Olija: Retro-Charme trifft auf vermeidbare Fehler - unser Test

Test Stefan Wilhelm Lukas Schmid
Olija: Retro-Charme trifft auf vermeidbare Fehler - unser Test
Quelle: PC Games

Ist das noch Retro oder schon antik? Olija nimmt uns mit auf eine Zeitreise zu den Ursprüngen der Videospiele. In unserem Test klären wir, ob da 2D-Abenteuer im Pixelart-Look noch mehr zu bieten hat als Reminiszenzen und an welchen Stellen es hakt.

Jump & Run | Nahezu 40 Jahre liegt die Zeit schon zurück, in der Videospiele noch keine Multimillionen-Dollar-Produktionen mit Multimillionen-Dollar-Marketing waren, in der Spielekonsolen mit Holz verkleidet waren und Computer aussahen wie Brotkästen, in der virtuelle Abenteuer auf Disketten mit wenigen Kilobyte Speicher Platz fanden, die auf dem Schulhof getauscht wurden. Entwickelt wurden diese Abenteuer dabei selten von großen Studios, sondern häufig von leidenschaftlichen Nerds in ihren Kellern und Garagen. In dieses Frühstadium des Mediums versetzt euch Olija zurück, das erste größere Projekt der Skeleton Crew Studios aus Kyoto.

Ein kurzes, bodenständiges 2D-Adventure, das sich bewusst spartanisch präsentiert, um an Genre-Vertreter wie Prince of Persia (1989) und Another World zu erinnern, und das im Kern von einem einzigen Entwickler geschaffen wurde.

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Die Geschichte beginnt in der Kajüte des jungen Barons Faraday, der mit seiner notleidenden Bevölkerung an Bord eine Seefahrt in unbekannte Gewässer antritt, um nach neuem Lebensraum zu suchen. Es kommt, was kommen muss: Faraday und seine tollkühne Crew geraten in einen Sturm, der das Schiff mit Mann und Maus absaufen lässt. In den Fluten zeichnen sich noch Umrisse eines gewaltigen Wals ab, ehe ihr in einem Meer aus Trümmern versinkt. Wenig später erwacht ihr auf einer fremden Insel, die nicht nur von blutrünstigen Einheimischen, sondern auch von schwarzen Schleimkreaturen bevölkert wird. Die Mission: eure Mannschaft wiederfinden und aus dieser Hölle entkommen!

Frei von den Sünden der Vergangenheit

Das karge Dorf Eichenflut baut ihr nach und nach wieder auf, indem ihr Ressourcen sammelt und Crewmitglieder rettet.  Quelle: PC Games Das karge Dorf Eichenflut baut ihr nach und nach wieder auf, indem ihr Ressourcen sammelt und Crewmitglieder rettet.  Die spartanische Präsentation des Spiels fällt ab der ersten Spielsekunde ins Auge: Selbst für ein Werk im 2D-Retro-Stil ist Olija arg pixelig. Die Quadrate, aus denen die Gesichter der Figuren bestehen, könnt ihr an einer Hand abzählen, selbiges gilt für Kleidung und Waffen. Eure Umgebung ist voller grobkörniger Linien, die keine Kantenglättung der Welt wieder geradebügeln könnte. Für Gamer, die erst nach den Achtzigern eingestiegen sind, ist der Stil zweifelsfrei gewöhnungsbedürftig! Eine derart heruntergefahrene Optik lag damals in der mangelnden Rechenleistung begründet, heutzutage kann ein Spiel wie Olija den kantigen Stil mit allerlei "modernen" Extras verfeinern: Zwar ist kaum erkennbar, welchen Haarschnitt euer Held trägt, die Pixel-Frisur weht aber immerhin elegant im Wind. Hintergründe sind grob gezeichnet, aber mit Schattierungen, waberndem Nebel und Wolken weit entfernt von den einfarbigen Flächen eines Prince of Persia. Animationen sind simpel, aber flüssig, Levels scrollen sauber und von einer grausig-hakeligen Steuerung, die viele Klassiker aus der Epoche heutzutage ungenießbar macht, bleibt ihr ebenfalls verschont.

