Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem

Kolumne Lukas Schmid
Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem
Quelle: Sony

PS5 hier, PS5 da - wer diese Konsolengeneration gewinnen wird, scheint offensichtlich. Doch Redakteur Lukas Schmid meint: Sony sägt gerade ganz gewaltig am eigenen Ast.

Ich plaudere hier jetzt mal ganz unverblümt aus dem Nähkästchen: Rein nach dem Userinteresse gehend, ist die PS5 für unsere Webseite relevanter als die Xbox Series X.

Krass, oder? Hättet ihr euch bestimmt nicht gedacht.

Ja, es ist kein Geheimnis , auch mit nach wie vor anhaltenden massiven Lieferproblemen zeichnet sich schon ab, dass die PS5, was die Verkäufe angeht, nach dem durchschlagenden Erfolg der PS4 auch in dieser Konsolengeneration wieder die Nase vorne haben wird.

Sony geht es also offensichtlich gut. Und weil jede Erzählung vom dramaturgischen Bruch lebt, kommt hier jetzt das unvermeidliche: Noch.

Denn auch, wenn ich vermute, dass das Ende der Sony-Vorherrschaft nicht während der PS5-Ära kommt - es aber auch nicht ausschließe -, so denke ich, dass dieser Erfolg keineswegs eine sichere Bank ist.

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Und das liegt nicht an irgendwelchen äußeren Einflüssen oder daran, dass die Leute das Interesse an der Playstation 5 (jetzt kaufen ) verlieren könnten. Nein, das, was Sony das Genick brechen könnte, sehe ich als vollkommen hausgemacht an: ausgeprägte Arroganz.


Über den Autor

Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (2) Quelle: Lukas Schmid Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (2) Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.


Die sympathischen Anfänge

Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (3) Quelle: Sony Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (3) Gehen wir in der Zeit zurück, und zwar ins Jahr 2006. Sony blickte damals auf die wirklich immens erfolgreiche PS2-Ära zurück. Das Gerät ist bis heute nicht nur die erfolgreichste Playstation-Konsole, sondern die erfolgreichste Konsole aller Zeiten.

Warum das so ist? Nun, weil Sony einfach wahnsinnig viel richtiggemacht hatte. Mit der PS1 war man ins Konsolenbusiness eingestiegen, hatte gleich noch einen potenten CD-Player mitgeliefert und orientierte sich stark an Spieler- und Kundenwünschen: billige Datenträger mit viel Speicherplatz, eine etwas erwachsenere Ausrichtung im Vergleich zu Nintendo, Gaming als Lifestyle anstatt als reines Spielzeug, ein leistbarer Anschaffungspreis. Man erinnere sich an die legendäre "Pressekonferenz", als der Preis der PS1 im Vergleich zum viel teureren Sega Saturn verraten wurde. Der Erfolg gab Sony Recht, schon die PS1 war ein riesiger Verkaufsschlager.

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Dieser Weg wurde mit der PS2 fortgesetzt, jetzt mit stärkerer Technik, einem integrierten, erschwinglichen DVD-Player und auch sonst einfach einer Fortführung dessen, was die PS1 so beliebt gemacht hatte.

Hochmut kommt vor dem Fall

Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (6) Quelle: Sony Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (6) Nun hatte man also zweimal in Folge ein goldenes Händchen bewiesen. Doch ach, die Hybris! Die PS3 stand an, und Sony strahlte mit jeder Faser aus: Wir sind die Geilsten.

Dass man erneut den Marktführer stellen würde, wurde offenbar als sichere Sache angesehen. Also erschuf man eine Konsole, die zwar technisch stark, für die zu entwickeln aufgrund der komplexen Hardwarestruktur aber eine Katastrophe war, pappte einen völlig überzogenen Kaufpreis drauf und stellte das Gerät nach dem Motto "friss oder stirb" in die Regale.

