Playerunknown's Battlegrounds gespielt: Wenn 100 sich streiten, freut sich der Letzte - jetzt mit Video

Special Benjamin Danneberg
Playerunknown's Battlegrounds gespielt: Wenn 100 sich streiten, freut sich der Letzte - jetzt mit Video
Quelle: Bluehole

Der beliebte Spielmodus Battle Royale aus Arma und H1Z1 hat es als eigenständiges Spiel in das Early Access-Programm auf Steam geschafft. Wir haben den Überlebenskampf in Playerunknown's Battlegrounds ausführlich gespielt.

Jeder Schritt könnte der letzte sein: Mit dem Sturmgewehr im Anschlag pirschen wir uns in Tarnhosen und Mantel an das heruntergekommene Haus heran. Wir mustern angestrengt die Baumgruppe im Norden, aber alles bleibt ruhig. Die Haustür ist geschlossen. Gut möglich, dass hier noch niemand war. In der Hoffnung auf Beute öffnen wir die Tür und schleichen durch vermüllte, verlassenen Räume; jeder einzelne unserer viel zu lauten Schritte lässt uns zusammenzucken.

Anstatt unfreundlicher Überraschungen finden wir Munition und neue Stiefel, die wir gleich anziehen. So läuft es sich schon viel besser - und schneller, denn viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Wir treten wieder aus dem Haus, als plötzlich von der nördlichen Baumgruppe ein paar Schüsse durch den friedlichen Sommertag peitschen. Aber da war doch gerade noch niemand?! 44 von 100, steht auf dem Bildschirm. Und die trockene Bemerkung: Mehr Glück beim nächsten Mal!

Diese Szene aus dem Battle Royal-Spiel mit dem sperrigen Namen Playerunknown's Battlegrounds findet derzeit ständig auf den Early Access-Servern statt. Warum sich das Spiel großer Beliebtheit erfreut (derzeit spielen über 60.000 Spieler pro Tag), worum es dabei eigentlich geht und wie es funktioniert, haben wir uns genauer angeschaut. Und zu guter Letzt klären wir die wichtigste Frage: Jetzt schon einsteigen, oder lieber noch warten?

Von der Zombie-Mod zum eigenen Spiel

Die Charakteranpassung ist ziemlich übersichtlich. Nur der Kopf sowie die Hautfarbe sind etwas anpassbar. Quelle: PC Games Die Charakteranpassung ist ziemlich übersichtlich. Nur der Kopf sowie die Hautfarbe sind etwas anpassbar. Gerade im Shooter-Genre ist es nicht einfach, innovative neue Konzepte zu entwickeln und daraus auch noch einen beliebten Spielmodus zu kreieren. Brendan Greene ist einer der wenigen Entwickler, die genau das geschafft haben. Für die Arma-II-Modifikation DayZ entwickelte er den Spielmodus Battle Royale. Das Prinzip ist einfach: Eine gewisse Anzahl von Spielern wird auf eine begrenzte Karte geschickt, auf der Munition und Ausrüstung zufällig verteilt sind. Jeder sucht so schnell wie möglich nach Waffen und versucht gleichzeitig, andere Spieler abzumurksen. Damit eine Runde nicht mit zwei Hardcore-Campern an gegenüberliegenden Rändern der Karte endet, die langsam Moos ansetzen, verkleinert sich der spielbare Bereich immer weiter: Außerhalb dieses Bereichs sterben die Spieler an Giftgas, innerhalb läuft alles auf eine finale Zwangskonfrontation hinaus. Wer zuletzt noch steht, hat die Runde gewonnen.

Battle Royale wurde von Greene später auch als Modifikation für Arma III veröffentlicht. Der Grund war einerseits, dass die Engine besser war, andererseits gab es keine Zombies und Greene wollte den Zufallsfaktor durch Gammelfleisch-Vergiftung eliminieren. In einem Interview gegenüber dem englischen Magazin PCGamer sagte er 2015: "Ich dachte, es sei nicht fair etwas im Spiel zu haben, das manchmal ziemlich zufällige Tode verursachen konnte."Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, für die Implementierung des gleichen Spielmodus in das Zombie-Survival-Spiel H1Z1 als Berater zu fungieren. Der ursprüngliche Jeder-gegen-Jeden-Spielmodus wurde Anfang 2016 vom neuen Studio Daybreak Game Company als eigenständiger Titel H1Z1: King of the Kill in den Early Access ausgegliedert. Und obwohl letzteres von teilweise über 100.000 Spielern gleichzeitig gespielt wird, sind die Bewertungen dafür ziemlich mau: Nur 61 Prozent der über 55.000 Bewertungen auf Steam sind positiv.

Grund genug für Greene, keine weitere Modifikation zu entwickeln, sondern Battle Royale als eigenständiges Spiel zu bringen. Der im Internet als PlayerUnknown bekannte Greene veröffentlichte deshalb vor kurzem Playerunknown's Battlegrounds (kurz PUBG), das er gemeinsam mit den Tera-Machern von Bluehole entwickelt.

