RPG Maker MV im Test: An den eigenen Rollenspielen basteln, jetzt auch auf Konsole
Test
Die RPG-Maker-Reihe, bestehend aus Programmen zur Erstellung eigener Rollenspiele, erstreckt sich mittlerweile über mehrere Jahrzehnte. Jetzt hat es mit dem RPG Maker MV eine der aktuellsten Versionen auch auf PS4 und Nintendo Switch geschafft. Wie sich der RPG Maker MV schlägt und ob sich ganze Welten auch mit dem Controller spielend leicht zusammenbauen lassen, erfahrt ihr im folgenden Test!
Mit dem RPG Maker MV hat es die traditionelle Baukasten-Reihe nun auch endlich auf PS4 und Nintendo Switch geschafft. Dabei handelt es sich um ein Tool, dass schon seit Jahrzehnten die Kreativität seiner "Spieler" zutage fördert. Es ermöglicht nämlich die Erstellung eigener Rollenspiel-Abenteuer, ohne dabei auf ein Arsenal aus Programmier-Kenntnissen zurückgreifen zu müssen. Einfach genug für ein Kind und mächtig genug für einen Entwickler, so lautet die Prämisse.
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(So gut wie) unbegrenzte Möglichkeiten!
Um ein eigenes Rollenspiel auf die Beine stellen zu können, bedarf es einiges an Material und Werkzeugen, wovon der RPG Maker MV (jetzt kaufen ) in beiden Fällen glücklicherweise ausreichend zu bieten hat. Eines der Hauptaugenmerke ist hierbei der Map Editor. Dieser Kartenbearbeitungsmodus ist euer Tool der Wahl, wenn es darum geht, eine hübsche Welt aus dem Boden zu stampfen. Hierfür stehen einem verschiedene Assets, also Gestaltungselemente, zur Verfügung.
Egal, ob ihr ein Steampunk-Abenteuer oder eine vor Magie nur so triefende Fantasy-Welt erschaffen wollt, bekommt ihr hier eine Auswahl an verschiedensten Stilrichtungen geboten. Dennoch muss man sich dessen bewusst sein, dass die Möglichkeiten für den Anfang zwar mehr als ausreichend sind, auf Dauer jedoch nicht wie in der PC-Version von 2015 durch eigene Assets erweitert werden können.
Quelle: PC Games
Die Tutorials gehen über leider zu wenig in die Tiefe gehende Erklärungen nicht hinaus. Da hilft einem dann nur die Suche nach Antworten in entsprechenden Internetforen weiter.
Das zweite Herzstück ist die Datenbank. Hier gibt es eine vor allem zu Beginn überwältigende Anzahl an Optionen zu bedienen, die sich mit verschiedensten Mechaniken eures Spiels auseinandersetzen. Zum Großteil geht es hier also um das Gameplay, weshalb ihr euch neben möglichen Gegnern und zu entdeckenden Items ebenso um verschiedenste, im Hintergrund agierende Parameter kümmert. Außerdem gilt es hier Informationen zu eurem Spiel und Einstellungen zum System an sich festzulegen.
Zu guter Letzt, sozusagen als Verbindungsglied zwischen den vorangegangenen Werkzeugen, präsentiert sich der Event Editor. Dieser Ereignisbearbeitungsmodus ist dafür zuständig, dass überhaupt irgendetwas in eurer soeben erschaffenen Welt passiert. Das kann ein scheinbar simpler Gang durch eine Tür genauso sein wie eine komplexe Cutscene. Um diese Events zu bewerkstelligen, steht euch ein weiteres, anfangs etwas überwältigendes Menü mitsamt Untermenüs zur Verfügung.
Aller Anfang ist schwer
Sollte die letzte Tuchfühlung mit einem RPG Maker schon einige Jahre her sein oder ist man noch nie mit den Spielen in Kontakt gekommen, hilft das umfangreiche Tutorial beim Einstieg, zumindest in der Theorie. Dieses erklärt einige Aspekte zwar auf nachvollziehbare Art und Weise, entlässt einen aber zu früh in die Baukasten-Wildnis. Man bekommt die Spitze des Eisbergs geboten und steckt vielleicht noch den Kopf ins Wasser, den Großteil der Funktionsweisen muss man sich aber selbst erarbeiten. Hinzu kommen hier und da einige verwirrende Anweisungen oder unklare Bezeichnungen, die vor allem Laien vor Probleme stellen dürften. Sobald die anfänglichen Hürden gemeistert wurden, folgt man somit am besten dem Motto "Probieren geht über Studieren".
