Quantum League im Test: Interessanter Shooter mit Zeitschleifen-Funktion

Test Lucas Ott Lukas Schmid
Quantum League im Test: Interessanter Shooter mit Zeitschleifen-Funktion
Quelle: Nimble Giant Entertainment

Hat sich nicht schon jeder einmal vorgestellt, in der Zeit zurückreisen zu können und etwas in der Vergangenheit zu ändern, was damals verbockt wurde? Peinlichkeiten, unangenehme Gespräche oder die Niederlage gegen einen 12-Jährigen im Lieblings-Shooter. Für die ersten beiden Punkte gibt es leider keine Lösung, aber zumindest für Letzteres bietet Quantum League zukünftig die Möglichkeit, eure ursprünglichen Fehler noch rechtzeitig zu korrigieren. Wie das möglich ist, findet ihr in unserem Test heraus.

Die Welt der Mehrspieler-Shooter ist eine, in der man sehr abhängig von seinen Mitstreitern ist. Viel zu oft kommt das Gefühl auf, dass nicht nur das gegnerische Team besiegt werden muss, sondern auch einige Teammitglieder. Dabei fällt die Entscheidung zwischen Sieg und Niederlage häufig schon zu Beginn einer Partie, wenn die Diskussionen innerhalb des Voice-Chats schon wieder toxische Ausmaße angenommen haben und die drohende Vernichtung durch die Gegner nur noch eine Formalität ist.

Würde es da nicht helfen, wenn euer Team lediglich aus Klonen von euch selbst bestünde? Diesen Ansatz hat sich das Entwicklerstudio Nimble Giant Entertainment zu Herzen genommen und hat Ende Mai ihren Arena-Shooter Quantum League via Steam in den Early Access geschickt. Die fertige Fassung soll später auch für PS4, Nintendo Switch und Xbox One erscheinen.

4D-Schach im Shooterformat

Das Spiel gestartet, werdet ihr zunächst in einige Tutorials geworfen, die euch die üblichen Grundmechaniken von einem Shooter erklären. Bisher ist noch nichts Außergewöhnliches daran, allerdings ändert sich dies kurz darauf, wenn ihr die Videos zur Erklärung der beiden Spielmodi "Punkteroberung" und "Frei für Alle" abspielt. Die Grundmechanik des Spiels ist, dass eine Runde jeweils in drei Phasen unterteilt ist. Jede dieser Phasen dauert 15 Sekunden an, in denen ihr euch frei innerhalb der Arena bewegen könnt. Nach Ablauf dieser Zeit werdet ihr an euren Startpunkt zurückgesetzt. In Phase zwei habt ihr erneut die gleiche Zeit zur Verfügung und könnt euch genau wie zuvor in der Arena bewegen. Der Unterschied ist, dass nun ein Hologramm von euch exakt die Bewegungen eurer vorherigen Phase simuliert - inklusive aller Schüsse. In der letzten Phase sind nun zwei eurer Kopien unterwegs und ihr könnt euch ein letztes Mal in der Arena bewegen.

