Prey im Test: Vielfalt, Fazit & Wertung
Test 25,49 €
Test und Video verraten, ob Arkane nach Dishonored 2 einen weiteren Gameplay-Hit abliefert. Oder ob man sich am Vorbild Bioshock die Zähne ausbeißt.
Prey im Test: Ordentlicher Umfang, viel Backtracking
Quelle: PC Games
Ablenkungsgranaten lenken die Aufmerksamkeit von Feinden auf einen bestimmten Punkt - währenddessen kann der Spieler fliehen oder vorbeischleichen.
Weil Ressourcen wie Medkits und Munition stark begrenzt sind, artet fast jede Auseinandersetzung in Stress aus. Das scheint durchaus Absicht seitens Arkane zu sein, denn der Spieler kann auch schleichen, verschiedene Granaten zur Schwächung oder Ablenkung der Feinde einsetzen sowie Gasflaschen und andere Umweltgefahren für seine Zwecke nutzen. Auch Geschütztürme gibt es, die für euch die Drecksarbeit machen - sehr praktisch. Tatsächlich aber erschienen uns die meisten dieser Werkzeuge auf Dauer viel zu schwach, die Ablenkfalle etwa dauert nur ein paar Sekunden lang an. Und für jeden Standardgegner einen aufwendigen Schlachtplan erstellen, um sich irgendwie durchzumogeln, bevor Morgan das Zeitliche segnet - das wird einige da draußen begeistern und motivieren, aber zumindest im einfachen Spielmodus hätten wir uns ein zugänglicheres, Fehler verzeihendes Spieldesign gewünscht.
So jedoch sind wir nach einer Weile an den meisten Gegnern einfach nur noch vorbei gerannt. Denn ihr Ableben bringt keine Erfahrungspunkte für den Hauptcharakter mit sich und in Sachen Loot sind die Typhons auch nicht eben üppig bestückt. Die Motivation, sich in die langwierigen, auf Dauer nervigen Gefechte zu stürzen, nur um am Ende mit ein paar Materialien für das simple Crafting-System belohnt zu werden, hielt sich bei uns in Grenzen. Zumindest sobald wir einmal alle Teile der Raumstation gesehen und erkundet hatten. Anschließend kehrt man zwar für Haupt- und Nebenquests zwar noch mehrmals in die (nun dank Gegner-Respawn erneut von noch stärkeren Feinden bevölkerten) Gebiete zurück, aber dieses häufige Backtracking geht mit keinen neuen Belohnungen einher. Insgesamt wirkt die Spielzeit von Prey, die zwischen 15 und 20 Stunden liegt (25 bis 30, wenn man wirklich alle optionalen Aufgaben erledigt), leicht gestreckt. Im letzten Drittel des Spiels gibt's kaum noch neue Regionen zu erforschen, stattdessen nehmt ihr eine lange Ladezeit nach der anderen in Kauf, um für irgendwelche Besorgungen von einem Ende der Raumstation zum anderen zu hetzen. Auch hier zeigt sich die PC-Version leicht im Vorteil: Auf guten Rechnern fallen die Ladezeiten schlichtweg kürzer aus, das sorgt für besseren Spielfluss.
Quelle: PC Games
Der starke Unschärfeeffekt von Prey lässt sich in den Konsolenversionen nicht ausstellen.
Den eigenen Weg finden: Endlich mal Klopapier sein!
In anderen Belangen überzeugt Prey dafür mit einer Fülle an Möglichkeiten. Besonders die spielerische Freiheit war Entwickler Arkane Studios offensichtlich wichtig: Statt linearer Shooter-Korridore gibt's hier oft mehrere Wege zu einem Missionsziel, von Lüftungsschächten über von schweren Objekten verstellte Türen (lassen sich nur mit dem richtigen Neuromod-Skill anheben) bis hin zu kleinen Schlitzen, durch die vielleicht allenfalls eine Rolle Klopapier passt. Wie gut, dass ihr euch in Prey in genau eine solche verwandeln könnt! Das Skillsystem erlaubt Protagonist Morgan Yu nämlich, die Fähigkeiten von Mimics und anderen Typhon-Aliens zu klauen. Dafür müsst ihr die noch lebenden Exemplare erst einmal mit eurem Science-Fiction-Fernglas scannen, anschließend gilt es gefundene Neuromods (funktionieren wie die versteckten Runen in Dishonored) im Skill-Menü gegen Telepathie, Feuer- sowie Blitzangriffe und natürlich die Verwandlung in herumliegende Alltagsgegenstände einzutauschen. Als Aktenkoffer an Aliens vorbei zu kriechen oder in der Haut eines Geschützturms eine Treppe hoch zu hüpfen - das geht nur in Prey.
