Othercide in der Vorschau: Scheitern ist Programm im düsteren Horror-Taktikspiel
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Auf der PAX East im Februar gab es den ersten Trailer zum kryptischen Strategiespiel mit dem Namen Othercide. Das Indie-Spiel verspricht bockschwere Taktikaction im Stil der XCOM-Reihe. Wir konnten nun durch die ersten Kapitel des Titels durchsterben. Unsere Eindrücke in der Vorschau.
"Das ist das Dark Souls unter den [hier irgendein beliebiges Genre einfügen]-Spielen": Dieser Satz löst bei vielen Spielern mittlerweile ein stechendes Gefühl im Kopf aus, wie es sonst nur der morgendlich immer wiederkehrende Wecker-Klingelton schafft. Nicht wegen fehlender Qualität, die Spiele aus dem Hause From Software sind allesamt überragend. Sobald aber ein anderes Spiel einen gewissen Schwierigkeitsgrad überschreitet, wird ihm mit dem Dark-Souls-Vergleich indirekt die Originalität abgesprochen. Das wird einem Titel wie Othercide aber in keinster Weise gerecht.
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Das Taktikspiel des französisch-schwedischen Studios Lightbulb Crew ist zwar schwer, bedient sich aber ansonsten an keiner weiteren Eigenschaft der Souls-Spiele. Das Gameplay erinnert vielmehr stark an die XCOM-Reihe. Wer sich mit den aktuelleren Teilen von Firaxis beschäftigt hat, wird vor allem bezüglich der Kämpfe und der Missionsstruktur Parallelen erkennen können.
Ansonsten steckt Othercide (jetzt kaufen / 26,99 € ) voller kreativer Ideen, allem voran bei der Geschichte und der Verwendung des Scheiterns als Grundgerüst der Spielerfahrung. Was zusätzlich noch in diesem einzigartigen Titel steckt, und ob der Frustlevel bei dem hohen Schwierigkeitsgrad die 9000er-Marke überschreitet, erfahrt ihr in dieser Hands-on-Preview, für die wir einige Zeit in das Abenteuer hineinspielen durften.
Ein großes Fragezeichen
Quelle: PC Games
Mit bis zu drei Squadmitgliedern könnt ihr die verschiedenen Synapsen in Angriff nehmen. Ein ausgeglichenes Team bringt euch dabei die meisten taktischen Herangehensweisen.
Schon als das erste Material zu Othercide gezeigt wurde, stachen das mysteriöse Setting und das sehr anspruchsvolle Art-Design positiv hervor. Die horrorhaften Monster und fleischigen Abnormitäten sorgen auch in der Anspiel-Version für eine alptraumhafte Atmosphäre und erinnern stark an die Werke Lovecrafts. Vermischt werden diese mit einem eher Anime-ähnliche Stil bei den spielbaren Charakteren, den sogenannten Töchtern. Diese sorgen auch für den einzigen Kontrast in dem ansonsten völlig in schwarz-weiß gehaltenen Othercide. Die rote Erscheinung der Figuren, die bunten Angriffe sowie die Bluteffekte erzeugen eine Diskrepanz, die sehr viel zur Einzigartigkeit der Atmosphäre beiträgt.
Das Meiste davon stammt aus der Feder des leitenden Art-Directors, Alexandre Chaudret. In einem Interview erklärte er, dass er bei der Gestaltung der Spielwelt und der Charaktere maßgeblich von seinen Erfahrungen als Jugendlicher beeinflusst wurde. Eine seltene Krankheit habe ihn damals fast bewegungsunfähig gemacht, so Chaudret, und genau dieses Gefühl der Verzweiflung würde sich auch in der Welt und den Charakteren von Othercide widerspiegeln.
Quelle: PC Games
Die Bosse in Othercide stellen eine extrem schwierige Hürde dar. An den Kämpfen wird man erst etliche Male scheitern müssen, bis man stark genug ist, sie zu bezwingen.
Zur Story von Othercide lässt sich durch bewusst zurückgehaltene Informationen wenig sagen. In den ersten Kapiteln wirft die Geschichte zumindest mit vielen Konzepten und Begriffen um sich: Die rote Mutter, das Kind, die Anderen; ein vermeintlicher Kampf zwischen Gut und Böse, eine Front, welche die Welt zerstören will und eine andere, die sie beschützt. Der kryptische Ansatz der Erzählung ist aber durchaus auch ein Motivationsfaktor.
Mütter, versteckt eure Töchter!
Das rundenbasierte Gameplay von Othercide ist auf der Oberfläche relativ simpel gehalten, bietet jedoch viele taktische Herangehensweisen. Mit bis zu drei Töchtern, unseren exklusiv weiblichen Spielfiguren, stürzen wir uns in die Gefechte. Diese kommen dabei in drei verschiedenen Klassen: Offensive Klingenkämpferinnen, fernkämpfende Seelenschützinnen und standhafte Schildträgerinnen. Jede Klasse hat dabei ihren Nutzen auf dem Schlachtfeld. Schildträgerinnen können mit einem Shield-Bash zum Beispiel Distanzen gut überbrücken und Gegner betäuben, während Klingenkämpferinnen hohen Flächenschaden anrichten. Aktionen und Bewegungen kosten eure Spielfiguren Aktionspunkte. Zu Beginn des Zuges stehen dabei 100 Punkte zur Verfügung.
Quelle: PC Games
Im „Tiefsten Inneren“ können Töchter geopfert werden, um verletzte Mitstreiterinnen zu heilen. Das gestaltet sich aber als sehr umständlich, da die Töchter den gleichen Level haben müssen.
Die Kämpfe laufen im Rahmen eines dynamischen Zeitleisten-Systems ab. Dieses bietet eine gute Übersicht über das Kampfgeschehen. Verrutscht eine Figur durch die Veränderung des Initiativewerts zum Beispiel auf der Leiste, ist dies immer sehr gut zu erkennen.
Außerhalb der Kämpfe befindet ihr euch in einer Art Hub-Welt. Von dort aus könnt ihr Kämpfe, genannt Synapsen, wie etwa Jagd- und Rettungsmissionen, starten. Für den erfolgreichen Abschluss erhaltet ihr Blutfragmente und Wiederbelebungstoken. Diese können im sogenannten "Tiefsten Inneren" benutzt werden, um gefallene Töchter am Friedhof wiederzubeleben oder neue im Gebärbecken auszukeimen (ja ihr habt richtig gelesen, auskeimen). Nach erfolgreichen Level-ups können die Töchter hier auch mit neuen Fähigkeiten ausgerüstet werden. Sollten eure Töchter während der Kämpfe zu viel Schaden genommen haben, können sie über ein Opfer geheilt werden. Dies ist jedoch eher umständlich, da die geopferte Tochter den gleichen Level haben muss. Das ist zu Beginn des Playthroughs nur schwer umzusetzen.
Auf ein Neues!
Quelle: PC Games
Auf den Schlachtfeldern habt ihr sank der Zeitleiste immer einen guten Überblick über das Geschehen. Bloß die schiere Überzahl an Gegnern macht die Missionen eher zu einem Krampf.
Die verschiedenen Kapitel werden in Othercide als Ären bezeichnet. Hier habt ihr jeweils sieben Tage Zeit, den Boss zu besiegen. Auf der Leiste könnt ihr nur voranschreiten, sobald ihr mindestens eine Synapse bezwungen habt. Am letzten Tag muss man sich dem Boss stellen und hat keine Möglichkeit mehr, andere Aufgaben zu erledigen. Der Clou hierbei ist aber: Der Endgegner ist für euch unbesiegbar. Also wirklich. Spätestens, sobald man diesen erreicht, ist euer Abenteuer vorbei. Passiert das, wird der Fortschritt in der Ära zurückgesetzt. Das ist in Othercide aber auch so vorgesehen, denn eure Ressourcen und der Levelfortschritt der gefallenen Töchter werden in die sogenannte nächste Evokation mitgenommen. Dort können die Figuren dann notfalls wiederbelebt werden. Das bedeutet aber konkret: nach jedem Scheitern müsst ihr das Kapitel von vorne beginnen.
Dieses Konzept ist zwar einzigartig, kann aber schnell für Frustmomente sorgen. Die Kämpfe fühlen sich teilweise extrem unfair an, da man so gut wie immer total übermannt wird und die Gegner immensen Schaden anrichten können. Hier läuft Othercide auch sehr schnell Gefahr auf, repetitiv zu werden. Das Durchspielen des immergleichen Kapitels könnte für viele Spieler abschreckend wirken. Ob sich am Balancing noch was ändert und was uns an weiteren Spielelementen noch erwartet, erfahren wir, wenn es am 28. Juli für PC, PS4 und Xbox One erscheint.
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