Kleine Schwächen, Kampfsystem und Fazit
Test
Würde man eine SNES-Cartridge aus dem Ehrenregal holen und mit beiden Händen fest in eine Next-Gen-Konsole stopfen, es käme wohl dieses edle Rollenspiel dabei heraus. Denn Octopath Traveler für Nintendo Switch bietet traditionelle JRPG-Kost der SNES-Ära gepaart mit einer ungewöhnlichen Erzählstruktur und einem Grafikstil, der quasi 16-Bit-Grafik ins moderne Zeitalter hievt. Jetzt auch für den PC erhältlich!
Mit eigentlich nur zwei perfekt aufeinander abgestimmten Systemen stellt Octopath Traveler ein Kampfsystem auf die Beine, das selbst Strategie-Veteranen eine Menge Freude bereiten dürfte - und sorgt damit für unfassbar viel Spaß in jedem noch so kleinen Gefecht! Das bissige Kampfsystem Octopath Travelers wird durch zwei Mechaniken geprägt: Verteidigung und Boost. Bei Verteidigung handelt es sich um Rüstungsschichten, über die jeder Gegner verfügt. Trefft ihr einen Feind mit einer Waffe, gegen die er anfällig ist, zerstört ihr damit eine Rüstungsschicht. Sind alle Rüstungsschichten vernichtet, wird euer Gegner benommen, verliert seinen Zug und ist kurzzeitig deutlich anfälliger gegen weitere Attacken. Mit Boost-Punkten könnt ihr eure Angriffe, Zauber und sogar Spezialfähigkeiten verstärken. Die strategische Bandbreite ist dabei enorm umfangreich! Durch das Wechselspiel dieser beiden Systeme sind die Kämpfe im Spiel überraschend taktisch geprägt - und damit intelligent und verdammt spannend!
Quelle: PC Games
Primrose hat soeben die Rüstung eines Feindes durchbrochen. Brechen wir ihm noch mehr!
Inhaltsverzeichnis
Ein kleines Level-down
Etwas Schelte muss sich aber auch die gefühlte SNES-Achterkette gefallen lassen. Zunächst etwas befremdlich: Zwar werden alle Textblasen in Gesprächen intoniert, nur etwa 10% von ihnen sind aber tatsächlich voll eingesprochen - der Rest bedient sich Gesprächshülsen, die sich schnell wiederholen. Gerade ob der exquisiten Sprecher ist das echt schade, angesichts der schieren Textmengen jedoch zu verzeihen. Auch das Schnellreisesystem kann zu Beginn des Spiels etwas verwirren: Denkt daran, dass ihr zusätzliche Charaktere nach dem Start der Reise nicht einfach so auf der Karte auswählen könnt. Ihr müsst sie zunächst mit eurer Hauptfigur in den jeweiligen Städten "abholen". Ansonsten nerven noch ein paar Kleinigkeiten - so finden wir es etwa schade, dass wir Item-Shops und Gästezimmer nicht wirklich betreten können, sondern recht uninspiriert einfach an der Tür bedient werden. Sorry, aber schöne Shops gehören einfach zur Seele des 16-Bit-Zeitgeists. Dass akut tote sowie nicht am Kampf teilnehmende Charaktere am Ende eines Kampfs keine Erfahrungspunkte erhalten, dass man aus Kämpfen nicht ins Hauptmenü wechseln kann und dass Runden-Effektzeiten nicht von der empfangenden, sondern von der erteilenden Figur aus berechnet werden, sind dann einfach nur lästige RPG-Kinderkrankheiten, die ein Square-Enix-Titel bereits abgelegt haben sollte.
Quelle: PC Games
Vernichtet ihr eine feindliche Rüstung, kommt selbst ohne Schaden davon oder besiegt alle Gegner in der ersten Runde, gibt es zusätzliche Belohnungen.
Ein riesiges Level-up
Doch was soll's! All diese kleinen Scharten schleifen wir einfach weg. Ein paar logische Probleme wie die Tatsache, dass der edle Krieger Olberic mitunter von irgendwelchen unbewaffneten Dorfbewohnern die Hucke vollkriegt, übersehen wir ebenfalls großzügig. Denn Octopath Traveler liefert inhaltlich, dramaturgisch und vor allem kampfmechanisch ein hervorragendes Rollenspiel ab! Und damit meinen wir nicht "Ja, ja, ein hervorragendes Rollenspiel für Switch-Verhältnisse, wann kommt gleich noch mal das nächste Next-Gen-Ding?", sondern einfach nur ein hervorragendes Rollenspiel - an dem sich alle anderen Genrekonkurrenten 2018 erst mal messen lassen müssen und bereits jetzt einige gescheitert sind! Ein Pflichtkauf für Genrefans, ein Pflichtkauf für alle Freunde famoser Switch-Software und ein Pflichtkauf für Retro-Liebhaber. Ihr seid gleich alles drei? Dann nehmt euch zwei Wochen frei!
