Pokémon-Legenden: Arceus im Test - Hoffnungsträger mit Abstrichen - Seite 2

Test Jonas Höger
Pokémon-Legenden: Arceus im Test - Hoffnungsträger mit Abstrichen - Seite 2
Quelle: Game Freak / The Pokémon Company

Pokémon-Legenden: Arceus ist für viele Franchise-Fans ein Hoffnungsträger am traditionsverklärten Horizont. Doch zündet der neue Gameplay-Loop? Unser Test!

Ohnehin ist der Schwierigkeitsgrad von Legenden: Arceus ein ziemliches Chaos: Größtenteils ist das Spiel nicht besonders herausfordernd, jedoch schicken fast alle Trainer mehrere Pokémon gleichzeitig gegen euch in den Kampf, auch wenn das zweite Taschenmonster jeweils ein deutlich niedrigeres Level besitzt.

Hier greift die undurchdachte Zugreihenfolge besonders und wenn ihr dadurch ein Pokémon ohne Gegenwehr verliert, hat das weder etwas mit Schwierigkeit noch mit Strategie zu tun.

Eines der Hauptprobleme der Kämpfe in Legenden: Arceus ist aber ohnehin ein ganz anderes: Es gibt schlicht viel zu wenige davon. Eure menschlichen Herausforderer lassen sich an zwei Händen abzählen und die Gefechte gegen wilde Pokémon sind zu eindimensional, um auf Dauer interessant zu bleiben. Hier merkt man deutlich, dass sich Legenden: Arceus auf das Fangen und Sammeln der Taschenmonster konzentriert, wodurch der strategische Aspekt sang- und klanglos untergeht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Ausweich-Action und hübsche Animationen

Trotzdem hat das Spiel hinsichtlich actionreicher Gefechte auch zwei Qualitäten zu bieten: Zum einen wurde ein Großteil der Angriffsanimationen aufpoliert, wodurch die Kämpfe nun optisch einiges hermachen. Zum anderen hat man sich mit den Königen und Königinnen eine neue Gegnerform einfallen lassen, bei der euer Geschick als Trainer mehr denn je gefordert wird.
Die Bosskämpfe gegen die wildgewordenen Könige sind nicht nur eine erfrischende Abwechslung von den rundenbasierten Gefechten, sie erfordern mit gut gesetzten Ausweichrollen auch einiges an Geschick. Quelle: Game Freak / The Pokémon Company Die Bosskämpfe gegen die wildgewordenen Könige sind nicht nur eine erfrischende Abwechslung von den rundenbasierten Gefechten, sie erfordern mit gut gesetzten Ausweichrollen auch einiges an Geschick. Hierbei handelt es sich nicht um traditionelle Pokémonkämpfe, stattdessen steigt ihr selbst in den Ring. Die durch einen mysteriösen Lichtblitz in Rage geratenen Riesenmonster müssen mit Ruhegaben beworfen und besänftigt werden, während ihr ihren wilden Angriffen ausweicht und um euer Leben lauft.

Hier serviert euch Game Freak klassische Bosskämpfe, bei denen ihr die Angriffe des Gegners studieren und mit der Ausweichrolle zum rechten Zeitpunkt zur Seite hechten müsst. Werdet ihr zu häufig getroffen, ist Schicht im Schacht und ihr müsst den Kampf von vorne beginnen.

Japanisch angehauchtes Sounderlebnis

Die Pokémon-Reihe ist nicht erst seit gestern für ihren bombastischen Soundtrack bekannt: Stets geben sich einprägsame Elektronikbeats und orchestrale Ohrwürmer die Hand und formen so ein unvergessliches Musikerlebnis. Legenden: Arceus bildet glücklicherweise keine Ausnahme, obwohl man sich in mancher Hinsicht von der klassischen musikalischen Untermalung entfernt hat.

Die Weiten der Hisui-Region sind abwechslungsreich vertont: Mal seid ihr mit Windesrauschen und Pokémon-Rufen alleine, mal begleitet euch eine einprägsame Melodie. Quelle: Game Freak / The Pokémon Company Die Weiten der Hisui-Region sind abwechslungsreich vertont: Mal seid ihr mit Windesrauschen und Pokémon-Rufen alleine, mal begleitet euch eine einprägsame Melodie. Hätte man die offenen Gebiete der Hisui-Region jeweils mit einer eigenen, pompösen Melodie versehen, die euch auf Schritt und Tritt verfolgt, würden wohl viele Spieler schnellstens die Stummschalttaste ihrer Fernbedienung betätigen.

Stattdessen schafft man ein auditives Gleichgewicht: Mal sind die einzigen Laute in der Wildnis das Rauschen des Windes und die Rufe der umherstreunenden Pokémon, mal bekommt ihr zurückhaltende Klavier- und Streichertöne geboten, wie es Open World-Fans aus The Legend of Zelda: Breath of the Wild kennen.

Trotzdem erklingt ab und an eine gebietsgebundene Melodie und wechselt sich ab mit dem argwöhnischen Musikmotiv, das signalisiert, dass euch ein wildes Pokémon entdeckt hat. Die neuen Stücke werden durch Neuinterpretationen der Songs aus der 4. Generation ergänzt, die gerade Spielern der zuletzt erschienenen Neuauflagen Strahlender Diamant und Leuchtende Perle bekannt vorkommen dürften.

