Pokémon Karmesin & Purpur: Die Technik ist eine absolute Frechheit

Special Johannes Gehrling
Pokémon Karmesin & Purpur: Die Technik ist eine absolute Frechheit
Quelle: PC Games

Die neue Pokémon-Generation Karmesin & Purpur für Nintendo Switch sind eine unglaublich dreiste Frechheit. Kolumne zu den Desaster-Spielen mit der Technik und Grafik eines miesen Low-budget Games - aus dem Jahr 2002.

Die neue Pokémon-Generation Karmesin & Purpur ist erst vor rund zwei Wochen für die Nintendo Switch erschienen und feiert gigantische Erfolge. 10 Millionen Verkäufe in den ersten drei Tagen nach Release - das ist eine beeindruckende Leistung, die nur ganz wenige Spielereihen schaffen. Für einen Teil in mir eine große Freude, begleiten mich die Taschenmonster-Spiele doch schon seit den späten 90ern, als ich in Pokémon Rot auf meinem lilafarbenen Game Boy Color als Grundschulkind das erste Mal in diese fantastische Spielwelt eingetaucht bin. Schiebe ich Nostalgie und Fan-Liebe beiseite, entpuppen sich Karmesin & Purpur allerdings als eine absolut freche und bodenlose Beleidigung der vielen Millionen Pokémon-Fans in aller Welt - einschließlich mir.

Gute Neuerungen, bodenlose Grafik und Technik

Seit meiner letzten Kolumne zur neuen Pokémon-Generation habe ich Karmesin nun einige Stunden gespielt. Ich hatte Spaß, ja, und ich freue mich wirklich über viele sinnvolle, wenn auch lange überfällige Neuerungen. Die echte Open World ist eine willkommene Neuheit, die so nah an den kindlichen Wunschvorstellungen von meinen Freunden und mir vor knapp 25 Jahren ist wie nie zuvor bei der Reihe, als wir uns damals stundenlang das perfekte Pokémon-Spiel ausmalten. War damals mit der geringen Leistung des Game Boy natürlich nicht möglich und selbst auf der seinerzeit aktuellen Nintendo-Heimkonsole sah es nicht viel besser aus.

Heutzutage hat Nintendo mit der Switch eine Konsole in petto, die bereits zum Release vor mittlerweile fast 6 Jahren mit The Legend of Zelda: Breath of the Wild bewiesen hat, dass geringe Leistung ein Problem ist, mit dem man arbeiten kann. Breath of the WIld sieht großartig aus, läuft bis auf ganz wenige Ausnahmen stabil und zieht völlig zu Recht auch heutzutage noch jedes Jahr Millionen neuer Spielerinnen und Spieler in seinen Bann.

Pokémon Karmesin & Purpur hingegen sehen grottenschlecht aus und hängen grafisch irgendwo im Jahr 2002 fest, wobei das fast schon eine Beleidigung für alle Spiele aus dem Jahr ist. Und obendrein läuft das Spiel trotzdem konstant furchtbar. Wie können beide Spiele, Breath of the Wild und Karmesin/Purpur, überhaupt aus dem gleichen Publisher-Hause Nintendo kommen?

Eine technische Frechheit

30 Bilder pro Sekunde sind bei den neuen Pokémon-Spielen mehr die Ausnahme als die Regel, mehr ist eh nicht drin, eigentlich ruckelt das Game fast durchgehend irgendwo zwischen 15 und 25 Bildern pro Sekunde vor sich hin. Zugleich wird die potthässliche Grafik von Pop-ins des Todes geplagt und die Objekt-basierte variable Framerate schießt dem Ganzen endgültig den Vogel ab. Keine Spoiler, aber bei einer frühen Szene im Klassenzimmer der Akademie habe ich kurz gedacht, ich wäre in einem Horrorfilm gelandet.

Weil die miese Grafik trotz aller Abscheulichkeit nämlich offenbar die technische Leistung der Switch maßlos übersteigt, laufen andere Figuren als die eigene in der Spielwelt auf deutlich weniger Bildern pro Sekunde, sobald sie mehr als drei Zentimeter entfernt sind.

Das bedeutet, die umherlaufenden NPCs - denen es zu allem Übel auch noch an jeglicher Form minimaler künstlicher Intelligenz fehlt - jagen euch durch ihre roboterhafte Fortbewegung regelmäßig einen regelrechten Schrecken ein. Das gipfelt in besagter Szene im Klassenzimmer, in der ihr eine Schulklasse voller Monstrositäten bewundern dürft. Das lässt sich nur schwer in Worten rüberbringen - man muss es gesehen haben, um das ganze Übel zu realisieren.

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