Nvidia Turing: Raytracing als Zukunft?

Special Antonio Funes
Nvidia Turing: Raytracing als Zukunft?
Quelle: PC Games Hardware

Nvidia hat mit der RTX 2080 und RTX 2080 Ti zwei hochpreisige neue Grafikarten veröffentlicht, und zwar die beiden ersten Gamermodelle mit neuer Turing-GPU sowie Nvidias Raytracing-Technologie. Wir haben eine Leistungsanalyse der beiden Top-Boliden anhand von mehreren Tests durchgeführt, die diverse Fachmagazine bereits veröffentlicht haben.

Raytracing: Zukunft oder Spielerei?

Zusammen mit den neuen Turing-Grafikkarten rückte Nvidia auch das Stichwort Raytracing in den Fokus und lehnt sich durch die Namensvergabe - das RTX hat schließlich mit Raytracing zu tun - weit aus dem Fenster, was die Bedeutung dieses Themas angeht.

Doch worum geht es dabei? Zum Thema Raytracing hatten wir bereits Anfang September ein ausführliches Special online gestellt - wir fassen aber die wichtigsten Punkte für euch an dieser Stelle zusammen, da Nvidia die neuen RTX-Grafikkarten auch mit diesem Feature bewirbt.

Bei Raytracing handelt es sich um eine sehr ursprüngliche Form zum Berechnen von 3D-Grafik, die durch das Rückverfolgen von virtuellen Lichtstrahlen in einer 3D-Szene bis zum Auge des Benutzers (beziehungsweise der für die Szene platzierten Kamera) entsteht, und zwar unter Beachtung von Material, Farbe und Reflexionseigenschaften der 3D-Objekte in der 3D-Szene. Diese Art der Grafikberechnung ist extrem rechenaufwendig, bringt aber auch die besten Ergebnisse - in vielen Filmen kommt Raytracing daher zum Einsatz, denn man kann den oder die Computer in Ruhe Bild für Bild berechnen lassen.

GeForce RTX berechnet Reflexionen in Battlefield 5 Quelle: EA (Screenshot: PC Games Hardware) GeForce RTX berechnet Reflexionen in Battlefield 5 Für Spiele in Echtzeit und mit einer annehmbaren Auflösung war Raytracing bisher ungeeignet, beziehungsweise es wurden schon sehr früh in der Geschichte von PC-Games Grafikengines entwickelt, die mit vielen Tricks arbeiten, um optische Eindrücke zu erwecken, die möglichst realistisch aussehen. Mit solchen im Laufe der Jahre immer ausgefeilteren Engines lassen sich vor allem was die FPS (Bilder pro Sekunde) angeht viel bessere Ergebnisse erzielen als mit Rytracing, obgleich Raytracing stets den Vorteil eines höheren Fotorealismus bietet. Die 3D-Engines sind also ein Kompromiss aus Qualität und FPS-Leistung. Mit Nvidia RTX soll sich dies ändern, denn die Technologie verspricht Echtzeit-Raytracing für Games. Allerdings handelt es sich dabei bisher nur um Teile der 3D-Grafik, bei denen Nvidia RTX angewendet wird - große Teile der Grafik werden mit einer gängigen 3D-Engine berechnet, mit Nvidias RTX-Technologie sollen dann diverse Dinge berechnet werden, die den Gesamteindruck des Bildes realistischer machen.

Gainward GeForce RTX 2080 Ti Phoenix GS Quelle: Gainward Gainward GeForce RTX 2080 Ti Phoenix GS Dabei frisst Nvidias RTX aber selbst dann, wenn man das 1200 Euro teure Top-Modell Nvidia GeForce RTX 2080 Ti nutzt, spürbar viel Leistung. In einer bei der Präsentation der neuen Grafikkarten gezeigten Grafikdemo von Battlefield 5 sorgte Nvidia RTX beispielweise in der ansonsten mit der bekannten Frostbite-Engine berechneten Grafik für realistische Reflexionen, beispielsweise Flammen, die sich in Pfützen und an einer Fahrzeugkarosserie spiegeln. Das Entwicklerstudio Dice hat aber inzwischen die Raytracingeffekte zurückgeschraubt, da sie zum einen zu extrem waren und daher unpassend wirkten, zum anderen aber auch da sie zu viel Leistung beanspruchten. Entwickler müssen ihr Spiel speziell auf die RTX-Technologie abstimmen und kompatibel machen, und dies nur um einigen Nutzern, die eine passende Grafikkarte besitzen, den kleinen grafischen Bonus zu bieten. Ob sich die Idee von Nvidia, Raytracing für Spiele zu nutzen, also wirklich auf Dauer etabliert, bleibt abzuwarten. Es könnte ein ähnliches Schicksal wie für Nvidias PhysX oder Hairworks drohen - beide Technologien wurden von Nvidia stark angepriesen, kommen aber nur in vergleichsweise sehr wenigen Games zum Einsatz. Hinzu kommt, dass viele Entwickler auch bewusst aus künstlerischen Gründen eine Grafik für ihr Spiel verwenden wollen, die überhaupt nicht fotorealistisch aussieht, so dass Raytracing in diesen Fällen kaum hilfreich wäre.

  1. Seite 1 Nvidia Turing: RTX 2080 und 2080 Ti mit Technikdetails
  2. Seite 2 Nvidia Turing: Leistungsanalyse der neuen Grafikkarten
  3. Seite 3 Nvidia Turing: Raytracing als Zukunft?
  4. Seite 4 Nvidia Turing: Fazit zur RTX 2080 und RTX 2080 Ti
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