One Piece: Pirate Warriors 4 im Test: Spaßig und unterhaltsam, solange man das Hirn ausschaltet
Test 33,99 €
Der vierte Teil der Pirate-Warriors-Reihe konzentriert sich auf die aktuellen Ereignisse der Anime-Vorlage und konfrontiert uns (endlich) mit zwei der gefürchteten Kaiser des One-Piece-Universums: Big Mom und Kaido. Wir klären in unserem Test, wie das Prügelspiel im Vergleich zu den Vorgängern abschneidet und warum der Spaß erst so richtig einsetzt, wenn wir unser Hirn auf Standby schalten.
Die Geschichte rund um den beliebten Strohhut-Piraten Monkey D. Ruffy ist ohne Frage der König der japanischen Anime- und Mangakultur. Zwar ist der ikonische Gummimensch seinem Ziel, König der Piraten zu werden, seit 1997 ein ganzes Stück näher gekommen, auf seiner Reise gibt es aber noch den ein oder anderen ganz dicken Fisch zu bezwingen. Fünf Jahre nach dem Vorgänger dürfen wir uns nun endlich in die aktuellen Ereignisse der Anime- und Mangavorlage stürzen und uns gleich zwei der vier gefürchteten Kaiser der One-Piece-Meere stellen: Big Mom und dem "Bestien-König" Kaido, der als stärkstes Lebewesen des Universums gilt. Musou-Entwickler Koei Tecmo verspricht mit dem aktuellsten Ableger einige Neuerungen, die das etwas angestaubte Musou-Spielprinzip auffrischen sollen: spannende Boss-Fights, neue spielbare Charaktere und natürlich noch viel größere Gegnermengen als je zuvor. Doch wie gut funktioniert das? Und schaffen es die Änderungen, die Pirate-Warriors-Reihe auf ein neues Level zu hieven?
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20 Jahre One Piece in einem Spiel?
Quelle: KAZÉ
Die Geschichte rund um Strohut Ruffy ist der beliebteste und erfolgreichste Manga aller Zeiten.
In One Piece: Pirate Warriors 4 werden uns die besten Momente der gesamten One-Piece-Geschichte versprochen. Wir dürfen noch einmal in den ersten großen "Arc" rund um Crocodile, Prinzessin Vivi und Alabasta eintauchen, retten daraufhin Nico Robin aus den Fängen der CP-9 in Water Seven und erleben selbst die Ereignisse auf dem Sabaody Archipel - vor und nach dem zweijährigen Zeitsprung der Handlung. Dabei spielen wir selbst jedoch nicht die ganzen Ereignisse, viel mehr konzentriert sich der neueste Ableger auf all die Highlights der letzten 20 Jahre. Das ist zwar ganz nett, jedoch sind ungefähr 80 Prozent der Missionen in One Piece: Pirate Warriors 4 schon in den Vorgängern ausgiebig abgearbeitet worden und somit wenig reizvoll für Fans der Reihe oder des Anime. Die restlichen Missionen punkten jedoch mit (für die Spieleserie Pirate Warriors) hübschen Umgebungen und kreativen Missionsideen. Abgesehen davon profitieren diese natürlich auch sehr stark von ihrer Aktualität. So nah war die Reihe noch nie an den Ereignissen aktueller Manga-Ausgaben.
So ist der gesamte "Whole-Cake-Island"-Arc rund um Big Mom spielbar, aber auch die Events im Samurai-Land Wa No Kuni, die uns mit niemand geringerem als Kaido konfrontieren. Die zwei Orte setzen sich stark von den vorherigen Umgebungen ab. Auf Whole Cake Island stellen sich uns zum Beispiel ständig Bäume in den Weg, wodurch wir gezwungen sind alternative Pfade zu nutzen. Das klingt wenig spannend. Für das sehr simple Spielprinzip der Pirate-Warriors-Reihe bringt das aber schon ein wenig mehr Dynamik. Zusätzlich gefällt die musikalische Untermalung in den neuen Missionen um einiges besser als im restlichen Spiel. Es ist aufregend, endlich Wa No Kuni zu erreichen und für ordentlich Chaos zu sorgen. Das ist nämlich ebenfalls ein netter Zusatz. Beinahe die komplette Umgebung lässt sich durch die Gegend schlagen und so bekommen wir als Spieler ein tolles Feedback für die abartig starken Attacken unserer Charaktere. Und das ist ziemlich gut, One Piece: Pirate Warriors 4 (jetzt kaufen 24,91 € / 33,99 € ) bietet nämlich viele neue Charaktere.
Viel Futter für Fans?!
Quelle: Bandai Namco
Endlich sind Fanlieblinge wie die Vinsmoke-Geschwister Teil der spielbaren One-Piece-Charaktere.
Wie für das Genre üblich bedeutet ein neuer Teil in erster Linie natürlich neue spielbare Charaktere. Zu denen reihen sich neben Big Mom und Kaido unter anderem noch Fanlieblinge wie Katakuri oder die Vinsmoke-Geschwister. Viel Content hat der Titel also allemal. Möchte man nämlich jeden Charakter freischalten und die Handlung abschließen, so braucht es ungefähr 40-45 Spielstunden. Im ersten Moment klingt das nach fröhlichen Fangesichtern. Das stimmt zwar teilweise, dafür sollten aber zuallererst die Erwartungen nicht allzu hoch sein und des Weiteren das Gehirn im Standby-Modus. Wieso? Weil neben der Stärke der Reihe, dem Verkloppen tausender Gegner, nicht wirklich viel übrig bleibt. Die Präsentation der Geschichte ist ermüdend und minimalistisch. Zwar wurde sich durchaus Mühe gegeben, den beliebten "One-Piece-Flair" einzufangen, doch die altbackenen Animationen und die matschig aussehende Grafik erschweren den Spielgenuss. Das ist für Kenner der Reihe vermutlich wenig überraschend, im Jahr 2020 aber doch etwas enttäuschend. So spannend und emotional nämlich die vielen Ereignisse auch sind, in One Piece: Pirate Warriors 4 hat kaum einer dieser Momente die selbe oder gar eine vergleichbare Schlagkraft wie die Momente in der Vorlage. Dazu muss auch gesagt werden: Wer Neueinsteiger im One-Piece-Universum ist, der wird recht wenig von der Handlung verstehen. Dafür werden zu häufig Charaktere in den Raum geworfen, ohne dass ein Außenstehender Kontext aufbauen kann. Das im Hauptmenü auffindbare Glossar ist zwar praktisch, sich kleine Details noch einmal näher zu bringen, jedoch sind wir mal ehrlich: auch ganz schön öde. Eine kreativere und schlicht schönere Präsentation hätte der gesamten Spielerfahrung enorm geholfen. Doch der Fokus für Fans liegt natürlich nicht bei der Inszenierung und der Handlung, sondern bei den spaßigen Riesenschlachten und den vielen unterschiedlichen Charakteren.
Hirnlose Piratenklopperei
Quelle: PC Games
Je größer die Charaktere, desto größer die Zerstörung. Kaido sollte in beiden Hinsichten an der Spitze der Tabelle sein.
Jeder weiß, das Herz von Musou-Titeln sind die vielen unterschiedlichen Charaktere. Da macht One Piece: Pirate Warriors 4 einen besonders guten Job. Das liegt natürlich unter anderem an dem kreativen One-Piece-Universum, aber auch an einer guten Umsetzung der Spielfiguren. Insgesamt bietet der Prüger nämlich 34 Spielcharaktere, die alle in vier verschiedene Klassen eingeteilt sind: Kraft, Geschwindigkeit, Technik und Himmel. Unser Protagonist Monkey D. Ruffy gehört natürlich zur Stärke-Klasse. Schiffskoch Sanji hingegen ist eigentlich ein Typ der Klasse Geschwindigkeit, jedoch nach dem zweijährigem Zeitsprung nicht mehr. Dann wandelt sich Sanji aufgrund seines ikonischen "Sky Walk"-Kampfstils in eine Himmels-Klasse. Jeder Charakter spielt sich unterschiedlich. Big Mom und Kaido sorgen allein aufgrund ihrer Körpergröße für absolutes Chaos, was kaum zu vergleichen ist mit einer Schlacht, bei der wir uns zum Beispiel für den kleinen Tony Chopper entscheiden. Man kann sich sehr schön in jeden Charakter "reinfuchsen" und seinen ganz eigenen Stil kreieren. Dabei hilft enorm das spaßige Skillsystem.
