Pro Evolution Soccer 2018: Der Spielspaß-Meister ist in Titel-Form
Special
Nach der E3 ist vor der Gamescom. Und genau dazwischen lud uns Konami Ende Juni in den Dortmunder Signal Iduna Park ein - zur PES World Tour. Das bedeutete: Entwickler-Präsentation samt Interview und vier Stunden ganz frische Spieleindrücke! Was wir vom neuen Pro Evolution Soccer-Teil halten, lest ihr im Artikel.
Welchen besseren Ort als ein Fußballstadion gibt es, um das neue PES 2018 vorzustellen? Genau, keinen! Denn nur hier trennen wortwörtlich ein paar Meter den realen vom virtuellen Rasen. Doch bevor wir im Signal Iduna Park, der Heimstätte von DFB-Pokalsieger Borussia Dortmund, selber Hand anlegen, lässt Global Brand Manager Adam Bhatti die anwesenden Journalisten aufhorchen: "Wenn ihr PES 2017 gespielt habt, dann ist PES 2018 ein Schock für euch." Die Antwort auf unsere verwirrten Blicke folgt zum Glück sofort: "Ein Fokus der Entwicklung liegt auf der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Gameplays, die schon drei Jahre in der Vergangenheit mit Grundbausteinen begonnen hat." Das Konami-Team entwickele das Spiel Bhatti zufolge nicht stupide und kurzfristig von Jahr zu Jahr, sondern langfristig - und viele grundlegende Gameplay-Meilensteine erreichen die Entwickler erst jetzt mit PES 2018.
In der Ruhe liegt die Kraft
PES 2018 macht Spaß - und wie! Das liegt daran, dass sich das Geschehen auf dem Rasen jetzt noch mehr nach richtigem Fußball anfühlt. Fehlpässe, vergeigte Torschüsse oder gelungene Lupfer lassen sich zu jeder Zeit dank des verbesserten Gameplays nachvollziehen. Nicht das Spiel ist verantwortlich für eure Freude oder euren Ärger, sondern ganz allein ihr.
Wer den Vorgänger kennt, bemerkt sofort das angenehm entschleunigte Spieltempo. Am Anfang wirken Sprinteinlagen dadurch zwar fast zu langsam, aber nach einer kurzen Eingewöhnungsphase fühlt sich alles harmonisch und aufeinander abgestimmt an.
Im direkten Vergleich zu PES 2017 kommt es deutlich weniger auf Geschwindigkeit, dafür umso stärker auf taktisches Angriffsspiel an, geschickt eingesetzter Pässe inklusive.
Die gehen zwar zielgenau von der Hand, jedoch ist beim Drücken der Pass-Taste ein anderes Timing gefragt, und viele Pässe vermag das gegnerische Team auch geschickt abzufangen. Die Balance zwischen Angriff und Verteidigung fühlt sich bereits in dieser frühen Version sehr ausgeglichen an. Zu meckern gibt es hier nur, dass es die KI-Mitspieler häufig nicht schaffen, schnell in freie Räume vorzustoßen. Sie wirken manchmal eher wie ein Begleitschutz und nicht wie sich aktiv freilaufende Mitspieler.
Quelle: PC Games
Von Borussia Dortmund und dem FC Liverpool haben die Entwickler Ganzkörper-Scans angefertigt. Mit welchem Detailgrad die Akteure von nicht exklusiv lizenzierten Mannschaften dargestellt werden, muss sich im fertigen Spiel erst noch zeigen.
Dribbling mit Kontrolle
Neben dem Spieltempo und den Pässen fällt auf, dass sich die Balltreter anders steuern und bewegen. Das liegt am veränderten Dribbling: Ihr habt nun die Möglichkeit, auch sehr kleine Bewegungen mit eurem Spieler und dem Ball auszuführen, ohne dass sich einer vom anderen zu weit entfernt. So habt ihr stets die volle Ballkontrolle. Auf engem Raum kann es aber passieren, dass euch die Pille zu weit von eurem Fuß springt und der Gegner so ungewollt in Ballbesitz gelangt.
Ein weiterer Faktor für das neue Bewegungsgefühl ist die realistisch abgebildete, träge Körpermasse der Spieler. Besonders bei Drehungen, Richtungswechseln und Zweikämpfen ist zu spüren, dass ihr simulierte Menschen steuert und keine Roboter, die blitzschnell die Richtung ändern können.