Eure Hauptgegner, die ansässigen Wilden, sind größtenteils schnell besiegtes Kanonenfutter.  Quelle: PC Games Eure Hauptgegner, die ansässigen Wilden, sind größtenteils schnell besiegtes Kanonenfutter.  Ihr steuert Faraday präzise und direkt durch allerlei zweidimensionale Wälder, Gruften und Tempelanlagen, absolviert einfache Sprungpassagen und bekämpft mit einem überschaubaren Waffenarsenal eine überschaubare Gegnerpalette. Beim Levelaufbau bedient sich Olija nicht beim im Indie-Sektor allgegenwärtigen Zufallsgenerator und auch nicht beim Metroidvania-Prinzip, sondern schickt euch durch handgemachte, relativ lineare Abschnitte. Nach dem kurzen, aber drögen Anfang des Spiels, mit sehr niedrig angesetztem Schwierigkeitsgrad und arg simplem Leveldesign, findet ihr euer wichtigstes Hilfsmittel zum Durchqueren des Feindgebiets: eine verfluchte Harpune, mit der ihr nicht nur im Nah- und Fernkampf austeilt, sondern euch auch zu bestimmten Orten in der Spielwelt teleportieren könnt. Seht ihr schwarze Augäpfel, Kisten oder Gegner auf einer sonst unerreichbaren Plattform, werft ihr die mit gelbem Stoff ummantelte Lanze per Tastendruck und warpt euch dann an ihren Landepunkt.

Gestatten, Olija: In kurzen Einlagen werbt ihr um die Gunst der titelgebenden Königin – mit dem Schwert oder mit der Blume. Quelle: PC Games Gestatten, Olija: In kurzen Einlagen werbt ihr um die Gunst der titelgebenden Königin – mit dem Schwert oder mit der Blume. Ihr könnt zwar nur in acht Richtungen zielen und müsst euch bei allem dazwischen auf eine Auto-Aim-Funktion verlassen, die erfüllt ihren Job jedoch meist zuverlässig. In Gefechten schwingt ihr die immer ausgerüstete Harpune, die Fäuste oder eine von vier Sekundärwaffen, die ihr im Laufe des Spiels aufsammelt. In der Theorie könnt ihr eurer Arsenal neben Standartangriffen vielseitig einsetzen: Da ihr jede Attacke mit einer Richtungseingabe kombinieren könnt, feuert ihr etwa mit der mächtigen Donnerbüchse in den Boden, um euch vom Rückstoß hochschleudern zu lassen. Martialisch und elegant! Per Uppercut lasst ihr Gegner fliegen, um sie dann in der Luft mit der Harpune aufzuspießen und euch zur Fortsetzung der Combo gleich hinterherzuwarpen. Auch eine Ausweichrolle habt ihr in petto, mit der ihr dank einiger Millisekunden Unverwundbarkeit auch direkt durch feindliche Hiebe und Schüsse huscht.

Wo Devolver als Publisher fungiert, darf Pixel-Splatter nicht fehlen.&nbsp; <br> Die Donnerbüchse hinterlässt hier blutige Klumpen. <br> &nbsp; Quelle: PC Games Wo Devolver als Publisher fungiert, darf Pixel-Splatter nicht fehlen. 
Die Donnerbüchse hinterlässt hier blutige Klumpen.
 
In der Praxis ist all das jedoch sehr selten nötig. Die meisten der wenigen Gegnertypen, die euch in die Quere kommen, rücken euch im Nahkampf auf die Pelle und sind sehr leicht mit langen Schlagkombinationen kleinzukriegen. Erst spät im Spiel werdet ihr gezwungen, euer überraschend umfangreiches Repertoire auch einzusetzen. Dann verlagern sich die Gefechte vom Boden in die Luft und werden trotz wenig optischem Krachbumm sogar einigermaßen fetzig! Die grafische Gestaltung sorgt jedoch auch dafür, dass ihr oft nicht sofort seht, welche der vier Zusatzwaffen ihr gerade im Holster habt; zudem habt ihr nur einen Knopf, um durchs Arsenal zu schalten.

