Sony lud zur Hausmesse Playstation Experience, präsentierte die finale Hardware von Playstation VR und einige Virtual-Reality-Games. Thomas ließ sich nicht zweimal bitten und setzte das VR-Headset auf!
Gleich vorweg: Ankündigungen neuer Titel, geschweige denn einer neuen Playstation (Stichwort PS4K/PS4,5) waren Anfang April in München nicht das Thema. Entsprechende Enthüllungen hebt sich Sony wohl bis zur E3 im Juni auf. Im Gegensatz zum letzten Jahr, als die Playstation Experience in einem Kino veranstaltet wurde, ähnelte das Event diesmal wirklich einer kleinen Messe mit zahlreichen Zockstationen. Bei vielen war ein futuristisch anmutendes Headset im Spiel - Playstation VR stand eindeutig im Mittelpunkt der Playstation Experience!
Preiswert oder billig?
Sony hatte ein paar Dutzend der finalen Geräte im Gepäck, der erhoffte (na ja, eher erträumte) Goodiebag mit einem der VR-Headsets wurde mir aber leider nicht in die Hand gedrückt. In den Verkauf wird Playstation VR ohnehin erst im Oktober gehen und damit ein paar Monate später als Oculus Rift und HTC Vive (siehe Kasten auf Seite 12). Allerdings - und das ist eigentlich viel wichtiger - kostet Playstation VR mit 399 Euro deutlich weniger als die Rift (749 Euro) und die Vive (899 Euro).
Für mich war München die erste Gelegenheit, PS VR selbst auszuprobieren, bisher hatte ich nur ein paar Erfahrungen mit den anderen Headsets gesammelt. Ich sollte vorwegschicken, dass ich zwar unheimlich scharf auf das VR-Erlebnis, aber auch etwas anfällig für Motion Sickness bin. Beim normalen Zocken merke ich davon selten etwas, aber als Beifahrer im Auto sollte ich lieber vorn aus dem Fenster schauen und nicht etwa ein Buch lesen oder ins Handy starren.
Von der Bewegungskrankheit kann laut Wikipedia jeder Mensch betroffen werden, weshalb die VR-Entwickler immer wieder betont haben, bei der Gestaltung der Spiele auf zu schnelle Bewegungen verzichten zu wollen. Das wollte ich gleich testen, und zwar bei Rigs: Mechanized Combat League aus dem Hause Guerrilla Games.
Die Mischung aus Sportspiel und Shooter platziert mich im Cockpit eines meterhohen Mechs. Meine ersten Sekunden mit Playstation VR sind zweischneidig. Beeindruckt bin ich von der Immersion, sofort fühle ich mich in eine andere Welt versetzt. Als ich noch vor dem Mech stehe, kommt ein Teamkamerad zu mir und will mich abklatschen.
Quelle: Games Aktuell
Battlezone: Die Grafikschwächen von PS VR fallen bei diesem charmanten Retro-Remake logischerweise weniger ins Gewicht. (PS4)
Reflexartig hebe ich die Hand. Ein erstes "Geile Sch***e" kommt über meine Lippen. Die Bildqualität erschrickt mich dagegen ein wenig. Ich war zwar darauf gefasst, dass der Bildeindruck nicht mit dem knackscharfen Full HD-Feeling "normaler" PS4-Spiele vergleichbar ist, aber die Optik wirkt doch ziemlich unscharf.
Einzelne Pixel kann ich erkennen und auch das Kantenflimmern ist störend. Dass das Ganze nach 3DS-Grafik ausschaue, wie ein Besucher meinte, finde ich zwar übertrieben, aber man muss schon starke Abstriche gegenüber "normaler" PS4-Grafik machen. Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob die mäßige Grafik am VR-Headset oder am Spiel liegt. Das Display von Playstation VR bietet zwar Full-HD-Auflösung, pro Auge reduziert sich die Pixelzahl aber auf 960 x 1.080.