Die Karte zeigt euch die vorherigen Laufwege von euch und eurem Gegner an - hilfreich, um die Übersicht zu behalten. Quelle: PC Games Die Karte zeigt euch die vorherigen Laufwege von euch und eurem Gegner an - hilfreich, um die Übersicht zu behalten. Klingt jetzt schon kompliziert. Aber abwarten, es wird noch richtig abgefahren! Im Modus Punkteroberung ist euer Ziel nun, dass am Ende von Phase 3 eines eurer Ichs in einem leuchtenden Kreis stehen muss, um den Punkt zu erzielen. In einem 1v1-Szenario (2v2 gibt es auch) versucht natürlich euer Gegner dasselbe zu machen. Ihr könnt am Anfang jeder Phase eine der fünf Waffen (Scharfschützengewehr, Maschinenpistole, Schrotflinte, Granatwerfer und Laserkanone) auswählen, um ihn daran zu hindern. Das Interessante daran ist, beim frühzeitigem Ableben innerhalb einer Phase seid ihr nicht wirklich tot. Ihr werdet in eine Art Geist verwandelt und könnte die restliche Zeit dazu nutzen, weiterhin alles innerhalb der Arena zu machen, außer Schaden an Gegnern anzurichten. Solltet ihr es in einer der folgenden Phasen schaffen, den feindlichen Klon auszuschalten, bevor er erneut euer altes Ich erwischt, tritt das Ursprüngliche ableben nicht ein. Stattdessen simuliert euer Hologramm die Bewegungen, die ihr zuvor in der Geisterform getätigt habt. Solltet ihr ausgeschaltet werden, versucht trotzdem als Geist in den leuchtenden Kreis zu gelangen, damit dieser Klon noch einen Nutzen hat, falls ihr ihn in einer späteren Phase vor dem Sterben retten könnt.

Am Ende einer Phase noch ein Paar Schüsse ins Nichts abzufeuern, kann sich im späteren Verlauf auszahlen. Quelle: PC Games Am Ende einer Phase noch ein Paar Schüsse ins Nichts abzufeuern, kann sich im späteren Verlauf auszahlen. Wer jetzt noch nicht völlig verwirrt ist, hebe die Hand. Aber so seltsam all das auch klingt: Dieses Konzept sorgt für sehr verrückte und vor allem spaßige und völlig andersartige Partien, als man das aus (gar nicht mal so) vergleichbaren Shootern kennt. In den ersten beiden Phasen kann es noch wirken, als hätte man überhaupt keine Chance, den Punkt einzunehmen, und am Ende stehen trotzdem alle drei Versionen von einem im leuchtenden Kreis. Der eingängigere Modus ist definitiv Frei für Alle, in dem die Aufgabe darin besteht, dass ihr in der letzten Phase mehr lebende Klone von euch vorzuweisen habt, als euer Gegner. Leider sind beide Spielmodi in einer Casual-Suchfunktion miteinander verbunden und man kann nicht eines der beiden separat suchen - Punkteroberung genau genommen schon, aber nur als Ranglistenspiel.

Spieldynamik noch nicht ganz ausgereift

Die Klone eures Gegners auszuschalten, ist essenziell. Quelle: PC Games Die Klone eures Gegners auszuschalten, ist essenziell. Auch wenn die Zeitschleifen-Funktion wirklich Laune macht und die Bewegungen sich alle durchweg geschmeidig anfühlen, gibt es trotzdem den ein oder anderen Punkt, der Frustration aufkommen lässt. Beispielsweise gibt es auf den vier verfügbaren Karten (zwei für jeden Modus) Gesundheitssphären, die kurz nach Beginn der Phase aktiviert werden und euch beim Durchlaufen entweder wiederbeleben oder die maximalen HP-Punkte wiederherstellen, abhängig davon, ob ihr bereits das Zeitliche gesegnet habt. Das klingt im ersten Moment wie eine coole Mechanik, allerdings sorgt das häufig für einen Wettlauf um die Sphären.

Auch wenn die Arenen alle gespiegelt sind und keiner einen positionellen Vorteil hat, um an die Gesundheitssphären zu gelangen, so gibt es auf meisten Karten eine neutral gelegene Sphäre - beide Spieler benötigen gleich lange, um dorthin zu gelangen. Wer zu Beginn der ersten Phase nicht sofort wie ein irrer zur Sphäre rennt und diese als Erster durchquert, kann für die restliche Runde nicht verhindern, dass der Gegner diese für sich beansprucht hat. Selbst wenn ihr euren Widersacher auf dem Weg zur Sphäre ausschaltet, kann dieser in der Geistform einfach weiterrennen und wird beim Durchlaufen wiederbelebt. Es gibt keinen Konter, außer schneller zu sein! Auf der Karte, die eine gerade Zahl von Gesundheitssphären enthält, entsteht dieser Wettlauf zum Glück nicht.