Wenige Pixel, viel Charme

Beim Dreier-Bosskampf gegen die Jäger will Olija etwas zu viel aus seinem spartanischen Aufbau herausholen. Weniger ist mehr! Quelle: PC Games Beim Dreier-Bosskampf gegen die Jäger will Olija etwas zu viel aus seinem spartanischen Aufbau herausholen. Weniger ist mehr! Der erste freundlich gesinnte Gefährte, dem ihr nach einigen simplen Kämpfen begegnet, ist ein brabbelnder alter Fährmann. In kurzen Cutscenes präsentiert er euch die Eckpfeiler der Geschichte und chauffiert euch zu den Inseln, die ihr nach und nach freischaltet, indem ihr Seekarten findet. Habt ihr die Startgebiete durchquert, ein Rapier eingesackt und mit sauber animierten Angriffen die ersten Wilden durchlöchert, erreicht ihr Eichenflut, euren Hub. In dem hastig zusammengebauten Dorf kommt eine Handvoll Händler unter, am Rande schnappt ihr zudem immer wieder interessante Infoschnipsel auf, die dem Spiel seinen mysteriösen, morbiden Charme verleihen. So erzählt euch etwa ein Schneider, dass er eure Crew in schwarzblauen Gewändern einkleidet, da diese beiden Farben das letzte sind, was ein Ertrinkender im tiefen Ozean zu Gesicht bekommt. Der knappe Erzählstil, gekoppelt mit der zwar liebevoll gestalteten, aber stilistisch detailarmen Pixel-Optik regt immer wieder eure Fantasie an, um etwaige Lücken zu vervollständigen - wie bei einem guten Horror-Roman.

Am Strand erleben wir das Resultat eines blutigen Überfalls. Mit Pfeilen gespickte Opfer und Trauernde sind durch den Grafikstil aber nur in Ansätzen erkennbar. Quelle: PC Games Am Strand erleben wir das Resultat eines blutigen Überfalls. Mit Pfeilen gespickte Opfer und Trauernde sind durch den Grafikstil aber nur in Ansätzen erkennbar. Mit eingesammelten Edelsteinen und Ressourcen errichtet ihr eine Handvoll Shops in Eichenflut. Dann könnt ihr eure Lebensleiste verlängern, zwischen den Insel-Trips heilenden Eintopf verputzen und euch beim Hutmacher eine neue Kopfbedeckung anfertigen lassen. Kleider machen Leute, Hüte machen Spielstile: Je nach Hut verfügt ihr über eine von sechs Spezialfähigkeiten, die ihr bei aufgeladener Combo-Leiste einsetzen könnt. Mit dem stylischen Federhut beschwört ihr beim Ausweichen und Warpen tödliche Klingen, die Krokodilsmütze lässt euch wiederum wertvolle Lebenspunkte von Gegnern abzwacken. Für besonders motivierte Spieler, die das Kampfsystem mehr ausreizen wollen, als es das Spiel verlangt, steht zudem ein Hut zur Verfügung, der eure Geschwindigkeit erhöht, solange ihr Schaden vermeidet.

Ein Stil mit Licht und Schatten

Beim Hutmacher fertigt ihr mit gesammelten Ressourcen neue Kopfbedeckungen an, die eure Combos verändern.&nbsp; Quelle: PC Games Beim Hutmacher fertigt ihr mit gesammelten Ressourcen neue Kopfbedeckungen an, die eure Combos verändern.  Später überrascht Olija immer wieder mit netten geskripteten Ereignissen, die man in einem so reduzierten Spiel nicht erwartet hätte: Da hebt ihr am Ende eines Tempels den Schlüssel zum nächsten Areal auf, als plötzlich eine nicht enden wollende Schar von bemitleidenswert abgemagerten Gefangenen den Raum stürmt und sich aus allen Richtungen auf euch stürzt. Die zombieähnlichen Gestalten springen euch auf den Rücken, um eure Flucht zu verlangsamen. Habt ihr eine davon weggeschleudert, setzen schon drei andere zum Sprung an - hier wird Olija kurzzeitig zum Resident Evil des kleinen Mannes.

