Pariah

Test

Doktor Mason liefert den Beweis: Ärzte können auch mit einem Plasmagewehr umgehen.

U nreal Tournament 2004" zählt zu den besten Mehrspieler-Shootern für den PC. Deshalb waren wir auch sehr gespannt auf das jüngste Baby des kanadischen Entwicklerteams Digital Extremes. "Pariah" protzt mit einer aufgemotzten "Unreal"-Engine und erzählt eine spannende Science-Fiction-Geschichte. Wo sie spielt? Auf einem Gefängnisplaneten namens Erde.

Story: Ihr Abenteuer startet im Jahr 2520. Sie spielen die Rolle des Mediziners Jack Mason, der einen weiblichen Häftling vom Planeten Erde abtransportieren soll. Da die Gefangene einen mysteriösen Virus in sich trägt, wird sie in einer Art Glassarg befördert.

Dummerweise schaffen Sie es nicht, den unwirtlichen Himmelskörper zu verlassen: Eine Rakete trifft Ihr Shuttle. Sie überleben den Absturz zwar, doch die Lage scheint aussichtslos. Der ganze Planet wimmelt von wütenden Gefangenen sowie aggressivem Wachpersonal -- und offenbar haben's alle auf Sie und Ihre Begleiterin, die Virusträgerin Karina, abgesehen.

Spiel: Anfangs befindet sich in Ihrer Tasche lediglich ein Heilgerät -- schließlich sind Sie Arzt! Mit dem nützlichen Tool frischen Sie durch Injektionen Ihre Gesundheit auf. Bei ernsten Auseinandersetzungen greifen Sie zu einer der insgesamt sieben Waffen, die sich mit der Zeit in Ihrem Arsenal ansammeln. Sechs davon lassen sich in drei Ausbaustufen verbessern. Dieses Feature verleiht dem Spiel eine taktische Note, da Sie immer wieder entscheiden müssen, welche Waffe Sie aufwerten. Das Sturmgewehr etwa lässt sich mit panzerbrechender Munition ausstatten. Tunen Sie dagegen den Granatwerfer, jagen Sie Feinden per Fernzünder punktgenau Tausende von Metallsplittern entgegen.

Nützlich ist auch das Wärmekamera-Upgrade für das Scharfschützengewehr. Es stellt die Umgebung blau dar, nur Gegner heben sich als helle Kleckse vom Hintergrund ab. Die Energiekerne, die Sie fürs Aufrüsten brauchen, sind mehr oder minder gut in den Maps versteckt.

Das Verhalten der Feinde hat bei unserem Test der Xbox-Version überzeugt. Die Gegner scheinen an ihrem virtuellen Leben zu hängen und greifen in Gruppen an. Sie suchen Deckung und verändern ihre Position, wenn Sie vorstürmen. Auf dem höchsten der vier Schwierigkeitsgrade scheint man zudem die Elite-Einheiten auf Sie loszulassen. Aus vollem Lauf jagen die Widersacher Kugel für Kugel durch Ihren futuristischen Anzug. Doch leider hat jede Medaille zwei Seiten... Ein Beispiel für die Kehrseite bei "Pariah": Ein scheinbar extrem kurzsichtiger Soldat schießt mit dem Raketenwerfer auf einen Felsen, der sich zirka 30 Zentimeter vor ihm befindet. Und da Kurzsichtigkeit offenbar ansteckend ist, machen es ihm seine Kameraden gleich mal nach.

Eine der absoluten Stärken von "Pariah" sind die vielfältigen Aufgaben, die Sie in den 18 Levels zu bewältigen haben. Einmal müssen Sie unter heftigem Widerstand das Ende eines fahrenden Zuges erreichen, um angreifende Raumtransporter mit einem riesigen Geschütz abzuschießen. Ein anderes Mal klemmen Sie sich hinter die Bordkanone eines Jeeps und ballern während der holprigen Offroad-Fahrt alles weg, was Ihnen vor die Flinte kommt. Im Stile alter Piratenfilme dürfen Sie sogar ein feindliches Raumschiff entern -- aber erst nachdem Sie dessen Kanonen, äh Raketen, unschädlich gemacht haben.

Die Optik erinnert gelegentlich an das erwähnte "Unreal Tournament 2004". Allerdings wirkt die Umgebung viel lebendiger. Bäume bewegen sich im Wind, Blätter fallen herab und segeln realistisch durch die Luft. Dank der Physikengine von Havok gleicht keine Explosion der anderen. 80 Prozent der Levels spielen draußen, wobei die Bildwiederholungsrate auf Grund der extremen Weitsicht teilweise absinkt. Insgesamt war von leichtem Ruckeln bis hin zu flüssigen Bilderfolgen in manchen Innenabschnitten alles dabei -- wohlgemerkt bei unserer Xbox-Testversion.

Wie von Digital Extremes nicht anders zu erwarten war, bietet der Multiplayer-Part viel Abwechslung. Im Frontline Assault müssen Sie bestimmte Punkte einnehmen, um die Frontlinie weiter nach vorne zu versetzen. Der Siege-Modus lehnt sich an die Invasion von "UT 2004" an: Sie verteidigen ein bestimmtes Gebiet gegen eine steigende Anzahl von Gegnern.

Fazit: Allzu lange dauerte die Therapie mit "Pariah" nicht. Auf dem einfachsten Schwierigkeitsgrad dürften sich Durchschnittsspieler nach spätestens acht Stunden gesund geballert haben. Schade, denn während der Behandlung werden Ihnen jede Menge wirkungsvoller Arzneien eingeflößt: Ob actionreiche Zugfahrten oder luftige Enteraktionen, Langeweile wird auf einen anderen Planeten verbannt. Hat sich das Auge erst einmal an die niedrige Bildrate gewöhnt, werden Sie auch die vorzügliche Optik mit hoch aufgelösten Texturen und guter Weitsicht genießen können. Insgesamt sind die Doktorspielchen mit Jack Mason absolut zu empfehlen -- ohne Risiken und Nebenwirkungen. AZ

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