Red Faction Guerilla Re-Mars-tered im Test: Auch mit neuem Look nicht mehr zeitgemäß

Test David Benke
Red Faction Guerilla Re-Mars-tered im Test: Auch mit neuem Look nicht mehr zeitgemäß
Quelle: PC Games

Um uns vor dem nahenden Sommerloch zu retten, hat sich THQ Nordic etwas ganz Besonderes ausgedacht: Mit Red Faction Guerilla Re-Mars-tered bringt der schwedische Publisher eine Neuauflage des 2009 erschienenen Third-Person-Shooters auf den Markt. Ob die neue Version außer netten Wortspielen sonst noch etwas zu bieten hat, haben wir für euch getestet.

Die Frage, die sich uns bei Red Faction Guerilla Re-Mars-tered immer wieder gestellt hat, ist das "Warum?". Warum bringt THQ Nordic ein neun Jahre altes Spiel zurück, das wohl nur die wenigsten sehnlich vermisst haben? Warum warten die Schweden nicht wenigstens weitere elf Monate, um die alteingesessenen Fans zum zehnjährigen Jubiläum mit einer überholten Version zu überraschen? Antworten bekommen wir keine.

Stattdessen werden wir kommentarlos zurück auf den roten Planeten geschickt, wo uns folgende Geschichte erwartet: Als Bergbauingenieur Alec Mason reisen wir im Jahr 2125 zum Mars, um dort zusammen mit unserem kleinen Bruder Dan ein neues Leben anzufangen. Die guten Vorsätze halten allerdings nicht allzu lange. Denn der Junior hat gerade einmal genug Zeit, uns über die Funktionsweise unserer Werkzeuge und die namensgebende Untergrundorganisation Red Faction aufzuklären. Schon innerhalb der ersten fünf Minuten wird er von der Earth Defense Force, der herrschenden Macht, zu den Engeln geschickt. Weil auch wir in den Fokus der EDF geraten und es uns natürlich nach Rache dürstet, schließen wir uns dem Widerstand an. Mit diesem stellen wir uns den unterdrückerischen Besatzern entgegen und erobern den Mars Stück für Stück zurück.

Ein kurzer Moment trauter Zweisamkeit: Protagonist Alec Mason mit seinem kleinen Bruder Dan. Quelle: PC Games Ein kurzer Moment trauter Zweisamkeit: Protagonist Alec Mason mit seinem kleinen Bruder Dan. Die Story ist nichts Besonderes und ziemlich klischee-behaftet: Tragische Tode, dramatische Wendungen - alles dabei. Dummerweise zündet die Erzählung von Red Faction trotzdem nicht. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie weder sonderlich viel Tiefgang hat, noch kreativ vorgetragen wird. Zwischensequenzen sind Mangelware und wie auch die vielen Missionen und Nebenaufgaben ziemlich inhaltslos. Interaktion mit anderen Charakteren ist bis auf das Nötigste begrenzt und findet meist nur per Funk statt. So bleiben alle Figuren des Abenteuers blass. Es bauen sich keine Sympathien, keine emotionalen Bindungen auf. Nicht einmal mit Protagonist Alec, über den wir nur wenig erfahren und dessen Bewegmotive meist nur angedeutet sind.

Ein Bombenspaß: Die großflächige Umweltzerstörung

Was hingegen zündet, ist das Gameplay - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Bereits zum ursprünglichen Release vor neun Jahren machte Red Faction Guerilla durch sein enormes Ausmaß an Zerstörung auf sich aufmerksam. Dank der Geomod Engine können wir beinahe alle Objekte im Spiel in ihre Kleinteile zerlegen. Gebäude, Deckungen oder Autos - nichts ist vor uns sicher. Dabei haben wir die Wahl aus verschiedensten Waffen: vom Vorschlaghammer, über Haftbomben bis hin zum Raketenwerfer. Unserer Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt. Noch spaßiger wird es durch die vielen Gefährte, die uns zur Verfügung stehen. Mit Panzern und Walker-Robotern lassen wir in der Sci Fi-Open World unserer destruktiven Ader freien Lauf.