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Quelle: PC Games
Der Map Editor mit seinen verschiedenen Bereichen, welche per Knopfdruck durchgewechselt werden, setzt auf zahlreiche Kacheln, mit denen man basteln kann.
Zu Probieren gibt es eine ganze Menge. So können Stunden mit Vorarbeit wie dem Figurenerzeuger verstreichen, bevor man auch nur einen Tastendruck im Map Editor tätigt. Dieses Herumprobieren kann spannend wie auch frustrierend zugleich sein. Es gibt immer etwas zu entdecken und selbst kleine Erfolge sorgen für ein befriedigendes Gefühl, doch umso frustrierender ist es, wenn etwas partout nicht so klappt, wie es soll. Selbst so simple Dinge wie das Einsetzen einer funktionierenden Tür stellt einen vor Probleme, wenn man nicht weiß, dass diese Tür nicht über ein Asset, sondern über das Event selbst eingefügt wird. Klingt doch alles logisch? Nun, vorausgesetzt, man empfindet Programmiersprache ebenso als logisch, mag das stimmen. Das wird aber nur bei den wenigsten potenziellen Bauherren zutreffen. Ein Anfänger wird sich schon hieran die Zähne ausbeißen.
Probleme bereitet auch das Balancing. Das ist nur bedingt ein Problem des Spiels, aber die richtige Mischung bezüglich Statuswerten, Kraft der Widersacher und anderer Parameter zu finden, ist alles andere als einfach. Nicht ohne Grund wird bei "echten" Spieleentwicklungen stets umfangreiches Playtesting mit Hunderten Probanden betrieben. Das fällt hier weg und das tollste, selbsterstellte Spiel mag schlussendlich daran scheitern, dass es völlig unausgewogen ist. Trotzdem ist es natürlich ein Vergnügen, verschiedene Konfigurationen und Herangehensweisen zu testen, bevor man seine Welt Schritt für Schritt weiter ausbaut. Perfektionisten bekommen zahlreiche Stellschrauben geboten, an denen sie drehen können.
Wecke den Entdecker in dir!
Quelle: PC Games
Dieses Mal gibt es wohl niemanden, der den verschlafenen Protagonisten auf die Reise schickt.
Eine Befürchtung, die wir bezüglich des Handheld-Modus der Switch hatten, hat sich dankenswerterweise nicht bestätigt. In Anbetracht der teils komplexen Menüs mit immer kleiner werdenden Beschriftungen, war die Sorge groß, nichts mehr erkennen zu können. Die Sorge scheint unbegründet, denn gerade die Tatsache, unterwegs und in jeder noch so kleinen Pause Veränderungen vornehmen zu können, erweist sich als Stärke.
Das tröstet allerdings nicht über die klobige Menüführung an sich hinweg. Nicht nur, dass man ständig Wartepausen durch häufige Ladezeiten erdulden muss nervt, sondern auch, dass einfachste Befehle mehrere Eingaben erfordern, da man oftmals mit nur einer Taste durch die verschiedenen Menüs wechselt. Diese Umständlichkeit, gepaart mit den besagten Ladezeiten, erweist sich in Summe als wahrer Zeitfresser, was bei einem ohnehin so zeitintensiven Unterfangen wie dem Entwickeln eines eigenen Videospiels schnell ermüdet.
Wenn ihr es dennoch vollbracht haben solltet, euer ganz eigenes Spiel zu eurer Zufriedenheit erstellt zu haben, erhaltet ihr sogar die Möglichkeit, euer Spiel der Community zum Download zur Verfügung zu stellen. Unabhängig vom kostenpflichtigen RPG Maker MV, könnt ihr euch den RPG Maker MV Player zum Spielen besagter Kreationen übrigens kostenlos im eShop und im PS Store herunterladen.
