PlayStation Portal: Gute Idee, mittelmäßig umgesetzt
Test
Unterwegs eine Runde auf der Playstation spielen oder zocken, während der Rest der Familie den TV besetzt? Mit dem Playstation Portal Remote Player soll das möglich sein! Unser Test.
Handheld-Konsolen schießen aktuell gefühlt wie Pilze aus dem Boden. Angefangen mit der Nintendo Switch im Jahr 2017 und dem Steam Deck, das einige Jahre später erschien, wurde der Markt in letzter Zeit fast schon geflutet. ASUS, Logitech, Lenovo, alle haben ein handliches Gerät veröffentlicht. Und Sony? Sony will da nicht fehlen! Die Playstation bekommt nun auch eine Möglichkeit, um überall gezockt zu werden. Die Japaner gehen dabei aber ihren ganz eigenen Weg. Rein optisch erinnert der sogenannte Playstation Portal Remote Player an einen Dualsense Controller, der in der Mitte durchgeschnitten und mit einem Tablet erweitert wurde. Und genauso fühlt sich das Gerät auch an.
Kleine Sticks für kleine Hände
Grundsätzlich ist der Remote-Player etwas schwerer als ein PS5-Controller. Schließlich ist ein zusätzlicher Bildschirm verbaut. Trotz des Extragewichts liegt der Player aber deutlich besser in kleinen Händen. Im Vergleich zum Dualsense fallen die Control-Sticks deutlich kleiner aus. Für Spieler mit großen Händen kann das unbequem werden, da die Daumen angewinkelt werden müssen. In Hinsicht auf die restlichen Features des Dualsense ist der Player aber gleich gut ausgestattet. Die adaptiven Trigger, die verschiedene Widerstände simulieren können und auch das haptische Feedback gleichen dem des herkömmlichen Controllers. Die Tasten für das Playstation-Menü, sowie die Stummschaltung befinden sich an der linken und rechten Innenseite des Remote-Players, neben dem Bildschirm. Dieses "Tablett" zwischen den Controller-Stücken besteht aus einem 8-Zoll-LCD-Panel mit einer Full-HD-Auflösung. Der Bildschirm überzeugt und zeigt, dass die Japaner wissen, was sie tun. Ein Manko jedoch: das Display spiegelt recht stark bei einfallendem Licht.
Quelle: SONY INTERACTIVE ENTERTAINMENT
Etwas umständlich empfanden wir die Platzierungen der Tasten für Lautstärke-Regulierung in Power-Knopf - die sind nämlich an der oberen Seite des Geräts angeordnet. Der Power-Knopf ist dabei das geringste Problem. Der wird schließlich nur zum Ein- und Ausschalten genutzt. Etwas fummeliger wird es mit den Lautstärke-Tasten, die an der rechten Oberseite platziert wurden. Wenn wir mit der rechten Hand nach oben rutschen und den Zeigefinger hinter dem Bildschirm entlang gleiten lassen, landen wir bei den beiden Knöpfen. Das hatte zunächst den Nachteil, dass wir dabei die klassische Haltung verlassen mussten, schnell hatten wir aber den Dreh raus und die Lautstärke konnte flott justiert werden. Eine Möglichkeit an der Vorderseite, wie man es von der PSP kannte oder alternativ an der unteren Seite, wäre jedoch vermutlich angenehmer gewesen.
Ähnlich fragwürdig empfinden wir die Position des USB-C-Anschlusses. Dieser befindet sich auf der Rückseite und ist nach unten gerichtet, unter einem kleinen Plastik-Vorsprung versteckt. Der Anschluss bereitet grundlegend keine Schwierigkeiten für verschiedene Kabel, jedoch ist es etwas umständlich, das Kabel einzustecken. Neben dem USB-C-Anschluss befindet sich eine Kopfhörer-Buchse. Diese ist immerhin gut platziert, da das Kabel für die Kopfhörer nicht störend im Weg umher baumelt. Ein Klinkenanschluss ist durchaus eine Seltenheit geworden, daher umso schöner ihn an dem PS Portal zu sehen.
Ersteinrichtung in Sitcom-Länge
Die Ersteinrichtung des Geräts dauert vergleichsweise recht lang. In unserem Test haben wir den Remote-Controller mit einer 250 Mbit/s-Leitung getestet. Bis wir in das eigentliche Menü kamen, um uns mit der Playstation verbinden zu können, dauerte es etwa 15 Minuten. Dazu wurde vorab eine Verbindung via W-LAN hergestellt. Immerhin dieser Punkt ging, dank des Touchscreens, flott über die Bühne. Danach konnte die Zockerei endlich starten.
Um mit dem Playstation Portal Remote-Controller spielen zu können, wird grundsätzlich eine PS5 und eine anständige Internetleitung benötigt. Laut Sony müssen das mindestens 5 Mbit/s sein. Empfohlen werden aber mindestens 15 Mbit/s. Warum das so ist? Nun, Playstation Portal ist keine klassische Handheld-Konsole. Viel eher ist es ein Gadget, mit dem die Inhalte von der heimischen, leistungsstarken Konsole gestreamt werden. Ergo: die PS5 sendet die Daten über die bestehende Heimnetzverbindung ins Netz und mit dem Remote-Player kann man, nachdem man sich eingeloggt hat, auf die PS5 zugreifen und sie steuern. Hierbei ist es egal wo sich der Player einloggt. Man braucht lediglich Internet.