Nachtest der PC-Version
Nach knapp einem Jahr ist Octopath Traveler auch für den PC erhältlich. Spielerisch hat sich in dieser Umsetzung nix getan, technisch liefert Square Enix aber einen sauberen Port ab, der das Switch-Original mit 60 fps und Unterstützung für hohe Auflösungen mühelos abhängt. Es gibt sogar einige Grafikoptionen. Ihr könnt wahlweise mit dem Gamepad spielen oder aber zu Maus und Tastur greifen, die Tasten lassen sich größtenteils frei belegen. Einzig das Mausrad ist ungeschickt belegt, da man damit nur durch bestimmte Menüs scrollen kann, während sich in anderen gar nichts tut, außerdem gibt es leider keinen Mauscursor - das ist unintuitiv. Darum empfehlen wir ein Gamepad!
Wertung und Fazit
Meinung
Quelle: Nintendo/Square Enix
Olberic: Wir empfehlen euch das Abenteuer mit Olberic zu beginnen. Der mächtige Krieger ist ein hervorragend ausbalancierter Recke, dessen brachiale Schlagkraft ihr im Laufe eures Abenteuers zu schätzen wissen werdet. Olberic geht meisterlich mit Schwert und Lanze um, ist das Herzstück eurer Verteidigung und stets auf der Suche nach ehrenhaften Zweikämpfen.
Quelle: Nintendo/Square Enix
Alfyn: Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in den Flusslanden, wurde Alfyn zu einem fähigen Apotheker. Er versteht sich auf Medizin ebenso wie auf Gifte, kann heilen, Feinde einfrieren oder seine Verbündeten wiederbeleben. Dank seines offenen, freundlichen Wesens kommt Alfyn leicht mit anderen Menschen ins Gespräch und vermag so viel über sie zu erfahren.
Quelle: Nintendo/Square Enix
Primrose: Was der charismatischen Tänzerin an Muskelkraft fehlt, macht sie durch Finesse wett. Ihre anmutigen Bewegungen inspirieren Primroses Verbündete auf dem Schlachtfeld, lassen sie kräftiger zuschlagen oder ihre Defensive ausbauen. Zudem versteht sich die Tänzerin darauf, andere Menschen zu verführen – damit sie für Primrose in den Kampf ziehen.
Quelle: Nintendo/Square Enix
Cyrus: Wahrscheinlich einer der intelligentesten Menschen in ganz Orsterra, kann euch Cyrus als Gelehrter mit mächtiger Kampfzauberei unterstützen. Sein scharfer Verstand macht ihn zudem zu einem hervorragenden Detektiv, der Geheimnisse aufzuspüren versteht – sei es nun bei Kriminalfällen in den Städten oder bei feindlichen Schwächen mitten im Gefecht.
Quelle: Nintendo/Square Enix
Ophilia: Herzensgut, voller Hingabe zu den Göttern und wohl noch etwas zu naiv für die echte Welt, in die sie aufbricht: Ophilia ist eine junge Klerikerin. Sie weist den Schwachen den Weg und kuriert und schützt mit mächtiger Heilmagie ganze Gruppen von Bedürftigen. Wer die zierliche Dame im Kampf unterschätzt, hat noch nicht ihre Exorzismus-Zauber erlebt.
Quelle: Nintendo/Square Enix
H'aanit: Auch wenn sie nach dem hebräischen Wort für „Speer“ benannt ist, greift die introvertierte Jägerin aus dem tiefen Waldland im Kampf lieber zu Axt, Bogen und der Hilfe verbündeter Tiere – allen voran ihrer treuen Schneeleopardin Linde. Ebenso wie Olberic kann H’aanit andere Personen zum Duell fordern, verlässt sich hier aber ganz auf ihre Bestien.
Quelle: Nintendo/Square Enix
Therion: Es braucht schon eine Menge, um den ruhigen, in sich gekehrten Dieb aus der Fassung zu bringen. Geschickt und schnell bestiehlt Therion eure Gegner im Kampf ebenso wie … würdige Ziele in den Städten. Keine Schatztruhe ist vor dem Meister im Schlösserknacken sicher. Und wenn es ernst wird, ist Therion ein erfahrener Schwert- und Dolchkämpfer.
Quelle: Nintendo/Square Enix
Tressa: Wolltet ihr schon immer einmal wissen, wie das Leben eines Händlers in einer Welt voller Magie, mythischer Kreaturen und gefährlicher Abenteuer aussieht? Dann holt euch Tressa in eure Party! Die junge Frau hat ein Händchen für Geld (nicht nur das eigene), kann viele sonst obskure Gegenstände erwerben und packt zur Not Pfeil, Bogen, Lanze und sogar Söldner aus.
