Override 2: Super Mech League im Test - Bunte Mechs mit Zündungsproblemen
Test
Der Vorgänger konnte nie eine große Spielerbasis für sich gewinnen und verschwand schnell in der Versenkung. Nun startet Entwickler Modus mit dem Mehrspieler-Prügler Override 2: Super Mech Brawl einen neuen Anlauf Richtung eSport-Olymp. Warum leider auch der Nachfolger nicht lange fesseln kann, erfahrt ihr bei uns im Test!
In Japan weiß man es schon lange: Kampfroboter sind Kulturgut. Doch selbst im fernöstlichen Mecha-Mekka entstanden während der letzten Konsolengeneration erstaunlich wenige Spiele mit humanoiden Stahlkolossen. Wer sich ins Cockpit eines zweibeinigen Panzers schwingen und mit dicken Kanonen dicke Explosionen erzeugen will, muss sich im Independent-Bereich umschauen, etwa beim neuen Werk des Studios Modus.
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Mit Override 2: Super Mech League schicken die Brasilianer 20 bunte Blechmänner (und -frauen und -tiere) in chaotische Multiplayer-Prügeleien. In Override 2 bestreitet ihr an Bord eines quietschbunten Mechs Arenakämpfe im Stil von Jump Force oder Dissidia: Final Fantasy, um die im ersten Teil vor der Alien-Invasion gerettete Bevölkerung zu unterhalten.
Spiel doch mal was Anderes!
Quelle: PC Games
Der Star der Show: Mit der Bratpfanne verteilt ihr saftige Treffer. Der rote Laser im Hintergrund kündigt eine neue Spezialwaffe an, die ihr aufsammeln dürft, falls eure vorhandene Wumme zerbricht.
Auf die Einzelspielerkampagne müsst ihr im Nachfolger verzichten. Stattdessen erklimmt ihr im Ligen-Modus langsam die Karriereleiter, verdient mit abgeschlossenen Matches und Sponsorenverträgen Geld und schaltet damit neue Kämpfer frei. Begleitet werdet ihr von eurer taffen Agentin Zoe, die gelegentlich knappe Hintergrundinformationen zum Override-Universum und zu den neun verfügbaren Maps bereithält. Ihr bekommt dabei stets eine zufällige Auswahl verschiedener Spielmodi präsentiert: Neben klassischen 1v1- und 2v2-Schlachten könnt ihr euch in unübersichtliche Vierer-Kämpfe stürzen oder in einer Art Survival-Modus Gegnerwellen abwehren. Wer jedoch gerne seinen Lieblingsmodus immer wieder spielt, schaut doppelt in die Röhre: Zum einen stehen nie alle Matchtypen gleichzeitig zur Verfügung, zum anderen verringert das Spiel eure Einnahmen erheblich, wenn ihr ständig die gleichen Modi anwählt. Paradoxerweise müsst ihr trotzdem möglichst viele Matches in einem Modus absolvieren, um darin stärkere CPU-Gegner und potenziell höhere Gewinnsummen freizuschalten.
Quelle: PC Games
Vor jedem Match seht ihr Freund und Feind in einer netten Lande-Animation. Hier stürzt sich Anime-Urgestein Ultraman mit dem Kopf voran in die Keilerei - leider nur als Bezahl-DLC.
CPU-Gegner? Sollte das nicht ein Multiplayer-Spiel sein? Prinzipiell ja, leider sind die Server von Override 2 in der Praxis absolutes Niemandsland. Nicht einmal Japaner, die üblicherweise in Games dieser Machart mit sekundenlangem Lag und gottgleichem Skill den Boden mit uns aufwischen, haben wir im Test getroffen. Wollt ihr also menschliche Kontrahenten, so müsst ihr diese analog vor euren Bildschirm bewegen. Unterstützt werden bis zu vier Spieler im Splitscreen, den Karriere-Modus könnt ihr leider nicht gemeinsam angehen. Immerhin habt ihr euren Freunden das simple Spielprinzip schnell erklärt: Per Schubdüse und Doppelsprung bewegt ihr euren stählernen Recken durch kleine Arenen und erzeugt mit kurzen Combos Karosserieschäden.
Benutzt man ein Gamepad, sind Schultertasten und Trigger für Schläge und Tritte zuständig, gleichzeitiges Drücken löst charakterspezifische Sonderangriffe aus - neben simplen Schlagkombinationen besitzen die meisten Mechs noch Fern- und Flächenangriffe. Ein flüssiges Verketten verschiedener Aktionen erlaubt euch Override 2 jedoch auch mit flinken Charakteren nicht, nach jeder Attacke muss euer Roboter kurz innehalten. Damit bewahrt euch das Spiel zwar davor, in ellenlangen feindlichen Combos festzustecken, es sorgt jedoch auch für ein seltsam abgehacktes Kampferlebnis, bei dem wegen der ständigen Unterbrechungen kein wirklicher Flow aufkommen will. Was euch zusätzlich ausbremst, sind die winzigen Areale, in die ihr mit maximal drei anderen Kämpfern gepfercht werdet.
