Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können!

Kolumne Lukas Schmid
Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können!
Quelle: Nintendo

Anstatt einer Nintendo Switch Pro also die Nintendo Switch OLED: Redakteur Lukas Schmid findet, dass das Gerät nicht wirklich eine Existenzberechtigung hat.

Nein, aus der Nintendo Switch Pro auf der E3 2021, daraus wurde nichts. Dafür aber ein paar Wochen später - so halb. Da wurde sie enthüllt, die Nintendo Switch OLED, und fast alle der Gerüchte im Vorfeld bestätigten sich: besserer, größerer Screen, passend zum Namen mit OLED-Technologie, ein stabilerer Standfuß, ein neues Dock. Ohne jede Frage, schaut schon ganz schön wertig aus, das Ding.

Allerdings, es trafen eben nur fast alle Vorhersagen zu. Und das, was fehlt, ist leider der relevanteste Punkt: mehr Leistung. Jupp, die Nintendo Switch (jetzt kaufen ) OLED hat nicht nur einen etwas dämlichen Namen, sondern auch noch exakt dieselbe Leistung unter der Haube wie zuvor.
Gut, natürlich waren alle "Leaks" unbestätigt, aber mehr Hardware-Power, davon konnte ja eigentlich ausgegangen werden, wenn ein neues Gerät kommt. Die Switch ächzt und stöhnt inzwischen bei jedem auch nur halbwegs anspruchsvollen Titel, außerdem: Mit der Nintendo Switch Lite wurde die mobil spielende Fraktion versorgt, jetzt MUSSTEN doch die Fernseh-Vorzieher dran sein, oder? Die Berichte rund um hochgerechnetes 4K mittels Deep Learning konnten doch nicht einfach aus der Luft gegriffen sein?


Über den Autor

Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (6) Quelle: Lukas Schmid Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (6) Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.


Dock, Dock, Dock, Goose

Nun ja: doch. Und somit ergibt sich für Daheimspieler genau ein Vorteil durch die neue Switch, und der steckt nicht in der Konsole selbst, sondern im Dock, nämlich der LAN-Anschluss für stabileres Internet. Da es so aussieht, dass das Dock auch mit der Ur-Switch kompatibel ist, ist das aber auch nicht wirklich ein Punkt für die OLED.

Alles, was die neue Version mit sich bringt, ist also für Mobil-Spieler gedacht. Und da frag ich mich schon, wozu das Ding dann überhaupt gut sein soll.

Warum das Ganze?

Das weiße Modell der Nintendo Switch OLED Quelle: Nintendo Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (5) Klar, manche Nintendo-Liebhaber greifen einfach aus Prinzip zu, wenn es eine Hardware-Revision gibt. Und ohne jede Frage dürfte das die Go-to-Switch für Neukäufer sein, die man mit dem günstigen Preis der Lite nicht ködern kann, oder für jene, deren altes Gerät langsam aus dem Leim geht.

Aber sonst? Anstatt die realen Probleme der in die Jahre gekommenen Switch anzugehen, packt Nintendo ein Schleifchen drauf und hält sich die Ohren zu.

Nicht falsch verstehen, eine Nintendo Switch Pro wäre nicht per se ein Heilsbringer. Tatsächlich habe ich selbst vor einigen Monaten argumentiert, dass sie nicht wirklich sinnvoll wäre, da sie zu wenig Leistung mit sich bringen würde, wenn sie nur ein Zwischen-Upgrade vor der echten Switch 2 wäre.

Vom Handy lernen

Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (3) Quelle: Nintendo Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (3) Ein Gedanke, der mir in den letzten Monaten gekommen ist, ist aber ein anderer. Nintendo hat das Konsolengenerationen-Prinzip inzwischen ja ohnehin aufgegeben, siehe Wii, die nur mäßig stärker war als der Gamecube, dito bei Wii U und jetzt eben Switch, außerdem mit Blick auf die Tatsache, dass der Zyklus der Konsole ein völlig anderer ist als bei Playstation und Xbox.

