Rematch tritt mit arcadigem, kompetitivem Bolzplatz-Charme gegen EA Sports FC und Rocket League an.
Gerne würde ich jetzt sagen, dass Rematch easy to learn, hard to master ist. Aber hard to learn, hard to master trifft es wohl eher. Hat man keine Freunde zur Seite, gestalten sich die Spiele recht knifflig und die Lernkurve gewinnt wenig an Fahrt.
Fünf Mann sind eine Mannschaft
Immerhin sind die schnellen Spiele nicht auf Matches mit zehn Spielern beschränkt. Durch die 3-gegen-3 und 4-gegen-4 Matches kann man immerhin ein paar andere Spielzüge ausprobieren und seinen eigenen Spielstil finden. Ohne gute Absprachen gelingt aber auch hier wenig.
Hier setzt sich die Erfahrung aus EA Sports FC nämlich fort. Kaum ist ein Mitspieler am Ball, versucht, er im Alleingang über den kompletten Platz zu marschieren und die Kirsche reinzumurmeln. Aktuell wird das auch noch vom Spiel belohnt. Einfache Tricks und Flicks reichen stellenweise, um an Gegenspielern vorbeizuziehen. Das nervt.
In solchen Fällen wird dann auf Verteidigerseite ein gutes Stellungsspiel wichtig. Je nach Taktik geht es wie auf dem echten Fußballplatz zur Sache: Manndeckung, Raumdeckung, idiotische Grätschen von hinten in die Knochen. Und um wieder die Brücke zum Dorfkick zu schlagen, gilt übrigens "Letzter Mann hält."
Quelle: Kepler Interactive
Je nachdem, wo sich der eigene Spieler und die Mitspieler befinden, wird der Figur eine andere Aufgabe zugeteilt. Der letzte Mann bekommt im Strafraum Handschuhe und wird automatisch zum Torhüter. Der kann dann etwa hechten und sich auf Knopfdruck in eine klassische Torhüter-Lauerstellung bringen. Läuft er aus dem Strafraum in Richtung gegnerisches Tor, wird er zum Libero und später zum Stürmer.
Neuling am eSports-Himmel?
Ein ganz besonderes Hauptaugenmerk ist natürlich der Competitive-Modus. Im Vergleich zum schnellen Spiel wird hier ausschließlich im 5-gegen-5 gespielt. Sobald man Level fünf erreicht hat, darf man sich in die Rangliste stürzen. Nach typischen Elo-Prinzip dauert es dann fünf Spiele, bis man eingerankt wird.
Die Rangliste besteht aktuell aus sechs verschiedenen Ligen (von Bronze bis Elite) mit drei Divisionen. Mit jedem Match sammelt man Rangpunkte, die je nach Performance schwanken. Verglichen mit anderen E-Sports-Titeln sind die Aufstiege aber etwas knackiger. Ganz im Fußball-Prinzip muss man nämlich in die Relegation. Im Best-of-3-Prinzip muss man sich also erst einmal beweisen.
Im deutschen Fußball treibt mich das Relegations-System manchmal in den Wahnsinn, es könnte Rematch aber ganz guttun. Immerhin bringt es mal ein ganz neues System in einen Titel, dem eine lange E-Sports-Karriere bevorstehen könnte. Zumindest, wenn es sich auf Dauer beweisen kann.
Arcade statt Realismus
Verglichen mit Rocket League trifft Rematch deutlich mehr den Nerv klassischer Fußballfans. Immerhin können Pässe und Schüsse deutlich präziser platziert werden. Und Elemente wie Boosts, Sprünge und Flüge fallen weg.
Verglichen mit EA Sports FC oder eFootball ist Rematch deutlich arcadiger. Das macht es zum einen Neueinsteigern leichter und gleichermaßen werden langjährige Fans der Simulationen mit schnellem Teamplay gelockt.
Quelle: Kepler Interactive
Am Ende könnte aber eben letzteres die größte Hürde für Rematch werden. Nichts ist nerviger als Mitspieler, die nicht im Team spielen wollen. In anderen 5-vs-5-Spielen ist das noch verzeihbar - etwa in Counter-Strike oder Dota. Hier ist es nervig, in den unteren Ligen aber nicht unbedingt Spielentscheidend.
In meinen bisherigen Rematch-Partien fielen tendenziell wenige Tore. Da kann ein Spieler, der Stunk treibt, schnell eine komplette Partie entscheiden und Spaß rauben. Entsprechend ergeben die Ranked-Matches nur dann Sinn, wenn man vier weitere Freunde zusammengetrommelt bekommt - und ihr wisst ganz genau, wie schwierig das sein kann.
Das sind aktuell aber nur ein paar wenige Stellschrauben, die gedreht werden müssen. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass später noch 3-gegen-3 und 4-gegen-4 Comptetitive-Modi kommen werden - so wie in Rocket League. Immerhin spielen sich die Modi ganz anders, wodurch Parallelwettbewerbe entstehen könnten.
Meiner Meinung nach können wir hier aktuell einen neuen Titel der internationalen E-Sports-Riege beobachten, die sich womöglich vorwiegend im europäischen und südamerikanischen Raum durchsetzen wird. E-Sports ist in Südamerika ohnehin riesig - kombiniert mit Fußball könnte das ein perfekter Match sein. Ähnliches gilt für Europa. Zwar ist E-Sports noch immer ein kleineres Thema, aber der König Fußball regiert nun einmal. Also: Eistee schnappen, Ball unter den Arm und auf den Bolzplatz.
Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde die Release-Fassung des Spiels von Kepler Interactive gestellt.
