Nioh 2 im Test, Seite 2
Test 53,99 €
Zurück ins Japan zur Zeit der streitenden Reiche! Mit Nioh 2 erscheint die Fortsetzung zu einem der wirklich eigenständigen Souls-Likes. Diesmal sind wir mit dem großen Kriegsherren Oda Nobunaga unterwegs und selbst ein halber Dämon. In unserem Test klären wir, ob es der Titel mit dem Genreprimussen aus dem Hause From Software aufnehmen kann.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Alle Waffen, sowie Ninjaskills, Magie, Samuraifähigkeiten und Metamorph haben ihren eigenen Talentbaum.
Für das Überleben unseres Samurai ist aber auch die Defensive wichtig, und so gibt es haufenweise toll gestaltete Rüstungen, die wir auf sieben Slots verteilen. Auch hier sind die Spezialwerte zufallsgeneriert, wodurch man viel Zeit im Inventar für die optimale Zusammenstellung einplanen sollte. Besonders gefallen haben uns die Rüstungssets berühmter Samurai, die wirklich einzigartig aussehen und uns spezielle Boni verleihen, sollte man mehrere Teile angelegt haben. Beim Schmied kaufen und verkaufen wir Waffen und Rüstungen und verändern deren Aussehen. So können wir ein zueinanderpassendes, schickes Set tragen, das aber aus komplett zusammengewürfelten Teilen besteht. Durch das Seelenbild leveln wir liebgewonnene Ausrüstung auf, aus der wir herausgewachsen sind, wodurch diese weiterhin relevant bleibt. Mit der Vergütung tauschen wir einzelne Werte unserer Ausrüstung aus. Außerdem können wir alle Ausrüstungsteile auch komplett zerlegen, um daraus neue Waffen zu schmieden. Dafür benötigen wir Rezepte, die Gegner manchmal verlieren, oder die als Belohnung von Missionen winken.
Durch Clankämpfe, in denen wir uns einem alten Samurai-Clan anschließen und für ihn Ehre erwirtschaften, erhalten wir besondere Items. Ab und zu finden wir auf Missionen zudem Utensilien zur Teezeremonie, mit denen wir unsere Hütte einrichten und Boni auf Gold und Dropraten absahnen. Unser Ruf eilt uns stets voraus, durch das Erringen verschiedener Titel im Spiel können wir weitere Werte minimal verbessern. Das ist alles Kleinvieh, aber über die Zeit bringen diese winzigen permanenten Verbesserungen tatsächlich etwas.
Quelle: PC Games
Den neuen Wuchtattacken kann nur durch die entsprechenden Konter entgegnet werden.
Als halber Yokai haben wir natürlich auch spezielle Fähigkeiten. Besiegten Dämonengegnern nehmen wir gelegentlich sogenannte Seelenkerne ab. Die können wir in bis zu drei Slots einsetzen, wodurch wir die Fähigkeiten des entsprechenden Yokai erhalten. Diese Angriffe speisen sich aus einer vollkommen neuen Leiste, die Anima genannt wird. Anima bauen wir durch erfolgreiche Angriffe auf, die Leiste ist also meist gut gefüllt. Besonders bei Bossgegnern sind Anima-Attacken wichtig, denn die Yokai-Fähigkeiten verursachen vor allem Ausdauerschaden an anderen Dämonen. Dadurch bringen wir Gegner schneller ins Straucheln.
Dämon mit dem grünen Punkt
Quelle: PC Games
Manche Gegner kennt man schon aus dem Vorgänger. In Nioh 2 wird viel wiederverwertet.
Die Zahl der verschiedenen Yokai, gegen die wir kämpfen, hat sich im Vergleich zum Vorgänger verdoppelt. Das liegt aber vor allem daran, dass bereits bekannte Dämonen wiederverwendet werden. Nioh 2 leidet noch immer an extremem Recycling. Seien es nun die immer gleichen Gegner, gleiche Areale, oder sogar Bossgegner, auf die wir im Verlauf der Geschichte immer wieder treffen. Dabei hätte das Spiel so viel Füllmaterial gar nicht nötig. Mit gut 80 Stunden für den ersten Durchlauf könnt ihr gut und gerne rechnen. Hinzu kommen die täglich wechselnden Zwielicht-Missionen, in denen wir nochmals alte Missionsgebiete besuchen, diesmal aber mit stärkeren Gegnern.
Quelle: PC Games
Die Grafik von Nioh 2 reißt keine Bäume aus, ist aber über weite Strecken schön gestaltet.