Zudem wird die Switch durch den Hybridfaktor ja auch ganz anders genutzt als klassische Konsolen. Warum also nicht einfach am Mobile-Markt orientieren? Soll heißen, in semi-regelmäßigen Abständen gibt es teilweise mehr, teilweise weniger markante Hardware-Upgrades, ohne dass das dann unbedingt Nintendo Switch Pro oder 2 oder Nintendo Humpeldumpel heißen muss. Beim iPhone spricht man inzwischen ja auch stets eher vom "neuen iPhone" denn von der jeweiligen Geräteiteration.

Give us your money

Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (4) Quelle: Nintendo Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (4) Nein, ich mache mich hier nicht für Abzocke stark. Jährlich eine neue Switch brauche ich sicher nicht. Aber mit akzeptableren Abständen, alle drei, vier Jahre, fände ich ein solches Modell völlig okay. Und die letzten zwei, drei Switches würden dann halt stets mit Leistungseinbußen weiterhin alle neuen Spiele wiedergeben können, bevor es nach jedem dritten Gerät oder so dann einen Cut gäbe.

Aber stattdessen eben: Die Switch OLED. Klar kann es sein, dass irgendwann noch eine Pro kommt. Dann frage ich mich aber ernsthaft, ob Nintendo schon einen Plan hat, wie es nach der Switch weitergehen soll. Käme nun nächstes Jahr eine Version mit mehr Power, würden sich alle OLED-Käufer aus gutem Grund verarscht vorkommen. Käme sie erst in drei Jahren oder so, kann man es gleich sein lassen, weil dann ist die Switch derart antik, dass einfach ein richtiger Nachfolger kommen MUSS.

Wie geschnitten Brot

Die Nintendo Switch OLED. Quelle: Nintendo Nintendo Switch OLED: Das hättet ihr euch sparen können! (2) Wahrscheinlich ist die Antwort ganz einfach: Nintendo weiß, dass die Switch gekauft wird, auch wenn sie nichts ändern. Im Grunde geht es wohl einfach nur darum, dem in die Jahre gekommenen und inzwischen nicht mehr als allzu "sexy" angesehenen Gerät ein etwas moderneres Image zu verleihen; jetzt in Weiß (im offiziellen Promo-Material, weitere OLED-Farben wird es ja auch geben), jetzt total schick, und jetzt um 50 Euro teurer, obschon trotz besserem Screen und der anderen Verbesserungen die Herstellung der Konsole inzwischen deutlich günstiger sein dürfte als noch vor vier Jahren.

Doof ist das nicht, aber eben auch ziemlich faul und zudem nicht wirklich kundenfreundlich.

Was bringt die Zukunft?

Ich sage nicht, dass meine Vorstellung von etwas regelmäßigeren Hardware-Verbesserungen das Gelbe vom Ei ist, bestimmt habe ich da auch Dinge nicht bedacht, die das weniger praktikabel machen, als es in meinem Kopf klingt. Und weiterhin denke ich, dass eine klassische Switch Pro auch nicht der Tausendsassa wäre, den sich alle wünschen, da müsste schon massiv mehr Power reingesteckt werden, als sie die Switch derzeit bietet.

Gar nichts, oder wie im Falle der OLED das Minimum zu machen, ist aber halt auch nicht ideal, wenn man weiß, dass weltweit Millionen Fans auf eine stärkere Switch hungern. Der Erfolg wird Nintendo wahrscheinlich recht geben, nach dem Launch der Switch OLED dürften die 100 Millionen verkauften Einheiten schnell Realität sein.

Irgendwann wird aber auch die Geduld der treuesten Fans erschöpft sein, und wenn Nintendo dann mit leeren Taschen dasteht und nur sagen kann, dass man sich noch drei Jahre oder länger gedulden soll, dann wird sich zeigen, ob nicht auch die Erfolgssträhne der Switch ein jähes Ende finden kann.


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