Vom Abschirmen und Mitnehmen
Quelle: PC Games
Fußball wäre ohne Emotionen nur halb so schön. In PES 2018 lässt sich anhand der jeweiligen Mimik der Spieler ablesen, was gerade los ist - wie etwa bei dieser Verletzung.
In Sachen Gameplay hat Konami noch mehr Neuerungen zu bieten. So schirmen eure Spieler den Ball automatisch ab, indem sie ihren Körper zwischen Ball und Gegner bringen. Sie wissen, was in ihrer Umgebung passiert und welches Verhalten jeweils sinnvoll ist. Als Stürmer seid ihr so in der Lage, auch mal den Ball in der Spitze zu halten und zu warten, bis eure Mannschaft nachgerückt ist. In den Zweikämpfen, vor allem bei Kopfballduellen, setzen die Fußballer ihre Körpermasse ebenfalls gekonnt ein.
Darüber hinaus kann euch der Ball jetzt auch an Bauch oder Oberschenkel springen und sich trotzdem aus dem Lauf mitnehmen lassen. Das ging letztes Jahr noch nicht.
Alles Standard, oder was?
Quelle: PC Games
Das Taktikmenü hat sich in der aktuellen Version im Vergleich zum Vorgänger nicht geändert. Immerhin: Die Entwickler setzen jetzt auf reale Porträtfotos.
Habt ihr einen Freistoß oder eine Ecke herausgeholt, fällt sofort auf, dass die dargestellte Ballflugbahn fehlt. Das ist Konamis Ansatz, die Standardsituationen realistischer zu gestalten. Das bedeutet: üben, üben, üben. Denn die Standards sind ohne Erfahrung in PES 2018 alles andere als leicht, hier geht es wortwörtlich um Fingerspitzengefühl. Zur Unterstützung lässt sich jedoch in eine neue, erhöhte Kameraperspektive wechseln, um mehr Übersicht auf die Spieler vor sich zu gewinnen. Auch die Elfmetersteuerung fühlt sich intuitiver an, jedoch ebenfalls nur dann, wenn ihr aus anfänglichen Fehlversuchen lernt. Und ganz neu mit dabei: der Ein-Spieler-Anstoß, wie ihn das Regelwerk im Fußball vorsieht.
Für Kontroll-Freaks
Wie in jedem PES-Teil hat euer aktuell angewählter Spieler ein farbiges Dreieck über seinem Kopf. Doch der Spieler, zu dem ihr mit einem Druck auf die Spielerwechsel-Taste springt, hat bereits ein blasses, weißes Dreieck über sich. So wisst ihr immer, welchen Spieler ihr als nächstes anwählt. Dadurch ist das zuvor nervige Spielerwechsel-Roulette endlich Geschichte.
Optischer Leckerbissen
Schon beim Auflaufen der Mannschaften fallen die komplett überarbeiteten, authentischen Spielermodelle auf. Bei vielen Spielern durften die Entwickler auf Bodyscans zurückgreifen, die alle Körpermaße und das Gesicht originalgetreu abbilden. Dazu kommen jetzt auch Details wie Tattoos von Spielern, etwa bei BVB-Star Marco Reus. Wie die Authentizität der Mannschaften ausfällt, die nicht für PES 2018 komplett gescannt wurden, erfahren wir erst im fertigen Spiel.
Übrigens: Die PC-Version befindet sich nach Jahren der Vernachlässigung nun auf dem Stand der aktuellen Konsolen und wirkte vor Ort grafisch sogar leicht besser als die PS4-Pro-Version.
Gefühlsduseleien
Männer können keine Gefühle zeigen? Von wegen! Ein Jubelschrei nach einem Tor, ein Wutausbruch nach einer gelben Karte oder ein schmerzverzerrtes Gesicht nach einer Verletzung gehören in PES 2018 jetzt zum Repertoire der virtuellen Kicker. In Kombination mit den detailliert modellierten Gesichtern, inklusive Falten, Sommersprossen und Bartwuchs stehen die Spielermodelle dem Konkurrenten FIFA 18 in nichts nach.
Quelle: PC Games
In PES 2018 sehen die virtuellen Spieler - siehe rechts vorne BVB-Kapitän Marcel Schmelzer - ihren gescannten Originalen zum Verwechseln ähnlich.
