Parkasaurus im Test: Putzige Jurassic-Park-Simulation für Einsteiger

Test Stefanie Hartwich Lukas Schmid
Parkasaurus im Test: Putzige Jurassic-Park-Simulation für Einsteiger
Quelle: Washbear Studio

In Parkasaurus könnt ihr euren eigenen Jurassic Park errichten - bestmöglichst, ohne tödliche Zwischenfälle bei Besuchern zu verursachen. Dafür ist neben Manager-Talent auch Kreativität gefragt! Wir haben die majestätischen sowie beängstigenden Urechsen aus ihren Eiern schlüpfen lassen und die Simulation getestet.

Parkasaurus von Washbear Studio (nein, nicht Dinosaur Studio) ist frisch aus dem Early Access geschlüpft und ab sofort auf Steam verfügbar. Nun steht der Dinosaurierparksimulator in direkter Konkurrenz zu Jurassic World Evolution. Entwickler Washbear Studio beschreibt Parkasaurus als "ulkiges Aufbau-Management-Spiel". Da stellt sich doch direkt die Frage, wer zur Hölle das Wort "ulkig" noch heute benutzt - Nur einer von vielen Gründen, sich das Spiel mal näher anzuschauen!

Aller Anfang ist schwer ... oder?

Das Spiel ist aufgeteilt in den Kampagnen- und den Anpassbaren Spielmodus. Wir beginnen zunächst mit der Kampagne. Durch das Tutorial wird man von Dinosauriern geführt, die mithilfe von Pop-up-Fenstern sagen, was gemacht werden soll. Die Habitate für die Dinos müssen errichtet werden, die Dino-Eier platziert oder das ausgewachsene Biest hineingesetzt. Damit ist es aber noch längst nicht getan. So muss das Habitat auch der Vegetationszone der Dinos angepasst werden.
Es ergibt daher Sinn, Dinos, die entweder die gleiche Rasse oder die gleiche Vegetationszone haben, in ein Habitat zu setzen. Dabei ist es auch wichtig, dass die Größe des Habitats stimmt, denn zu kleine Gehege machen die Dinos unglücklich. Dann trudeln auch schon die ersten Besucher ein. Und die wollen unterhalten werden! Denn ein Dino alleine reicht nicht, um die geldbringende Kundschaft vom Hocker zu hauen. So schafft man sich schnell ein paar Toiletten, Essensmöglichkeiten, einen Ballonwagen und noch viel mehr an. Auch ist das Erwerben von Sitzbänken eine gute Idee, um den Besuchern Komfort bieten zu können und ihnen in weiterer Folge für eine längere Zeit ihr Geld aus den Taschen zu ziehen. Denn je länger sie bleiben, umso mehr Asche gibt es am Ende des Tages.

Das Tutorial taucht meistens zur falschen Zeit am falschen Ort auf. Hier 'hilft' es uns in der finalen Kampagnenmission. Quelle: PC Games Das Tutorial taucht meistens zur falschen Zeit am falschen Ort auf. Hier "hilft" es uns in der finalen Kampagnenmission. Das Tutorial ist recht überschaubar. Da die Missionsauswahl nur bedingt vorgegeben ist, rutscht man schnell in die schwereren Missionen, die keine Tutorialanweisungen haben. Da hätte man lieber auf einen festgelegten Missionsablauf setzen sollen, denn nach acht bis zehn Stunden des Dinopark-Bauens tauchen immer noch neue Erklärungen in Missionen auf, die erörtern, wie man beispielsweise Dinos wieder gesund machen kann. Die Tutorial-Pop-ups nerven und lassen sich leider nicht deaktivieren.

Der Schwierigkeitsgrad der Kampagne ist gering, sodass Parksimulations-Einsteiger keine Probleme haben sollten, den Park aufzubauen und erfolgreich zu führen. Für Spieler, die etwas schwierigere Simulationen bevorzugen, könnte Parkasaurus deutlich an Anspruch missen lassen.

Bin da, wer noch?!

In der First-Person-Perspektive können ausgebrochene Dinos meist schneller betäubt werden, als wenn man sich auf die lahmärschige Security verlässt. Quelle: PC Games In der First-Person-Perspektive können ausgebrochene Dinos meist schneller betäubt werden, als wenn man sich auf die lahmärschige Security verlässt. Einen Dino-Park kann man natürlich nicht ohne weitere Mitarbeiter führen. So sind (halbwegs) wichtige Personalentscheidungen zu treffen. Benötigt werden Veterinäre, Wissenschaftler, Security-Fachkräfte und Hausmeister. Die können per Drag & Drop durch den Park geschoben werden. Das muss man zwischendurch machen, da sie leider nicht immer das tun, was gefordert wird. Sie erkennen etwa nicht, welcher Zaun zuerst repariert und welches Gehege zuerst mit Futter beliefert werden soll. Man muss sie daher direkt vor der nicht erledigten Arbeit absetzen. Leider sind die Mitarbeiter schwer von den herumwuselnden Besuchern zu unterscheiden, was manchmal für Frust sorgt.

Das Verabreichen von Medizin an die süßen Echsentierchen unseres Parks hat auch seine Tücken. Denn der Parkmanager muss selbst darüber entscheiden, welches Medikament verabreicht werden muss. Nicht nur da stellt sich die Frage, wofür die Mitarbeiter eigentlich bezahlt werden. Bei entflohenen Dinos ist man etwa meist schneller am Geschehen, als die Security es jemals sein könnte. Mit gezielten Betäubungspfeilen im First-Person-Modus schläft der Dino nach drei bis vier Schüssen wie ein Baby. Selbstverständlich kann man damit auch noch anderen Unfug anstellen, wie zum Beispiel die Besucher abschießen. Das macht man als guter Dino-Park-Manager aber natürlich nicht ... Hust ...

Grafisch nicht der Burner

Das Spiel ist liebevoll gestaltet, auch wenn man sich nicht den größten Augenschmaus erwarten darf. Die Dinos werden eher süß als gefährlich dargestellt. Das bedeutet: Statt dem Tyrannosaurus Rex aus Jurassic Park wird uns Barney aus der Kinderserie "Barney und seine Freunde" vorgesetzt.

Das Spiel weist derzeit noch viele Bugs auf, Wasser scheint hier ein Hauptproblem zu sein. Platziert man es nicht richtig, läuft es über, verteilt sich schlimmstenfalls über das ganze Habitat und verschwindet anschließend auf mysteriöse Weise. Manchmal wird der Boden einfach nur abgesenkt, anstatt mit Wasser gefüllt. Auch vertschüssen sich platzierte Gegenstände zwischendurch. Dafür buhlen aber einige Anzeigen äußerst renitent um Aufmerksamkeit. So verschwindet die Anzeige beim Platzieren von Dinoeiern zum Beispiel nach dem Abschluss der Aktion nicht. Das Problem kann erst mit dem Neuladen des Spielstands behoben werden.

Zu viele, sich überlappende Pop-ups vermiesen einem manchmal den Spielspaß. Quelle: PC Games Zu viele, sich überlappende Pop-ups vermiesen einem manchmal den Spielspaß. Negativ fallen auch die Pop-ups mit Hinweisen und Infos auf, derer es so viele gibt, dass man sich fast fühlt wie auf einer illegalen Streamingseite im Internet. Das hätte man sicher übersichtlicher gestalten können. Auch kann man die Tipps, die das Spiel insbesondere während des Platzierens von Gegenständen aufploppen lässt, nicht deaktivieren. Den Kasten hätte man sich spätestens nach der zweiten Mission sparen können. Nervig ist auch die Ankündigung des Tagesendes. Auch während man gerade konzentriert in eine Arbeit vertieft ist, wird dann das Spiel kurz unterbrochen und der nächste Tag bricht an. Dann dürfen alle Reiter nochmal von vorne angeklickt werden.

Überzeugend ist dafür der Sound. Mit seiner Sims- bis Animal-Crossing-ähnlichen Musik gefällt Parkasaurus, auch, wenn die Playlist etwas umfangreicher ausfallen dürfte. Die Dinos geben zwischendurch Laute von sich, die einen immer wieder daran erinnern, was für furchteinflößende Wesen da eigentlich im Park wohnen. Die Musik hat sogar einen spielerischen Nutzen: Wird sie schneller und aufgeregter, ist irgendein Dino ausgebrochen. Des Weiteren sorgen auch der Wetter- und Jahreszeitenwechsel für eine besondere Atmosphäre.

Steuerung mit kleinen Macken

Die Steuerung von Parkasaurus ist schnell erklärt. Mit Q und E dreht man die Map im 45-Grad-Winkel, mit R rotiert man die Gegenstände aus dem Baumarkt und mit T kann man die Zeit beeinflussen. Neben Pause, normaler Geschwindigkeit und doppelter Geschwindigkeit sollte man jedoch nicht mehr erwarten. Ein wenig nervig wird es bei der Steuerung mit der Maus während des Platzierens von Gegenständen. Will man nämlich in die Nähe der Bildschirmränder, ohne sich auf der Karte zu bewegen, macht das Spiel einem einen Strich durch die Rechnung. Außerdem fehlt beim Bauen die Funktion des Rückgängigmachens. Schnell ist aus Versehen ein Zaun oder Gegenstand platziert. Das Entfernen ist zwar keine schwierige Aufgabe, geht einem jedoch schnell auf die Nerven, wenn man weiß, dass ein Rückgängig-Button einem einige Sekunden Zeit gespart hätte. Leider wird auch nicht direkt angezeigt, was man sich im Baumodus nicht leisten kann. Beim Anklicken der Gegenstände, Mitarbeiter und Dinos kommt es zudem auf Präzision an. Gerade bei kleineren Gegenständen ist es schwierig, diese auf den ersten Versuch erfolgreich anzuklicken.

