Die Preiserhöhung bei PS Plus ist nicht gerechtfertigt - Meinung
Kolumne
Sony hat angekündigt, die Kosten für seinen Abo-Service Playstation Plus zu erhöhen. Die Tarife Essential, Extra und Premium werden künftig knapp 20 Prozent teurer. Einen gerechtfertigten Grund dafür gibt es nicht.
Der letzte Mittwoch des Monats ist für Playstation-Besitzer eigentlich ein ziemlich erfreulicher Tag. Denn an diesem Datum kündigt Sony (von ein paar vereinzelten Ausnahmen mal abgesehen) zuverlässig die "Gratis-Games" für Abonnenten von Playstation Plus an - also die Spiele, die Nutzer des Service als kleines Schmankerl zusätzlich zur Möglichkeit zum Online-Zocken obendrauf bekommen. In der Regel sind das drei Titel für PS4 und PS5, so auch dieses Mal. Unter anderem dürfen sich Spieler auf den im vergangenen Jahr erschienene Reboot des Open-World-Klassikers Saints Row freuen (unseren Test lest ihr übrigens hier). Dazu gibt es noch zwei weitere spannende Vollversionen für Fans von Koop-Shootern und Online-Rollenspielen: Generation Zero und Black Desert Online - Traveler Edition. Das Trio steht euch ab Dienstag, den 5. September 2023, zum Download bereit.
Soweit gibt es eigentlich nichts zu meckern. Als Überraschung hängte Sony an den Blogpost mit den Spiele-Ankündigungen aber auch noch eine weitere, deutlich unliebsamere Nachricht an: In Zukunft wird für die drei "Gratis-Spiele" deutlich mehr Kohle fällig. Ab kommender Woche, genauer gesagt ab dem 6. September, werden die Preise von PS Plus über alle Stufen hinweg angehoben:
Der Essential-Tarif kostet künftig 71,99 Euro statt 59,99, für Extra werden 125,99 Euro statt 99,99 fällig und Premium schlägt sogar mit sagenhaften 151,99 Euro statt der bisherigen 119,99 zu Buche. Das ist eine Erhöhung um satte 25 Prozent!
Wie teuer wird Playstation Plus?
Der japanische Konzern versucht natürlich, diesen Sprung irgendwie zu verargumentieren. "Die Preisanpassung wird uns ermöglichen, weiterhin hochwertige Spiele und wertvolle Vorteile für unser Playstation-Plus-Abo anbieten zu können", heißt es auf der hauseigenen Website. Spieler haben für diese fadenscheinige Rechtfertigung aber nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig.
In den sozialen Netzwerken hagelt es bereits Kritik. Dutzende Nutzer drohen lautstark, ihr Abonnement angesichts Sonys Dreistigkeit herabzustufen oder gleich ganz zu kündigen. Und das völlig zu Recht. Denn die neuen Mondpreise sind meiner Meinung nach nicht nachvollziehbar.
Ein Preisanstieg von teilweise 25 Prozent lässt sich nicht auf eine Reaktion auf die aktuelle Inflation oder andere wirtschaftliche Faktoren zurückführen, die beispielsweise die Playstation 5 zuletzt teurer gemacht hatten. So viel teurer dürfte der Unterhalt von Online-Servern, Support-Mitarbeitern und anderer Infrastruktur nicht urplötzlich geworden sein.
Und auch, wenn man einen nüchternen Blick auf die Inhalte wirft, fehlt es an schlüssigen Erklärungen für eine Preiserhöhung. Denn wirklichen Gegenwert bekommen Spieler für ihre gestiegenen Kosten nicht.
Playstation Plus Essential bietet noch immer dieselben Features wie bisher, nur für 12 Euro mehr im Jahr. Von den "hochwertigen Spielen und wertvollen Vorteilen" ist da nichts zu sehen. Eher im Gegenteil: Im Laufe der letzten Monate standen die "Gratis-Games" immer häufiger in der Kritik.
