Bühne frei für den alljährlichen Kampf um den Fußball-Thron. PES 2011 will im Test mit überarbeitetem Pass-System und vielen Neuerungen punkten. Kann es damit gegen FIFA 11 punkten?
PES 2011 im Test für PS3, Xbox 360 und PC
Ohne Umschweife rauf aufs Feld: Während uns (und im Nachhinein wohl auch Konami) PES 2010 zu offensivlastig war, haben es selbst pfeilschnelle Starspieler wie Messi oder Cristiano Ronaldo nun schwerer, den Abwehrspielern davonzurennen. Die verteidigende Mannschaft rückt zudem geschlossen nach hinten, was nicht nur realistisch, sondern auch herausfordernd für das Offensiv-Team ist. Als solches muss man sich auch an das neue Pass-System gewöhnen: Man hat nicht mehr nur die Wahl zwischen Nah-,Fern- und Steilpass, sondern kann die Pass-Stärke manuell bestimmen. Je länger ihr den Knopf drückt, desto fester und weiter das Zuspiel. Das funktionierte in der Preview-Version vor zwei Monaten noch nicht so gut, jetzt greift die KI helfend ein. So gewöhnt man sich schnell daran und freut sich über mehr Möglichkeiten im Spielaufbau, zum Beispiel überraschende Pässe in den freien Raum.
Quelle: Konami
PES 2011 hat die deutsche Nationalmannschaft im Gepäck.
PES 2011 im Test: Neue Tricks
Um nicht ständig in der vielbeinigen Abwehr hängen zu bleiben, solltet ihr euch mit Dribblings und Tricks beschäftigen. Es gibt ein halbes Dutzend Laufgeschwindigkeiten, vom "Messi-Tippeln" mit dem Ball am Fuß bis zum Supersprint, bei dem man sich den Ball weit nach vorn legt. Doch den kann man nur bei Kontern sinnvoll einsetzen, denn meist bewegt ihr euch auf engstem Raum. Hier helfen dann Übersteiger und andere Tricks. Das Angebot ist riesig, ihr könnt aber immer nur eine vorher definierte Auswahl nutzen, die dann per Knopfdruck und rechtem Analog-Stick ausgeführt werden.
Allerdings gelang es uns in rund 70 Testmatches nicht, die Tricks wirklich sinnvoll einzusetzen. Es fehlt hier an der körperlichen Durchsetzungsfähigkeit, man bleibt trotz Übersteiger, Innenpreller oder Hackenfinte zu leicht hängen. Zumal sich die Steuerung zwar dynamisch anfühlt, Aktionen mit dem Ball aber oft mit einer leichten Verzögerung ausgeführt werden. Das mag realistisch sein, erschwert aber das Offensivspiel. Auch in der Defensive müsst ihr trotz der hohen Kompaktheit nun mehr arbeiten. Drückt ihr auf den Pressing-Knopf, läuft euer Spieler zwar automatisch Richtung Ballführendem, hält dann aber etwas Abstand. Ihr müsst zusätzlich noch eine Schultertaste betätigen, damit euer Verteidiger den Fuß ausstreckt und versucht den Ball wegzuspitzeln. Die Grätsche gibt es natürlich auch noch, jedoch sitzen die Karten bei den Schiris ziemlich locker.
PES 2011 im Test: Taktik-Paradies
Quelle: Konami
Selbst abgefahrenste Charaktere könnt ihr in PES 2011 erstellen.
Insgesamt ist das Geschehen auf dem grünen Rasen anspruchsvoller und realistischer als in PES 2010. Der Trainer in euch wird schnell herausgefordert, durch Strategie und Taktik der Mannschaft unter die Arme zu greifen. PES 2011 lässt euch dafür alle Möglichkeiten. Ihr dürft mit Zahlenwerten unter anderem einstellen, wie häufig Positionswechsel stattfinden sollen, ob ihr über die Flügel oder durch die Mitte spielt, wie hoch die Abwehr stehen soll und so weiter. Neu: Im "Dynamischen Taktik-Editor" gebt ihr vor, ob eher mit langen Bällen operiert werden soll, ihr auf Konter spielen oder zur "radikalen Offensive" greifen wollt. Und dies separat für unterschiedliche Spielstände wie Führung oder Rückstand.
Trotz erhöhtem Realismus müssen wir kritisieren, dass sich die KI einige Schwächen leistet. Das reicht von Aussetzern (CPU-Spieler hat im gegnerischen Strafraum den Ball und bleibt apathisch stehen) über regelmäßige Dummheiten in der Verteidigung bis zur nervigen Abwehr-Passivität auf den Flügeln: Selbst auf dem höchsten der fünf Schwierigkeitsgrade ist es uns zu oft gelungen, von ganz hinten nach ganz vorn zu sprinten. Der Gegenspieler läuft nebenher, ist schneller als wir, greift aber nicht ein. So entwickeln sich oft Flanke-Kopfball-Spielzüge, was an vergessen geglaubte FIFA-Folgen erinnert. Freilich betrifft dieses Problem nur Spiele gegen die CPU.
Quelle: Konami
PES 2011 will mit mehr Realismus punkten
PES 2011 im Test: Kopfschüttel-Alarm
Bemängeln müssen wir fehlende Detailliebe. Wieso habe ich in der Meisterliga erst zwei Heim-, dann zwei Auswärtsspiele - und kann als englischer Zweitligist an der Champions League teilnehmen? Wieso passt jeder dritte Kommentar von Wolf-Christoph Fuss oder Hansi Küpper überhaupt nicht zum tatsächlichen Geschehen? Wieso steht der Torhüter beim Aufreihen der Teams vor dem Spiel an der mittleren Position? Das mögen Kleinigkeiten sein, sie erwecken aber den Eindruck, als hätten einige Leute im Entwicklerteam wenig Ahnung von Fußball.
Auch PES 2011 hat die Lizenz der UEFA Champions League, dazu kommen heuer Europa League und Super Cup. Trotzdem gibt es leider mit Bayern München und Werder Bremen nur zwei lizenzierte deutsche Vereinsmannschaften. Echt sind außerdem viele Nationalteams (auch das deutsche), die französische Ligue 1, die niederländische Eredivise und ausgewählte weitere Teams aus Europa oder der Welt. Erstmals dürft ihr die Copa Santander Libertadores, also die südamerikanische Champions League, nachspielen. Cool: Die Meisterliga mit selbst zusammengestellter Mannschaft gibt es jetzt auch online.
Weitere Neuerungen: Ihr dürft jeden und alles editieren - sogar Stadien basteln - und es gibt viele, teils witzig-skurrile Goodies, die ihr mit der spieleigenen Währung kaufen könnt. Grafisch hat Konami einiges draufgepackt.