Nun, eine ganz schön große Gruppe an Spielern beschloss, bei diesem Spiel nicht mitzumachen. Gerade zu Beginn lag die PS3 ziemlich bleiern in den Regalen. Stattdessen florierte die Xbox 360, die neue, bis dato eher belächelte Konkurrenz. Die erste Xbox hatte ja auch nichts zu sagen gehabt, warum also hätte man da den Nachfolger ernstnehmen sollen! Ebenso die Tatsache, dass der sich durch einen deutlich früheren Release einen ordentlichen Vorsprung verschafft hatte.

Sonys Attitüde wurde also abgestraft. Gegen Ende des Lebenszyklus dieser Konsolengeneration überholte die PS3 zwar noch knapp die Xbox 360, aber mit etwas über 80 Millionen Verkäufen war man dennoch meilenweit von der PS1 (über 100 Millionen Verkäufe) und vor allem der PS2 (über 155 Millionen Verkäufe) entfernt. Und Nintendos Wii zog mit über 100 Millionen abgesetzten Einheiten mal fröhlich an der Konkurrenz vorbei.

Aufstehen, Staub abklopfen, weitermachen

Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (5) Quelle: PC Games Hardware Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (5) In den PS3-Jahren hatte man also viel Zeit zum Nachdenken. Und das zeigte sich: Mit der PS4 wollte man den guten Willen der Leute zurückgewinnen, was auch wunderbar gelang. Günstiger Preis, kein Online-Zwang, ein Fokus auf Spiele und nichts Anderes.

Das funktionierte natürlich vor allem deswegen so gut, weil den Xbox-Machern der relative Erfolg der Xbox 360 wie dereinst Sony gehörig zu Kopf gestiegen war. Kinect-Zwang, keine Gebrauchtspiele, 100 Euro mehr Anschaffungspreis als die PS4, verpflichtende Onlineanbindung mit der Ansage, dass diejenigen, die nicht über eine solche verfügen würden, halt weiterhin Xbox 360 spielen sollten - uff.

Wie einst bei der PS1 nahm Sony diesen aufgelegten Elfmeter dankend an, vor allem ein kleines Spottvideo zu Gebrauchtspielen auf der PS4 ging um die Welt.

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Und auch aus Entwicklerkreisen hörte man, dass Sony sich bemühte, hier mehr Wünsche zu erfüllen. Allen voran war die sehr simple Hardwarestruktur der Konsole hier schon ein relevanter Faktor. Hinter den Kulissen dürfte es auch hier damals schon Probleme gegeben haben, wenn man sich aktuelle Berichte anhört.

Aber prinzipiell war der zu PS3-Zeiten als arroganter Arschkonzern verschriene Playstation-Hersteller jetzt wieder der "good guy", und erneut zeigte sich das auch an den Verkaufszahlen. Die PS2 wird wohl unerreichbar bleiben, aber mit aktuell um die 120 Millionen verkauften Einheiten - genaue Zahlen zum aktuellen Stand gibt es noch nicht - ist man nicht unendlich weit davon entfernt.

Immer weiter so?

Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (7) Quelle: Sony Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (7) Tja, und jetzt eben die PS5. Ohne jede Frage ein großer Erfolg, aber man merkt: Die Attitüde von einst ist wieder da. Sie war auch zu PS4-Zeiten nicht gänzlich weg, wurde dort aber zumindest geschickter kaschiert.

Ewiglanges Wehren gegen Crossplay, Herumgeeiere bei Abwärtskompatibilität, Halbwahrheiten, was die Exklusivität von Spielen angeht - und offenbar ein richtig mieser Umgang mit kleinen Entwicklern. Sony sieht sich als Hersteller einer Konsole für Premiumspiele, und alles, was diesem Anforderungsprofil nicht entspricht, ist ein nettes Anhängsel, vernachlässigbar.

Wieder scheint die Maxime zu gelten: Wir orientieren uns nicht an den Wünschen unserer Käufer, sondern sie haben ihre Wünsche nach uns auszurichten - und dankbar zu sein. Unvergessen bleibt die Aktion im August 2020, als verzweifelte Spieler, die eine PS5 haben wollten, sich auf die Chance auf eine Vorbestellung bewerben konnten, die ihnen dann gewährt wurde oder nicht. Vergeben wurden sie dann an "besonders treue" Sony-Fans.