Ironischerweise kommen Saints Row, Generation Zero und Black Desert auf eine Durchschnittswertung von etwa 59,6 - die schlechteste aller PS-Plus-Gratis-Trios des gesamten Jahres 2023. Zudem waren zuletzt mit Dreams, Destiny 2: Beyond Light und Sackboy: A Big Adventure gleich drei Produktionen von (inzwischen) First-Party-Studios im Abo enthalten. Die sollten für Sony ohnehin billig zu haben sein.
Nutzer von Playstation Plus Premium beschweren sich seit Längerem über einen Klassiker-Katalog mit viel zu kleiner Auswahl. Der Emulator für PS1- und PS2-Spiele ist zudem in einem technisch ausbaufähigem Zustand.
Playstation-3-Spiele wie die alten Ratchet-and-Clank"-Jump&Runs gibt es zudem nur zum Streamen statt zum Downloaden und Zocken. Für 150 Euro im Jahr ... Da reißen ein paar Demos und Shop-Rabatte das Ruder auch nicht mehr wirklich herum.
Microsoft als Vorbild
Einziger Punkt, der für eine Preiserhöhung sprechen würde, ist die Einbeziehung von Erstveröffentlichungen in Playstation Plus Extra. In der Vergangenheit war beispielsweise das Katzen-Abenteuer Stray direkt zum Launch im Abo enthalten.
Im August fanden mit dem Couch-Koop-Spiel Moving Out 2 und dem Japano-Rollenspiel Sea of Stars gleich zwei Neuerscheinungen auf einmal zum Release ihren Weg ins PS-Plus-Extra-Angebot.
Das dürfte ein gewisses Sümmchen gekostet haben, wie die Macher von Moving Out 2 bestätigen. Die sprachen auf Reddit von einem Angebot, das man "nicht hätte ablehnen" können. Aber das über die Nutzer zu refinanzieren? Ein fragwürdiger Move.
In dessen Angesicht werden viele Spieler wohl interessiert zur Konkurrenz schauen. Denn die macht das Ganze dann doch etwas besser:
Zwar zog Microsoft denn Preis für den Xbox Game Pass im vergangenen Juni auch an, allerdings nur um etwa 10 Prozent. Das Monatsabo für die Ultimate-Variante kostet etwa 15 statt 13 Euro.
Quelle: PCGH
Dafür bekommt ihr dort aber auch satte 478 Spiele geboten, darunter alle First-Party-Titel von Microsoft direkt zum Release.
Das sind dieses Jahr unter anderem Starfield und Forza Motorsport. EA Play ist auch noch mit drin, dazu Xbox Live Gold für Online-Play, exklusive Rabatte, Cloud Gaming sowie die Möglichkeit, wahlweise auf Konsole oder PC zu spielen. Und das alles für nur knapp 25 Euro mehr im Jahr als bei Sony. Das ist sicher eine Überlegung wert.
Und für diejenigen, für die der Wechsel keine Option ist, lohnt sich ein Blick auf Microsoft dennoch, zumindest um sich eine andere, mögliche Problemlösungsstrategie abzuschauen:
Als der US-Konzern im Januar 2021 seine Preise für Xbox Live Gold mal eben verdoppeln wollte, von 29,99 Dollar auf 59,99 pro Halbjahr, erntete man so viel Gegenwind aus der Community, dass man innerhalb von nicht einmal 24 Stunden zurückrudern und sich öffentlich entschuldigen musste.
"Wir haben gestern einen Fehler gemacht und ihr lagt mit eurer Kritik vollkommen richtig", hieß es plötzlich. "Wir haben uns deshalb dazu entschieden, das Preismodell von Xbox Live Gold nicht zu verändern." Wer sich mit der Preiserhöhung bei PS Plus also nicht anfreunden will, kann immer noch versuchen, Sony mit lautstarker Kritik von einem Kurswechsel zu überzeugen.