Mir wird übel
Das Match beginnt und sofort macht sich ein flaues Gefühl in meinem Magen breit. Das Lauftempo ist zwar gemächlich (klar, man sitzt in einem Mech), aber das Spielgeschehen erfordert ständige Richtungswechsel. Dazu kommt, dass man nicht per Controller zielt, sondern das Fadenkreuz durch leichte Kopfbewegungen manövriert.
Wobei sich das auch im Optionsmenü ändern lässt, wie ich später erfahren habe. Als ich das erste Mal springe, bin ich kurz davor, die Spielsession sofort zu beenden. Mir wird leicht schwindelig und dem Magen geht's immer schlechter. Doch ich beiße mich durch bis zum Ende des zehnminütigen Matches. Dann bin ich aber froh, dass es vorbei ist.
Für mich steht fest: Rigs werde ich nie mehr zocken! Die Entwickler haben anscheinend auf alles gepfiffen, was das VR-Erlebnis auch für Leute mit anfälligem Magen erträglich macht. Auch Kollegen, die damit eigentlich gar keine Probleme haben, ging es nach dem Rigs-Zocken schlechter als vorher. Ich würde ja gerne glauben, dass die Entwickler noch nachbessern, aber das Gameplay ist halt so, wie es ist.
Es wird besser
Zum Glück sind andere Spiele für PS VR weit besser auf Verträglichkeit getrimmt. Die Actionspiele Battlezone und Eve: Valkyrie spielen sich ähnlich, nur dass Ersteres am Boden und das andere im Weltall spielt.
Bei Battlezone, dem Remake des Atari-Klassikers von 1980, habe ich einen witzigen Moment, als ich das Headset schon aufhabe und mir die Dame vom Standpersonal den Controller reichen will: Plötzlich sehe ich einen (virtuellen) PS4-Controller, der von unten ins Bild kommt und mir das Greifen des echten Controllers erleichtert. Muss man wahrscheinlich selbst erlebt haben.
Quelle: Games Aktuell
Futuristisch: Wir finden, die Sony-Designer haben einen guten Job gemacht.
Eve: Valkyrie gehört zu den optisch ansprechendsten PS-VR-Titeln, ist zwar ebenfalls unscharf und pixelig, aber hat herrliche Lichteffekte sowie einen schicken Detailgrad. Überhaupt: Je mehr Spaß der Titel macht, je tiefer man in die Spielwelt eintaucht, desto weniger machen mir die Schattenseiten des VR-Erlebnisses zu schaffen.
Am meisten Freude, aber auch Angst (im positiven Sinne) hat mir Until Dawn: Rush of Blood bereitet. Railshooter sind ja eigentlich ein Genre der Vergangenheit, aber dieses Beispiel stützt meine These, dass in der VR-Welt weniger oft mehr sein kann. Will heißen: Das VR-Erlebnis ist schon für sich genommen überwältigend genug, wenn dann auch noch das Spiel zu komplex ist, leidet der Spaß.
Quelle: Games Aktuell
Until Dawn - Rush of Blood: Mit superben Schockeffekten besteht bei diesem unterhaltsamen Lightgun-Shooter eher die Gefahr eines Herzinfarkts denn Übelkeit. (PS4)
Bei Rush of Blood sitze ich dagegen in einer Lore, die selbstständig auf Schienen durch ein Horrorhaus fährt. Ich konzentriere mich aufs Umschauen, Zielen und Schießen. In meinen echten Händen halte ich zwei Move-Controller, in meinen virtuellen zwei Revolver. Auf den ersten Metern gibt's Kisten und andere Objekte zum Üben, dann kommen Gegner, die auf mich zurennen.
Andere Feinde werfen mit Molotowcocktails auf mich. Ich bin mit Haut und Haaren in der virtuellen Welt. Kommen Widersacher ganz nah an mich ran, werde ich regelrecht panisch. Ab und zu muss ich mich vor Balken wegducken. Im späteren Verlauf der 15-minütigen Demo kommen dann noch richtig fiese Schockmomente dazu.