Vorbereitung zur Spielerjagd

Vom Flugzeug aus suchen wir uns unseren Zielpunkt aus: Je größer die Gebäudeanzahl, desto mehr Spieler werden wahrscheinlich abspringen. Quelle: PC Games Vom Flugzeug aus suchen wir uns unseren Zielpunkt aus: Je größer die Gebäudeanzahl, desto mehr Spieler werden wahrscheinlich abspringen. Das Spiel startet klassisch mit der Charaktererstellung: Wir wählen aus einer Handvoll (männlicher oder weiblicher) Gesichter, legen die Hautfarbe fest und suchen uns eine Frisur sowie Haarfarbe aus. Unsere Graderobe beinhaltet einige grundlegende Klamotten, damit wir nicht in Unterwäsche übers Schlachtfeld flitzen müssen. Zusätzliche, derzeit rein kosmetische Kleidungsstücke (beispielsweise Kampfstiefel) können wir durch den Kauf von Kisten bekommen. Die dazu nötigen Battleground Points (BP) erhalten wir - je nach Leistung mehr oder weniger viel - nach jeder Runde.

Aus drei Spielvarianten wählen wir dann die gewünschte Spielerzusammenstellung: Im Solo-Modus treffen wir nur auf einzelne Spieler, Duo bringt Zweierteams zusammen und die Squads hauen sich jeweils zu viert. Nach einer kurzen Wartezeit in einer Art Lobbybereich startet ein Flugzeug, das wir aus der Third-Person-Ansicht sehen. In jeder Runde startet es von einem anderen Punkt am Rande der Karte, wodurch sich jedes Mal die Ausgangslage ändert. Von oben überblicken wir die 64km² große Spielfläche: Berge, Hügel, Dörfer, Gehöfte und eine vorgelagerte Militärbasis auf einer kleinen Insel dienen als Orientierungs- und Zielpunkte für unseren Absprung.

Erst die Waffe, dann das Verstecken

Erst im freien Fall, dann mit dem Fallschirm: Mit etwas Übung segeln wir unser Ziel genau an. Quelle: PC Games Erst im freien Fall, dann mit dem Fallschirm: Mit etwas Übung segeln wir unser Ziel genau an. Wann wir abspringen ist uns überlassen, allerdings werden wir irgendwann automatisch aus dem Flieger geworfen, sollten wir uns zu viel Zeit lassen. Wer auf direkte Action aus ist, beobachtet hinter dem Flugzeug die Anzahl abspringender Spieler und schließt sich der Meute an. Möchten wir lieber erstmal etwas ungestört nach Ausrüstung suchen, nehmen wir eher abgelegene Gebäude ins Visier. Am Boden geht der Stress richtig los: Wir sprinten wahlweise in der Third- oder First-Person-Ansicht (erstere erhöht die Übersicht, letztere lässt genaueres Zielen zu) ins nächste Haus und durchsuchen es nach Waffen. Ausrüstung liegt immer auf dem Boden, manchmal sind Magazine und Pistolen allerdings aufgrund des teilweise ziemlich geringen Kontrasts nur schwer zu erkennen.

Waffen und Munition sind meistens ausreichend vorhanden, vor allem dann, wenn wir gezielt an Orten mit mehreren Gebäuden beginnen. Wir hatten nur selten das Pech, in der totalen Ausrüstungsebbe zu landen. Von der Bratpfanne über Brecheisen und Machete bis hin zu schweren Sturmgewehren - es gibt genug Auswahl. Zusätzlich finden wir Module wie Schalldämpfer, Zielaufsätze oder größere Magazine, die wir über das Inventar an passende Waffen pappen dürfen. Helme, Westen und Jacken bieten etwas Schutz und wenn wir einen Rucksack gefunden haben, können wir viel ungleich viel mehr tragen. Verbandsmaterial oder Erste-Hilfe-Koffer sorgen im Falle einer Bleivergiftung zudem für die Auffrischung unserer Gesundheit.

Nach der Landung sehen wir den zufällig ausgewählten Spielbereich. In diesem Fall müssen wir uns ranhalten, um in die sichere Zone zu gelangen. Quelle: PC Games Nach der Landung sehen wir den zufällig ausgewählten Spielbereich. In diesem Fall müssen wir uns ranhalten, um in die sichere Zone zu gelangen. Das Waffen-Handling und auch die -Sounds sind längst nicht so eindrucksvoll wie etwa in Battlefield 1, erfüllen aber ihren Zweck. Vor allem die generelle Geräuschkulisse sorgt für Spannung: Panisch suchen wir die Gegend ab, wenn in der Nähe Schüsse krachen. Und auch wenn wir uns leise, mit angelegter Waffe durch Häuser oder über Land schleichen, knarzen Holzdielen oder knirschen unsere Schritte auf felsigem Untergrund. Plötzlich rasen fahrbare Untersätze vom Buggy über einen alten Dacia bis hin zu Militärjeeps hinter uns her - damit können wir übrigens auch überfahren werden. Die Steuerung der Fahrzeuge funktioniert sehr gut und wir können Teamkollegen meistens mitnehmen.

