Ori and the Will of the Wisps im Test: Meisterhaftes Metroidvania-Märchen

Test Felix Schütz
Ori and the Will of the Wisps im Test: Meisterhaftes Metroidvania-Märchen
Quelle: Microsoft Studios

Das erwartete Meisterwerk: Ori and Will of the Wisps spielt sich wunderbar, die Geschichte rührt zu Tränen, die Präsentation ist umwerfend. In vielen Punkten zieht Oris neues Abenteuer sogar an seinem exzellenten Vorgänger vorbei - doch perfekt ist das Spiel trotzdem nicht, vor allem die Xbox-One-Fassung machte uns im Test sorgen. Im Review zu Will of the Wisps klären wir die Details.

Dafür bietet Will of the Wisps aber endlich, was dem Vorgänger noch komplett fehlte: toll inszenierte Bosskämpfe! Die fallen anfangs noch simpel aus, geraten später aber überraschend fordernd - wer da nicht präzise zuschlägt, blitzschnell ausweicht und die Angriffsmuster lernt, muss sich spätestens beim Endboss auf eine Tracht Prügel gefasst machen. Darum unser Tipp: Nehmt euch zwischendurch immer wieder Zeit, um ausgiebig die Welt zu erkunden und so viele Lebens- und Energiepunkteverbesserungen wie möglich einzusammeln! Damit habt ihr es gerade in den späteren Bossgefechten deutlich leichter.
Anders als im Vorgänger gibt's diesmal auch richtige, zum Teil toll inszenierte Bosskämpfe.  Quelle: PC Games Anders als im Vorgänger gibt's diesmal auch richtige, zum Teil toll inszenierte Bosskämpfe.  Wie im Vorgängerspiel erwarten euch außerdem wieder mehrere durchgeskriptete Sequenzen, in denen ihr so schnell wie möglich vor einem gewaltigen Gegner, einer Flutwelle oder dergleichen fliehen müsst. Diese Szenen sind ähnlich packend und dramatisch wie in Blind Forest, fallen gefühlt aber etwas kürzer und verzeihender aus - die meisten schafften wir schon im zweiten oder dritten Anlauf. Nur ein Abschnitt, in dem Ori vor einem riesigen Sandwurm flüchten muss, ist für unseren Geschmack etwas zu lang und ungenau geraten - es war die einzige Szene, die uns im Test fluchen ließ.

Sammeln, suchen und verbessern

Erkunder und Entdecker bekommen diesmal mehr zu tun als im letzten Teil. Ori sammelt beispielsweise keine Erfahrungspunkte mehr und auch die drei Talentbäume wurden gestrichen. Stattdessen müsst ihr die Welt nun nach Scherben absuchen oder euch beim passenden Händler damit eindecken. Scherben dürft ihr jederzeit in freie Slots einsetzen, dadurch verleihen sie euch mächtige passive Vorteile: Ein Magnet für Geisterlichtbeute, Schadensboni, ein extrem nützlicher Dreifachsprung (Tipp: so früh wie möglich freischalten!) und vieles mehr sammelt sich im Laufe der Zeit in eurem Inventar an. Was ihr nutzt, ist euch überlassen - wer mag, kann beispielsweise vor kniffligen Bossen alles in Schaden und Lebenskraft pumpen, das verschafft euch einen klaren Vorteil im Kampf.

Das flexible Scherbensystem ersetzt die Talentbäume aus dem ersten Teil. Quelle: PC Games Das flexible Scherbensystem ersetzt die Talentbäume aus dem ersten Teil. Die Scherben liefern dadurch besondere Anreize, auch die letzten Winkel der wunderschönen Spielwelt zu erkunden und jedes Secret aufzudecken. Ihr findet aber natürlich noch weiteres Zeug, etwa Pflanzensamen oder Erze, die ihr zu unterschiedlichen NPCs bringen könnt - denn anders als im Vorgänger trifft man nun auf eine Vielzahl liebenswerter Charaktere, die Ori unter die Arme greifen. So dürft ihr beispielsweise in einem Tal neue Pflanzen anbauen, die ihr dann zum Klettern verwenden könnt, um damit Wege abzukürzen. Oder ihr helft einem Handwerker dabei, neue Hütten zu errichten, damit sich weitere NPCs in einem Dorf ansiedeln. Das alles ist zwar ausgesprochen liebenswert, hat spielerisch aber leider nur wenig Auswirkungen - hier hätten sich die Entwickler ruhig noch mehr einfallen lassen können.

Neu: Nebenquests und NPCs

Immerhin kommen aber noch weitere Nebenquests hinzu, die euch regelmäßig von der Hauptaufgabe weglocken. Beispielsweise gibt es mehrere Schreine in der Spielwelt, an denen ihr Spirit Trials absolvieren könnt, das sind kurze, optionale Wettläufe gegen die Zeit, bei denen ihr so schnell und geschickt wie möglich einen Zielpunkt erreichen müsst. Eure Bestzeiten dürft ihr dann mit anderen Spielern vergleichen. Eine nette Ergänzung, die aber glücklicherweise nie zur Pflicht wird: Wer keine Lust darauf hat, kann die Speed Trials einfach ignorieren.
Im Spielverlauf trefft ihr viele liebenswerte Charaktere wie diesen Kartenhändler. Quelle: PC Games Im Spielverlauf trefft ihr viele liebenswerte Charaktere wie diesen Kartenhändler. Die restlichen Aufgaben sind eng um die vielen Charaktere gestrickt, denen Ori unterwegs begegnet. Für einen Waldbewohner sollen wir beispielsweise eine Trophäe bergen, für einen anderen dagegen einen hübschen Hut besorgen. Die längste Questreihe erinnert uns deutlich an das Zelda-Abenteuer Link's Awakening: Hier müssen wir eine ganze Reihe von NPCs abklappern, die kreuz und quer über der Map verteilt sind. Dabei erhalten wir jedes Mal einen neuen Gegenstand, den wir dann für unsere nächste Station brauchen. Eigentlich eine grundsympathische Aufgabe, die an einer Stelle aber ziemlich abwegig wird. Der Effekt: Wir suchten viel zu lange nach dem richtig Tauschpartner, obwohl der eigentlich schon die ganze Zeit vor unserer Nase hockte - einer der wenigen frustrierenden Momente im Test. Immerhin sorgt aber ein bequemes Schnellreisesystem dafür, dass man sich allzu lange Laufwege sparen kann, das machte selbst die zeitaufwändige Suche erträglich.

Anders sah es bei einer optionalen Nebenquest aus, die wir aufgrund eines Rätsels bislang nicht abschließen konnten - da half auch keine Schnellreise mehr. Ob es hier einfach an Hinweisen im Spiel mangelt oder ob sogar ein Bug die Ursache ist, konnten wir bislang nicht zweifelsfrei klären. Hier warten wir noch auf eine Antwort der Entwickler.

Update: Eine Antwort haben wir zwar nicht erhalten, aber mittlerweile hat sich die Lösung auf anderem Wege gefunden. Das Puzzle ist zwar nicht verbuggt, aus unserer Sicht aber ziemlich missglückt, da die Lösung weder optisch noch im Dialog mit einem NPC ausreichend vermittelt wird. Hier wären mehr Hinweise nötig gewesen, zumal das Rätsel in dieser Form nie wieder im Spiel (oder im Vorgänger) vorkommt.

Bugs und Performance auf Xbox One X

Im Test bereitete uns Oris Technik noch ordentlich Kopfzerbechen. Die Xbox-One-Version, die uns zuerst erreichte, hatte selbst auf der pfeilschnellen Xbox One X mit heftigen Performance-Einbrüchen zu kämpfen, in manchen Szenen fror das Bild sogar kurzfristig ein. Auch die Übersichtskarte wurde nur mit einer nervigen Verzögerung geöffnet und hin und wieder schienen Einzeichnungen (z.B. wichtiger NPCs) nicht an der richtigen Stelle zu sitzen. Auch woanders zeigten sich kleine Fehler, etwa als ein schlafender Bär nicht wie geplant auf dem Boden lag, sondern am oberen Bildschirmrand klebte. Hinzu kamen sehr seltene Bugs wie Aussetzer im Sound, kleine Grafikfehler oder nicht erkannte Eingaben.
Der Geisterbogen ist nützlich im Fernkampf und kommt auch in einigen Rätseln zum Einsatz. Quelle: PC Games Der Geisterbogen ist nützlich im Fernkampf und kommt auch in einigen Rätseln zum Einsatz.

Irgendwann waren wir uns sicher, die Xbox-One-Version um einen Punkt abzuwerten. Doch dann ließen die Entwickler zwischenzeitlich kleine Updates folgen, die bereits spürbare Verbesserungen zeigten, beispielsweise lässt sich die Map nun ohne Verzögerung öffnen, die Ruckler sind seltener und der dicke Bär hockt nun auch brav am Boden. Damit spielt es sich zwar immer noch nicht perfekt, aber schon wesentlich angenehmer - eine drastische Abwertung ist da aus unserer Sicht nicht mehr gerechtfertigt. Zum Release erscheint außerdem noch ein großer Day-1-Patch, der weitere Bugs beheben und die Performance verbessern soll. Es ist also gut möglich, dass ihr von all diesen Schnitzern gar nichts mitbekommt, wenn ihr das Spiel ab 11. März startet und das erste Update installiert. Wir werden uns die Xbox-One-Fassung nach Release in jedem Fall nochmal genauer anschauen und hier darüber berichten.

Update: Mit dem Releasepatch wird die Performance auf den Xbox-Konsolen spürbar verbessert, so rund wie die PC-Fassung läuft sie aber noch nicht. Auch nach dem Patch kommt es zu Leistungseinbrüchen oder langsam nachladenden Levelbausteinen, allerdings deutlich seltener als zuvor. Auf Xbox One S leidet die Optik unter der niedrigeren Auflösung, das Bild wirkt im Vergleich zu PC und Xbox One X sichtbar verwaschen.