Das detailverliebte Leveldesign macht einem solch absurden Ausflüge schmackhaft, allerdings erreicht Prey in Sachen Verwinkelung und unterschiedliche Pfade pro Quadratmeter nicht ganz das Niveau von Dishonored 2 oder Deus Ex: Mankind Divided. Dennoch gibt's mehr als genug zu entdecken. Die GLOO-Kanone lässt sich zum Beispiel immer wieder dazu nutzen, an ansonsten unerreichbare Orte zu gelangen - etwa indem man sich mit den an Wänden haftenden Klebebrocken eine Treppe zu einer höheren Ebene baut. Auch Leck geschlagene Gasleitungen lassen sich so sprichwörtlich kitten. Und wenn brennende Benzinpfützen auf dem Boden das Weiterkommen erschweren, erstickt der Klebstoff die Flammen.
Quelle: PC Games
Das Hacking-Minispiel nervt mit übersensibler Steuerung und fiesen Zeitlimits - Spaß macht es obendrein nicht.
Wer darauf keine Lust hat, kann seine Neuromod-Punkte auch in bessere Hacking-Fähigkeiten investieren, um Türschlösser und vor E-Mails überlaufende Computerterminals zu hacken. Aber Vorsicht, das damit verbundene Minispiel gehört zu den schwächsten seiner Art. Ihr lenkt euren Cursor durch ein Labyrinth aus elastischen Platinenwänden und Stromschläge verteilenden Prozessoren - mit extrem empfindlicher Steuerung und unter dem Druck eines viel zu engen Zeitlimits. Schräg: Wer höhere Ausbaustufen des Hacking-Skills freischaltet, darf zwar auch schwierigere Schlösser öffnen, die simpleren Mechanismen werden dadurch aber nicht einfacher zu bewältigen.
Ungleich intuitiver ist das Sammeln und Verwerten von Schrott wie Bananenschalen oder Ersatzteilen, den ihr an Recyclingstationen zu Handwerksmaterialien verarbeitet. Mit diesen füttert ihr wiederum Fabrikatoren. An diesen Maschinen wählt ihr herzustellende Gegenstände aus: Mit zunehmender Spieldauer findet ihr immer mehr Blaupausen für Munition, Waffen und Hilfsmittel. Das mehrmalige Betätigen derselben Schaltflächen beim Herstellen einer großen Zahl gleicher Objekte ist zwar minimal umständlich. Dennoch motivieren das Crafting-System und die ständige Ressourcenknappheit einen dazu, wirklich jede Ecke nach nützlichen Gegenständen abzugrasen.
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Prey zweimal spielen? Ja, bitte!
Prey hat seine Fehler, keine Frage; es ist kein unumstrittenes Meisterwerk. Wer sich allerdings durchbeißt und sich auf das anspruchsvolle Spielprinzip von Prey und die zuweilen eher spröde, für ein AAA-Spiel untypische Inszenierung - statt Zwischensequenzen gibt's meistens nur Funksprüche anderer Figuren - einlässt, der dürfte auf Talos 1 viel Spaß haben. Besonders weil Arkane den Eindruck erweckt, wie schon in Dishonored den Spieler ernst zu nehmen: Es gibt keine unsichtbaren Grenzen, keine plötzlich ins Schloss schnappenden Türen, die den Weg versperren, bis man alle Gegner im Umkreis besiegt hat. Wer will, kann menschliche Figuren einfach um die Ecke bringen, auch wenn diese eigentlich wichtig für die Geschichte sind. Oder nicht: Mit der Betäubungspistole lassen sich von Typhon-Telepathen umgedrehte Menschen gewaltlos schlafen legen; habt ihr bis zum Ende des Spiels keinen einzigen virtuellen Menschen umgenietet, gibt's ein Achievement.
