Populous

Special

Mit Black & White 2 spielt Peter Molyneux in Kürze zum fünften Mal Gott. Zeit, noch einmal seine Eintrittskarte in den Olymp unter die Lupe zu nehmen: Populous.

Drama im Redaktionsalltag: »Das ist Populous?« »Exakt.« »Und was ist da der Witz?« »Hä?« »Naja, ich schau Dir jetzt seit zehn Minuten über die Schulter, und alles, was Du tust, ist Land einebnen.« So geschehen, als Molyneux-Jünger Steidle bei einer Partie Populous selig lächelnd in Erinnerungen schwelgt, während sich Ignorant Kollege Bergmann erfolglos müht, die Faszination irgendwie nachzuvollziehen.

Glückliche Gläubige

Eigentlich hat er ja Recht, der Herr Bergmann. In der Tat verbringen Populisten Stunden um Stunden damit, Pixelhäufchen abzutragen und Gräben aufzufüllen. Im Grunde geht es schlicht darum, den Levelboden abzuflachen. Zwei Mausklicks links, einer rechts. Klick-klick, klack! Klick-klick, klack! Denn nur auf hübsch ebenen Grundstücken zimmern die Wuselmännchen, zu deren Gottheit Molyneux den Spieler befördert, schmucke Hütten und vermehren sich fleißig. Und erst ein großes, glückliches Volk verleiht seinem Patron die himmlischen Kräfte, die er braucht, um dem gegnerischen Götzen und seinen teuflischen Schergen heimzuleuchten.

Wann kommt die Flut?

Himmels-Hirten lassen Vulkane aus dem Boden schießen, die Erde erzittern, überschwemmen mit Flutwellen ganze Landstriche, rufen Kreuzzüge aus oder überziehen fruchtbaren Boden mit tödlichen Sümpfen. Klingt eindrucksvoller, als es die Grafik Baujahr 1989 tatsächlich darstellt, die von den immerhin möglichen 256 Farben nur rund ein Fünftel anrührt -- Erbe der Amiga-Herkunft.

Die KI, die damals noch niemand so zu nennen wagt, erweist sich da schon als moderner. Die putzigen Spielfiguren erledigen alle Aufgaben selbständig: Bauplätze suchen, Häuser errichten, Gegner attackieren. Der Übervater kümmert sich nur um die nötigen Grundlagen und konzentriert sich sonst darauf, dem verfeindeten Gott ins Handwerk zu pfuschen und dessen Jüngern, die auf der gleichen Karte siedeln, mit allerhand Naturkatastrophen das Leben zur Hölle zu machen.

Der schwache Punkt von Populous sind die Szenarien. Statt einer echten Kampagne gibt's rund 1.000 Levels aus dem Zufallsgenerator, die gegen Ende unschaffbar schwierig werden.

Göttervater Molyneux

Wenn also weder das Spielprinzip (Land flach klopfen), noch die Szenarios, noch die Technik begeistern, was macht Populous zum Kultspiel? Die Kombination aus gemütlichem, fast schon meditativem Vor-sich-hin-Siedeln, hektischen Klick-Kämpfen (wer schafft die meisten Katastrophen pro Sekunde?) und Strategie (ich baue im Gebirge und versenke die anderen in einer Flut). Und natürlich, dass es das erste seiner Art war, so klein und exklusiv die Familie der Gottsimulationen bis heute auch sein mag.

Abgesehen von verstoßenen Kindern wie Mega lo Mania oder Heaven & Hell stammt das gesamte Genre vom Übervater Peter Molyneux. Der hat seine Idee in der Fortsetzung Populous 2 (Teil 3 stammt nicht von ihm und ist auch kein klassisches Godgame mehr) im Ableger Powermonger und schließlich in Black & White immer weiter ausgebaut und verfeinert.

Rüdiger Steidle

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk