Northgard im Test: Tolle Indie-Alternative zu Die Siedler & Co.

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Northgard im Test: Tolle Indie-Alternative zu Die Siedler & Co.
Quelle: Shiro Games

Der Klassiker Die Siedler gilt als Begründer des Aufbaustrategie-Genres. Neben dem langsamen Errichten eines eigenen Königreichs steht in der Blue-Byte-Reihe vor allem der oftmals beschworene Wuselfaktor im Mittelpunkt: Fleißige Computer-Figürchen hämmern, ernten und ackern, was die Werkzeuge hergeben, und erzeugen auf dem Bildschirm die herrliche Illusion eines wilden Treibens. Die französische Indie-Produktion Northgard von Entwickler Shiro Games verließ Anfang März 2018 nach über einem Jahr Steams Early-Access-Stadium und wandelt auf den Spuren von Die Siedler.

Eine der wichtigsten Veränderungen der für rund 30 Euro erhältlichen Vollversion von Northgard (jetzt kaufen / 31,49 € ) im Vergleich zum Early Access ist die aus elf Kapiteln bestehende Einzelspielerkampagne. Sie dient vor allem als Tutorial für die Online-Optionen und das freie Spiel, erzählt aber auch eine kurze, durchaus nette Geschichte vom Konflikt mehrerer Wikingerstämme. Der Clan der Raben überfällt zu Beginn des Spiels das Dorf des Nordmanns Rig. Der Krieger entkommt als einziger dem blutigen Angriff und bläst nun zum Rachefeldzug. Doch zu diesem Zweck muss er natürlich zunächst ein neues Volk um sich scharen.


Shiro Games präsentiert den Plot von Northgard in hübschen Comic-Bildern und einfachen Texten. Die deutsche Übersetzung ist im gesamten Spiel allerdings noch nicht fehlerfrei und wirkt teils etwas holprig. Besonders einige Informationstexte sind mitunter irreführend. Steht etwa ein Dorfbewohner tatenlos herum, erhält er den Warnhinweis "Hat keinen Beruf", gemeint ist an dieser Stelle aber "Hat keine Arbeit" oder "Hat nichts zu tun".

Gewohntes Rezept, freie Berufswahl

In den ersten Minuten erinnert Northgard stark an Die Siedler: Wir starten mit lediglich einer Handvoll Dorfbewohnern und dem Gemeindehaus. Als Rohstoffe dienen zunächst Holz und Nahrung. Also ziehen wir Holzfällerhütten hoch und platzieren Fischer an Seen. Doch während die munteren Siedler ihre Dienste mehr oder minder automatisch verrichten, haben wir in Northgard die volle Kontrolle über jeden einzelnen Dorfbewohner. Die Wetterbedingungen beeinflussen das Leben der Wikinger. Im Winter produzieren sie weniger Holz und Nahrung, obendrein verringert sich die Angriffsstärke der Soldaten. Quelle: Shiro Games Die Wetterbedingungen beeinflussen das Leben der Wikinger. Im Winter produzieren sie weniger Holz und Nahrung, obendrein verringert sich die Angriffsstärke der Soldaten.
Sobald ein Gebäude steht, weisen wir diesem einen Arbeiter zu. Aus dem Dorfbewohner wird dann auf Tastendruck ein Jäger, ein Heiler oder sogar ein Krieger.

Unsere Wikinger sind aber nicht auf einen einzelnen Job festgelegt. Das Wechseln der Aufgaben gehört zu den Kernelementen des Spiels und so passen wir unser Volk immer wieder auf die aktuellen Gegebenheiten an. Denn nur, wenn unsere Untertanen zufrieden sind, vermehren sie sich auch. Wir benötigen also ausreichend Holz und Nahrung, zudem beeinflusst der Zustand der Kolonie die Laune der Kameraden. Zu viele Verletzte nach einer heftigen Schlacht drücken etwa auf die Stimmung und auf die "Zeugungswilligkeit".

Winter is coming

Northgard gibt sich betont minimalistisch. Komplexe Produktionsketten existieren nicht, sämtliche Rohstoffe wandern fertig ins Lager. Diese Einfachheit irritiert zunächst, denn auch wir suchten nach den komplexen Einstellungen zum Mikromanagement und vermissten teils Statistiken über Warenmengen, Zufriedenheit und Produktivität. Alle Daten finden direkt auf dem Hauptbildschirm Platz und sind jederzeit abrufbar. Die eigentliche In Waldgebieten gehen Jäger auf die Pirsch und bringen wertvolles Fleisch mit nach Hause. Allerdings tummeln sich in diesen Arealen auch oft Wölfe, die sogar nahegelegene Hütten attackieren. Quelle: Shiro Games In Waldgebieten gehen Jäger auf die Pirsch und bringen wertvolles Fleisch mit nach Hause. Allerdings tummeln sich in diesen Arealen auch oft Wölfe, die sogar nahegelegene Hütten attackieren. Herausforderung besteht daher im Optimieren der Möglichkeiten. Allerdings wirft uns Northgard dabei immer wieder Knüppel zwischen die Beine.

