Red Dead Online: Rockstar hat noch viel Verbesserungsbedarf

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Red Dead Online: Rockstar hat noch viel Verbesserungsbedarf
Quelle: Rockstar Games

Red Dead Online tritt in große Fußstapfen. Schließlich ist Rockstars letztes Spiel, Grand Theft Auto 5, auch dank des angeschlossenen Online-Modus das erfolgreichste Entertainment-Produkt aller Zeiten. Verfügt das neueste Abenteuer auch über ein solches Potenzial? Oder funktioniert die Multiplayer-Formel im Wilden Westen vielleicht nicht?

Die massiven Kanonen der Festung El Presidio glänzen im Mondlicht. Die wenigen, noch wachhabenden Soldaten haben mit späterer Stunde immer mehr Probleme damit, wach zu bleiben. Plötzlich durchbricht ein lauter Knall die beinahe harmonische Stille der mexikanischen Wildnis. Während innerhalb der Mauern hektisches Treiben ausbricht, tritt auf der Außenseite eine unkenntliche Gestalt aus einer Wolke von Schutt und Staub hervor und verschwindet unter heftigem Geschrei und Beschuss von den Fort-Wällen unaufhaltsam in die Nacht.

So oder so ähnlich malten wir uns den Start von Red Dead Online aus. Episch, bombastisch - eben wie die Inszenierung des Singleplayers. Nun, da wir den neuen Modus über einer Woche spielen durften, müssen wir uns leider eingestehen: Da ist mit uns die Fantasie wohl etwas durchgegangen. Denn der heiß diskutierte Ausbruch, den die Online-Trophäen bereits im Vorfeld angekündigt hatten, fällt bei weitem nicht so spektakulär aus. Was man übrigens auch über den Rest der Red Dead Online Beta sagen kann.

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Aber von Anfang an: Zu Spielbeginn macht Red Dead Online nämlich einen vielversprechenden Eindruck. Im Gegensatz zu GTA Online erwartet euch diesmal ein standesgemäßer Charakter-Editor, mit dessen Hilfe ihr eure Spielfigur zusammenbauen könnt. Dabei beweist Rockstar ein Auge fürs Detail: Ihr habt mehrere Standardgesichter zur Auswahl, die ihr individuell gestalten dürft. Sogar Einzelheiten wie etwa die Größe eurer Ohrläppchen lassen sich mit einem entsprechenden Regler anpassen. Obendrauf habt ihr noch die Wahl aus diversen Start-Attributen, später könnt ihr zudem noch weitere aktive und passive Fähigkeiten freischalten.

Klingt soweit gut, funktioniert in der Praxis allerdings nicht so toll. So fallen die meisten Spielfiguren recht hässlich aus. Bei Männern lässt sich dieser Umstand immer noch mit einem Bart kaschieren. Wer sich allerdings in den Kopf gesetzt hat, mit einem weiblichen Charakter durch den Wilden Westen zu ziehen, der muss sich damit abfinden, dass dieser aussieht wie eine verrunzelte alte Hexe. Oder mehrere Stunden in den Editor investieren.

Red Dead Online: Eigene Story mit toller Inszenierung

Der 'Ausbruch' aus dem Gefängnis gestaltet sich nicht ganz so spektakulär wie gedacht. Quelle: PC Games Der "Ausbruch" aus dem Gefängnis gestaltet sich nicht ganz so spektakulär wie gedacht. Immerhin: Danach werdet ihr direkt in die Story geschmissen. Ja, ihr habt richtig gelesen: Story. In Red Dead Online erwartet euch dieses Mal nämlich eine eigene, mehrstündige Geschichte. Von dieser könnt ihr in der Beta zwar nur grob das erste Viertel ausprobieren, das macht aber bereits Lust auf mehr - auch ohne die eingangs diskutierte, pompöse Flucht aus dem Gefängnis. Stattdessen wird eure Gefangenen-Kutsche während eines Arbeitseinsatzes von drei bewaffneten Männern überfallen und alle Insassen befreit. Ihr landet in der Folge im Lager der Witwe Madame LeClerk, die euch (wie sich herausstellt) nicht zufällig hat heraushauen lassen. Ihr sollt schließlich den Mord an ihrem Ehemann aufklären, für den ihr fälschlicherweise in den Bau gewandert seid.

