Pathfinder: Kingmaker im Test - Opulentes RPG mit eigenem Königreich - PS4-Update

Test Matthias Dammes 17,99 €
Pathfinder: Kingmaker im Test - Opulentes RPG mit eigenem Königreich - PS4-Update
Quelle: Owlcat Games

Pathfinder: Kingmaker ist ein komplexes und wahnsinnig umfangreiches Rollenspiel geworden. Ein wenig weht sogar der Geist von Baldur's Gate durch die Programmzeilen des Erstlingswerks von Owlcat Games. Warum es zu ähnlichen Wertungshöhen wie beim Bioware-Klassiker am Ende nicht gereicht hat, klären wir im Test.

Aktuelle Änderungen hervorheben

Klassische Computer-Rollenspiele basieren in der Regel auf bereits etablierten Pen&Paper-Systemen, auch Pathfinder: Kingmaker (jetzt kaufen 24,96 € / 17,99 € ) ist da keine Ausnahme. Vor allem Dungeons & Dragons dürfte den meisten in dieser Hinsicht ein Begriff sein. Immerhin stützten sich Hits wie Baldur's Gate, Icewind Dale und Neverwinter Nights auf die beliebte Vorlage. Das junge russische Entwickler-Team von Owlcat Games hat sich für ihr Debüt-Projekt mit Pathfinder jedoch ein RPG-System ausgesucht, das sich vor allem in Nordamerika fast noch größerer Beliebtheit erfreut als das klassische D&D.

Der Spielablauf folgt den klassischen Mustern ähnlicher Genrevertreter wie Pillars of Eternity. Mit einer Party aus bis zu sechs Charakteren werden schick gestaltete Gebiete erkundet, die durch Reisen auf einer weitläufigen Weltkarte erreicht werden. Stück für Stück werden neue Gebiete aufgedeckt und die Gruppe unterwegs in Zufallsbegegnungen verwickelt.

21 Klassen mit jeweils vier Unterklassen sorgen für ein wahnsinnig komplexes Charaktersystem. Quelle: PC Games 21 Klassen mit jeweils vier Unterklassen sorgen für ein wahnsinnig komplexes Charaktersystem.

Neue Herrscher braucht das Land

Dabei erzählt das Spiel eine spannende Geschichte. Euer Held ist einer aus einer Reihe von Abenteurern, die den Auftrag erhalten, einen unkontrollierten Landstrich von einer grausamen Räuberbande zu befreien. Als Gegenleistung sollt ihr zum Herrscher über dieses unbeanspruchte Auf der gewaltigen Weltkarte ziehen wir unsere Party von einem interessanten Ort zum nächsten. Quelle: PC Games Auf der gewaltigen Weltkarte ziehen wir unsere Party von einem interessanten Ort zum nächsten. Stück Land ernannt werden. Doch als neu ernannter Baron oder Baronin beginnen eure Probleme erst so richtig. Düstere Kräfte versuchen euer junges Reich zu Fall zu bringen.

Erzählerisch braucht sich Pathfinder: Kingmaker dabei kaum hinter anderen Genrevertretern zu verstecken. Immerhin konnte das Team von Owlcat Games keinen Geringeren als RPG-Legende Chris Avellone als Storyschreiber verpflichten. Auch die vielen Charaktere, allen voran die Gefährten, überzeugen. Figuren wie die Geschichtenschreiberin Linzi oder der völlig überhebliche Gnom-Gelehrte Jubilost sind liebevoll gestaltet und tragen zur Atmosphäre des Spiels bei. Schade nur, dass es viel zu wenig Interaktionen oder neue Gespräche mit den Gefährten gibt.

Aufbau eines Königreichs

Als erfrischend neue Idee gesellt sich zum klassischen Rollenspiel-­Gameplay die Verwaltung des eigenen Herrschaftsgebietes. Aus den Reihen unserer Gefährten und anderer nahestehender Personen ernennen wir Minister für verschiedene Aspekte des Staates, mit deren Hilfe wir Probleme und Gelegenheiten angehen. So steigern wir Werte wie Stabilität, Wirtschaft, Militär und Glaube, die über den Erfolg unseres Reiches entscheiden. Das motivert und erzeugt eine gewisse Spannung, denn ständig sitzt uns die Zeit im Nacken. Probleme der Bürger lassen sich nur in einem fest gesteckten Zeitrahmen lösen, aber auch die Bedrohungen durch die Hauptstory lassen nicht ewig auf sich warten. Zusätzlich gilt es, sich um die kleinen und großen Probleme von Gefährten und anderen Charakteren zu kümmern, die aber alle auf irgendeine Weise auch immer gut mit dem Schicksal unserer Herrschaft verbunden sind. In den jederzeit pausierbaren Kämpfen geben wir Befehle und hoffen auf das Würfelglück. Quelle: PC Games In den jederzeit pausierbaren Kämpfen geben wir Befehle und hoffen auf das Würfelglück.

Kampfstrategie

Kämpfe laufen in Echtzeit ab, werden im Hintergrund aber mit dem rundenbasierten System von Pathfinder berechnet und ausgewürfelt. Das Geschehen lässt sich dabei jederzeit pausieren, um Befehle zu erteilen. Das ist auch bitter nötig, denn die Kämpfe haben es häufig in sich. Selbst auf den niedrigeren der sechs Schwierigkeitsgrade können bestimmte Gegner eine große Herausforderung darstellen. Kenntnis der Besonderheiten von Gegnern sowie der Skills und Werte der eigenen Leute sind häufig essenziell.

