Oddworld Soulstorm im Test: Nieder mit den Ketten!
Test
Oddworld Soulstorm, der neueste Teil von Oddworld Inhabitants, ist endlich veröffentlicht worden. Mehrere Jahre arbeiteten die Entwickler bereits an dem Remake von Oddworld: Abe's Exoddus, also dem zweiten Teil der Ur-Reihe. Ob sich die Mühe gelohnt hat, erklären wir euch in unserem Test plus Video.
Das Entwicklerstudio Oddworld Inhabitants veröffentlicht mit Oddworld Soulstorm den bereits achten Teil der traditionsreichen Serie. Bei dem handelt es sich um ein Remake des zweiten Spiels von 1998, Oddworld: Abe's Exoddus. Laut den Machern ist Oddworld Soulstorm aber der eigentliche zweite Teil der Serie. Da man mit dem ursprünglichen Spiel auf zu viele technische Limitierungen gestoßen sei, hätte man sich nun all die Jahre später und mit wesentlich mehr technischen Möglichkeiten im Gepäck an eine Version des Titels gewagt, welche endlich den Ansprüchen von einst gerecht werden soll. Ob sich das in Oddworld Soulstorm bemerkbar macht und ob das Spiel etwas für euch ist, erfahrt ihr in unserem Test.
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Abelitionismus
Als Abe von der Gattung der außerirdischen Mudukon müsst ihr eure Anhänger vor den fiesen Glukkons retten. Molluck, einer der Glukkons, versucht Abe und die restlichen Mudokons an der Flucht zu hindern. Molluck ist Besitzer der hiesigen RuptureFarms, auf denen die Mudokons sich zu Tode schuften und führt eine Schar aus fiesen kleinen Schergen an, den sogenannten Sligs. Im Rahmen von hübsch inszenierten Zwischensequenzen erfahrt ihr mehr über eure Verfolger und deren Pläne. Zudem erfahrt ihr, welches Schicksal Abe bevorsteht.
Die Charaktere wurden sehr gut in Szene gesetzt. Die mitleiderregenden Mudokons zeichnen sich durch weinerliche, aber dennoch hoffnungsvolle Charakterzüge aus. Die Glukkons hingegen sind knallharte Kapitalisten ohne jede Empathie. Mit diesen nachvollziehbaren, interessanten Figuren und vielen spannenden Momenten wird eine wirklich gelungene Geschichte erzählt. Dankenswerterweise finden sich auch Serienneulinge zurecht, die den direkten Remake-Vorgänger Oddworld: New 'n Tasty nicht kennen.
Mario meets Agent 47
Quelle: PC Games
Schneller Abe, es herrscht Kreissägen-Alarm! Fiese Fallen sorgen dafür, dass man kaum jemals zur Ruhe kommt. Generell ist Soulstorm ein ganz schön kniffliges Vergnügen.
Spielerisch ist Oddworld Soulstorm (jetzt kaufen ) ein 2D-Plattformer mit Stealth-Elementen. Ihr steuert Abe von links nach rechts und umgekehrt durch die Levels. Dabei müsst ihr Abgründe überwinden, fallenden Gegenständen sowie zahlreichen Hindernissen ausweichen und euch gekonnt an Gegnern vorbeischleichen. An die Steuerung muss man sich sicherlich erst einmal gewöhnen, sie ist nicht sonderlich intuitiv und Abes Bewegungsrepertoire ist vergleichsweise eingeschränkt. Aber mit ein wenig Übung geht die Kontrolle trotzdem gut von der Hand und ihr könnt euch (fast) ohne Probleme von A nach B bewegen. Manchmal fehlt aber definitiv die Präzision, so wollte sich unser Held beim Testen ab und an ab und an partout nicht an Stangen und Kanten festhalten. Das ist manchmal sehr ärgerlich, kommt aber im Verlauf des Spiels zum Glück eher selten vor.
Die einzelnen Abschnitte der Levels können auf unterschiedliche Weisen bewältigt werden. Ihr habt Freiheit bei der Auswahl eurer Vorgehensweise. Um den gut bewaffneten und kampferprobten Sligs die Stirn bieten zu können, muss Abe diskret vorgehen, um nicht entdeckt zu werden. Seine körperliche Unterlegenheit macht es notwendig, möglichst geräuschlos zu verfahren.
Quelle: PC Games
Mullock erteilt seinen Lakaien Befehle. Die Zwischensequenzen wurden schön gemacht und treiben die Story charmant voran.
Ihr könnt jedoch nicht nur schleichen, sondern euch auch in Spinden und Rauchwolken verstecken. Zudem kann Abe auf ein üppiges Arsenal an werfbaren Objekten zurückgreifen, um sich seiner Verfolger zu entledigen. Mit Flaschen voller brennbarer Flüssigkeit können Holzfassaden, die den Weg versperren, beseitigt werden. Mittels Wasserbomben können Feuer gelöscht werden, egal ob eigenverantwortlich entfacht, oder in Form von Flammenwänden, die den Weg versperren. Rauchbomben, um sich zu tarnen, explosive Reagenzien, um Widersacher aufzuhalten und Steine, um Gegner zu betäuben, gehören ebenfalls zu Abes Repertoire.
Und täglich grüßt der Mudokon
Quelle: PC Games
Trotz 2D-Darstellung ist die Welt von Soulstorm sehr detailverliebt. Im Hintergrund passiert fast immer irgendetwas Interessanrtes.