Von da an strickt Red Dead Online eine spannende Erzählung rund um Verrat und Vergeltung, von der wir an dieser Stelle nicht zu viel vorweg nehmen wollen. Nur so viel: Euch erwarten abwechslungsreiche Aufgaben, alte sowie neue Charaktere und auch eine moralische Komponente. In der Story von Red Dead Online müsst ihr der Witwe Madame LeClerk dabei helfen, die Mörder ihres Ehemanns zu finden. Quelle: PC Games In der Story von Red Dead Online müsst ihr der Witwe Madame LeClerk dabei helfen, die Mörder ihres Ehemanns zu finden. Ihr habt an mehreren Stellen die Möglichkeit, eine Mission auf zwei verschiedene Arten zu beenden - die ethische oder unethische. Es liegt etwa in eurer Hand, ob ihr ein paar Gauner laufen oder doch lieber vom Zug überfahren lassen wollt. Eure Wahl hat dabei Auswirkungen auf die Ehre eures Online-Charakters. Was diese bringt, bleibt uns bis dato allerdings noch schleierhaft. Weiterer Wermutstropfen: Da euer Charakter wie bereits in GTA Online nicht spricht, haben manche der Zwischensequenzen einen teils slapstickartigen Beigeschmack, weil ihr einfach nur schweigend in der Gegend herumsteht.

Red Dead Online: Ödes Camp und blöde Pferde

Kauft ihr ein Zelt für euer Lager, regeneriert ihr dort schneller eure Gesundheit. Allerdings hält man sich dort eher selten auf. Quelle: PC Games Kauft ihr ein Zelt für euer Lager, regeneriert ihr dort schneller eure Gesundheit. Allerdings hält man sich dort eher selten auf. Nach dem etwa 40-minütigen Intro, das euch in Spielwelt und -mechaniken einführt (Red Dead Online lässt sich also auch spielen, ohne vorher die Story angefasst zu haben), werdet ihr dann endlich in die Spielwelt entlassen. Die entspricht dem, was man so bereits schon aus dem Singlelayer kennt - also fünf Staaten mit unterschiedlichen Lebensräumen. In einem davon baut ihr auch euer Camp auf. Das ist über das Online-Abenteuer hinweg eure Basis. Dieses Lager könnt ihr, wie im Einzelspielermodus auch, ausbauen. Dabei stehen euch zum einen optische Änderungen zur Verfügung aber auch inhaltliche Upgrades. Wenn ihr etwa euren Schlafplatz verbessert, legt ihr euch künftig in einem Zelt zur Ruhe statt unter freiem Himmel. Das hat wiederum positiven Einfluss auf die Gesundheitsregeneration eures Charakters. Dieser Vorteil ist allerdings nur theoretischer Natur. Schlafen kann man nämlich gar nicht. Auch sonst hat das Camp für uns nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Wir waren meistens voll und ganz damit beschäftigt, durch die Gegend zu reisen und die Spielwelt zu erkunden.

Pferde sind auch in Red Dead Online ziemlich eigensinnige Geschöpfe. Quelle: PC Games Pferde sind auch in Red Dead Online ziemlich eigensinnige Geschöpfe. Das geht natürlich am besten zu Pferde. Ihr startet Red Dead Online in der Regel mit einem Tennesse Walker, also eher dem "Durchschnittsmodell". Dem Gaul geht deshalb aufgrund der Dauerbelastung entsprechend schnell die Puste aus. Was im Umkehrschluss heißt, dass ihr entweder immer Futter oder Tränke bei euch tragen müsst, um die Ausdauer eures Pferdes wieder aufzufüllen. Oder ihr bewegt euch eine Zeit lang nur noch im Schneckentempo voran, wenn euer Kläpper vor Erschöpfung herumbockt - ziemlich nervig. Zumal sich der Ausdauerkern eures Reittiers offenbar auch nicht auffüllt, während ihr offline seid. Zur Krönung des Ganzen, verhalten sich die Pferde gefühlt noch blöder als im Singleplayer, laufen also gerne mal gezielt in Bäume hinein oder stolpern über Steine.