Hin und wieder werden Begegnungen und Abenteuer in Buchform mit Entscheidungen präsentiert. Quelle: PC Games Hin und wieder werden Begegnungen und Abenteuer in Buchform mit Entscheidungen präsentiert. Mit der Zeit wird das permanente Mikromanagement aller sechs Gruppenmitglieder aber auch zur Last. Überlässt man die Gefährten sich selbst, führen diese nur noch Standard-Angriffe und maximal eine automatisierbare Fähigkeit aus. Hier wären deutlich umfangreichere ­Systeme für autarkes Vorgehen der Party wünschenswert gewesen.

Ein Problem, gerade zum Release, waren für viele Spieler auch zahlreiche Bugs. Einige kleine Fehler sind uns auch im Test noch begegnet. Wirklich störend war dabei allerdings nur, dass längst verstorbene Charaktere wieder aufgetaucht sind und ihre Rolle an unserem Hofe fortsetzten, als wäre nie etwas geschehen. Immerhin leisten die Entwickler seit der Veröffentlichung einen vorbildlichen Support. Regelmäßige Patches haben bereits zahlreiche Probleme behoben. Was uns am Ende vor allem genervt hat, sind die viel zu häufigen und langen Ladezeiten, die einen Großteil der Spielzeit einnehmen.

Meinung

Update: Definitive Edition auf PS4 im Test

Vor fast genau zwei Jahren erschien Pathfinder: Kingmaker für den PC und mauserte sich zu einem Geheimtipp bei Rollenspielfans. Das auf dem Pathfinder Pen&Paper-System aufbauende Spiel des jungen russischen Entwickler-Teams von Owlcat Games war immerhin erfolgreich genug, dass sich das Studio unabhängig von seinem Publisher machen konnte und mittlerweile in Eigenregie bereits an einem Nachfolger arbeitet. Zuvor erscheint das Erstlingswerk des Studios nun jedoch zunächst als Definitive Edition auch auf der PS4 und der Xbox One.

Ursprünglich verfügte das Spiel nur über ein jederzeit pausierbares Echtzeit-Kampfsystem, bei dem die Würfelwürfe und rundenbasierten Berechnungen nur im Hintergrund abliefen. Mit der Definitive Edition haben die Entwickler jetzt auch ein alternatives rundenbasiertes Kampfsystem Die größte Neuerung der Definitive Edition ist der rundenbasierte Kampfmodus, der sich jederzeit aktivieren lässt. Quelle: PC Games Die größte Neuerung der Definitive Edition ist der rundenbasierte Kampfmodus, der sich jederzeit aktivieren lässt. eingeführt. Darin laufen die Kämpfe ähnlich wie zum Beispiel in Divinity: Original Sin 2 ab und entsprechen noch deutlicher der Pen&Paper-Vorlage. Großartig ist dabei, dass sich zwischen beiden Modi jederzeit auf Knopfdruck umschalten lässt - sogar mitten im Gefecht. So kann man sich zum Beispiel einfacher Gegner im Echtzeit-Modus entledigen und für schwerere Brocken auf den Rundenmodus umschalten, um mehr taktische Möglichkeiten zu haben. Auf diesen weisen lassen sich auch die Gefährten besser ins Kampfgeschehen einbinden.

Technisch macht der Konsolenport leider keine ganz so gute Figur. Die Performance lässt immer wieder zu wünschen übrig, was sich in kurzen Rucklern und nicht registrierten Eingaben bemerkbar macht. In stark belebten Gegenden, wie zum Beispiel dem Hauptplatz unserer Hauptstadt, läuft das Spiel sogar spürbar langsam. Immer wieder kam es während des Tests auch zu Abstürzen des ganzen Spiels. Die Steuerung mit dem Controller ist gelungen und geht gut von der Hand. Allerdings sind die Anpassungen des Interface nicht immer optimal. Die Inventar- und Ausrüstungsverwaltung für mehrere Charaktere gestaltet sich zum Beispiel recht umständlich. Außerdem wurden die Tutorialtexte teilweise nicht auf das Konsoleninterface angepasst, was zu falschen Beschreibungen führt.

Schon die PC-Version hatte ihre Ecken und Kanten. Trotz zwei Jahren von Patches und Weiterentwicklungen, müssen Spieler auch in der Definitive Edition auf Konsole mit diversen Schönheitsfehlern leben. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, bekommt mit Pathfinder: Kingmaker aber ein durchaus tiefgründiges und enorm umfangreiches Rollenspiel.

Meinung

Wertung zu Pathfinder: Kingmaker (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Pathfinder: Kingmaker (PS4)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Spannende StoryUmfangreiches und komplexes KlassensystemAufbau des eigenen KönigreichesHübsch gestaltete SpielweltFreier Wechsel zwischen Echtzeit- und Rundenmodus (Definitive Edition)Enorme Spielzeit (locker 100+ Stunden)Tolle englische Sprecher …Hoher WiederspielwertSuper SoundtrackAlle DLC enthalten (Definitive Edition)
Zu wenig Interaktion mit GefährtenGefährten können kaum automatisiert werdenPort mit Rucklern und Abstürzen (PS4)Interface manchmal etwas umständlich (PS4)Sehr häufige und lange LadezeitenDiverse Bugs… aber viel zu wenig Vertonung

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