Auch in seinem neuen PC-Adventure wagt Comic-Autor Benoît Sokal nicht viel Neues. Stattdessen setzt er abermals auf das Syberia-Spielprinzip.
D as Spielen eines Benoît-Sokal-Adventures kann man mit dem Lesen eines Buches vergleichen, nur dass man sich hier die Bilder zu den wunderbaren Geschichten nicht vorstellen muss. Das ist auch bei "Paradise" so. Hier verschlägt es den Spieler ins Afrika der Kolonialzeit -- oder besser, in Sokals Version davon.
Der belgische Comic-Künstler bedient sich zwar eines bekannten Szenarios, verändert es jedoch so, dass den farbenprächtigen Kulissen stets etwas Unwirkliches anhaftet.
Auch die Geschichte von "Paradise" ist Sokal-typisch mysteriös. Im Mittelpunkt steht Ann Smith, eine junge Frau, die nach einem Flugzeugabsturz in Afrika ihr Gedächtnis verloren hat. Ohne jede Erinnerung an ihr früheres Leben begibt sich Ann auf eine gefahrvolle Reise in das Herz von Mauradanien. Sie will ein Versprechen einlösen, das sie dem Prinzen von Madargane gegeben hat: Ihre Mission ist es, den schwarzen Leoparden des Königssohns in dessen Heimat zu bringen.
Die Reise beginnt
Sie starten im Königreich Madargane, genauer gesagt, im Harem des Prinzen. Dort machen Sie sich auch mit den Grundlagen von "Paradise" vertraut. Wer die "Syberia"-Serie kennt, wird damit keine großen Probleme haben. Steuerung und Inventaraufbau wurden nämlich bis auf einige kleine Änderungen von den inoffiziellen Vorgängern übernommen.
So ist Ihr wichtigstes Instrument die linke Maustaste. Mit ihr dirigieren Sie Ann nicht nur durch die vorgerenderten Kulissen, auch das Untersuchen und Kombinieren von Objekten, Aufheben von Gegenständen und Interagieren mit Personen und Apparaturen erledigen Sie auf diese Weise. Praktisch bei längeren Laufwegen: Bei einem Doppelklick wird Ann schneller.
Die Rätsel in bewährter Point'n' Click-Manier sind bis auf wenige Ausnahmen mit Kombinationsgabe zu knacken. Beispiel gefällig? In Madargane müssen Sie Ersatzteile für ein defektes Automobil auftreiben. Den Kühler improvisieren Sie aus Teilen eines Ventilators. Um an die begehrten Versatzstücke zu kommen, müssen Sie dem Besitzer des Ventilators, dem lokalen Barbier, die Klimaanlage reparieren. Die ist dank einer gewöhnlichen Sprungfeder, die Sie zuvor aus einem Flugzeugwrack geborgen haben, in null Komma nix in Stand gesetzt. Nach diesem Prinzip funktionieren die meisten "Paradise"-Rätsel.
Technischer Stillstand
Spannend: Den wahren Grund für Anns Reise nach Afrika offenbart Sokal erst am Ende des Spiels. Langweilig wird es aber auch davor nicht. Mit stimmigen CGI-Sequenzen verbindet der Comic-Künstler Spielszenen und Schlüsselmomente. Wollen Sie mehr Hintergrundinformationen zu den Geschehnissen des Adventures, müssen Sie Schriftstücke lesen, die Sie unterwegs finden, und sich mit Bewohnern unterhalten.
Technisch ist "Paradise" überholt. Während die Figuren allesamt aus Polygonen bestehen, sind Hintergründe und Interaktionsobjekte weiterhin vorberechnet. Das macht das Spiel jedoch zumindest ansatzweise mit viel Liebe zum Detail und teilanimierten Bildelementen wie fließendem Wasser oder aufsteigenden Vogelschwärmen wieder wett. Lediglich die Sequenzen mit dem schwarzen Leoparden sind ganz in 3D gehalten. Ein nettes Feature, spielerisch aber nicht wirklich interessant. Wer die insgesamt drei Ausflüge mit der Großkatze nicht spielen will, kann sie jederzeit abbrechen. Wir haben die U.S.-Version von "Paradise" getestet. Die deutsche Fassung soll vollständig lokalisiert sein.fe n