Red Dead Online: Hakelige Steuerung mindert den Spielspaß

Das ist besonders ärgerlich während der Pferderennen, die zu den aktuell verfügbaren Spielmodi gehören. Hier sorgen schon kleine "Auffahrunfälle" dafür, dass euer Gaul zusammenbricht und ihr respawnen müsst. Da der Vorgang mehrere Sekunden in Anspruch nimmt, seid ihr danach meist weit abgeschlagen und könnt das Rennen nach einem Crash bereits abschreiben. Da helfen auch Waffen und zusätzliche Ausdauer nichts, die ihr in auf der Strecke verteilten Fässern findet. Zudem hätten wir uns ein bisschen mehr Varianz gewünscht. Momentan gibt es nur Sprints, Runden- sowie freie Rennen. Für die finale Version fänden wie etwa auch noch Wettkämpfe in Kutschen und Booten toll.

Weitere Modi, denen ihr allerdings nur zufällig und nie gezielt beitreten könnt, sind eine Reihe von Deathmatches in verschiedenen Variationen - etwa Herrschaftskämpfe oder eine Art Battle Royale mit wahlweise 16 oder 32 Teilnehmern. Das Bürgerkriegsschlachtfeld in Lemoyne stellt eine tolle Kulisse für Deathmatches dar. Quelle: PC Games Das Bürgerkriegsschlachtfeld in Lemoyne stellt eine tolle Kulisse für Deathmatches dar. Die gestalten sich soweit sehr spaßig, gerade aufgrund der tollen Schauplätze wie dem verlassenen Bürgerkriegsschlachtfeld in Lemoyne oder Fort Mercer in New Austin. Negativ aufgefallen sind uns hingegen die unpräzise und inkonstante Steuerung, die mal mit Auto-Aim unterstützt wird und mal nicht. Dazu kommt die hakelige Deckungsfunktion, ganz zu schweigen von eurem "Ausweich-Move", bei dem ihr euch einfach in den Staub schmeißt und sogar noch leichtere Beute seid. Warum gibt es hier keine Rolle wie in GTA Online? Getoppt wird das Ganze von einem teils miesen Spawning und dem Umstand, dass ihr manche Modi nur mit den Waffen spielt, die ihr im freien Modus bei euch tragt. Sind deren Magazine leer, seid ihr ziemlich aufgeschmissen. Ähnlich verhält es sich auch bei den zahlreichen Free Roam Events, in denen ihr teils mit 20 anderen Spielern darum kämpft, ein Pferd zu stehlen oder eine Tasche möglichst lang im Besitz zu halten. Diese entwickeln sich schnell in ein lächerliches Schlachtfest.