Damit das auch problemlos funktionieren kann, muss die PS5 zunächst die aktuelle Firmware besitzen und ich den Einstellungen muss die Remote-Play-Funktion aktiviert werden. Außerdem muss im System eingestellt werden, dass die Konsole im Ruhemodus durchgehend mit dem Internet verbunden bleibt. Um dann mit dem Player auf die Konsole zuzugreifen, muss die PS5 wahlweise eingeschaltet oder im Ruhemodus sein.
Quelle: SONY INTERACTIVE ENTERTAINMENT
Streaming-Probleme trotz guter Verbindung
Jetzt aber Butter bei die Fische. Wie spielt es sich mit dem Playstation Portal? Nun, wenn man das Gerät einmal zu laufen bekommen hat, ist es ganz nett. Während das Menü gestochen scharf lief, war das Hauptmenü der gestreamten Playstation schon etwas weniger gut aufgelöst. An dieser Stelle sei noch einmal erwähnt, dass Playstation 5 und Playstation Portal in demselben W-LAN-Netzwerk waren, welches eine Bandbreite von 250 Mbit/s bietet.
Besonders bei schnellen Spielen wie Call of Duty: Modern Warfare 3 ging der Remote-Player schnell an seine Grenzen. Die Shooter-Runden sahen eher matschig aus und auch das Audio war leicht verzögert. Spielbar war es trotzdem allemal. Eine Eingabeverzögerung konnten wir nicht feststellen. Wenn wir geschossen haben, wurde auch im Spiel geschossen. Zumindest diese Sorge, die viele Nutzer vorab im Internet äußerten, können wir beiliegen. Ganz unbegründet sind solche Sorgen bei Streaming-Geräten ja nicht, denn oftmals ist dass eines der größten Probleme vom Spiele-Streaming.
Als Nächstes haben wir EA Sports FC 24 getestet und müssen sagen, dass das Spiel mehr Ähnlichkeit mit der Nintendo Switch-Fassung hatte als mit der eigentlich gespielten PS5-Fassung. Das ist schade, da das gleiche Spiel im gleichen Netzwerk auf einem iPad Pro von 2018 bessere Ergebnisse über die Remote-Play-App erzielte. Selbst Multiplayer-Runden stellten keine Probleme dar.
Zuletzt haben wir das Gerät noch mit Cyberpunk 2077 und Sackboy getestet. Zu unserem Erstaunen haben beide Spiele deutlich weniger Probleme bereitet. Bei Cyberpunk fiel jedoch auf, dass die Wiedergabe etwas ruckelig war. Das passierte besonders bei Bewegungen mit der Kamera. Sackboy hingegen lief ohne weitere Probleme.
Wirklich ansprechendes Gameplay kam trotzdem nie zustande. Die überwiegenden Probleme des Remote-Players sorgen eher für Frust als Freude. Eine Alternative zum Spielen an der Konsole ist er damit nicht.
Für wen lohnt sich PS Portal?
Der Playstation Portal Remote-Player ist im Grundgedanken ein spannendes Gerät. Besonders für Familien könnte der Controller mit Bildschirm interessant sein, um spielen zu können, während andere vor dem Fernseher sitzen. Auf der anderen Seite sind die Features wahrlich nicht neu. Der Playstation Portal ist viel eher ein "verlängerter Arm" des Remote-Play-Features. Als einzige richtige Funktion kann wohl nur die Tatsache punkten, dass Controller und Monitor in einem Gerät stecken und man bequemer spielen kann als mit Smartphone oder Tablet. Da an diese Geräte der Dualsense-Controller per Bluetooth angeschlossen werden kann, sehen wir den Mehrwert ganz klar in puncto Bequemlichkeit und nicht im Hinblick auf Innovation gegeben. Nur leidet die Bequemlichkeit unter der Tatsache, dass die Spiele nicht stabil laufen.
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Auch ist uns aufgefallen, dass die Verbindung außerhalb der eigenen vier Wände gelegentlich Probleme bereitete. Um mit den mobilen Daten von unterwegs überhaupt spielen zu können, mussten zunächst am heimischen W-LAN-Router, in dem die PS5 eingeloggt ist, bestimmte Ports freigegeben werden. Als Laie kann das eine Herausforderung sein und ist auch für uns zunächst eher störend gewesen. Auch der Versuch, uns mit einem anderen W-LAN-Netzwerk zu verbinden, um dann auf die heimische Konsole zuzugreifen, hat nicht immer funktioniert. Während die Portfreigabe wohl eher an der PS5 lag, fiel Letzteres nur bei dem Playstation-Portal auf. Mit Smartphone und Tablet konnten wir im gleichen Netzwerk problemlos auf die PS5 zugreifen.
Letztlich kann jeder Playstation-Spieler die Funktionen des PS Portal genauso gut mit seinem Smartphone und Tablet nutzen. Selbst für das Steam Deck gibt es bereits Anleitungen, um den Service zu nutzen. Wer Remote-Play einmal auf Smartphone oder Tablet ausprobieren möchte, kann seinen Dualsense-Controller verbinden, in dem die Playstation- und Share-Taste für wenige Sekunden gedrückt werden. Der Controller beginnt zu blinken und kann in den Einstellungen des jeweiligen Smart-Geräts ausgewählt werden. Nur wem diese Funktion zu umständlich oder unbequem ist, würden wir den Playstation Portal empfehlen.
Ansonsten überzeugt der Playstation Portal nicht. Die Spiele sind oft matschig und Verbindungen brechen ab. Vorausgesetzt, es konnte eine stabile Verbindung hergestellt werden. Dazu kommt eine Spielzeit von nur etwa vier bis fünf Stunden, bis der Akku leer ist. Der Preis von knapp 220 Euro steht damit nicht im Verhältnis zu dem, was das Gerät liefert.
