Couch-Koop, Crossplay und bessere KI: Warum im Konkurrenzkampf der Horror-Adventures dieses Spiel als eindeutiger Gewinner hervorgeht.
Spielmechaniken und Kampfsystem
Auch was die Spielmechaniken betrifft, sind sich beide Titel sehr ähnlich. In beiden besteht der Großteil des Spiels darin, die Welt zu erkunden und brenzligen Passagen durch Schleichen, Verstecken oder Flucht zu entgehen. Da in jedem dieser Szenarien Timing der wichtigste Faktor ist, muss sich auch hier Little Nightmares 3 gegenüber Reanimal geschlagen geben.
Wo in Reanimal oft jede Sekunde zählt und besonders in den Fluchtsequenzen jeder Fehler bestraft wird, hat man in Little Nightmares 3 viel zu viel Zeit, um diese Hürden zu bewältigen. In den Schleichpassagen kann man teilweise tiefenentspannt von einem Versteck zum nächsten laufen, ohne dass man entdeckt wird.
Dazu kommt, dass die Steuerung in Little Nightmares 3 so schwerfällig ist, dass die Charaktere beinahe ständig an irgendwelchen Ecken hängen bleiben oder Planken und Kanten verfehlen, nur weil der Winkel nicht richtig stimmt. Ja, das ist ein bekanntes Problem der Little-Nightmares-Reihe, und auch Reanimal ist davor nicht gefeit. Doch kommt es im Vergleich deutlich seltener vor und ist bei weitem nicht so frustrierend.
Apropos frustrierend: Die leidigen Trial-and-Error-Abschnitte, die ebenfalls aus den Vorgängern bekannt sind, treten in beiden Spielen erneut auf. Aber auch hier: In Reanimal passiert das deutlich weniger und ist bei weitem nicht so nervenaufreibend.
Quelle: THQ Nordic
Die Schleichpassagen in Reanimal setzen auf gutes Timing und grauenerregende Gegner.
Beim Kampfsystem setzt Reanimal hauptsächlich auf klassisches Draufhauen im Nahkampf. Nur selten gibt es die Gelegenheit, mit einer Fernkampfwaffe zu schießen, und auch das ist nur temporär. Hier geht Little Nightmares 3 einen anderen Weg, indem es einen der Charaktere von Anfang an mit einem Bogen ausstattet. Auf den ersten Blick bietet das Kampfsystem in Little Nightmares 3 also mehr Abwechslung. Allerdings ist der Fernkampf unglaublich frustrierend, da es mir als Spieler nicht möglich ist, mit dem Bogen zu zielen. Ich muss also darauf hoffen, dass ich die Triggerpunkte der Gegner rechtzeitig bemerke, um das automatische Zielen auszulösen.
Reanimal hingegen lässt mich in den wenigen Momenten, in denen ich eine Fernkampfwaffe habe, selbst zielen. Das ist zwar auch recht rudimentär gehalten, mit einer ausgefeilten und pixelgenauen Zielmechanik darf hier also nicht gerechnet werden, aber immerhin muss ich die Richtung meines Gegners aktiv anvisieren, um die Zielmechanik auszulösen. So entsteht zumindest der Eindruck, selbst zielen zu können, der mir in Little Nightmares 3 verwehrt bleibt.
Verschiedene Koop-Modi und der Einsatz von KI
Große Unterschiede gibt es bei den verschiedenen Spielmodi und dabei, wie diese funktionieren. Prinzipiell bieten beide Spiele die Möglichkeit, das Adventure entweder allein oder gemeinsam mit einem Freund im Koop zu erleben. Außerdem haben beide Titel die Freundespass-Option, sodass nur einer der Spieler das Spiel besitzen muss.
Im Gegensatz zu Little Nightmares 3 bietet Reanimal aber zum einen die Option, das Spiel gemeinsam vor dem Bildschirm im Couch-Koop zu erleben, und zum anderen die Möglichkeit zum Crossplay. Little Nightmares 3 bietet dagegen ausschließlich den Online-Koop an, und das nur mit beiden Spielern auf derselben Plattform.
Quelle: PC Games
Der KI-Begleiter in Little Nightmares 3 verursacht leider häufig mehr Probleme, als er löst.
Im Singleplayermodus bekommt man in beiden Spielen eine unterstützende KI zur Seite gestellt. Doch die funktioniert unterschiedlich gut. In beiden Titeln kommt es vor, dass der KI-Begleiter bevorstehende Abschnitte spoilert. In Little Nightmares 3 wird das allerdings auf die Spitze getrieben. Die KI ist hier entweder viel zu schnell und gibt damit versteckte Wege vor, drückt bereits auf geheime Schalter oder läuft direkt ins nächste Versteck, bevor der Gegner überhaupt den Raum betreten hat. Oder die KI ist viel zu langsam, sorgt in Fluchtabschnitten für Frust, da sie sich vom Gegner erwischen lässt, oder sie lässt mich ewig warten, bis ich endlich Hilfe bekomme, um einen Durchgang zu öffnen.
Wie bereits erwähnt kommt es auch in Reanimal vor, dass die KI sich im Voraus schon versteckt oder direkt die Flucht ergreift, doch im Vergleich passiert das deutlich seltener. Was die anderen erwähnten Probleme betrifft, funktioniert die KI in Reanimal jedoch tadellos. Es ist nie vorgekommen, dass ich länger auf Hilfe warten musste oder die KI der Grund war, dass einige Abschnitte wiederholt werden mussten. Hier hat Reanimal eindeutig die ausgefeiltere Programmierung.
Quelle: PC Games
Egal, ob mit KI oder im Koop - in Reanimal kann man immer auf hilfreiche Unterstützung bauen.
Was das Spielen im Koop betrifft, haben beide Titel gleichermaßen Spaß gemacht. Auch wenn ich bei Little Nightmares 3 immer wieder Verbindungsausfälle hatte, die es bei Reanimal nicht gab. Allerdings lässt sich schwer beurteilen, ob die Ursache dafür beim Spiel oder an der jeweiligen Internetverbindung lag.
Ein klarer Sieger
Welches Spiel hat im Konkurrenzkampf Reanimal vs. Little Nightmares 3 also gewonnen? Für mich, ebenso wie für die Fachpresse, liegt der Sieger klar auf der Hand. Reanimal hat einfach in so vielen Bereichen, die für mich einen essenziellen Einfluss auf die Spielerfahrung haben, die Nase vorn: eine dichtere Atmosphäre, erwachsenere Themen, eine bessere KI, anspruchsvollere Rätsel und vieles mehr.
Auch die Möglichkeit, den Titel im Couch-Koop zu erleben, hebt das Spiel noch einmal deutlich von der Konkurrenz ab. So spart man sich nicht nur die Kosten für eine etwaige Onlinemitgliedschaft, sondern kann auch auf ein zweites Gerät verzichten. Wer sich also die Frage stellt, für welches der beiden Spiele er sich entscheiden sollte, dem empfehle ich, sich unbedingt in die Welt von Reanimal zu stürzen. Es lohnt sich!