Die gewalttätigen Auseinandersetzungen selbst sind sehr spannend, oft hektisch und teilweise panisch - vor allem, wenn wir nicht genau ausmachen können, wo sich der Schütze befindet.Die Wahl der Waffen spielt hier auch eine wichtige Rolle: Auf kurze Distanz machen Shotguns sehr viel Schaden, auf mittlere Distanz gewinnt eher eine gut gezielte Sturmgewehr-Salve. Auch die Nachladegeschwindigkeit einer Waffe ist entscheidend: Müssen wir erst umständlich eine Handvoll Schrotpatronen in die Knarre schieben, ist das vielleicht unser Todesurteil.

Kreis-Druck

Bereits bei der Landung erscheint der weiße Kreis, der die kleiner werdende Spielfeldgrenze markiert, auf der Karte. Wenn wir Pech haben und weit abseits gelandet sind, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit: Nach kurzer Zeit zieht sich blauer Kreis, der anfangs das gesamte Spielfeld umspannt, langsam zusammen. Wer hinter der blauen Grenze zurückbleibt, kassiert regelmäßig Schaden. Mit Fahrzeugen kommen wir zwar schnell in den sicheren Bereich, wir müssen aber trotzdem von Anfang an gut auf die Markierung achten und uns rechtzeitig in Sicherheit bringen. Sobald der blaue sich mit dem weißen Kreis getroffen hat, verkleinert sich die bisher sichere Zone in regelmäßigen, kürzer werdenden Abständen.Richtig stressig wird es aber erst, wenn der Kreis bereits ziemlich eng geworden ist, davor haben wir eigentlich genug Zeit, uns auszurüsten und eine Strategie auszudenken.

Vorsichtig und sehr wachsam pirschen wir durchs Dorf: Absolut überall könnte ein Spieler auf uns warten. Quelle: PC Games Vorsichtig und sehr wachsam pirschen wir durchs Dorf: Absolut überall könnte ein Spieler auf uns warten. Zwischendurch erscheinen große rote Flächen, die von einem Bombenteppich eingedeckt werden - es ist besser, in solchen Momenten Unterschlupf zu suchen, Häuser werden durch die Bomben nicht zerstört. Und natürlich werden regelmäßig Kisten abgeworfen, die jede Menge Verbrauchsgegenstände und Munition enthalten. An diesen Stellen treffen wir gern mal andere Spieler - oder umgekehrt.

Ist das Spiel für uns beendet (durch Sieg oder Niederlage), erhalten wir eine bestimmte Menge BPs zur Belohnung, abhängig vom Platz, auf dem wir abschließen und den erzielten Kills. Daraus berechnen sich auch Win- und Kill-Ratings und damit die Werte für die Leaderboards. Letztere stellen die derzeit einzige Langzeitmotivation des Spiels dar.

Performancemängel?

Aus unserem Inventar heraus verwenden wir Heilpakete oder montieren passende Module an Waffen. Quelle: PC Games Aus unserem Inventar heraus verwenden wir Heilpakete oder montieren passende Module an Waffen. Das Setting ist eine osteuropäische Insel mit vielen verstreuten Dörfern und Gebäuden, alles heruntergekommen, voller Müll oder zerstört. Grafisch erinnert PUBG stark an DayZ, überwiegend herrschen graubraune Farben vor, die Texturen sind teilweise ziemlich grob und matschig und gerade auf etwas größere Entfernungen sieht es ziemlich hässlich aus.Mit hohen Grafikeinstellungen und auf nahe bis mittlere Distanz kommen wir aber gut mit der Grafik klar, auch wenn sie keine Preise gewinnt. Wettereffekte wie Regen oder Nebel sorgen wiederum für eine dichte Atmosphäre. Die von vielen Spielern stark bemängelte Performance konnten wir nur teilweise nachvollziehen: Bis auf Ruckler zu Beginn der Flugphase sowie regelmäßig aufploppende Texturen lief PUBG auf unserem Testsystem (i7-4770K, 32GB RAM, GTX970) flüssig. Allerdings sollen schwächere Rechner wohl sehr stark unter Performanceproblemen leiden. Dafür wurden bereits Updates angekündigt. Die Steuerung funktioniert überwiegend einwandfrei, allerdings gelingt das Anvisieren von Beute manchmal erst beim zweiten Versuch.

PUBG ist für ein frisch in den Early Access gestartetes Spiel bereits hervorragend spielbar. Das Konzept ist spannend und macht (selbst für den ziemlich happigen Preis von rund 30 Euro) durchaus viel Spaß.Auch Shooter-Newbies können mit Taktik und Geschick oben mitspielen. Dass wir nicht gezwungen sind, ein wildes Deathmatch zu spielen hat uns dabei am besten gefallen: Anschleichen, ausweichen, beobachten und auf der Lauer liegen (campen) sind absolut probate Mittel, um am Ende in den Top 10 zu landen. Allerdings ist vieles auch vom Zufall abhängig, was hin und wieder frustrieren kann. Auf Dauer stellt sich außerdem die Frage, warum wir (abgesehen vom Nervenkitzel und den Ratings)PUBG dauerhaft spielen sollten, denn ein langfristiges Ziel, eine irgendwie geartete Progression ist derzeit nicht vorhanden.

Meinung

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