Das sieht dank der überarbeiteten Optik der Re-Mars-tered Version auch noch wesentlich besser aus als im Original. Die Explosionen sind In der Welt von Red Faction Guerilla lassen sich beinahe alle Objekte und Gebäude in der Umgebung in ihre Kleinteile zerlegen. Quelle: Nordic Games In der Welt von Red Faction Guerilla lassen sich beinahe alle Objekte und Gebäude in der Umgebung in ihre Kleinteile zerlegen. spektakulär anzusehen. Dank realitätsgetreuer Physik fliegen Trümmer durch die Gegend und Türme klappen wie Kartenhäuser zusammen. Auch an anderen Stellen hat Entwickler Volition noch einmal ordentlich Hand angelegt. Die Texturen wurden überarbeitet, Spiegeleffekte hinzugefügt und Schatten besser gerendert. Zu guter Letzt haben die Macher die Auflösung auf 4K hochskaliert. So können wir den Mars so schön in Schutt und Asche legen wie noch nie zuvor.

Das Chaos sieht aber nicht nur toll aus und macht ordentlich Laune, sondern hat auch einen tieferen Sinn. So können wir die großräumige Zerstörung auch zu unserem taktischen Vorteil nutzen. Wir legen zum Beispiel Sprengfallen, zerstören Brücken oder bringen Gebäude zum Einsturz, in denen sich unser Gegner versteckt. Es gibt beinahe unbegrenzte Möglichkeiten, die Umwelt taktisch zu modifizieren.


Alec Mason und sein Walker-Roboter: Eine explosive Mischung. Quelle: Nordic Games Alec Mason und sein Walker-Roboter: Eine explosive Mischung.

Das hilft besonders bei den vielen verschiedenen Missionen und Nebenaufgaben. Diese sind über die gesamte Karte verteilt und können in beliebiger Reihenfolge angegangen werden. Häufig gilt es dabei, Geiseln zu befreien, feindliche Stützpunkte einzunehmen oder einfach nur Randale zu veranstalten. Auf diese Weise senken wir den Einfluss der EDF und schalten neue Hauptmissionen frei. Zudem sammeln wir Barschrott, mit dem wir bei Technikerin Samanya unser Waffenarsenal erweitern und upgraden können.

Eintönige Missionen in einer leblosen Spielwelt

Die Shooter-Passagen in Red Faction sind aufgrund der Steuerung und einer Übermacht an Gegnern nicht immer leicht zu meistern. Quelle: PC Games Die Shooter-Passagen in Red Faction sind aufgrund der Steuerung und einer Übermacht an Gegnern nicht immer leicht zu meistern. Auf Dauer ist das Missionsdesign allerdings ein wenig eintönig. Es ergibt sich schnell ein repetitives Muster: Erst Dinge zerstören, dann Missionen erledigen - in jedem einzelnen Sektor aufs Neue. Zu allem Überfluss sind die Shooter-Segmente von Red Faction teils schlecht umgesetzt. Die rudimentäre Deckungsfunktion funktioniert schon mal nicht oder sorgt dafür, dass wir unsere Kugeln in einer Wand versenken. Die KI der NPCs ist teils sehr stupide, sodass Zivilisten gerne einmal in unsere Schussbahn oder eine Explosion laufen - was ungünstig ist, weil jeder Tod die Moral des Widerstandes senkt. In Eskortierungsmissionen springen die zu schützenden Personen während der Fahrt aus dem Wagen. Das vermiest uns schon ziemlich den Spielspaß. Zudem leidet der Titel besonders im End-Game unter Balancing-Problemen. Es fühlt sich oft so an, als würden wir alleine einer ganzen Armee gegenüberstehen. Unsere Verbündeten sind nicht clever genug, um uns in den teils aussichtslosen Situationen eine echte Hilfe zu sein. Kommt dann auch noch Munitionsknappheit hinzu, werden die Feuergefechte schnell frustrierend.

