Review: Overspeed - High Performance Street Racing

Test Florian Stangl

Ein Tuning-Rennspiel, das echte Rennfahrer herausfordert: Overspeed sieht aus wie Nachkriegsdeutschland, fährt sich aber wie ein Wirtschaftswunder.

Realistisches Fahrvergnügen

Als Renneinsatz dienen die Teile der Duellanten. Als Renneinsatz dienen die Teile der Duellanten. Das schönste Streckendesign nützt wenig, wenn sich alle Autos gleich und vor allem gleich unrealistisch fahren. In Overspeed unterscheiden sich zum Beispiel Front- und Allradgetriebene Vehikel grundlegend. Während die weit verbreiteten Vorderrad-Triebler eher gutmütig ausgelegt sind, erfordern die Allradler eine kräftige, beherzt zupackende Hand am Volant. Auch sollte der Fahrer wissen, wo die Vor- und Nachteile dieser Antriebsarten liegen. Wenn der Motor allein die Vorderräder befeuert, dann geht das zu Lasten der Beschleunigung aus dem Stand – also beim so wichtigen Start: Der Wagen beschleunigt durch seine Masseträgheit langsamer als die Reifen, das Auto drückt auf die hinteren Stoßdämpfer und entlastet die Vorderräder. Die haben dadurch natürlich weniger Grip, bringen also die Leistung kurzzeitig nicht auf die Straße. Das kostet wertvolle Zehntel-, wenn nicht sogar ganze Sekunden.

Ganz anders das PS-starke Allradmonster: Hier wird die Kraft des Antriebs auch auf die Hinterräder geleitet, die beim Start durch das verlagerte Gewicht stärker auf die Straße gepresst werden und so einen fulminanten Start mit Karacho erlauben. Diesen Vorteil erkaufen sich die Allradler mit mehr Gewicht durch das größere Getriebe, sind also in Kurven etwas schwerfälliger und neigen dazu, sich geparkten Autos am Kurvenaußenrand unvorteilhaft anzunähern. Reine Hecktriebler sind auch in Overspeed zickig. Wer viel Gefühl im Gasfuß hat, kann sie perfekt mit dem rechten Pedal lenken. Wer Selbiges aber brutal auf die Bodenplatte presst, wird meist vom Heck überholt.

Echtes Schadensmodell

Wenn wir einen kompletten Streckenabschnitt ohne Kollisionen meistern, spendiert das Spiel uns zur Belohnung für fünf Sekunden Lachgaseinspritzung. Wenn wir einen kompletten Streckenabschnitt ohne Kollisionen meistern, spendiert das Spiel uns zur Belohnung für fünf Sekunden Lachgaseinspritzung. Jeder Crash wirkt sich aus. Kennt man ja aus den allermeisten Rennspielen. Doch während man da meist nur ein wenig Geschwindigkeit verliert, geht in Overspeed die Substanz des Autos langsam flöten. Sprich: Es geht kaputt. Meistens kriegen die Reifen zuerst ihr Fett weg, in der Regel durch zu optimistisch angesteuerte Kurven. Oder auch mal durch einen saftigen Rempler des Konkurrenten. Oder beides. Ein kleines, anfangs grünes Symbol Ihres Autos zeigt mit immer roter werdenden Verfärbungen, wie es um Ihre Karre steht. Wird ein Teil schwarz, ist es kaputt. Doch alles halb so wild: Selbst mit tiefroten Reifen fährt das Flitzerchen noch. Halt nicht mehr so schnell. Und auch nur ungern geradeaus. Dafür aber in Kurven völlig unberechenbar. Ein Heidenspaß für Menschen mit beinahe übermenschlichen Reflexen, die idealerweise nicht mit Tastatur oder Gamepad steuern, sondern mit einem guten Lenkrad.

Das Schadensmodell ist nicht aufdringlich, sondern arbeitet eher im Hintergrund. Kleine Schäden spürt man kaum und kann locker Rennen gewinnen. Doch wenn das Auto richtig angeschlagen ist und einem der Gegner am Kofferraum hängt, tobt sich Ihr Nebennierenmark so richtig aus und tut, was es am Besten kann: Adrenalin produzieren. Das Gefühl, in solch einer Situation noch das Rennen zu gewinnen, ist fantastisch. Vor allem, weil man genau weiß, was bei einer Niederlage passiert wäre ...

Wetten, dass...?

Wir sind jetzt ein Großkaliber: Wenn Sie zu stark werden, müssen Sie sich neue Gegner suchen. Die anderen haben nämlich jetzt (zu Recht) die Hosen voll. Wir sind jetzt ein Großkaliber: Wenn Sie zu stark werden, müssen Sie sich neue Gegner suchen. Die anderen haben nämlich jetzt (zu Recht) die Hosen voll. In Overspeed gibt es die Tuning-Teile nicht im Laden, sondern auf der Straße. Besser gesagt: von anderen Fahrern. Denn vor einem Rennen kann man Teile des Autos oder seiner Reputation als Wetteinsatz bringen – genau wie der Gegner. Wer das Duell gewinnt, sackt alles ein. Klingt trivial, schraubt aber den Nervenkitzel unglaublich hoch. Da Sie bis zu drei Teile auf einmal setzen dürfen, verlieren Sie schlimmstenfalls alle Verbesserungen Ihres Autos. Oder gewinnen richtig fette Extras Ihrer Gegner, die Ihren Flitzer massiv aufmöbeln. Das erzeugt Dauermotivation, denn Niederlagen sind unvermeidbar – außer, Sie schummeln und drücken bei einer Niederlage rechtzeitig Alt+F4.

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