Nicht die Mama! - Fossilienjagd per Minispiel

Um an Fossilien zu kommen, muss man im Portal auf Erkundungstour gehen. Quelle: PC Games Um an Fossilien zu kommen, muss man im Portal auf Erkundungstour gehen. Um neue Dinos zu züchten. kann man auf zwei Wege zurückgreifen. Entweder produzieren zwei Dinos unterschiedlichen Geschlechts der gleichen Rasse mit einer Zufriedenheitsrate von mindestens 80 Prozent ein Dinoei (sobald man das Dino-Nest freigeschaltet hat). Oder man kauft einfach in der Stadt ein Ei. Dazu benötigt man je nach Dino-Sorte einen speziellen Juwel und Dinofossilien, die man über das Portal ausgraben kann. Im Portal werden mit Tetris-Formen Grabungen auf einem Raster ausgeführt. Je nach Auswahl der Tiefe kann man mehr als nur Fossilien entdecken. So findet man Geld, Wissenschaftspunkte und Herzen, die drei Währungen des Spiels. Mit Herzen, die ihr durch glückliche Dinos bekommt, und Wissenschaftspunkten, die die Wissenschaftler an bestimmten Gebäuden erstellen, werden neue Gegenstände freigeschaltet. Ärgerlich ist, dass die so erspielten Sachen in der Kampagne nicht in die folgenden Missionen übernommen werden. Daher versucht man nur, die Aufgaben zu erledigen und nicht, mehr Ressourcen für bessere Zäune oder Ähnliches aufzuwenden.

Die Fossilienjagd ist wohl der überflüssigste Punkt im gesamten Spiel. Da das automatische Ausbuddeln gerade am Anfang noch zu teuer ist, muss man viel zu oft selbst die Schaufel in die Hand nehmen und graben. Einmal Buddeln reicht nur für Dinosaurier aus, die einen niedrigen Rang haben. Da hätte es sicher eine bessere Lösung gegeben.

Nicht sehr anpassungsfähig

Im anpassbaren Spielmodus dürft ihr sogar euren Park benennen. Quelle: PC Games Im anpassbaren Spielmodus dürft ihr sogar euren Park benennen. Hat man die Story durch oder erst gar kein Interesse daran, wird der Freie Modus ausgewählt. Dort kann das Spiel nach den eigenen Wünschen angepasst werden, wobei hier weniger Individualisierungsmöglichkeiten drin stecken, als einem lieb ist. Zunächst kann zwischen Standardspiel und Sandkasten ausgewählt werden. Letzterer bietet nur begrenzte Anpassungsmöglichkeiten. So können die anfängliche Geldhöhe, das Terrain (eben bis und holprig) und die Art des Grundstücks (leer, Wald, neues Grundstück) bestimmt werden. Hier hätten wir uns deutlich mehr Möglichkeiten gewünscht, etwa die Auswahl eines Schwierigkeitsgrads. Was das Gameplay angeht, unterscheidet sich der Freie Modus deutlich von der Kampagne. So werden hier Herausforderungen vorgeschlagen, die man an- oder ablehnen kann. Ansonsten hat man gestalterischen Freiraum und kann sich endlich auf das Freischalten von neuen Objekten und Dinosauriern konzentrieren.

Parkasaurus macht Spaß und ist gerade für Simulations-Neulinge gut geeignet. Fast täglich sind die Entwickler derzeit mit Patches und weiteren Updates am Start, sodass die Hoffnung besteht, dass die bestehenden, teilweise durchaus nervigen Makel irgendwann alle behoben sind. Wer nach Jurassic World Evolution noch immer nicht genug vom fröhlichen Dino-Dirigieren hat, der findet hier viel zum Liebhaben.

Meinung & Wertung

Meinung

Wertung zu Parkasaurus (PC)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Viel zu managenLiebevolle GestaltungGute MusikViele frei setzbare ObjekteHumorvolle StoryFast täglich neue BugfixesWetter- und JahreszeitenwechselGut für Einsteiger geeignet
... für Parksimulationsexperten aber viel zu einfach!Noch immer nicht komplett in die deutsche Sprache übersetztEinige ÜbersetzungsfehlerTutorial lässt sich nicht ausschalten und taucht an einigen Stellen zu spät aufMitarbeiter machen arbeitstechnisch gesehen nicht immer einen guten EindruckMitarbeiter- und Dinosuche etwas umständlichGrafische BugsFossilienjagd-Minispiel nervtManchmal Überflut an EinblendungenFreigeschaltete Gegenstände werden nicht in die nächste Kampagnenmissionen mitgenommenKeine Rückgängig-Funktion
Fazit

Von der Schwierigkeit her ist Parkasaurus für Parksimulationseinsteiger geeignet, wenn man Abstriche bei der Steuerung und Grafik akzeptieren kann. Anspruchsvollere Spieler sollten zu anderen Simulationen greifen.

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