Um das Spiel in 80 Stunden (oder überhaupt) abzuschließen, benötigt ihr allerdings eine extrem hohe Frustrationstoleranz. Nioh 2 ist nicht nur extrem schwierig, es ist über weite Strecken regelrecht unfair. Gegner sind sehr oft an besonders gemeinen Stellen platziert, wodurch wir dazu gezwungen sind, sie entweder aus der Ferne auszuschalten oder vor ihnen wegzulaufen. Bossgegner beharken uns im Stunlock, oder sie töten uns direkt mit einem Schlag. Wer sich nicht darauf einlassen möchte, Bosse über teils Stunden hinweg immer und immer wieder zu versuchen, der sollte sich auf eine lange Grindphase einstellen. Etwas Abhilfe schaffen die neuen Segensgräber. Spieler können sie platzieren, um anderen Spielern mit einem KI-gesteuerten Abbild ihrer selbst zu helfen. Leider ist die künstliche Intelligenz alles andere als klug. Oft bleiben die Begleiter mitten im Feuer stehen, greifen nicht an, wenn der Boss gerade verwundbar ist, oder sie laufen sogar gegen Wände. Komplett nutzlos sind sie aber nicht, denn sie ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit des Gegners auf sich, wodurch man selbst ein paar Treffer platzieren kann.
Gemeinsam stirbt es sich schöner
Quelle: PC Games
Die neue Glefe verändert sich je nach Kampfhaltung.
Da spielen wir doch lieber im richtigen Koop, denn dieser Modus ist in Nioh 2 von Anfang an verfügbar. Wir können mit Items, die wir auch für die Aktivierung von Segensgräbern benötigen, Mitstreiter an einem Schrein beschwören. Dann kämpfen sie gemeinsam mit uns. Allerdings müssen unsere Helfer hierfür die Mission bereits abgeschlossen haben. Das kennen wir so schon aus dem Vorgänger. Neu ist, dass wir über die Torii-Pforte auf Expeditionen gehen können. Hier schließen sich Spieler zusammen, welche die jeweilige Mission noch nicht abgeschlossen haben. Stirbt ein Teilnehmer während einer Expedition, kann er von einem Begleiter wiederbelebt werden, oder sich an Ort und Stelle durch Knopfdruck auferstehen lassen. Das zehrt allerdings an einem Balken, der durch jede Auferstehung abnimmt. Ist der Balken leer, gilt die Mission als gescheitert und wir müssen von vorne beginnen.
Quelle: PC Games
Oda Nobunaga einte als erster Kriegsherr Japan. Wir begleiten ihn auf seiner Reise.
Die Grafik von Nioh 2 reißt keine Bäume aus. Sie wurde im Vergleich zum Vorgänger hier und da aufgehübscht, bleibt aber im Großen und Ganzen gleich. Die Gestaltung der Welt überzeugt aber trotzdem. Die schönen Lichtstimmungen und detailreichen Monster sind ein Blickfang. Technisch punktet Nioh 2 auf jeden Fall, wir können drei verschiedene Spielmodi einstellen. Der Filmmodus stabilisiert die Auflösung, dafür schwankt die Framerate. Im Actionmodus spielen wir mit stabilen 60 FPS, dafür wird die Auflösung unter Umständen heruntergefahren. Der Videomodus stabilisiert die Framerate bei 30 Bildern pro Sekunde und kommt mit einer stabilen Auflösung daher. Die Steuerung ist komplett anpassbar. Sechs Controllerlayouts gibt es zur Auswahl, aber jeder Knopf kann auch komplett individuell belegt werden. Vorbildlich!
Quelle: PC Games
Die Lichtstimmung taucht die Gebiete in eine tolle Atmosphäre.
Nioh 2 hätte ein hervorragender zweiter Teil seines bereits sehr guten Vorgängers werden können. Der Fokus darauf, Bosse möglichst schwierig zu gestalten und dabei auch vor unfairen Mitteln nicht zurückzuschrecken, nimmt aber sehr viel Freude am Spiel. Waren wir in den Missionen unterwegs, hatten wir ordentlich Spaß. Bei bestimmten Bossen drehte sich dieses Empfinden aber um 180 Grad und wir waren in erster Linie frustriert. Besseres Balancing wäre nötig gewesen, denn der Schwierigkeitsgrad der beiden Aspekte passt häufig nicht zusammen: Gegner in der offen Welt schmolzen an manchen Stellen regelrecht unter unserer Klinge, während der Boss des gleichen Levels wie ein Schwamm unsere Attacken absorbierte.
Die extreme Wiederverwertung von Gegnern, Arealen und Bossen trübt den Eindruck ebenfalls, allerdings ist Nioh 2 nun mal ein Grinder: Es ist gewollt, dass Abschnitte immer wieder gespielt werden, um Ausrüstung und Fähigkeiten minimal zu verbessern. Wer mit dieser Mechanik kein Problem hat, Interesse für die Folklore des mittelalterlichen Japans hegt und mal wieder Lust auf ein wirklich umfangreiches und mit vielen Features versehenes Action-Rollenspiel hat, für den ist Nioh 2 die richtige Wahl.