Knarren und Slow-Mode

Waffen könnt ihr zu Beginn jeder Phase neu auswählen. Quelle: PC Games Waffen könnt ihr zu Beginn jeder Phase neu auswählen. Was die Waffen angeht, können diese alle im Laufen mit relativ hoher Präzision abgefeuert werden. Die Schrotflinte und die Maschinenpistole profitieren definitiv am stärksten von dieser Dynamik, aber sie sind auch unabhängig davon den drei anderen Schießeisen enorm überlegen. Die Ergebnisse, die mit der MP in den Feuergefechten erzielt wird, variieren zudem gravierend. In einem Moment vernichtet ihr euren Gegner mit drei Kugeln und im nächsten verpufft euer gesamtes Magazin gefühlt in der Luft. Der Zufallsfaktor während des automatischen Feuers ist extrem. Ihr könnte zwar regulär mit Rechtsklick zielen, jedoch seid ihr im Stehen ein gefundenes Fressen für gegnerischen Beschuss. Der Granatwerfer und das Scharfschützengewehr können in bestimmten Situationen durchaus nützlich sein, leider seid ihr mit den beiden meist viel zu eingeschränkt.

Die Laserkanone kitzelt eure Gegner eigentlich nur und dient ausschließlich zu ihrer Demütigung, wenn ihr euch des Sieges sicher seid. Wünschenswert wäre es, die Waffen entweder entsprechend auszubalancieren - was bei der Auswahl schwierig werden könnte - oder die Karten so aufzubauen, dass es von Vorteil ist, die Sniper oder den Granatwerfer zu verwenden. Und bitte, entfernt die Zeitlupen-Funktion! In der letzten Sekunde jeder Phase wird die gesamte Arena in Slow Motion versetzt, was das Ausschalten von Gegnern sehr, sehr einfach gestaltet. Wenn es unzählige taktische Möglichkeiten gibt, ergibt es doch kein Sinn, eine Phase mit einer Funktion zu beenden, die nur wenig Können erfordert und alle Taktik zuvor über Bord wirft.

Großes Potenzial

Am Ende jeder Runde wird die finale Phase noch einmal mit einer Sonderkamera als Wiederholung abgespielt. Quelle: PC Games Am Ende jeder Runde wird die finale Phase noch einmal mit einer Sonderkamera als Wiederholung abgespielt. Quantum League hat definitiv ein ausgefallenes Konzept, wodurch die Partien sich erfrischend ungewohnt spielen. Die meisten Shooter orientieren sich an altbewährten Methoden und setzen diese mittels hübscherer Grafik oder neuem Setting um. Nimble Giant Entertainment setzt zwar, ähnlich wie bei Valorant, auf einen Comic-Grafikstil und nutzt bewährte Spielmodi. Die Zeitschleifen-Funktion sorgt aber für das nötige Alleinstellungsmerkmal und erfordert eine ganz neue Herangehensweise. Dass es im Early Access noch einige Schönheitsfehler gibt, ist klar - besonders im Hinblick auf das neuartige Spielprinzip. Nichtsdestotrotz haben die Entwickler mit Quantum League definitiv einen Nerv getroffen. Mit den entsprechenden Anpassungen hat der Titel das Potenzial, das nächste Shooter-Phänomen zu werden.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Quantum League (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Sehr innovatives SpielprinzipGute Performance durch Comic-StilSchnelles GameplayCampen ist kontraproduktivMovement fühlt sich geschmeidig an
Gesundheitssphären stören den SpielflussWaffen sind noch nicht gut ausbalanciertZeitlupen-Funktion zerstört taktisches VorgehenModus Frei für Alle kann nicht separat gesucht werden
Fazit

Actiongelandener Arena-Shooter, der großes Potenzial hat, noch besser zu werden

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk