Erotik, Taxis und schlechte Bezahlung: Nintendo vor den Videospielen
Special
Nintendo ist einer der großen Gaming-Giganten. 2019 feierte das Unternehmen seinen 130. Geburtstag. Doch was machte es eigentlich in einer Zeit, in der Videospiele noch gar nicht erfunden waren? Das lest ihr in diesem Special.
Nintendo bildet heutzutage zusammen mit Sony und Microsoft die große Trinität des Konsolen-Gamings. Das war aber nicht immer so.
Bevor Nintendo den Weg in die Videospielbranche fand, war das Unternehmen in verschiedenen anderen Bereichen tätig, die nicht alle einen Zusammenhang mit der heutigen Identität haben.
Nintendo wurde am 23. September 1889 von Fusajirō Yamauchi in Kyoto gegründet. Schon damals zielte das Unternehmen auf die Belustigung der Kunden ab.
Denn das Kerngeschäft war die Herstellung von traditionell japanischen Spielkarten, Hanafuda genannt, welche in Japan davor gar nicht so beliebt waren. Durch Yamauchi wurden sie aber sehr erfolgreich und Nintendo schnell zum Marktführer in diesem Bereich.
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Ein spielerischer Ursprung
Quelle: Nintendo
So oder so ähnlich können Hanfuda-Karten aussehen. Die Motive sind meist sehr künstlerisch.
Hanafuda-Karten sind etwas dickere Spielkarten mit unterschiedlichen Motiven, die ein lange Tradition in Japan haben und für verschiedene Spiele benutzt werden.
Da sie so erfolgreich waren, wollte der der Schwiegersohn Fusajirō Yamauchis, Sekiryō, der die Firma 1929 übernahm, die Karten auch ins Ausland vertreiben. Das funktionierte aber nur mäßig gut. Wegen abnehmendem Interesse und dem schlechten Image der Karten, ausgelöst durch oft kriminelle Kartenspielereien der japanischen Mafia, gingen die Umsätze immer weiter zurück.
Um dem entgegenzuwirken, handelte der Urenkel des Firmengründers, Hiroshi Yamauchi, der die Firma 1949 übernahm, einen Vertrag mit Disney aus. Dadurch war sein Unternehmen befugt, Hanafudas mit Disney-Motiven herzustellen. Die erhoffte Rettung war das aber nicht und Nintendo war gezwungen, sich nach neuen wirtschaftlichen Standbeinen umzusehen.
Mehr schlecht als recht
Unter der Führung Hiroshi Yamauchis veränderte sich die Firma. Er feuerte alle seine Verwandten, die in der Firma arbeiteten, aus Sorge, sie könnten ihn bei seinen Geschäftsplänen in die Quere kommen.
Diese Ideen waren teilweise sehr ungewöhnlich. In den 1960er-Jahren versuchte er beispielsweise, den geringen Umsatz durch die Hanafudas auszugleichen, in dem er entschloss, ins Lebensmittelgeschäft einzusteigen. Und zwar mit der Produktion von Instant-Nudel-Gerichten, was sich letztendlich aber als Reinfall herausstellte.
Die einzige Sache außerhalb der Spielkarten, mit der Nintendo es schaffte, Gewinne zu erzielen, war die Gründung eines Taxiunternehmens namens Daiya. Mit diesem schafften sie es, ca. zwei Monate erfolgreich Gewinn zu machen, dann war Schluss.
Der einzige Grund, warum die Taxi-Sparte überhaupt positive Zahlen schreiben konnte, war, dass die Mitarbeiter viel zu wenig Gehalt bekamen. Sie lebten unterhalb des Existenzminimums, um die geringen Einnahmen auszugleichen. Das machten die Angestellten aber verständlicherweise nicht lange mit und das Geschäftsfeld brach zusammen.
Es wurde aber noch verrückter, denn Nintendo stieg unter Hiroshis Führung sogar in die Erotikbranche ein. So brachte er zum Beispiel Kartenkollektionen mit nackten Frauen auf den Markt und gründete eine Liebeshotelkette. Diese brachten aber kein Geld ein und es wurde gemunkelt, Hiroshi hätte sie nur gegründet, um sie selbst kostenlos nutzen zu können. Mehr als Gerüchte sind das aber freilich nicht.
Der Umbruch
1969 stieg Nintendo schließlich in die Spielzeugbranche ein, wodurch der Grundstein für den späteren Erfolg gelegt wurde.
Quelle: Nintendo
Die Ultra-Hand war Nintendos erfolgreichstes Spielzeug
Maßgeblich daran beteiligt war der junge Ingenieur Gunpei Yokoi, eine der bedeutendsten Personen in der Geschichte des Unternehmens, dem etwa auch der Game Boy zu verdanken ist.
Er erschuf die "Ultra-Hand", eine Hand mit Griff, die durch Betätigung nach vorne schnellt und Dinge greifen kann. Diese unscheinbare Erfindung war die Rettung für Nintendo und wurde in Japan über eine Million Mal verkauft.
Quelle: Nintendo
Mit dem Game&Watch gelang Nintendo der internationale Durchbruch.
Yokoi entwickelte auch einen elektronischen Liebestester, der Nintendo erste internationale Erfolge sowie Erfahrung mit Technik bescherte, was für die spätere Entwicklung wichtig war.
Kurze Zeit später erschienen auch Nintendos erste "Konsolen" in Japan, die das Unternehmen in diesem Marktsegment bekannt machten: die Game&Watch-Geräte, jeweils ausgestattet mit einem einzigen, simplen Spiel.
Mit der Veröffentlichung des Nintendo Entertainment Systems (NES) im Jahr 1983 (Japan) bzw. 1985 (Europa und Amerika) schaffte Nintendo schließlich den internationalen Durchbruch, produzierte darauf folgend eine erfolgreiche Konsole nach der anderen und schuf fantastische Franchises. Der Rest ist Geschichte ...
Die Geschichte eines Unternehmens
Nintendo musste zweifellos einen langen Weg zurücklegen, um dort hinzukommen, wo es jetzt steht. Mit seinen Marken sorgt das Unternehmen seit vielen Jahren für Unterhaltung über alle Altersgrenzen hinweg, ohne dabei die eigene Herkunft und seinen Ursprung zu vergessen.
Quelle: Nintendo
Diese Hanafuda-Karten mit Mario-Motiven sind im My-Nintendo-Store erhältlich
So wurden im August 2021 Hanafuda-Karten mit traditionellen sowie Mario-Motiven im My-Nintendo-Store angeboten, welche die Fans mit den Produkten vertraut machten, ohne die ihre Lieblingsfirma sehr wahrscheinlich nie entstanden wäre.