Unter der leichtgängigen (Aufbau-)Schale verbirgt sich nämlich ein knackiger Überlebenskampf, der uns gerade mit veränderten Grundeinstellungen im freien Spiel mächtig Nerven kostet. Die Gebietserweiterung erfolgt über das Erforschen von Sektoren mithilfe von Spähern und dem anschließenden Kauf der Gebiete mit Rohstoffen. Der Haken an der Sache: Oftmals warten in den neuen Bereichen Feinde wie Bären, Wölfe oder später sogar Drachen und andere Stämme auf uns. Eigene Truppen rekrutieren wir gegen die Spielwährung Kröwne direkt aus der Bevölkerung und lassen sie im simplen Kampfsystem antreten.

Der größte Feind ist aber die Natur selbst: In regelmäßigen Abständen erschüttern Wetter­ereignisse und Katastrophen die Wikingerwelt. Rattenplagen und Erdbeben sorgen für Versorgungsengpässe und schließlich stellen strenge Winter die gängigste Herausforderung dar.


Haben wir nicht ausreichend Feuerholz und Nahrung im Lager, wächst unsere Kolonie über viele Spielminuten nicht. Gehen uns die Vorräte aufgrund des höheren Verbrauchs aus, verhungern unsere Dorfbewohner sogar. In diesen schwierigen Zeiten kommt das Jobsystem ins Spiel: Wenn sich strenge Winter ankündigen, kommandieren wir am besten frühzeitig Arbeiter zur Nahrungsmittelbeschaffung ab und verhindern so bereits im Vorfeld Engpässe. Eine gute Vorbereitung ist in Northgard - trotz des scheinbar simplen Aufbau-Gameplays - nämlich alles!

Kleines Aufbaupaket

Wenn uns bei Northgard etwas fehlt, dann die Abwechslung bei häufigerem Spielen. Spätestens nach der Kampagne kennen wir alle Gebäude auswendig und haben gewisse Routinen entwickelt. Noch mangelt es dem Aufbautitel an Varianz und Vielfalt. Die Balance zwischen den Gebäuden Das Forschungssystem bietet vergleichsweise wenig Möglichkeiten und stärkt letztlich nur die Bereiche Produktion, Handel und Kampf. Hinzu kommen Boni durch das Erforschen von Kreiszeichen. Quelle: Shiro Games Das Forschungssystem bietet vergleichsweise wenig Möglichkeiten und stärkt letztlich nur die Bereiche Produktion, Handel und Kampf. Hinzu kommen Boni durch das Erforschen von Kreiszeichen. stimmt, und dennoch wünschten wir uns noch mehr Möglichkeiten. Die Forschungsabteilung fühlt sich mit nur drei Bereichen und wenigen Optionen viel zu oberflächlich an. Letztlich klicken wir uns auf jeder Karte durch die gleichen Einstellungen und werden viel zu selten zur Änderung unserer Taktik gezwungen. Immerhin: Das Spiel belohnt uns für das Erforschen der Maps. Wer möglichst viele Sektoren erobert, der entdeckt neben wertvollen Mineralienvorkommen auch versteckte Schätze oder Steinkreise zur Förderung von Wissen. Gebäude-Upgrades dienen lediglich der Optimierung, bringen aber keine neuen Bauoptionen.

Sehr schön hingegen: Durch die Kampagne machen wir Bekanntschaft mit anderen Clans und deren wechselnden Eigenschaften. Der Bären-Clan kommt besser mit Kälte klar und verbraucht auch bei Minusgraden weniger Holz und Nahrung. Militäreinheiten des Wolfs-Clans dagegen sorgen für Zufriedenheit bei der Bevölkerung und benötigen weniger Essen. Offline- und Online-Optionen Scharmützel mit anderen Stämmen laufen nach dem bekannten Schere-Stein-Papier-Prinzip ab: Einfache Schwertkämpfer sind etwa besonders effektiv gegen Axtwerfer. Quelle: Shiro Games Scharmützel mit anderen Stämmen laufen nach dem bekannten Schere-Stein-Papier-Prinzip ab: Einfache Schwertkämpfer sind etwa besonders effektiv gegen Axtwerfer. bieten diverse Einstellungsmöglichkeiten wie etwa die Menge der Ressourcen oder die Feindlichkeit der Spielwelt. Northgard ist gerade wegen der kompakten Karten und des vergleichsweise heruntergedampften Gameplays auch für Multiplayer-Baumeister mit begrenztem Zeitbudget gut geeignet.

Und da das Spiel lediglich auf einen schlichten Cel-Shading-Grafikstil setzt, läuft es auch auf schwächeren Systemen ausgezeichnet. Northgard gewinnt sicherlich keinen Schönheitspreis, erweist sich aber technisch als zweckmäßig und für einen Indie-Titel als durchaus konsequent umgesetzt. Allzu viel Optik-Abwechslung dürft ihr jedoch nicht erwarten: Die sieben zur Verfügung stehenden Karten bieten zwar verschiedene Layouts, besitzen aber allesamt einen ähnlichen Look, da sie in der gleichen Klimazone liegen.

Meinung

Wertung zu Northgard (PC)

Wertung:

8.1 /10
Pro & Contra
Gute Balance zwischen Aufbau, Kampf und MikromanagementNatur mit großem Einfluss auf die KolonieEinfach und einsteigerfreundlich, aber dennoch komplexFreie Verteilung der BerufeSechs Clans mit verschiedenen Eigenschaften
Kaum echte, bedeutsame ForschungsoptionenZu wenige GebäudetypenWenige StatistikenÄrgerliche Übersetzungsfehler in der deutschen VersionKarten größtenteils mit sehr ähnlichem Look
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