Vieles in Pokémon-Legenden: Arceus ist von japanischer Kultur inspiriert, wie beispielsweise die Häuser in Jubeldorf. Das spiegelt sich auch in der Musik- und Instrumentenauswahl wider. Quelle: Game Freak / The Pokémon Company Vieles in Pokémon-Legenden: Arceus ist von japanischer Kultur inspiriert, wie beispielsweise die Häuser in Jubeldorf. Das spiegelt sich auch in der Musik- und Instrumentenauswahl wider. Dabei machen viele der Songs mal mehr, mal weniger Gebrauch von Instrumenten, die eng mit der Musiklandschaft Japans verknüpft sind und erwecken das asiatisch angehauchte Thema des Spiels so auch musikalisch zum Leben.

Besonders präsent sind die prägnanten Taiko-Trommeln, aber auch die aus dem Kabuki-Theater bekannten Gegenschlagblöcke namens Hyōshigi und Bambusflöten finden ihren Weg in Songs und Sounddesign. Letzteres ist ohnehin herausragend: Egal ob ihr euch durch das Menü klickt oder Ressourcen sammelt, alle Töne passen wunderbar zum Stil des Spiels.

Groteskes Grafikgrauen

Abseits des unausgegorenen und unterrepräsentierten Kampfsystems ist die größte Schwäche von Legenden: Arceus klar die absolut unterirdische Qualität der Grafik. Während man sich bei den ersten Trailern vielleicht noch damit getröstet hat, dass es sich nicht um finale Spielszenen handeln könnte, dürften spätestens die letzten Trailer bei einem großen Teil der Fans für Grafik-Skepsis gesorgt haben.

Noch in meiner Vorschau vor zwei Wochen verwies ich darauf, dass das uns gezeigte Gameplay angeblich nicht mit der finalen Version übereinstimmen solle.

Leider entsprachen die Aufnahmen haargenau dem Endprodukt: Gemessen daran, dass wir uns im Jahr 2022 befinden und was die Nintendo Switch trotz Hardware-Limitationen bei anderen Titeln leisten kann, ist Legenden: Arceus grafisch eine Frechheit. Gras-, Boden- und Felstexturen sind unscharf und matschig, das Wasser eine blaue Fläche mit weißen Sprenklern.

Besonders von hohen Punkten aus oder in der Luft wirkt die Welt von Legenden: Arceus wie die eines N64-Titels. Immerhin: Der Sternenhimmel bei Nacht ist ein wunderschöner Anblick.
Auch auf dem Boden ist Legenden: Arceus schon kein hübsches Spiel. Wenn ihr auf Berggipfeln steht oder euch mit Hisui-Washakwil in die Luft schwingt, wirkt die Welt allerdings noch detailarmer als sonst. Quelle: PC Games Auch auf dem Boden ist Legenden: Arceus schon kein hübsches Spiel. Wenn ihr auf Berggipfeln steht oder euch mit Hisui-Washakwil in die Luft schwingt, wirkt die Welt allerdings noch detailarmer als sonst. Hinzu kommen ständige Pop-Ins von Texturen und Gegenständen beim Bewegen durch die Welt: Wie bereits erwähnt, muss das Spiel alles, was sich nicht in eurem unmittelbaren Radius befindet, erst laden, sobald ihr euch nähert. Das ist nicht nur ziemlich anstrengend, sondern lässt die Welt hässlich und kahl wirken. Davon abgesehen liefert Legenden: Arceus größtenteils eine flüssige Performance, einige Schatten und Pokémon in der Ferne bewegen sich allerdings mitunter im einstelligen FPS-Bereich.

Fazit: Ein Schritt in die richtige Richtung

Mit Pokémon-Legenden: Arceus scheint Game Freak nun endlich die Kurve gekriegt zu haben. Die Entscheidung, sich endlich von der charmanten, aber mittlerweile bedauerlicherweise abgestandenen Pokémon-Formel zu lösen, sorgt für frischen Wind im Franchise und legt den Grundpfeiler für kommende Spiele.

Denn der Kern von Legenden: Arceus ist ein gelungener und spaßiger Gameplay-Loop, bei dem das reibungslose Fangen von Pokémon und Sammeln von Ressourcen für ein angenehmes Spielgefühl sorgt.

Auch das Erkunden der Wildnis und das Beobachten der wilden Taschenmonster kommt dem Wunsch von Pokémon-Fans nach einer lebhaften und vielbevölkerten Welt zumindest etwas näher als bisherige Titel. Leider hat unter der Fokusverlagerung auf den Sammelaspekt das Kampfsystem Federn gelassen. Durch gestrichene Features und hinzugekommenen Neuerungen wie den Kampfstilen leidet die Balance.

Abseits davon ist nur noch die grausige Grafik zu bemängeln, bei der jede vorherige Skepsis leider vollkommen berechtigt gewesen ist. Wer in Sachen Optik nicht zu genau hinschaut und wem das Fangen eh immer wichtiger als das Kämpfen war, der wird mit Pokémon-Legenden: Arceus eine Menge Spaß haben, wenn das Spiel am 28. Januar exklusiv für die Nintendo Switch erscheint.

Meinung

Wertung zu Pokemon Legends: Arceus (NSW)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Sehr angenehmes Spielgefühl dank MultitaskingGelungener Gameplay-Loop aus Pokémon fangen und Ressourcen sammelnGroße, offene Gebiete laden zum Erkunden einHervorragendes SounddesignAußergewöhnlicher und abwechslungsreicher SoundtrackActionreiche Bosskämpfe
Grauenhafte GrafikKaum Trainerkämpfe, fehlende BalanceGestrichene Features rauben StrategieFast keine neuen Pokémon und Formen
Fazit

Trotz Grafikgrauen und weniger Kämpfe eine frische Brise Innovation im Pokémon-Franchise.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Pokémon-Legenden: Arceus im Test - Hoffnungsträger mit Abstrichen - Seite 1
  2. Seite 2 Pokémon-Legenden: Arceus im Test - Hoffnungsträger mit Abstrichen - Seite 2
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk