Remnant 2 im Test: Soulsiger Koop-Shooter für eiserne Nerven

Test Stefan Wilhelm
Remnant 2 im Test: Soulsiger Koop-Shooter für eiserne Nerven
Quelle: Gunfire Games / Gearbox

Was wäre, wenn Soulslike, aber mit Schusswaffen? Ein solider Shoter ist die Antwort! Im Test erfahrt ihr, ob ihr schon mal eure Freunde versammeln solltet.

Beim Design der Kampagne setzt Gunfire Games auf das Prinzip des Auswürfelns. Ihr seht bei eurem ca. 15-stündigen Durchgang zwar alle Biome, aber die Gebiete in diesen Biomen und damit auch manche Bosse und NPCs werden beim Spielstart zufällig aus einer Auswahl gezogen. Somit ist es nicht möglich, in einem Durchgang alles zu erledigen. Abhilfe schafft hier ein praktischer Abenteuermodus: Habt ihr ein Biom zum ersten Mal abgeschlossen, dürft ihr es separat neu auswürfeln lassen, ohne gleich die ganze Kampagne neu starten zu müssen. Weil sich einige der reizvollsten Belohnungen hinter versteckten Quests und Rätseln in den Biomen verstecken, ist der Wiederspielwert hoch. Über zu wenig Spiel fürs Geld kann man sich bei Remnant 2 also nicht beklagen!

Die Kampagne: Jedes Mal ein bisschen anders

Unterstützt wird das noch vom Schwierigkeitssystem, das sich an Diablo orientiert: Die ersten beiden Stufen sind für frische Charaktere gedacht, danach solltet ihr mit bereits hochgerüsteten Figuren einsteigen. Beim Vorgänger war der unausgegorene Schwierigkeitsgrad noch ein Kritikpunkt, der ließ euch nämlich gerne mal plötzlich gegen Wände laufen. Remnant 2 ist, Solo und auf der ersten Stufe, aber meistens recht zahm. Standardfeinde sind nur wegen ihrer Masse gefährlich und Elitemonster überlebt ihr durch den klugen Einsatz von Waffen-Mods und der Ausweichrolle.

Ein Remnant-2-Charakter steht einem Monster mit Axt gegenüber. Im Hintergrund brennt eine Stadt. Quelle: Gunfire Games / Gearbox

Die Bosskämpfe: Stressspitzen

Etwas anders sieht die Sache bei den Bossen aus. Die Kämpfe sind oft beeindruckend inszeniert und spielen sich abwechslungsreich, den Chaosfaktor dreht das Spiel aber gerne mal ein paar Stufen zu hoch. Das gilt besonders, wenn ihr allein antretet und die ganze Bandbreite der Angriffe abbekommt.

Wegen der zusammengewürfelten Kampagne gibt es keine festgelegte Reihenfolge für die Bossgegner, folglich bekommt ihr schon zu Beginn sehr viele Mechaniken auf einmal um die Ohren gehauen. Neben Unmengen an Projektilen, Nahkampfangriffen, Flächenschaden und Instakill-Manövern beschwören viele Bosse auch noch Minions, mit denen ihr eure Munition aufstockt.

Teils fühlen sich das an, als wärt ihr statt in Remnant 2 versehentlich in Returnal gelandet, allerdings ist eure Spielfigur in Remnant 2 viel schwerfälliger unterwegs. In Kombination mit der nahen Kameraperspektive wirken die Kämpfe dadurch häufig überladen. Das gilt ganz besonders für den letzten Endgegner der Kampagne. Ohne zu spoilern: Hier haben es die Entwickler dermaßen übertrieben, dass ihr euch danach vorkommt, als hättet ihr gerade mit drei entsicherten Handgranaten jongliert.

Die Nachtweberin, einer der Bosse aus Remnant 2, liegt ausgemergelt in einem dunklen Haus. Quelle: Gunfire Games / Gearbox

Der Koop: Geteilter Struggle ist halber Struggle

Abhilfe schafft natürlich vorwiegend der jederzeit nutzbare Koop-Modus. Zwar werden die Gegner der Spieleranzahl entsprechend skaliert, die Kämpfe sind aber um einiges entspannter, wenn sich die Aggression auf mehrere Ziele verteilt. Zudem müsst ihr Bossgegner nicht direkt neu starten, wenn einer von euch mal wieder per One-Hit-Kill zerlegt wird.

Die Waffen-Mods und Klassenfähigkeiten sind im Team noch mächtiger und befriedigender. Sämtlicher Loot wird außerdem komfortabel an alle Spieler verteilt. Aber Vorsicht: Friendly Fire ist immer aktiv, zudem wird der Kampagnenfortschritt nur für den Host gespeichert, da jeder Spieler ohnehin seine eigene Kampagne zusammengebaut bekommt.

Und apropos zusammengebaut: Beim Leveldesign ist Remnant 2 solide, aber auch recht unspektakulär. Die einzelnen Gebiete fühlen sich zumindest nicht an wie aus dem Zufallsgenerator, durch die beliebige Abfolge wirkt die Welt aber nicht besonders lebendig oder konsistent. Gelegentlich gibt's mal ein Rätsel oder eine Abkürzung, ansonsten sind die Levels aber meistens nur Kulissen, in denen ihr thematisch passende Feinde niedermäht.

Hübsch und abwechslungsreich sind sie aber durchaus, diese Kulissen. Remnant 2 bietet im Vergleich zum ersten Teil eine aufgebohrte Grafik mit verbesserter Beleuchtung, Charaktermodellen und Effekten. Dass ihr mit diesen Effekten in den Bosskämpfen gerne mal erschlagen werdet, haben wir schon erwähnt.

Beim Test hat uns die PC-Version aber auch mit ihrem Hardware-Hunger überrascht: Mit einer RTX 3060 Ti (empfohlen wird nur eine RTX 2060) erzielte das Spiel in WQHD (mit DLSS auf "Ausgeglichen") bei hohen Einstellungen keine konstanten 60 Fps. Das Herunterregeln von Details schaffte zwar Abhilfe, trotzdem sollte Gunfire Games hier noch etwas optimieren. Dafür geht Remnant 2 mit Maus und Tastatur genauso gut von der Hand wie mit Controller.

Wertung zu Remnant 2 (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Remnant 2 (PS5)

Wertung:

8.0 /10
Fazit

Mit seiner verbesserten, aber sehr ähnlichen Formel holt Remnant 2 vor allem Fans des ersten Teils ab - wer gerne Builds bastelt und dabei herausgefordert werden möchte, wird hier solo und im Koop glücklich. Für die Bosskämpfe braucht ihr aber ein gewisses Maß an Frusttoleranz.

Insgesamt ist Remnant 2 ein sauber spielbarer, motivierender und fordernder Shooter. Innovationstechnisch werden zwar keine Bäume ausgerissen, aber durch seine Zufallskampagne, die große Klassenauswahl und den Koop-Modus bietet es Fans des Vorgängers locker genug neues Futter für ein paar Dutzend Stunden. Wenn euch die Eigenheiten des ersten Teils aber schon abgeschreckt haben oder ihr großen Wert auf eine Story legt, dann unternimmt Remnant 2 wenig, um euch von sich zu überzeugen.

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