Red Dead Online: Trolle und Trupps

Aufgepasst: In Free Roam Missionen können andere Spieler euch daran hindern, euren Auftrag erfolgreich zu Ende zu bringen. Quelle: PC Games Aufgepasst: In Free Roam Missionen können andere Spieler euch daran hindern, euren Auftrag erfolgreich zu Ende zu bringen. Seid ihr dessen irgendwann überdrüssig, habt ihr nur noch die Möglichkeit, Aufträge bei fremden Personen innerhalb der Spielwelt anzunehmen. Poker oder andere Minispiele gibt es nämlich nicht. Immerhin trefft ihr durch diese Missionen bereits bekannte Figuren wie etwa den entmutigten Postmitarbeiter Alden. Viel Tiefgang dürft ihr aber nicht erwarten. Die Geschichten sind meist eher dünn, eure Aufgaben beschränken sich auf Lieferungen, Auftragsmorde und dergleichen. Hinzu kommt, dass euer Missionsziel ab einem bestimmten Zeitpunkt für alle Spieler in eurer Sitzung sichtbar wird. Heißt also, dass ihr während einer Lieferungsmission von anderen Spielern angegriffen werden könnt, die dann eure Fracht klauen. Das lädt natürlich geradzu zum Trolling ein. Auch sonst habt ihr wie in GTA Online das Problem, in der Spielwelt willkürlich von anderen über den Haufen geballert zu werden. Immerhin verliert ihr dabei, zumindest nach aktuellem Stand, aber kein Geld. Dennoch stellt sich die Frage, warum es in Red Dead Online keinen Passivmodus gibt oder das Töten anderer Spieler keine Konsequenzen nach sich zieht.

Wer einen permanenten Trupp bilden möchte, muss erst einmal 200 Dollar Startkapital zusammen bekommen. Quelle: PC Games Wer einen permanenten Trupp bilden möchte, muss erst einmal 200 Dollar Startkapital zusammen bekommen. Wollt ihr bewusst mit anderen Spielern zusammenspielen, könnt ihr euch in Trupps zusammenschließen. Hier habt ihr zwei Optionen: die temporäre Variante, die nach dem Verlassen der Sitzung aufgelöst wird, oder die permanente Variante. Letztere bietet Platz für sieben statt der üblichen vier Mitglieder und zusätzliche Aktionen wie etwas das Anzetteln von Bandenkriegen. Im Gegenzug kostet die Gründung eines permanenten Trupps allerdings auch 200 Dollar - eine stattliche Summe in der Welt von Red Dead Online.

Red Dead Online: Ein Angriff auch die Brieftasche

Für die Verzierung und Individualisierung eurer Waffen müsst ihr tief in die Tasche greifen. Quelle: PC Games Für die Verzierung und Individualisierung eurer Waffen müsst ihr tief in die Tasche greifen. Geld ist hier nämlich rar gesät. Überfälle auf Läden und NPCs gibt es gar nicht, daher bleiben euch nur Missionen und Jagen als Geldquellen. Deren Erträge stehen allerdings in keinem Verhältnis zu den Preisen, die für Waffen, Kleidung und Verbrauchsobjekte verlangt werden. Für eine Dose Bohnen werden euch beim Hehler zum Beispiel 1,20 Dollar abverlangt, ein goldener Ehering bringt euch hingegen nur 1,15 Dollar ein! Aber nicht nur das: In Red Dead Online führt Rockstar mit den Goldbarren auch noch eine neue Premium-Währung ein, die ihr im Ingame-Store kaufen könnt - gegen bare Münze, versteht sich. Diese gewährt euch unter anderem Zugriff auf besondere Frisuren oder Waffen-Skins. Es ist mit ihnen aber auch möglich, die teils seltsame Freischaltungs-Politik zu umgehen (eine Angel ist erst ab Level 14 verfügbar?!) und so früher an Items zu kommen. Der finalen Version könnte also eine Ungleichgewicht zwischen zahlenden Spielern und dem Rest drohen. Schon in der Beta hatten Besitzer der teureren Ultimate Edition etwa den Vorteil kostenloser Waffen sowie einen zeitlichen Vorsprung.

Immerhin: Die Entwickler scheinen sich dieser Probleme bewusst. Auf Twitter hat Rockstar bereits eine Anpassung der Ingame-Economy gelobt. Auch an Verbindungsproblemen und Bugs soll künftig weiter gearbeitet werden. So sollen nicht startende Missionen oder verstreut herumstehende, herrenlose Pferde bald der Vergangenheit angehören. Es besteht also durchaus noch Hoffnung.

Red Dead Online: Fazit zur Beta

Meinung

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