mit Leon spielt sich Resident Evil 2 wie ein recht konventionelles Actionspiel aus der Verfolgerperspektive.
Der alte Zombie-Horror
Beim handlungsbedingten Wechsel zu Ada verändert sich der Spielablauf jedoch drastisch. Die Dame in Rot trägt lediglich eine Pistole mit nur wenigen Kugeln bei sich, verfügt aber über den EMF Visualizer. Mit diesem Gerät erspäht sie Stromleitungen und Schaltrelais durch Wände
Quelle: Capcom
Anspielungen: Resident Evil-Veteranen kennen diese Jacke. Sie stammt eigentlich von Chris Redfield und findet im Remake nun einen Ehrenplatz im Polizeirevier.
hindurch. Durch das Halten der Aktionstaste hackt sie sich in die Kästen hinein und leitet so den Strom um. Auf diese Art öffnet sie im Spielverlauf Türen und manipuliert andere Gerätschaften. Das größte Problem: Das Manipulieren kostet Zeit - und die ist in Resident Evil 2 oftmals knapp! In einem Heizungskeller etwa rücken ihr gleich drei Zombies auf die Pelle, während sie versucht, einen Aufzug wieder in Gang zu setzen. Das bedeutet: Wir spielen Katz und Maus mit den schlurfenden Madensäcken. Wir rennen um Kisten herum und locken sie von den Zielbereichen weg. Das spart Munition, kostet aber Nerven.
Die direkte Konfrontation lohnt sich in diesem Fall kaum: Die Untoten erweisen sich als zähe Biester und vertragen gerne drei bis vier Kopftreffer. Selbst wenn die Biester zu Boden gehen, stehen sie nur allzu gerne wieder auf. Die klügere Variante? Schüsse auf die Beine! Nach einigen Treffern fliegt den Burschen der Unterschenkel weg. Danach bewegen sie sich nur noch kriechend fort und sind dadurch deutlich langsamer. Mit Ada ist Resident Evil 2 deutlich rätselorientierter. Wir müssen mit wenig Ausrüstung und vielen Gegnern überleben. Das sorgt für Spannung!
Hin und zurück
Das typische Resident Evil-Gameplay erwartete uns allerdings mit Claire Redfield. Sie wurde in dem Polizeirevier eingeschlossen und muss nun einen Weg aus dem verschachtelten Gebäude heraus finden. Neben diesem Hauptziel gibt es auch zahlreiche Nebenaufgaben. Diese erfordern nicht nur Geduld, sondern ebenfalls gute Orientierung und ein starkes Gedächtnis. Resident Evil 2 zwingt euch zu ständigem Backtracking und ärgert euch mit Munitionsknappheit und einem besonders garstigen Kontrahenten in Form des legendären Tyrants. Während uns moderne Action-Adventures sehr schnell von A nach B scheuchen und sofort mit Belohnungen zuschütten, geht Capcom in der Neuauflage einen ganz anderen und damit ungewohnten Weg.
Quelle: Capcom
Sinnlos: Der Tyrant stellt Claire in der Haupthalle des Police Departments. Ihre Angriffe prallen allerdings von dem Riesen ab. Weglaufen ist klüger!
Das Polizeirevier erstreckt sich über drei Stockwerke, einen Außenbereich und unzählige Räume - inklusive Dachboden und Kunstabteilung. Unsere Aufgabe besteht zunächst darin, die verschiedenen Bereiche zu öffnen. Zu diesem Zweck finden wir gleich mehrere Schlüssel, die wir immer wieder einsetzen. Für spezielle Gebiete wie etwa einen Lagerraum brauchen wir zwei zusätzliche Elektro-Paneele, die sich natürlich ebenfalls hinter verriegelten Türen verstecken. Bekannte Rätsel wie etwa das Zusammenschieben der Regale in der Bibliothek kehren zurück. Claire muss in diesem Fall einen Hebel finden, mit dessen Hilfe sie die Regale bewegen kann, um so eine Brücke über den zerbrochenen Boden zu bauen. Oftmals müssen wir gefundene Objekte im Inventar untersuchen, um deren Funktion zu entdecken. Hat der verbogene Autoschlüssel auf den ersten Blick keinen Nutzen, finden wir schnell den Knopf zum Öffnen eines Kofferraums und ergattern so eine zusätzliche Waffe.
Der Spielabschnitt mit Claire entpuppt sich als angenehm anspruchsvoll und zehrt immer wieder mit plötzlich auftauchenden Hindernissen, Gegnern und Aufgaben an unseren Nerven. So treffen wir
Quelle: Capcom
Double Trouble: Gegen einen Licker und den Tyrant hat Claire keine Chance. Beachtet die feinen Lichteffekte an den Wänden!
nicht nur auf Zombies, sondern auch auf reptilienhafte Licker. Mit Claires Revolver kommen wir nicht weiter und setzen stattdessen auf ihren Granatwerfer, den wir wahlweise mit Explosiv- oder mit Säuresprengsätzen füllen. Erstmals kommt auch das aus dem Original bekannte Inventarmanagement ins Spiel: Wir besitzen zwölf Slots, die für Waffen, Schlüssel und Heilkräuter draufgehen. Obwohl Capcom an dieser Stelle schon Nachsicht walten lässt und etwa den Granatwerfer auf einen Slot beschränkt, beginnt früher oder später doch das für Resident Evil typische Geschiebe. Immer wieder suchen wir daher Vorratskisten auf und verfrachten unnötige oder bereits benutzte Objekte hinein. Selten war der Ärger größer als in dem Moment, in dem wir den Granatwerfer mit einem Griff aufrüsteten und die Waffe plötzlich zwei Slots verschlang.
Tyrant, ick hör dir trapsen
Für die notwendige Hektik sorgt schließlich der mysteriöse Tyrant. Die monströse Schreckgestalt taucht im späteren Verlauf des Polizeirevier-Levels auf und verfolgt Claire pausenlos. Er ist unverwundbar - und so hilft in diesem Fall nur ständiges Weglaufen. Zugleich bedeutet das aber
Quelle: Capcom
Hilfsmittel: Packen euch Zombies oder Mutanten, wehrt ihr sie mit Blendgranaten oder einem Kampfmesser ab. Dadurch nehmen die Charaktere nur wenig Schaden.
auch, dass wir immer wieder unseren Plan über den Haufen werfen und vor dem Tyrant flüchten müssen. Da der Kerl - im Gegensatz zu Claire - von höheren Etagen herunterspringen kann, erfordert die Hatz schnelle Entscheidungen. Zwar übt der Tyrant ständig Druck auf uns aus, er ist jedoch kein unüberwindbares Hindernis. Kassiert Claire einen Treffer, öffnet sich ein kurzes Zeitfenster, in dem sie sich aus dem Staub machen kann. Trotzdem: Der Tyrant erzeugt allein schon durch das stetige Geräusch seiner Schritte extreme Paranoia - fast wie das Alien in Alien: Isolation. Unsere vier Stunden mit Resident Evil 2 enden schließlich mit einem kurzen Blick in dem Sherry gewidmeten brandneuen Waisenhaus-Level. Was dort genau geschieht, verrät Capcom derzeit noch nicht. Fest steht: Selten zuvor kostete uns eine Anspielrunde derart viel Nerven und Energie. Und das ist in diesem Fall durchaus als Kompliment gemeint!