Abe ist nicht nur ein geborener Anführer, sondern zudem auch noch handwerklich begabt. Das zeigt sich anhand eines Craftingsystems, welches hier das erste Mal in der Serie zum Einsatz kommt. Viele der werfbaren Objekte kann Abe selbst bauen. Die Materialien hierzu befinden sich in Kisten, Mülltonnen und Spinden oder können an Automaten käuflich erworben werden. Auch, wenn das sich im ersten Moment ganz stimmig anhört, ist das Craftingsystem von Oddworld alles andere als spaßig. Durch den ständigen Wechsel in das Craftingmenü verliert das Spiel an Tempo. Wenn man diesen Punkt nun mit der Tatsache kombiniert, dass das Spiel ganz schön knackig ist und man dementsprechend oft stirbt, ergibt sich hier schnell Frust. Da man nicht manuell speichern kann, sondern auf Checkpoints angewiesen ist, passiert es ständig, dass man nach einem virtuellen Ableben zahlreiche Gegenstände immer wieder herstellen muss. Kurzum: Das Crafting-System ist nett gemeint, aber keine sinnvolle Ergänzung für das Remake und auch der größte Kritikpunkt an Soulstorm.
Voodoo, Baby!
Zum Glück verfügt Abe auch über deutlich sinnvollere Talente. So kann er etwa über viele seiner Feinde kurzzeitig die Kontrolle übernehmen. Hierzu versetzt ihr Abe in Trance und lasst durch inbrünstigen Gesang die Gegner nach eurer Pfeife tanzen, indem ihr ihn mit einer Art Gedanken-Kugel in Besitzt nehmt. Die kleinen Sligs, die zum Teil mit einem Jetpack ausgerüstet sind, eignen sich etwa hervorragend dazu, Orte zu erreichen, an die Abe nicht gelangen kann. Überall klappt das nicht, an vielen Stellen halten dürft ihr mit eurer Gedankenkugel nicht passieren, trotzdem oder gerade deswegen sorgen diese Momente für viel Laune.
Quarma, Karma
Quelle: PC Games
Hier bekommen wir beim Versuch, unsere Gedankenkontrolle zu wirken, eine gewischt. Aua!
In den unterschiedlichen Regionen, die ihr im Laufe des Spiels durchquert, trefft ihr auf viele Mudokons, die sich euch nach ihrer Befreiung anschließen. Hierin liegt auch eine Besonderheit des Spiels. Je nachdem, wie viele Mudokons ihr rettet, erwarten euch unterschiedliche Spielenden, zudem gibt's in jedem Level einen sogenannten Quarma-Level, dessen Höhe von euren Befreiungs-Talenten anhängt. Entscheidet ihr euch dazu, viele eurer Anhänger zurückzulassen, oder opfert ihr sie ungewollt den Sligs, werdet ihr mit einem vermeintlich schlechten Ende belohnt. Euer Quarma muss mindestens 80 Prozent betragen, damit ein Level zu einem positiven Ende beiträgt.
Unterdrückt, aber schön
Soulstorm sieht sehr gut aus, schon mal auf künstlerischer Ebene. Die unterschiedlichen Areale, durch die wir uns begeben, strotzen nur so vor Liebe zum Detail und verfügen alle über ein ganz eigenes Flair. Egal, ob man durch verfallene Ruinen springt oder zwischen rasend schnellen, metallenen Zugkolossen hindurch, viele Szenen bleiben im Gedächtnis. Aber auch aus technischer Perspektive wurde gut gearbeitet. Die Umgebungseffekte sind toll anzusehen, zahlreiche kleine Details im Hintergrund sorgen für Freude. Die Feuer sehen realistisch aus und werfen einen natürlich aussehenden Schein. Die Lichteffekte im Allgemeinen sind gut platziert und bilden zusammen mit den Schatten kontrastreiche Strukturen. Wände und Fassaden sind teilweise zerstörbar und sehen sehr detailreich aus. Die Logik der Explosionen ist jedoch nicht immer nachvollziehbar. Ab und an explodieren Raketen nicht, oder aber der Knall hat keine Auswirkungen auf Abe. Schön auf jeden Fall: Das Geschehen läuft durchgehend sehr flüssig, auf PC und PS5 mit 60 Bildern pro Sekunde und auf PS4 immerhin mit stabilen 30. Dazu passt der Sound, der mit seinen stimmigen Melodien ebenso zu überzeugen kann wie mit den guten Sprechern. Deutsche Sprachausgabe existiert aber leider keine, sondern nur deutsche Untertitel.
Alles in allem ist Oddworld Soulstorm auf jeden Fall eine würdige Wiederbelebung des altehrwürdigen Klassikers. Sieht toll aus, spielt sich gut, macht Laune; wären da nicht vermeidbare Makel, allen voran das nervige Crafting-System, wären die Entwickler ihrem Streben nach der ultimativen Version des Spiels definitiv gerecht geworden. So ist es aber eben "nur" eine tolle Version davon. Alleine schon, um die liebevollen Figuren und die kreative Welt kennenzulernen, lohnt sich ein Abstecher nach Oddworld.
Oddworld Soulstorm ist am PC exklusiv im Epic Store sowie für PS5 und PS4 erhältlich. PS5-Besitzer erhalten das Spiel im Rahmen des PS-Plus-Abonnements im April kostenlos.