Abseits der Kämpfe und Missionen hat Red Faction Guerilla aber leider nicht viel zu bieten. Ihr könnt lediglich die marsianische Landschaft erkunden. Die ist in sechs verschiedene Gebiete aufgeteilt, wie etwa den abgelegenen Minen-Außenposten Parker oder die glänzende Hauptstadt Eos. Die einzelnen Bereiche haben alle ihren individuellen Stil, in den urbanen Regionen gibt es zum Beispiel ordentliche Straßen statt Die sechs erkundbaren Marsareale bieten viele Aufgaben aber leider nur wenig Abwechslung. Quelle: PC Games Die sechs erkundbaren Marsareale bieten viele Aufgaben aber leider nur wenig Abwechslung. Schotterpisten und futuristische Gefährte statt rostiger Trucks. Ansonsten lässt sich aber kaum ein Unterschied ausmachen. In allen Arealen dominieren Fels und Stahl, so entsteht ein graubrauner Einheitsbrei. Für aktuelle Standards ist Red Faction trotz Überarbeitung nicht besonders ansehnlich. Charaktermodelle und Animationen sind verständlicherweise auch etwas altbacken. Zum krönenden Abschluss gibt es keinerlei Interaktionsmöglichkeiten mit den Marsbewohnern. So ist die Umgebung zwar voller Menschen, wirkt aber trotzdem nicht lebendig.

Kaum Wiederspielwert - trotz Multiplayer und Bonusmissionen

Zieht man all das in Betracht, gibt es nach Beendigung der Kampagne kaum noch Gründe in die Welt von Red Faction zurückzukehren. Da hilft auch der freischaltbare "Verrückt"-Schwierigkeitsgrad nichts. Etwas attraktiver sind immerhin die Bonus-Missionen, in denen wir etwas über Samanyas Hintergrundgeschichte erfahren. Durch die neue Hauptfigur und ihre spezielle Ausrüstung fühlt sich das Gameplay leicht anders an. Zudem dürfen wir einen bisher unbekannten Mars-Abschnitt erkunden. Der Spielverlauf fällt aber schnell in seinen alten Rhythmus zurück. Die Geschichte, die hier nur auf Englisch erzählt wird, ist ebenso mau. Der Schein trügt: So schön wie hier, präsentiert sich euch Red Faction Guerilla Re-Mars-tered leider nur selten. Quelle: Nordic Games Der Schein trügt: So schön wie hier, präsentiert sich euch Red Faction Guerilla Re-Mars-tered leider nur selten.

Selbiges gilt für den Multiplayer. Das liegt auch daran, dass dort durch Spielermangel nur wenige Matches zustande kommen. Die verschiedenen Varianten wie Capture the Flag, Deathmatch oder Domination sind zudem nicht sonderlich spaßig. Red Faction ist einfach kein guter Shooter. Gut gefallen hat uns hingegen der Modus Abrisskommando, wo sich der Titel auf seine eigentlichen Stärken besinnt: Chaos und Zerstörung. Alleine oder im Wettkampf mit mehreren Spielern müssen wir hier eine Map dem Erdboden gleichmachen und dadurch Punkte sammeln - unter Zeitdruck, mit vorgegebenen Waffen oder begrenzter Munition. Das bietet gute, wenn auch kurzweilige Unterhaltung.
Cool Guys don't look at Explosions - das gilt auch in Red Faction Guerilla Re-Mars-tered. Quelle: PC Games Cool Guys don't look at Explosions - das gilt auch in Red Faction Guerilla Re-Mars-tered.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Red Faction Guerilla Re-Mars-tered (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Grafische Updates und 4K-AuflösungGute Grundidee und interessantes SettingBreite Auswahl an Waffen und FahrzeugenUmgebungszerstörung mit realitätsnaher PhysikBonus-Inhalte und Multiplayer
Optik immer noch recht altbackenGameplay sehr eintönigSchwammige Waffen- und FahrzeugsteuerungSehr oberflächliche GeschichteSpiel-AbstürzeSehr dumme KIBalancing-Probleme
Fazit

Ein kurzweiliger Spaß für Nostalgiker, alteingesessene Fans und Zerstörungswütige.

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