Die PC-Fassung erreichte uns zwar einige Tage nach der Xbox-One-Testversion, machte dafür aber gleich einen deutlich runderen Eindruck - hier war der Day-1-Patch nämlich bereits enthalten. Dabei probierten wir (dank Crosssave-Funktion) auch unsere Savegames von der Xbox One aus und erkundeten so sämtliche Gebiete einfach nochmal. Unser Eindruck: Auch auf Mittelklasse-Systemen läuft Will of the Wisps so flüssig und problemlos, wie wir das von Ori mittlerweile kennen und erwarten, auch sind uns hier keine gravierenden Fehler aufgefallen.

Ori and the Will of the Wisps (jetzt kaufen 29,99 € ) ist seit 11. März 2020 für PC und Xbox One erhältlich. Die PC-Fassung gibt's auch über Steam, der Preis liegt bei 30 Euro. Kleiner Tipp für Sparfüchse: Ori and the Will of the Wisps ist auch im Xbox Game Pass enthalten.

NEU: Die Switch-Umsetzung von Will of the Wisps im Test

Die überraschend veröffentlichte Switch-Umsetzung von Ori and the Will of the Wisps kommt ein halbes Jahr nach den PC- und Xbox-One-Fassungen. Inhaltlich sind die Spiele identisch, grafisch wurden aber ein paar geringe Anpassungen vorgenommen. Im Docked-Modus läuft Ori mit 900p, im Handheld-Modus löst das Spiel mit 720p auf. In beiden Modi werden 60 Bilder pro Sekunde angepeilt, nach unseren ersten fünf Spielstunden scheint es, als würde dieser Wert auch die meiste Zeit über erreicht. Hier und da machen sich zwar kleinere Leistungseinbrüche bemerkbar, in der Praxis stören sie aber kaum. Heftigere Ruckler wie in der ursprünglichen Xbox-One-Testfassung konnten wir bislang nicht ausmachen. Mit anderen Worten: Ori spielt sich -wie schon sein Vorgänger - auch auf der Switch hervorragend! Allerdings ist uns das Spiel im Test bereits in den ersten Stunden zwei Mal sang- und klaglos abgestürzt. Das ist aufgrund der meist großzügig verteilten Checkpoints zwar kein Weltuntergang, trübt den Eindruck aber doch deutlich - zumal schon die Xbox-One-Fassung bei Release mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte. Da muss noch ein Patch her.

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Optisch ist die Switch-Umsetzung zwar sehr nahe an den Originalfassungen, doch im Detail fallen kleine Kompromisse auf. Die Qualität der Tiefenunschärfe wurde anscheinend zurückgeschraubt, außerdem sind einige der 2D-Elemente im Vor- oder Hintergrund (z.B. Äste, Bäume, Geröll usw...) deutlich niedriger aufgelöst als auf PC und Xbox One. Dadurch wirken einige Details schlicht unscharf oder pixelig, was sich vor allem in Bewegung bemerkbar macht, gerade hier fallen immer wieder aufpixelnde, selten auch flackernde Kanten auf. Das ist unterm Strich zwar verschmerzbar, im Vergleich zur nahezu perfekt abgestimmten Optik der Originalfassungen aber ein kleiner Rückschritt. Trotz allem bleibt die umwerfende Atmosphäre aber auch auf der Switch erhalten, so dass Ori auch hier seine Wirkung voll entfalten kann. Will of the Wisps ist und bleibt ein ungeheuer stimmungsvolles, grafisch beeindruckendes Metroidvania, daran können auch ein paar Pixelkanten und Matschobjekte wenig ändern.

Wertung und Fazit

Meinung

Wertung zu Ori and the Will of the Wisps (PC)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Ori and the Will of the Wisps (XBO)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Ori and the Will of the Wisps (NSW)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Umwerfende PräsentationZusammenhängende, abwechslungsreiche Welt mit zig Secrets und SammelkramGewohnt geschliffenes Metroidvania-GameplayKämpfe im Vergleich zum ersten Teil spürbar aufgewertetToll inszenierte Bosskämpfe10 bis 15 Stunden SpielzeitSpannende FluchtsequenzenSympathische Nebenquests und liebenswerte NPCsPraktische SchnellreiseScherbensystem bietet mehr Freiheiten als im VorgängerBrillanter SoundtrackFaire RücksetzpunkteDrei SchwierigkeitsgradeOptionale Spirit TrialsStory knüpft gelungen an Blind Forest an
Die meisten Fähigkeiten sind aus dem Vorgängerspiel bekanntManche der neuen Skills (Energielasso, durch Sand wühlen) fallen etwas hakelig ausZwei schlecht erklärte Nebenquests arten in Sucherei ausEinige Zusatzaufgaben (Dorf ausbauen, Pflanzen anlegen) haben wenig AuswirkungenEinige nutzlose Waffen und ScherbenEine Fluchtsequenz birgt etwas FrustgefahrBugs und Performance-Probleme in der Xbox-One-X-Testversion (ohne Releasepatch, wurde teilweise schon verbessert)Switch-Fassung mit gelegentlichen AbstürzenGrafisch kleinere Rückschritte auf der Switch
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