Man durfte sich also bei Sonys Gnaden dafür bewerben, 500 Euro an Sony abzudrücken, aber nur, wenn man Sony wirklich, ganz, ganz supi fand. Wie wunderbar!

Um die Zukunft kümmern wir uns morgen

Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (8) Quelle: Microsoft Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (8) Irgendwann wird Sony dieses Verhalten auf den Kopf fallen, da bin ich mir sicher. Nicht nur, weil die Leute über kurz oder lang davon genug haben werden. Es dauert, aber irgendwann ist auch der beste Ruf ruiniert - manchmal geht es auch ganz schnell, siehe CD Projekt Red und das Cyberpunk-2077-Debakel.

Aber das ist nicht der einzige Grund. Sony sitzt im gemachten Marktführer-Bett und fühlt sich wohl, es scheint nicht so, als hätte man allzu viel Verlangen, an der eigenen Strategie etwas zu ändern.

Allerdings, die Welt dreht sich weiter. Und auch, wenn Game-Streaming wohl nicht so schnell kommen und Standard werden wird, wie vor allem Google Stadia uns das weismachen wollte, so ist das klassische Konsolengaming dennoch mit einem Ablaufdatum versehen.

Sony stochert da ein bisschen in potenziellen Zukunftstechnologien herum, klar, siehe PS Now. Währenddessen spielt vor allem Microsoft aber deutlich geschickter auf Zeit. Das Xbox-One-Debakel hat lange nachgewirkt, aber bei so gut wie jeder Entscheidung des Redmonder Konzerns wird jetzt penibel darauf geachtet, dass sie ja auch möglichst kundenfreundlich daherkommt.

Die Xbox Series X spielt einen Großteil der Spiele aller Xbox-Konsolen ab, durch das geschickte Doppelspiel mit Konsole und PC hat man die Zielgruppe massiv erweitert, selbst die größten Xbox-Kritiker können nicht abstreiten, dass der Game Pass einfach wirklich ein verdammt guter Deal ist.

Dazu noch xCloud, ein Streamingdienst, der schon jetzt vieles besser macht als ein Großteil der Konkurrenz, der vielleicht nicht kundenfreundliche, aber strategisch sehr wichtige Aufbau eines beeindruckenden Studio-Portfolios, und vor allem anderen die Tatsache, dass Xbox schon jetzt viel mehr als Marke, als Service denn als ein einzelnes Gerät verkauft wird, auf dem Spiele laufen.

The long game

Xbox Series X und Series S Quelle: Microsoft Auch die PS5 kann scheitern: Sonys Arroganz ist ein Problem (10) All das hat nicht gereicht, um die Xbox Series X relevant zu pushen. Und auch, wenn ich mir sicher bin, dass Microsoft hier natürlich schon gerne eine Marktführerschaft gesehen hätte, dürfte dieser Umstand für das Unternehmen zweitrangig sein. Der Konzern hat genug Geld in der Hand, um auch über Jahre hinweg Verluste in der Gaming-Sparte in Kauf zu nehmen, und währenddessen baut man durch all die erwähnten Schritte so vor, dass man nicht in naher, aber absehbarer Zukunft deutlich besser aufgestellt sein dürfte als Sony.

Wer weiß, ob es jemals eine PS6 geben wird, geschweige denn eine PS7. Wie Sony dann agieren wird, wie relevant die Marke Playstation dann noch sein wird, muss sich zeigen, denn es wirkt nicht so, als würde das Unternehmen wirklich vorbauen. Währenddessen kann Microsoft hier auf ein sicheres Fundament gucken, auf dem die Xbox-Zukunft gebaut wird.

Wäre, wäre Marktführerkette

Wäre die Xbox One ein großer Erfolg geworden, hätte eventuell sogar die PS4 geschlagen, dann würde die Situation gehörig anders aussehen, davon bin ich überzeugt. Microsoft musste klempnern, und nun stehen sie nach den Reparaturen gut da. Sony hingegen liegt im eigenen Haus im ersten Stock im Bett und bemerkt nicht oder ignoriert, wie unten im Keller die Rohre platzen und das Wasser immer höher steigt.


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