Quelle: Games Aktuell
Playstation Experience: Die Sony-Hausmesse in München leitet eine Reihe von VR-Zock-Events ein. So wird ein Playstation Truck durch Deutschland touren und auf der Gamescom im August geht Sony auch in die Vollen.
Wie beim Hauptspiel von 2015 gehen die Entwickler auch beim VR-Ableger in die vollen, was das Verbreiten von Angst und Schrecken anbelangt. Übelkeit verspüre ich hier keine, selbst als die Lore zweimal kurz in Achterbahnmanier hinabsaust. "Die Entwickler haben unheimlich viel getestet", erklärt mir nachher ein Sony-Mitarbeiter und ergänzt: "In einer früheren Version kippte die Lore bei Richtungswechseln seitlich, aber das wurde entfernt, weil es bei Testspielern Unbehagen hervorrief."
Laut Sony arbeiten über 230 Spieleentwickler und Publisher an Titeln für PS VR. Konkret werde an 160 Spielen gearbeitet, von denen 50 bis Ende des Jahres erscheinen sollen. The Playroom VR wird zum Launch der Hardware kostenlos zum Download bereitstehen und mit Demos und Minispielen als VR-Spielwiese fungieren.
Quelle: Games Aktuell
Rigs - Mechanized Combat League: Die Hersteller-Screens können den tatsächlichen VR-Bildeindruck nur andeuten. Rigs ist an sich ein spaßiges Onlinespiel, allen Reisekrankheitgeplagten raten wir aber von diesem Spiel ab. (PS4)
Die Move-Controller erleben mit Playstation VR ihr Revival. Auch bei The London Heist kommen sie zum Einsatz und machen Aktionen, die normalerweise völlig unspannend für Spieler sind, zu einem Highlight. Glaubt ihr nicht? Dann müsst ihr mal erleben, wie cool ihr euch beim Nachladen eurer Waffe vorkommt, wenn ihr mit den Move-Controllern die "Leeres Magazin raus, volles Magazin rein"-Bewegung ausführt.
Angetan bin ich vom Tragekomfort des Headsets, das sich auf dem Kopf überraschend leicht anfühlt. Man zieht das Headset sozusagen auseinander, setzt es auf und fixiert es. Die Schärfe des Bildes hängt davon ab, wie akkurat ihr das Display vor euren Augen platziert. Auch für Brillenträger wie mich ist PS VR gut geeignet, wobei das "Scharfstellen" etwas aufwendiger ist. Hinten am Headset gibt's ein Drehrad zum Festziehen, ähnlich wie bei einem Helm.
Fazit
Uneingeschränkt glücklich bin ich noch nicht mit Playstation VR. Die Bild- und Grafikqualität ist weit davon entfernt, in mir Begeisterungsstürme auszulösen. Vielleicht braucht es wirklich eine leistungsfähigere "PS 4,5", um ein schärferes, weniger pixeliges und flimmerndes Bild auf das VR-Display zu bringen.
Quelle: Games Aktuell
The London Heist: Der spaßige VR-Shooter konzentriert sich aufs Wesentliche: Ballern und Nachladen. (PS4)
Und dann ist da noch die Übelkeit, die zum Teil am Spiel, zum Teil an meiner Motion Sickness liegt. Wobei ich schon von mehreren Leuten gehört habe, dass man sich daran gewöhnt beziehungsweise der Körper. Klar will niemand 400 Euro ausgeben, um sich dann beim Spielen schlecht zu fühlen. Aber Titel wie Battlezone oder Until Dawn: Rush of Blood haben mir gezeigt, dass viel auch mit der Art und Umsetzung des Spiels zusammenhängt.
Gestorben ist für mich das VR-Erlebnis deshalb noch lange nicht. Ich hatte so viele coole Aha-Momente beim Probezock, habe Videospiele intensiver wahrgenommen als je zuvor, sodass ich immer noch große Lust habe, in VR-Welten einzutauchen. Verglichen mit der Konkurrenz sind 400 Euro ein sehr guter Preis - ich freue mich auf den Marktstart im Oktober!