Quelle: PC Games
Die Fertigkeitsbäume in One Piece: Pirate Warriors 4 sind eine der großen Stärken. Man spürt richtig schön die Entwicklungen der Charaktere über den Spielzeitraum.
Einerseits haben wir nämlich eine Schatzkarte, mit der wir die Fähigkeiten aller Helden verbessern, aber auch für jeden Charakter ganz individuelle Karten. Wie gut wir eine Mission abschließen entscheidet über unseren Gewinn an Berries (Geld in One Piece) und Münzen, die wir daraufhin bekommen. Diese lassen sich dann auf den unterschiedlichen Schatzkarten investieren. Über den gesamten Spielzeitraum bekommen wir dadurch ein sehr gutes Gefühl dafür, wie die Charaktere an Kraft gewinnen. Mit der Zeit schalten wir nämlich immer neue Spezialattacken frei. Ruffy nutzt in den ersten Spielstunden noch sein "Gear 2" als Ass im Ärmel, später schlüpfen wir sogar per Knopfdruck ganz einfach in die gefürchteten Formen des "Gear 4 Snakeman" oder des "Gear 4 Boundman" Spätestens ab diesem Punkt wird eine Mission in One Piece zur monströsen Prügelsause. Hier sollten Fans durchaus viel Freude haben mit One Piece: Pirate Warriors 4.
Wer braucht schon Fortschritt
Quelle: PC Games
Die Outfits in One Piece sind eine große Enttäuschung. Mit viel sollte hier niemand rechnen. Schade!
Leider gibt es auch jede Menge Frust. Enttäuscht sind wir von den Charaktermodellen, die sich gefühlt seit dem ersten Teil kaum weiterentwickelt haben. Große Entwicklungen sucht man mit der Lupe. Seit dem ersten Teil der Reihe können wir neben Attacken auch eine "Provokation" ausführen. Die wirken im Gefecht sehr unsinnig und sind zusätzlich oft auch einfach enttäuschend umgesetzt. Ist das bei Ruffy, der seinen ikonischen Strohhut aufsetzt, oder Garp, der seinen Mantel wirft, noch recht gut, so ist es bei anderen Charakteren eigenartig und deplatziert. Warum setzt Nami mitten im Gefecht eine Brille auf? Wer die Antwort darauf hat, wird hiermit ganz offiziell in die Kommentarsektion gebeten (danke!). Darüber hinaus sind wir auch enttäuscht über die wenigen Outfits im Spiel. In 20 Jahren One Piece kamen da nämlich einige zusammen und etwas mehr Abwechslung wäre schön gewesen. Ruffy hat da noch die meisten Kleidungsstücke, die etwas unbekannteren Mitglieder der Strohutbande gehen da aber schon auffällig leer aus. Und um das nochmal zu betonen: wir haben bereits auf die schwache Entwicklung bei den Charaktermodellen hingewiesen, wodurch die Outfit-Wahl von Koei Tecmo noch mehr Fragezeichen aufwirft.
Quelle: PC Games
Die Bossfights bringen zwar Abwechslung in das verstaube Spielprinzip, die Kamera macht sie aber auch sehr ermüdend.
Auch enttäuschend ist die nervige Kamera. Es ist nämlich ganz egal, für was für einen Charakter wir uns entscheiden. Ob groß oder klein, wir sehen ihn schlicht viel zu häufig nicht auf dem Bildschirm. Das wird dann besonders nervig bei den neuen Bossfights. Da noch einen Überblick zu behalten ist kaum möglich. Aber am Ende ist das im kompletten Spiel auch egal, solange wir auf die Knöpfchen kloppen. Wirklich gefordert ist man nur sehr selten. Einmal nicht die perfekte "S"-Wertung bekommen, ist da schon das höchste der Gefühle. Taktik wird so gut wie nie von uns abverlangt, es ist nur wichtig, dass wir tausende von leblosen Gegnern besiegen. Das ist zwar eine Kritik, aber komischerweise auch die Stärke der Pirate-Warriors-Reihe. Schalten wir unseren Kopf aus und genießen die dynamischen Kampfstile der vielen Charaktere, dann macht das sogar irgendwie Spaß. Und am Ende geht es doch eigentlich genau darum.
