Predator: Hunting Grounds im Test - Schiffbruch mit Ansage
Test
Ihr wollt endlich mal wieder ein richtig gutes Spiel mit der Predator-Filmlizenz? Dann solltet ihr besser einen weiten Bogen um Predator: Hunting Grounds machen! Warum, verraten wir im Test.
Hätte der Begriff "Lizenzgurke" einen eigenen Eintrag im Wörterbuch, dann wäre der wohl definitiv mit Auszügen diverser Predator-Videospielumsetzungen bebildert. Denn seien wir mal ehrlich: Im Gegensatz zu seinen Kinoauftritten machte der Dreadlocks-tragende Schwarzenegger-Gegenspieler auf PC und Konsolen bisher keine allzu gute Figur. Die Ableger der letzten zwanzig Jahre taten sich auf Metacritic oft schwer überhaupt die 60er-Hürde zu nehmen. Peinlicher Höhepunkt war dabei wohl Predator: Concrete Jungle aus dem Jahr 2005 mit einer Durchschnittswertung von 47.
Die Entwickler von Illfonic wollen sich davon aber nicht abschrecken lassen und der Marke Predator noch eine Chance geben. Dabei konzentriert sich das US-Studio, das bereits mit Freitag der 13. eine namhafte Kinofilm-Lizenz in ein Spiel umwandelte, auf das, was es bisher am besten konnte: asymmetrische Multiplayer-Action. Das Ergebnis nennt sich Predator: Hunting Grounds (jetzt kaufen 37,95 € ), erschien am 24. April für PC und Playstation 4 und ist - so viel kann man dieser Stelle schon verraten - leider nicht der erhoffte Heilsbringer.
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Ein solides Grundgerüst
Bevor wir allerdings über die diversen Schwachstellen meckern, die Hunting Grounds zu einer teils leidigen Spielerfahrung machen, wollen wir uns erst mal auf das konzentrieren, was der Titel gut macht. Per se ist die neue Predator-Versoftung nämlich kein schlechtes Spiel, das Gameplay-Grundgerüst funktioniert sogar recht gut: Ihr stellt euch mit eurem Feuerteam, einem Marine-Corps bestehend aus vier Spielern, den Gefahren des südamerikanischen Dschungels. In dem müsst ihr innerhalb von 15 Minuten eine Reihe von Missionen erledigen, dabei KI-Gegner über den Haufen ballern und dann in einem Stück von der Karte entkommen.
Quelle: PC Games
Die Missionen sind alle recht gleichförmig und bieten auf Dauer nur wenig Spannung. Die Jagd nach dem Predator scheint da wesentlich attraktiver.
Klingt in der Theorie einfach, entpuppt sich in der Praxis aber als echte Herausforderung. Schließlich seid ihr nicht alleine in der grünen Hölle unterwegs. Ein fünfter Spieler schlüpft stets noch in die Rolle des ikonischen Predators, der natürlich verhindern will, dass ihr heil zu eurem Hubschrauber gelangt. Dafür stehen dem Yautja-Jäger eine Reihe tödlicher Werkzeuge, fesche Parkour-Skills sowie ein Tarn- und ein Sichtmodus zur Verfügung.
Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich ein packendes Katz-und-Maus-Spiel, das sogar einige taktische Möglichkeiten bietet. Der Predator kann beispielsweise Wildschweine töten, um sich zu heilen. Das Feuerteam darf sich wiederum mit Schlamm einschmieren, um sich zu tarnen. Zudem habt ihr in Hunting Grounds verschiedene Wege zum Ziel zu kommen: Entweder ihr schließt schnellstmöglich euren Auftrag ab oder aber ihr geht in die Offensive und werdet vom Gejagten zum Jäger. Wer den Predator erlegt und zur Forschung an das Other Worldly Life Forms Program (OWLF) übergibt, bekommt dafür nämlich ordentlich Extra-Erfahrungspunkte.
Quelle: PC Games
Wenn ihr als Predator einen Marine erledigt, könnt ihr euch immer noch sein Rückgrat als Trophäe mitnehmen. Das zeigen wir hier aber lieber nicht.
Grinden für'n Granatenwerfer
Mit denen steigt ihr kontinuierlich im Rang auf und schaltet so neue Gegenstände frei. In "Waffenkoffer" genannten Lootboxen findet ihr Skins und andere Cosmetics. Im Charaktermenü steht nach jedem Level-Up besseres Equipment bereit. Sowohl Marines als auch Predator verfügen über diverse Klassen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Einige sind mehr auf Kraft oder Agilität ausgelegt, andere typische Allrounder. Zudem habt ihr die Wahl aus diversen modifizierbaren Waffen, Ausrüstungsgegenständen und Vorteilen. Das sind Perks, die etwa euren Schaden oder eure Bewegungsgeschwindigkeit erhöhen. Durch diese umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten könnt ihr euch einen Charakter erstellen, der genau zu eurem Stil passt.
Quelle: PC Games
In der Charakterübersicht könnt ihr eure Spielfigur individuell auf eure Bedürfnisse zuschneiden. Klasse, Waffe, Ausrüstung, Vorteile - ihr habt die Wahl!
Zudem stellt die Jagd nach neuer Ausrüstung auch die größte Hauptmotivation des Spiels dar. Da es aktuell keine Leaderboards, Ranked-Matches oder Ähnliches gibt, liegt der größte Reiz von Hunting Grounds darin, das Maximallevel 100 zu erreichen und dann mit den dicken Geschützen wie MG und Granatwerfer durchs Dickicht zu ziehen. Das einzige Problem dabei: Bis ihr da mal angekommen seid, kann es echt lange dauern. Einzelne Gegenstände sind hinter krassen Levelgrenzen versteckt, zwischen Stufe 77 und 100 schaltet ihr dagegen gar nichts frei. Und auch merkliche Unterschiede gibt es kaum.