Pilot mit Platzangst
Quelle: PC Games
Nicht die hellsten Kerzen auf der Torte: Bis euch die mäßig intelligenten CPU-Gegner im Karrieremodus ansatzweise fordern, müsst ihr etliche Matches abschließen. Immerhin könnt ihr sie mit Erdbeeren bewerfen!
Vor allem zu Beginn jedes Matches sind die diversen Stadt-, Strand- und Industrieszenarien noch mit allerlei Architektur vollgestellt, mit der die eigentlich so zerstörerischen Kampfmaschinen ihre liebe Mühe haben. Gebäude und Felsen zerfallen erst nach mehreren Angriffen, Unebenheiten im Terrain müssen mit stocksteifen Sprüngen überwunden werden, eure CPU-Gegner rücken euch unablässig auf die Pelle und drängen euch in Ecken - Override 2 sorgt für reichlich Klaustrophobie und Chaos im Cockpit. Optisch können die neun Maps immerhin mit Abwechslungsreichtum und Liebe zum Detail punkten, zudem könnt ihr teils levelspezifische Mechaniken aktivieren: Im Wasserkraftwerk elektrisiert ihr per Generator einen Fluss, kleinere Häuser missbraucht ihr als Wurfgeschosse und im sprichwörtlichen Cakeland zieht ihr riesige Gabeln aus der ebenso riesigen Torte.
Neben Levelinventar findet ihr auch immer wieder vom Himmel fallende Waffen-Pickups wie Schwerter, Raketenwerfer, Schrotflinten und sogar Bratpfannen. Wer eine Backpfeife mit dem überdimensionierten Bräter kassiert, ist für einige Augenblicke betäubt, die Shotgun lässt Gegner fliegen und das Schwert verteilt Rundumschläge. So wuchtig die Waffen auch aussehen, so druckvoll sie sich teils anhören - sonderlich effektiv sind sie in den seltensten Fällen. Das liegt einerseits am bereits erwähnten, umständlichen Spielgefühl samt langer Zwangspausen zwischen Attacken, andererseits an der Zähigkeit eurer Kontrahenten. Zwar sind eure Treffer in der Lage, riesige Stahlmonster meterweit durch die Luft zu schleudern, der dabei verursachte Schaden an deren Lebensleiste hält sich jedoch in unbefriedigenden Grenzen. Auch die Ultimate-Fähigkeiten, die ihr in speziellen Zonen auf der Map aufladet, fühlen sich nicht gerade ultimativ an. Eure langsamen Angriffe, die sorgfältig zu timen und auszurichten sind, werden hier schnell zur Geduldsprobe, da ihr sie dutzende Male pro Kampf ausführen müsst.
Größter Pluspunkt des Spiels ist das abwechslungsreiche Design der 20 Helden: vom Gundam-Otaku über den Transformers-Nerd bis hin zum Godzilla-Geek sollte hier jeder Connaisseur der gepflegten Zerstörungsorgie seinen passenden Charakter finden, Tierfreunde greifen unterdessen zu Einhorn-, Gorilla- und Fischrobotern. Technisch macht die Klopperei zumindest in der von uns getesteten PS5-Version eine ordentliche Figur, die Unreal-Engine liefert knackige Farben und hübsche Effekte, Figuren und Umgebungen sind plastisch, Oberflächen wurden mit schicken Spiegelungen veredelt. Auf der PS4 müsst ihr euch hingegen mit Matschtexturen und einer instabilen Bildrate von unter 30fps sowie einer auffällig stockenden Kamera herumschlagen, worunter das ohnehin schon nicht optimale Spielgefühl zusätzlich leidet.
In die Pfanne gehauen
Quelle: PC Games
Effektgewitter: Die Angriffe sind ordentlich in Szene gesetzt, sehen jedoch meistens mächtiger aus, als sie sind.
Bei der aufdringlichen Gegner-KI hat jedoch auch die flüssige Kamera auf der Next-Gen-Maschine keinen leichten Job: die simpel gestrickten CPUs verwenden zwar selten Waffen-Pickups oder ausgefeilte Kampftaktiken, dafür kleben sie euch penetrant an der stählernen Backe und umkreisen euch, bis euch schwindelig wird - Kriegsführung durch Motion Sickness! Ob es in Override 2 denn überhaupt hochkomplexe Taktiken auszutüfteln gäbe, kann mangels menschlicher Sparringpartner nicht abschließend geklärt werden, die extrem ähnliche Spielweise der Charaktere und das seichte Kampfsystem lassen jedoch Zweifel daran aufkommen. Habt ihr im Ligen-Modus eine Figur freigeschaltet, könnt ihr sie mit unspektakulären Accessoires und einer mickrigen Auswahl an Bauteilen verzieren. In der dementsprechend dürftigen Garage oder bei der erfolglosen Suche nach Mitspielern lauscht ihr immerhin einem rockigen, eingängigen Menü-Soundtrack, in den Kämpfen hingegen wird die Musik von ohrenbetäubenden Soundeffekten ertränkt, die ihr dank zäher Gegner nervtötend oft hören werdet. Lediglich die superb vertonte Bratpfanne sorgt immer wieder für Schmunzeln. KLONK!
Override 2 ist für PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series X und Nintendo Switch erhältlich.