Was will der Künstler damit sagen? Auch in der Großansicht bleibt Obermotz Rottwald ein undefinierbares Pixel-Etwas. Quelle: PC Games Was will der Künstler damit sagen? Auch in der Großansicht bleibt Obermotz Rottwald ein undefinierbares Pixel-Etwas. In den spärlich gesäten Bosskämpfen schießt sich Olija mit seinem grobschlächtigen Artstyle immer wieder selbst ins Bein. Die Figuren sind detailarm, das Trefferfeedback teils unklar und gegnerische Angriffe bestehen nur aus wenigen lesbaren Frames. Besonders unübersichtlich wird es in Gefechten, in denen euch neben dem Haupt-Boss noch eine Horde Minions ans Leder will: Hier überlagern sich Figuren und Effekte zu einem Pixelmatsch, in dem eure Hauptfigur mit ihren wenige Pixel großen Waffen sang- und klanglos untergeht. Zudem teleportieren sich spätere Gegner gerne kreuz und quer durch die Arenen, bewerfen euch mit Sprengsätzen und schlagen euch die Harpune aus der Hand, die ihr dann hektisch wieder zurückrufen müsst - sofern ihr überhaupt erkennen konntet, dass ihr sie verloren habt. Somit bekämpft ihr Bosse wie die drei Jäger, die euch im Team angreifen und sich dabei als Nahkämpfer, Schütze und Heiler eigentlich interessant ergänzen, eher mit schludrigem Buttonmashing als mit taktischer Raffinesse.

Den Hüter des Mondschwertes erleichtern wir in einem spaßigen Teleport-Duell um seine Klinge.&nbsp; Quelle: PC Games Den Hüter des Mondschwertes erleichtern wir in einem spaßigen Teleport-Duell um seine Klinge.  Ein nerviges Lowlight ist vor allem der Endboss, der mit unnötigen Minions, viel zu großem Lebenspool und unfairen, kaum nachvollziehbaren Stunlock-Angriffen als Paradebeispiel miesen Bossdesigns daherkommt. Wesentlich spaßiger sind da Mann-gegen-Mann-Duelle, in denen es lohnenswert ist, auf die Animationen des Gegners zu achten und das durchaus finessenreiche Kampfsystem auszunutzen. Dann spart ihr euch etwa die besonders mächtigen Abschlussangriffe eurer Combo für den richtigen Moment auf, wechselt zur Donnerbüchse, um den anstürmenden Feind zu stoppen und warpt mit der Harpune blitzschnell in Sicherheit. Die präzise Steuerung des Spiels unterstützt das auf genaue Inputs ausgelegte Gekämpfe, der detailarme Stil und die Vorliebe für Gegnerhorden tun das nicht.

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Letztlich ist Olija ein durch und durch reduziertes Spiel - Optik, Umfang und Gameplay sind zurückgefahren, knapp und simpel. Nach etwa vier bis fünf Stunden habt ihr das Abenteuer nicht nur beendet, sondern auch mühelos sämtliche Upgrades freigeschaltet und alles gesehen, was das Spiel zu bieten hat. Obwohl sich der Reiz eines erneuten Durchgangs in Grenzen hält, werdet ihr eine spaßige Reise erlebt haben, die zwar wenig ambitioniert daherkommt, aber mit ihrem strikten Fokus angenehm an Games einer längst vergangenen Zeit erinnert. Für Retro-Freunde und Zocker-Urgesteine durchaus empfehlenswert!

Meinung

Wertung zu Olija (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Olija (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Olija (NSW)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Olija (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Gelungene, düstere Seefahrer-AtmosphärePräzise, direkte Steuerung, die mit wenigen Tasten auskommtSolides Gameplay mit Raum für komplexe Aktionen …
… die aber selten verlangt werden, Buttonmashing reicht fast immerWenig Umfang, kaum WiederspielwertEinige vermurkste Bosskämpfe
Fazit

Kein Meisterwerk, aber schön gemachte, altmodische Kost für Zwischendurch

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