Ob ihr nun als Sturmsoldat oder Scout über die Map huscht, beeinflusst das Spielgefühl nur marginal. Ihr habt dann eben ein wenig mehr Ausdauer, Gesundheit oder Tragevermögen. Auch die Knarren steuern sich gefühlt alle gleich. Rückstoß gibt es keinen, selbst mit der Schrotflinte trefft ihr noch problemlos auf weite Distanzen - zumindest, wenn euch die unpräzise Controller-Steuerung keinen Strich durch die Rechnung macht.
Quelle: PC Games
Der Granatenwerfer verspricht ordentlich Feuerpower. Um ihn freizuschalten, müsst ihr aber auch erst einmal Level 54 erreichen. Das kann dauern.
Der König des Dschungels?
Diese Probleme bei der Feinjustierung ziehen sich auch in andere Bereiche des Spiels durch: Das unausgereifte Balancing hat sich seit der Beta vor knapp einem Monat etwa fast gar nicht verbessert. Der Predator schnauft noch immer wie eine Dampflock und ist trotz Tarnmodus für das Feuerteam gut sichtbar. Entsprechend haben die Marines kein Problem, sich gegen Alien-Angriffe zu erwehren. Zumal keines der Ziele, die ihr auf den gerade mal drei Karten erfüllen müsst, von euch verlangt, dass ihr euch mal aufteilt, sodass ihr zu viert stets die Oberhand im Kampf behaltet.
Quelle: PC Games
Das Problem des Predators: Auch mit aktivierter Tarnfunktion ist der Yautja-Jäger immer noch gut erkennbar.
Und selbst wenn es mal einen Kameraden erwischt hat, keine Sorge: Die Entwickler von Illfonic haben die Möglichkeit eingebaut, Verstärkung anzufordern. Schafft ihr es einen Funkspruch abzusetzen und knapp 60 Sekunden zu überleben, wird euer komplettes Team wiederhergestellt - mit voller Munition und vollen Gesundheitspunkten. Das ist exakt so fair, wie es klingt. Hinzu kommen einige neue Ärgernisse: Aufgrund eines Bugs war es zeitweise möglich, den Predator durch Nahkampfangriffe zu stunnen und dann zu Tode zu messern. Aufgrund kaputter Kollisionsabfrage kam es auch mal vor, dass Blätter Schüsse aus dem Plasmawerfer blockten.
Obendrauf kommt ständiger Ärger mit dem Matchmaking: Das funktioniert dank nun aktivierter Crossplay-Funktion, die auch Partys über mehrere Plattformen hinweg erlaubt, zumindest ein Stückchen besser als in der Trial-Version. Außerdem bekommt ihr beim Start der Spielsuche nun angezeigt, wie lange diese grob dauern wird. Diese Zahl kann aber stark irreführend sein. Wir saßen trotz prognostizierter 40 Sekunden auch schon mal über zehn Minuten in der Warteschleife.
Geduld zahlt sich nicht aus
Quelle: PC Games
Zehn Minuten Wartezeit für eine Partie? Beim Matchmaking in Predator: Hunting Grounds blieb uns öfters mal die Luft weg.
Wer den Predator spielen will, muss übrigens besonders viel Geduld mitbringen. Hier liegt die Wartezeit bei mindestens fünf Minuten. Und selbst dann versichert euch niemand, dass ihr in eine volle Lobby kommt. So entstehen auch 2vs1- oder 3vs1-Gefechte, in denen der Predator klare Vorteile hat. Wenn Spieler während der laufenden Partie aussteigen und so das Kräfteverhältnis negativ beeinflussen, zieht das übrigens keinerlei Konsequenzen nach sich. Quitter werden nicht bestraft. Dedizierte Server gibt es auch keine, sodass unsere Latenz zeitweise über 120 ms lag.
Die Krönung des Ganzen ist dann schließlich die furchtbare Grafik. Predator: Hunting Grounds wirkt stets matschig unscharf und leidet unter Pop-Ins oder einer schlechten Framerate. Zudem bietet der Titel überhaupt gar keine Einstellungsmöglichkeiten: Weder der Bewegungsunschärfe-Effekt, noch die Filmkörnung oder das Sichtfeld lassen sich anpassen. Auch das aufdringliche HUD ist nicht abschaltbar, sodass euch als Predator jeder erklimmbare Baum rot hervorgehoben wird. Das hätte man auch irgendwie subtiler lösen können.
Abgerundet wird das negative Gesamtbild durch weitere Punkte wie unzureichende Tutorials, eine strohdoofe Gegner-KI, langweilige Missionen und eine nur begrenzt individualisierbare PC-Tastenbelegung - ziemlich viele Makel für ein einzelnes Spiel. Zur Verteidigung der Entwickler muss man natürlich dazu sagen, dass die mittlerweile mit Patches nachgeholfen haben. So wurden etwa einige Waffen generft oder die Kollisionsabfrage der Blätter gefixt. Der erste Eindruck ist aber nun mal der wichtigste. Und nach unseren bisherigen Erfahrungen mit Predator: Hunting Grounds haben wir irgendwie nur wenig Lust, uns noch einmal in die Schlacht zu stürzen - mögliche Verbesserungen hin oder her.