Stadionatmosphäre
Seit dem Vorgänger PES 2017 unterhält Konami exklusive Partnerschaften mit bestimmten Lizenzmannschaften. Dazu gehören der FC Barcelona, Borussia Dortmund und der FC Liverpool. Startet ihr eine Partie in einem dieser Stadien, fallen folgende Details ins Auge: Die Spielertunnel sind originalgetreu abgebildet und wirken dank neu generierter Lichteinstellungen nun noch realistischer. Darüber hinaus sind nun auch die Original-Umkleidekabinen und die Interview-Bereiche enthalten, die euch jeweils im Meister-Liga-Modus begegnen.
Eine gute Stadionatmosphäre lebt von seinen Zuschauern, daher gehen diese in PES 2018 noch mehr als zuvor auf das Geschehen auf dem Platz ein. Sie jubeln oder ärgern sich häufiger und in den richtigen Momenten. Dazu gesellen sich am Spielfeldrand deutlich mehr und sich realistischer bewegende Ordner, Fotografen und Kameraleute - ein dickes Atmosphäre-Plus.
Dagegen sind die unterschiedlichen Tageszeiten und Wetterverhältnisse dem Konkurrenten FIFA 18 jedoch nicht ebenbürtig. Die Wahl zwischen Tag und Abend, Sommer oder Regen ist nicht groß. Dazu sieht der Regen optisch nicht hübsch aus und beeinflusst das Verhalten des Balles und der Spieler nur marginal.
Der neue Koop-Modus
Quelle: PC Games
Endlich wurde der von vielen Fans geforderte Koop-Modus eingebaut.
Der von vielen Fans geforderte Koop-Modus hält endlich Einzug in PES 2018. Das bedeutet, dass Zwei-gegen-Zwei- oder Drei-gegen-Drei-Partien spielbar sind. Wenn ihr also zu zweit mit einem Kumpel auf der Couch sitzt, kann sich ein dritter Freund via Internet dazugesellen. Zu dritt tretet ihr dann gemeinsam gegen drei andere menschliche Spieler an, die irgendwo auf der Welt verteilt sind. Der Spielmodus ist sowohl online als auch offline nutzbar. Außerdem soll er im E-Sport eine neue Disziplin darstellen, zum Beispiel in der offiziellen PES League von Konami. Toll: Das Spiel erfasst eure Matches und Leistungen statistisch. Anhand dieser Aufzeichnungen ist erkennbar, mit welchen anderen Online-Spielern ihr ein Team bilden solltet, um eure spielerischen Schwächen gegenseitig auszugleichen.
Modernisierung des Fußballs
Die Inszenierung des jeweiligen Spieltages werten die Entwickler durch moderner wirkende Einblendungen zwar auf, aber original lizenzierte TV-Einblendungen gibt es in der aktuellen Vorschau-Version von PES 2018 nicht. Dafür arbeitet Konami endlich bei der Aufstellung oder bei eingeblendeten Spieler-Statistiken (z. B. Passquote) nun mit realen Porträt-Spielerfotos und nicht mehr mit ihren virtuellen Konterfeis. Ansonsten gleicht die komplette Präsentation in dieser Anspielversion noch der aus dem Vorgänger, auch in Sachen (Taktik)-Menü.
Wer darf mitspielen?
Quelle: PC Games
Bei Regen steuern sich die Spieler etwas träger und der Ball rollt langsamer. Optisch ist der Wettereffekt jedoch noch kein Leckerbissen.
Sowohl bei der Präsentation, als auch im Interview hielt sich Konami bezüglich der Lizenzen in PES 2018 noch zurück. Erst im Rahmen der gamescom in Köln soll es dazu zahlreiche Neuankündigungen geben. Das gilt auch für die exklusiven Partnerschaften mit neuen Vereinen und weiteren Spieler-Legenden neben dem bereits bekannten Diego Maradona.
Wahrscheinlich schafft es neben Borussia Dortmund als zweite deutsche Mannschaft der FC Schalke 04 ins Spiel. Die dritte und damit lizenztechnisch letzte erlaubte Mannschaft aus der Bundesliga ist noch unbekannt, dazu wollte auch Adam Bhatti im Interview nichts verraten. Der FC Bayern ist aufgrund dessen Partnerschaft mit EAs FIFA auf keinen Fall mit dabei, dafür aber für alle Vorbesteller der jamaikanische Sprint-Star und bekennende PES-Fan Usain Bolt als Einzelspieler.
