Oxenfree 2: Lost Signals im Test: Indie-Grusel mit ordentlich Tiefgang
Test
Oxenfree geht in eine neue Runde. Am 12. Juli 2023 erscheint die Fortsetzung des Indie-Hits von 2016 und bringt allerlei Neuerungen im Gameplay. Wieso das Gruselspiel nicht nur für Veteranen der Reihe eine Empfehlung wert ist, klären wir in unserem Test.
Neben bestimmten Storyereignissen beeinflussen alle Entscheidungen und Beziehungen letztendlich auch den Ausgang des Spiels. Unseres Wissens gibt es fünf verschiedene Enden der Geschichte, die wir erleben können. Am Ende jedes Durchlaufs lässt sich dazu auch eine Reihe Statistiken einsehen, die beschreiben, wie sich andere Spieler entschieden haben und ob man die mehrheitliche Wahl getroffen hat. Das ist eine gute Weise, um den Wiederspielwert zu steigern, da wir dadurch sehen, dass es noch so viele andere Optionen gibt, wie wir das Spiel beeinflussen können.
Auch abseits der Dialoge, gibt es Gegenstände, die uns bei der Reise helfen. Diese sind ein Walkie-Talkie und ein Radio. Ersteres dient dazu mit Charakteren zu sprechen, die nicht unmittelbar neben uns stehen. Die meiste Zeit sind wir nämlich alleine oder in Begleitung von Jacob unterwegs. So können wir insgesamt neun verschiedene Kanäle nutzen, um mit einer Vielzahl an Leuten reden zu können.
Quelle: Night School Studio
Das altbekannte Radio aus Teil eins feiert ebenfalls sein Comeback. So interagieren wir mit der Geisterwelt und verschiedenen Objekten mittels Radiowellen, die wir präzise einstellen müssen. Wann genau wir das Radio zücken müssen, wird immer sehr schnell aus der Handlung klar. Planloses Rumstehen ist da sehr selten. Wir können auch ein bisschen Musik mit dem Radio hören und vielleicht finden wir ja sogar noch weitere Funkkontakte, mit denen wir in Zukunft quatschen können.
Abgesehen von der Hauptstory, gibt es auch kleinere andere Nebenaufgaben, die wir lösen können, aber nicht müssen. Hin und wieder gibt es kleine Rätsel, die wir aufdecken können. Alle interessanten Ereignisse und Hinweise werden zudem auf unserer übersichtlichen Karte vermerkt. Hatten wir beim Test einmal keinen Plan, dann half uns stets ein Blick in unsere Karte.
Zusätzlich gibt es im Gegensatz zum ersten Teil sammelbare Objekte. Diese Briefe sind jedoch nicht nur ein bloßer Zeitvertreib, sondern liefern auch noch mehr Hintergrundgeschichte für die Haupthandlung. Außerdem sind sie ebenfalls passend durch die hochwertige Synchronisation vertont. Lesemuffel können also aufatmen.
Der Artstyle - Optik im Comicstil
Neben den mitreißenden Dialogen ist wohl die optische Inszenierung die größte Stärke von Oxenfree 2. Wir kommen uns gelegentlich vor, als würden wir in einem Gemälde herumspazieren. Hin und wieder wussten wir nicht, ob wir gerade noch im Gameplay oder in einer Cutscene waren, so ästhetisch sieht das Spiel aus. Neben gewundenen Waldwegen und staubigen Häusern bekommen wir hin und wieder auch atemberaubenden Aussichten zu sehen. Die Kamera zoomt dann heraus, um die Sicht auf den wunderschönen Horizont zu lenken. Gerade in den letzten Passagen des Spiels, wurde die Vision der Entwickler, ein Erlebnis zu schaffen, das uns vor allem mit seiner Optik in seinen Bann zieht, besonders deutlich.
Dennoch solltet ihr nicht erwarten, dass sich es hier um einen AAA-Titel mit entsprechender Optik handelt. Night School Studios ist ein kleines Studio mit einem dementsprechend kleinen Team. Doch gerade mit ihrem einzigartigen Artstyle holen sie alles aus der begrenzten Grafik heraus. Der comicartige Stil ist wirklich sehr schön anzuschauen, wobei es hin und wieder auch nette Licht-Effekte zu bestaunen gibt. Hier zeigt sich wieder mal, dass eine einheitliche Vision viel wichtiger ist als die bloße Anzahl an Polygone.
Quelle: Night School Studio
Auch die Musik ist sehr stimmig und immer passend zur jeweiligen Szene ausgewählt. Der Soundtrack beinhaltet hauptsächlich melancholische Stücke, die aber definitiv zur bedrückenden Handlung passen.
Die Technik - Vereinzelte Probleme
Bei unserer etwa achtstündigen Spielzeit gab es nur einen bemerkenswerten Fehler. Unser Begleiter Jacob verhedderte sich beim Bergsteigen und war dann für die restliche Zeit in der Kletteranimation gefangen. Das führte dazu, dass wir in dem Level "gesoftlocked" wurden, da wir nicht durch ein erforderliches Portal schreiten konnten. Das Laden des vorherigen Speicherpunkts hat diesen Fehler glücklicherweise behoben. Man musste jedoch noch einmal bis zu dieser Stelle spielen. Insgesamt sind die Ladepunkte aber recht großzügig verteilt, weshalb wir nicht viel Spielzeit einbüßen mussten.
Abgesehen davon teleportierte sich unser Begleiter Jacob hin und wieder herum, was jedoch nur visuelle Folgen hatte, im allgemeinen Spielfluss aber nicht störend war.
Da wir eine Kopie des Spiels vor dem offiziellen Release bekommen haben, ist es durchaus wahrscheinlich, dass Night School Studios noch viele Bugs behebt. Zum Testzeitpunkt arbeiteten die Entwickler nach wie vor an der Beseitigung von bekannten Spielfehlern.
Unser Fazit
Abschließend können wir sagen, dass uns Oxenfree 2: Lost Signals beim Spielen gut gefallen hat. Gerade, die gut inszenierte und emotionale Geschichte ist der stärkste Punkt des Spiels. Deshalb ist es auch halb so wild, dass man spielerisch nicht allzu viel zu tun hat, sondern sich gänzlich auf die atmosphärische Welt und ihre sympathischen Charaktere konzentrieren kann. Gerade für einen Preis von 20 Euro kann man sich für den Umfang sicherlich nicht beschweren. Bei unserer Spielzeit von ungefähr acht Stunden für die Haupthandlung, ohne alle Sidequests gemacht zu haben, ist das kein schlechter Deal.
Oxenfree 2: Lost Signals erscheint am 12. Juli für PC/Mac, PlayStation, Nintendo Switch und für Android und iOS via Netflix (im Abonnement). Xbox-Spieler müssen also leider auf den Titel verzichten. Nach dem Ende des zweiten Teiles bleibt abzuwarten, ob es einen dritten Teil geben wird. Wir wären auf jeden Fall bereit für eine dritte Runde.