Quelle: PC Games
Im Spielverlauf steht ihr vor einigen moralischen Entscheidungen in Bezug auf das Schicksal der anderen Stationsbewohner.
Überhaupt spielen eure Taten und Entscheidungen im Spielverlauf eine große Rolle; die Endsequenz nimmt direkt Bezug auf euer Verhalten gegenüber den wenigen Überlebenden der Alien-Invasion. Auch deshalb lohnt sich ein zweites Durchspielen; die Geschichte lässt sich auf mehrere Arten zu Ende bringen. Unter anderem entscheidet auch die Menge an fremdartigen Typhon-Skills darüber, wie der Schlussakt aussieht. Toll!
Prey-Test: Was taugt die PC-Version?
Nachdem wir das Sci-Fi-Abenteuer auf Konsolen durchgespielt hatten, widmeten wir uns ab 4. Mai der PC-Fassung von Prey. Die hinterlässt bislang einen klar besseren Eindruck als die (ebenfalls guten!) Konsolenfassungen. Das liegt weniger an der Optik, die auf dem PC nur unwesentlich schöner wirkt, sondern an der spürbar flüssigeren Framerate und der präzisen Maus-Tastatur-Steuerung. Denn wo die Kämpfe gegen die teils rasend schnellen Gegner mit dem Gamepad schnell unübersichtlich und frustrierend werden können, wirken sich Maus und Tastatur wohltuend auf das Balancing aus. Selbst mit einer dürren Pistole sind die meisten Gegner flugs besiegt, indem man mit schnellen Klicks einfach ein ganzes Magazin in Sekundenbruchteilen durchballert! Das ist zwar keine schöne Art zu spielen, zumal Munition stets Mangelware ist, doch immerhin: Es ist möglich. Auch das Erkunden und ständige Aufsammeln der Items geht dank Maus etwas flotter von der Hand.
Quelle: PC Games
Das Inventar wird auf Knopfdruck automatisch sortiert, der begrenzte Platz lässt sich in mehreren Ausbaustufen vergrößern.
Während man am Gamepad nur drei Gegenstände auf Schnellzugriffstasten legen kann, stehen in der PC-Version dafür zehn Slots zur Verfügung, die man ähnlich wie in Deus Ex oder System Shock mit den Zahlentasten aufruft. Prima! Ungewohnt dagegen, dass das Mausrad stets das Ringmenü zur Auswahl von Waffen und Skills öffnet - leider lässt sich diese Funktion auch nicht auf eine andere Taste legen. Generell wär es wünschenswert, wenn Arkane hier nochmal nachpatcht, denn eine frei belegbare Taste für Quicksave vermissen wir ebenso wie die Möglichkeit, einige Menütasten zu ändern.Inventar sortieren per "Z" oder Bestätigen per "Enter"? Nicht gerade intuitiv. Super dagegen, dass man Items im Inventar bequem per Drag & Drop verschieben kann!
Quelle: PC Games
Die Schrotflinte entpuppt sich als das effektivste Tool in Prey, um Aliens möglichst schnell loszuwerden.
Technisch zeigen sich unsere Kollegen von PC Games Hardware schon nach ihren ersten Tests zufrieden: Zwar werden die Fähigkeiten der Cryengine 3 nicht ausgeschöpft und einige zu spät nachladende (Streaming) oder verwaschene (LoD) Texturen fallen auch am PC auf, doch dafür punktet Prey mit guter Performance bereits auf Mittelklasserechnern und prima Spielbarkeit. Allerdings: Ein FoV-Slider fürs Anpassen des Blickfelds fehlt. Noch mehr Infos zur PC-Technik von Prey sowie Benchmarks findet ihr bei unseren Kollegen auf pcgameshardware.de!
Prey ist ab heute, dem 5. Mai 2017, im Handel erhältlich - für PC, PS4 und Xbox One. Am PC kommt Steam als Kopierschutz zum Einsatz, auch bei der Ladenversion mit DVD. Eine DRM-freie Version gibt es nicht zu kaufen.
